Alle wollen weg von Einweg-Müll – Nespresso macht mit der neuen Kaffee-Maschine genau das Gegenteil

Foto: Utopia/"Too much" von Karsten Seiferlin unter CC BY-SA 2.0)

Noch mehr Kapselmüll aus Aluminium: Statt den Kapsel-Espresso endlich abzuschaffen, hat Nespresso jetzt eine neue Kaffeemaschine rausgebracht: Vertuo macht ganz normalen Kaffee, der nicht nur teurer ist, sondern auch mehr Müll produziert als jede andere Zubereitungsart.

Das Geschäft mit den Alu-Kapseln lief bei Nespresso in letzter Zeit nicht sonderlich gut: Verbraucher kaufen statt dem teuren Original lieber günstigere Kapseln anderer Hersteller, die in die Maschine passen.

Nespresso: Neues Alu-Kapselsystem für normalen Kaffee

Statt das Modell zu überdenken, reagiert Nespresso auf die rückläufige Nachfrage mit einer interessanten Maßnahme: Seit kurzem gibt es eine neue Maschine mit einem neuen Kapselsystem, das auch Americano kann – ganz normalen Kaffee also.

Was bleibt, sind die Einweg-Wegwerf-Kapseln aus Alu, die unter einem enormen Energieaufwand produziert werden – und voraussichtlich einen ähnlich großen Müllberg verursachen, wie die Vorgänger-Maschine. Die verbraucht in Deutschland laut der Deutschen Umwelthilfe (DUH) etwa 3,1 Milliarden Kaffeekapseln pro Jahr – also 8.000 Tonnen Alu-Müll.

Kaffeekapseln von Nespresso: viel Müll
Kapselmüll wegen Nespresso. (Foto: © Dmitry Naumov - Fotolia.com)

Nespresso Vertuo: wenig Kaffee, viel Verpackung, teurer Spaß

Die Kapseln gibt es in fünf Größen. Aus der kleinsten Kapsel bekommt man 40 Milliliter Kaffee, aus der größten 414 Milliliter – fast einen halben Liter also.

Dabei ist das Verhältnis von Kaffeepulver und der Alu-Verpackung besonders schlecht: Laut einer Rechnung der DUH fallen für ein einziges Kilo Kaffee rund 270 Gramm Aluminium an – das ist so viel Alu wie bei 17 Dosen Cola mit 0,5 Litern (eine Dose wiegt etwa 16 Gramm).

Hinzu kommt: Die neuen Kapseln passen nicht in das alte Nespresso-System – was dazu führen könnte, dass jetzt tausende alte Nespresso-Maschinen ausgetauscht werden und die Umwelt zusätzlich mit Unmengen Elektroschrott belastet wird.

Deutsche Umwelthilfe kritisiert Nestlé

Die DUH kritisiert den Lebensmittelkonzern Nestlé, dem Nespresso gehört, scharf für die neue Kaffeemaschine. Der Kapselwahnsinn nehme immer abstrusere Formen an, sagt Barbara Metz von der DUH in einer Pressemitteilung. „Während die EU und ihre 28 Mitgliedstaaten den Einwegabfall-Irrsinn und die Vermüllung der Umwelt beenden wollen, verschärft Nestlé das Problem.“

Aluminium wird unter hohem Energieaufwand produziert und verschmutzt die Umwelt dabei massiv. Es ist richtig, dass Aluminium teilweise recycelt werden kann. Nespressos Aussage dazu: „In Deutschland gibt es eine flächendeckende Mülltrennung und eine Recyclingkapazität von 100%.“

Aluminium wird nicht so gut recycelt, wie Nespresso behauptet

Tatsächlich landet ein Großteil der Kapseln allerdings im Hausmüll – und wird von dort aus eben nicht recycelt, sondern verbrannt. Auch im Gelben Sack werden die Kapseln nicht immer korrekt sortiert und landen dann ebenfalls in der Verbrennung.

Verpackung Müll Plastik Umweltbundesamt
Selbst wenn sie im gelben Sacken landen, werden die Kapseln nicht immer recycelt. (Foto: Tiia Monto [CC BY-SA 3.0 ], vom Wikimedia Commons)

Und selbst wenn die Kapseln alle recycelt werden würden: Das Material kann nicht komplett verwertet werden. Laut DUH gehen schnell mal bis zu 20 Prozent des Materials verloren. Und: Nicht nur die Neuproduktion, sondern auch das Recycling verbraucht wieder jede Menge Energie.

Für neue Kapseln wird das Material übrigens auch nicht verwendet: „Besonders problematisch an Kaffeekapseln aus Aluminium ist zudem, dass sie derzeit aus neuem Aluminium hergestellt und aus alten Kapseln keine neuen werden“, kritisiert Thomas Fischer von der DUH.

Kaffee trinken: Ohne Einweg-Müll und deutlich günstiger

Wer gerne viel schwarzen Kaffee trinkt, ist mit anderen Zubereitungsarten deutlich besser bedient. Filter, French Press und sogar moderne energiesparende Vollautomaten sind nicht nur umweltfreundlicher, Kaffee trinken mit diesen Maschinen ist auch deutlich günstiger: Nespresso-Kaffee kostet ganze 60 Euro pro Kilo – Bio-Kaffees gibt es bereits für 10 Euro pro Kilo.

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(2) Kommentare

  1. Da das Unternehmen Nestlé mit seiner gesamten Firmenpolitik für jede(n) ein rotes Tuch ist, der auch nur ansatzweise nachhaltig wirtschaftet, ein kleines bisschen Wert auf Menschenrechte, Tier- oder Umweltschutz legt, sollte die Anschaffung einer solchen Maschine und der dafür notwendigen Kapseln für jeden klar denkenden Menschen ein Tabu sein.
    Bei allen anderen ist leider Hopfen und Malz verloren.

  2. Ich boykottiere diese Firma wo es nur geht!Allerdings sind die dortigen „Manager“ ziemlich „einfallsreich bei „Ersatz“ Namen ,um ihre „edlen“ Produkte „verschleiernd“ anzubringen!

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