Wie schädlich ist Aluminium für Umwelt und Gesundheit?

Wie schädlich ist Aluminium für Umwelt und Gesundheit?
foto: © Michael Tieck - fotolia.com

Joghurtdeckel, Alufolie, Getränkedosen, Einweggrills, Kosmetik- und Lebensmitteltuben – Aluminium ist überall. Doch wie umweltverträglich ist der Rohstoff eigentlich? Und welchen Einfluss hat der ständige Kontakt mit Aluminium auf unsere Gesundheit?

Aluminium ist extrem leicht, biegsam, hitzebeständig und leitfähig – und stellt daher eines der beliebtesten Metalle dar. Seit es vor circa 130 Jahren erstmals gefördert wurde, steigt sein Verbrauch daher ständig an. Deutschland steht beim Verbrauch von Aluminium weltweit an erster Stelle – gefolgt von den USA und Japan.

In letzter Zeit ist das Metall jedoch immer mehr in Verruf gekommen: Es wird von verschiedener Seite vermutet, dass Aluminium sich schädlich auf unsere Gesundheit auswirken, womöglich sogar Krebs und Alzheimer begünstigen kann – Stichwort: aluminiumhaltige Deos. (Hier finden Sie empfehlenswerte Deos ohne Aluminium.)

Wir zeigen, welche Auswirkungen der Einsatz und die Gewinnung von Aluminium auf Umwelt und Gesundheit haben – und wieso Aluminium nicht nur im Deo gemieden werden sollte.

Gewinnung von Aluminium ist ein dreckiges Geschäft

Aluminium befindet sich von Natur aus nicht frei in unseren Erdschichten, sondern ist immer ein Teil einer Verbindung mit anderen Stoffen. Für den Aluminiumabbau relevant ist dabei das Erz Bauxit. Es besteht zu rund 60 Prozent aus Aluminium und wird im Tagebau aus dem Boden gefördert. Danach wird es zusammen mit Natronlauge erhitzt, wobei Aluminiumoxid frei wird und sogenannter Rotschlamm als Abfallprodukt entsteht. Das Aluminiumoxid wird eingeschmolzen und in einem sogenannten Elekrolyseverfahren schließlich zu Aluminium umgewandelt.

Dabei zerstört jeder einzelne Schritt des Herstellungsprozesses auf eine andere Art und Weise unsere Umwelt:

  • Aluminium wird zur Zeit vor allem in Australien, China, Brasilien, aber auch in Guinea, Indien und Jamaika gefördert. In vielen dieser Ländern muss Ur- und Regenwald abgeholzt werden, um an das Bauxit zu kommen.

  • Das Abfallprodukt Rotschlamm besteht aus vielen giftigen Chemikalien, enthält zum Beispiel Blei und weitere Schwermetalle und kann nicht weiterverarbeitet werden. Bei der Herstellung von einer Tonne Aluminium entstehen bis zu vier Tonnen Rotschlamm. Diese werden je nach Regelung des jeweiligen Landes entweder deponiert oder in große Seen und Flüsse geleitet. Letztere Variante zerstört dabei ganze Ökosysteme, ist meist tödlich für Pflanzen und Tiere und schädigt auch die Gesundheit der Anwohner. Doch auch Deponien sind nicht ohne Risiko: Beispielsweise brach im Oktober 2010 in Ungarn der Damm einer Rotschlammdeponie, wodurch mehrere Dörfer mit dem giftigen Gemisch überflutet wurden und mehrere Menschen starben.

  • Das Elekrolyseverfahren zur Umwandlung von Aluminiumhydroxid in Aluminium ist extrem energieaufwendig. Die Herstellung von Aluminium benötigt in etwa 25 Mal so viel Energie wie die Verarbeitung von Glas und in etwa 10 Mal so viel wie die Produktion von Weißblech. Um ausreichend Energie zu erhalten werden an den Produktionsorten oft große Wasser- oder Kohlekraftwerke errichtet, für die wiederum Regenwald abgeholzt wird.

Fazit: Aluminium ist ein zu wertvoller Rohstoff, um als Wegwerfprodukt (wie beispielsweise als Alufolie) verschwendet zu werden! Die Nutzungsdauer steht oft in keinem Verhältnis zum Ressourcenverbrauch, der für die Herstellung notwendig ist.

Nur zwei Drittel aller Aluminiumreste werden recycelt

Im Vergleich zur Aluminium-Neugewinnung ist das Recyceln des Leichtmetalls deutlich weniger umweltschädlich. Aluminium lässt sich vollständig recyceln; dafür sind nur fünf Prozent des Energieaufwands aus der Neuproduktion notwendig.

Damit das gebrauchte Aluminium recycelt werden kann, muss es aber zuerst im gelben Sack oder der gelben Tonne landen! Lediglich 66 Prozent der Aluminiumreste werden in Europa recycelt, große Mengen des Metalls landen im Haus- bzw. Restmüll und können daher nicht wiederverwertet werden.

Recycling ist besonders bei Lebensmittelverpackungen schwierig

Aluminium wird nicht nur als Alufolie, Cola-Dosen und sonstiges Verpackungsmaterial verwendet, sondern findet Einsatz in den verschiedensten Branchen: Im Verkehr (z.B. Auto- oder Flugzeugbau), im Bausektor (z.B. Fensterrahmen), in langlebigen Konsumgütern (z.B. Küchengeräten), in der Stromproduktion (z.B. Hochspannungsleitungen) und im Maschinenbau.

Ein Problem für das Recycling besteht aber vor allem dann, wenn das Aluminium im Lebensmittel- und Verpackungsbereich eingesetzt wird. Für Verbundverpackungen (also zum Beispiel Kaffeeverpackungen, Getränkekartons usw.), bei denen Aluminium ein Mitbestandteil der Verpackung ist, wurde bislang noch keine befriedigende Recyclingmethode gefunden – das Aluminium kann nicht effizient von den anderen Stoffen getrennt werden. Die Verpackungen werden daher in der Regel verbrannt, das Aluminium somit nicht wiederverwertet.

Ein Problem sind außerdem bedruckte Aluminiumprodukte, wie zum Beispiel Aludosen oder Joghurtdeckel. Wird das Aluminium hier zur Wiederverwertung eingeschmolzen, können durch die Aufdrucke langlebige organische Giftstoffe freigesetzt werden.

Alternativen zu Aluminiumprodukten

So sehr Produkte aus Aluminium auch Teil unseres Alltags sind – für fast alle gibt es gute Alternativen. In unserer Bilderstrecke „Alternativen zu Aluminiumprodukten“ nennen wir einige Beispiele.

Aluminium ist ein Nervengift

Neben der Umweltbelastung spielt der Einsatz von Aluminium auch für unsere Gesundheit eine Rolle. Aluminium kann das Nervensystem schädigen und den Knochenstoffwechsel beeinträchtigen. Zudem wird vermutet, dass es die Fruchtbarkeit senken und sich negativ auf Ungeborene auswirken kann. Ein möglicher Zusammenhang wurde auch zwischen Aluminium und Krebs, sowie Aluminium und Alzheimer festgestellt. Bei Brustkrebspatientinnen konnte ein erhöhter Aluminiumgehalt in der betroffenen Brust nachgewiesen werden. Bei Alzheimerpatienten wurden im Gehirn erhöhte Aluminiumwerte gemessen. Allerdings besteht zu diesen vermuteten Zusammenhängen noch erheblicher Forschungsbedarf.

Gefährlich kann es vor allem dann werden, wenn der Körper über lange Zeit regelmäßig mit Aluminium belastet wird, so dass sich das Leichtmetall im Körper anreichert. Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA (European Food Safety Authority) hat deshalb einen Grenzwert dafür aufgestellt, wie viel Aluminium der Körper vermutlich ohne schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit aufnehmen kann – nämlich wöchentlich rund 1 Milligramm pro Kilo Körpergewicht.

Aluminium gelangt über Lebensmittel und Kosmetika in unseren Körper

Der Großteil an Aluminium wird über Nahrungsmittel in unseren Körper aufgenommen. Viele Lebensmittel enthalten von Natur aus Aluminium, der Körper kann jedoch rund 99 Prozent davon wieder ausscheiden. Problematisch wird es erst dann, wenn bestimmte Lebensmittel – nämlich saure, basische und salzige – zusätzlich mit Aluminium in Kontakt kommen, zum Beispiel durch Einwickeln in Alufolie. Sie greifen das Metall an, wodurch sich Aluminiumionen daraus lösen und in das Essen übergehen können. Dadurch können die von der EFSA empfohlenen Grenzwerte deutlich überschritten werden.

Keinen Kontakt zu Aluminium sollten Lebensmittel haben, die:

  • Frucht- oder Essigsäure enthalten: z.B. Tomaten(sauce), Ananas, Äpfel, Fruchtkompott, Rhabarber, Gewürzgurken, essighaltige Marinaden, …

  • basisch sind: z.B. Laugengebäck (Brezeln, Stangen, etc.), wenn sie auf Aluminiumblechen hergestellt werden

  • viel Salz enthalten: z.B. Schinken, Lachs, Marinaden, …

Alu in Verpackungen, wie zum Beispiel in Senftuben oder Getränkekartons, ist in der Regel gesundheitlich unbedenklich – das Aluminium wird extra beschichtet, so dass kein direkter Kontakt zu den Lebensmitteln entsteht.

Anders als über die Nahrung, kann Aluminium über die Haut mühelos in den Körper gelangen und ist binnen weniger Minuten im Blut nachweisbar. Bei Kosmetika sind daher bereits weitaus geringere Mengen an Aluminium gesundheitsschädlich. Das betrifft vor allem Antitranspirantien (Deos), Sonnencreme und Lippenstift. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) werden Aluminiumsalze aus Deodorants über die Haut aufgenommen und können bei regelmäßiger Benutzung zu gesundheitlichen Schäden führen. Deodorants werden auch mit dem hohen Aluminiumgehalt in der Brust von Brustkrebspatientinnen in Verbindung gebracht. (Hier finden Sie empfehlenswerte Deos ohne Aluminium.)

Fazit: Wo möglich, sollte man Aluminium also sowohl bei Verpackungen als auch als Inhaltsstoff besser vermeiden. Ist dies (bei Verpackungen) nicht möglich, dann sollte man diese zumindest möglichst effizient nutzen und richtig entsorgen, damit das Aluminium wiederverwertet werden kann. Speziell Alufolie verwendet man am besten nicht nur einmal, sondern mehrmals (was häufig gut möglich ist!).

Für die meisten alltäglichen Verwendungen von Aluminiumprodukten gibt es Alternativen. Hier nennen wir einige Beispiele.

Ob mit oder ohne Aluminium gilt: Am umweltfreundlichsten und gesündesten ist es immer, unverpackte Produkte zu kaufen. Leider bekommt man die nicht überall, darum unser Tipp: Prüfen Sie immer, ob Sie nicht auf ein Produkt ausweichen können, das eine umweltfreundlichere oder möglichst wenig Verpackung besitzt!

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(9) Kommentare

  1. Mir ist das hier noch viel zu harmlos dargestellt. Aluminium findet sich in keinem Tier, keiner Pflanze, auch nicht in Verbindung, weil es einfach zu giftig ist. Es gibt eine interessante Dokumentation: „Die Akte Aluminium“, die ganz gut die Zusammenhänge erklärt… Im Alltag vermeide ich seit einigen Jahren dieses Metall, so gut es eben geht – keine Alufolie, möglichst keine Aluminiumverbundverpackungen usw. Deo sowieso ohne… Wenn man darauf achtet, ist es gar nicht so schwer – es gilt wie immer der Grundsatz: regional und saisonal 🙂

  2. Mich würde interessieren wie verbreitet der Einsatz von Alublechen bei Laugengebäck in Deutschland tatsächlich ist. Gibt es dazu irgendwelche Informationen? Und wie sieht es bei Bio-Bäckern aus?

  3. „Aluminium findet sich in keinem Tier, keiner Pflanze, auch nicht in Verbindung, weil es einfach zu giftig ist.“
    Wo hast du denn das bitte her? Dir ist schon klar, dass dieses deiner Meinung nach unglaublich giftige Metall 15% der Erdkruste (als Al2O3) ausmacht und somit auch in dem Boden deiner regionalen Bauern als Tonmineralien vorhanden ist.
    Des Weiteren hat Aluminium in geringer Konzentration eine wachstumsbegünstigende Wirkung bei Pflanzen und ist sogar vermutlich essentiell für Farne.

    Die einzige toxische Wirkung von Aluminiumionen liegt darin bei Konzentrationen (LD50 (AlCl3) 420 mg/kg) jenseits von Gut und Böse die Bindungsstelle des Proteins Calmodulin, was wiederum eine Ausschüttung verschiedenster Enzyme in der Zelle bewirkt, zu besetzten und somit durch das Aluminium eine stärkere Interaktion hervorgerufen wird, im Vergleich zu dem dafür eigentlich vorgesehenen Calciums.

  4. Die Rückgewinnung von Metallen gelingt nicht nur über den Abfallstrom der Leichtverpackungen, sondern auch und das sehr gut, nachdem der Müll energetisch verwertet wurde (Müllverbrennung). IdR sind die Temperaturen unterhalb der Schmelztemperatur, womit Metalle die Anlage gut passieren und im Anschluss separiert werden können. Auch Teile der Gelben-Fraktion werden scheinbar gerne als hoch-kalorisches Brenngut verwendet und somit energetisch statt stofflich verwertet.

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