Nestlé-Boykott: Wie sich eine kleine Gemeinde gegen den Konzern wehrt

Nestlé
Foto: "Untitled" von steve p2008 unter CC-BY-2.0

Die Gemeinde Hofstetten in Baden-Württemberg will Nestlé nicht länger unterstützten – und kündigt deswegen ihren Vertrag mit einer Nestlé-Tochterfirma. Der vergleichsweise kleine Boykott wird Nestlé nicht groß schaden – setzt aber ein deutliches Zeichen.

Mövenpick, Bumbum, Caretta oder Kaktuseis – von diesen Marken wird es künftig kein Eis mehr im Schwimmbad von Hofstetten geben. Der Grund: Die Anbieter gehörten zur Firma Schöller, die wiederum zu Nestlé gehört. Am Dienstag fasste der Gemeinderat von Hofstetten den Beschluss, den Eisauslieferungsvertrag mit Schöller zu kündigen.

Schöller belieferte das Schwimmbad schon seit acht Jahren. Allein in diesem Jahr hat die Gemeinde Eis im Wert von rund 10.500 Euro bezogen. Da man sich in Hofstetten jedoch seiner Verantwortung für Mensch und Umwelt bewusst sei, soll damit nun Schluss sein.

Kritik an Nestlés Wassergeschäften

„Dem Gemeinderat von Hofstetten ist ein verantwortungsvoller und nachhaltiger Umgang mit Ressourcen nicht nur lokal außerordentlich wichtig. Wir sind gegen einen profitmaximierenden Umgang mit Wasser und befürworten daher als Konsequenz keine Eisprodukte der Firma Nestle mehr im Hofstetter Schwimmbad zu verkaufen“, erklärt der Gemeinderat von Hofstetten.

In der Gemeinderatssitzung thematisierten die Mitglieder unter anderem Nestlés Wassergeschäfte im französischen Dorf Vittel, durch die der Grundwasserspiegel vor Ort stark sinkt. Auch Nestlés Vorgehen in Ländern wie Pakistan oder Äthiopien, Abholzung von Regenwald oder Tierversuche für Nestlé-Produkte nannten die Lokalpolitiker als Kritikpunkte.

Hofstetten hat historisch bedingt eine besondere Sensibilität für das Thema Wasser, erklärt uns Bürgermeister Martin Aßmuth. Immer wieder habe es in der Gemeinde Schwierigkeiten bei der Wasserversorgung gegeben. Auch in diesem Jahr hatten umliegende Gebiete mit Trockenheit zu kämpfen. „Wenn man sich informiert, was Nestlé mit Wasser macht, ist es einem wert, das nicht zu unterstützen“, meint Aßmuth.

Regionale Alternativen gesucht

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Auch Kaktuseis gehört zu Schöller und damit zu Nestlé. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay)

Der Gemeinderat geht allerdings nicht davon aus, dass der Boykott für Nestlé spürbar sein wird. Die Gemeinde ist mit etwa 1800 Einwohnern sehr klein – und auch der Jahresbetrag von 10.500 Euro für Schöller-Eis fällt für ein so großes Unternehmen kaum ins Gewicht. Dem Bürgermeister geht es aber vor allem um die Signalwirkung: „Wir wollen als kleine Gemeinde ein Vorbild für andere sein.“ In der Dorfgemeinde kommt die Aktion gut an, berichtet Aßmuth.

Hofstetten ist nun auf der Suche nach Alternativen zum Schöller-Eis. Als neuer Anbieter käme Langnese in Frage. Langnese gehört allerdings zu Unilever – einem weiteren Großkonzern, der unter anderem wegen seinem Umgang mit Palmöl immer mal wieder negative Schlagzeilen macht. Der Gemeinderat möchte daher zunächst nach regionalen Eisanbietern suchen.

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(2) Kommentare

  1. Meine Hochachtung an die Gemeinde Hofstetten! Es ist schön vor der eigenen Haustür zu fegen, auch wenn man klein ist. So etwas hat Vorbildfunktion.
    Vielleicht finden Sie ja einen BioEisHersteller. Das Eis von Rachelli, Rawito, Alnatura… es gibt so viele, schmeckt richtig lecker (auch wenn es etwas teurer ist).
    Jedenfalls werde ich mal gucken wo dieses Hofstetten liegt und diese mutige kleine Gemeinde vielleicht mal besuchen.

  2. Fantastisch! Genau so gehts! 🙂
    Herzlichen Glückwunsch und Hut ab!
    Ich bin begeistert, klasse!
    Hofstetten in Ba Wü – ein kleines „gallisches Dorf“. 🙂
    Liebe Grüße an die Asterixe und Obelixe und Miraculixe von Hofstetten!

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