Mieter:innen die Raumtemperatur vorschreiben? Schwedens Trick zum Energiesparen

Bürger:innen sind zum Energiesparen angehalten. Ein Hebel ist das Heizen.
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Bürger:innen sind zum Energiesparen angehalten. Ein Hebel ist das Heizen. Schweden greift dafür auf ein bestimmtes Anreizsystem zurück – und schreibt Mieter:innen die Raumtemperatur vor.

Die Energiepreise schnellen in die Höhe, die EU will die Abhängigkeit von russischem Öl und Gas reduzieren. Auch Verbraucher:innen sind laut Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) dazu angehalten, Energie zu sparen – das kommt dem Klima und dem eigenen Geldbeutel zugute.

Energiesparen wird sogar als nationales Projekt verstanden. „Wer Energie spart, schützt das Klima, stärkt das Land und schont den Geldbeutel“, erklärte Habeck. Auch energieintensive Industrien will der Grünen-Minister in die Pflicht nehmen. Private Haushalte hingegen machen laut Umweltbundesamt rund 30 Prozent am gesamten Energieverbrauch in Deutschland aus.

Bislang setzt die Bundesregierung auf Appelle an die Bevölkerung. In Schweden wird bereits auf eine andere Option zurückgegriffen, um im Bereich Wohnen den Energieverbrauch zu reduzieren. Wie der Business Insider berichte, wird dort ein Teil der Heizkosten in den Mietverträgen einberechnet. Das heißt: Die Kosten für eine bestimmte Heiztemperatur, zum Beispiel 21 Grad, sind in der zu entrichtenden Miete bereits enthalten. Behalten die Mieter:innen diese festgelegte Temperatur bei, entstehen keine zusätzlichen Gebühren. Überschreiten sie die Temperatur, wird draufgezahlt. Unterschreiten Menschen sie, erhalten wiederum Geld zurück.

Der Anreiz für Vermieter:innen hat aber seine Schwäche

Seit 2000 findet diese Praxis in Schweden laut Bericht Anwendung. Sie soll eine Anreiz für Vermieter:innen setzen, Gebäude ordentlich zu dämmen und moderne, effiziente Heizsysteme zu verbauen. Denn: Verbrauchen die Mieter:innen bei konstanter Temperatur weniger Energie als veranschlagt – weil etwa die Fenster gut abgedichtet oder die Wände ausreichend isoliert sind – dürfen Vermieter:innen das zu viel bezahlte Geld einbehalten.

In Deutschland sieht es anders aus: Hier ist in der sogenannten Warmmiete eine Pauschale für Heiz- und Wasserkosten enthalten ist. Überschreiten Mieter:innen diese Nebenkosten, müssen sie am Ende des Jahres nachzahlen. Den Vermieter:innen kann es also bislang egal sein, ob das Gebäude energieeffizient ist oder nicht. Nach Plänen der EU-Kommission soll sich das ein Stück weit ändern. Mit ihrem Vorstoß im Rahmen der Klimainitiative „Fit für 55“ will sie eine Sanierungspflicht für besonders verschwenderische Gebäude der Energieeffizienzklasse G einführen.

Doch das System in Schweden hat auch seine Schwachstelle: Bislang wird nicht der Energieverbrauch selbst, sondern die mittlere Raumtemperatur bei der Messung herangezogen. Das bedeutet: Starke Sonneneinstrahlung oder auch Lüften können die Temperatur – und damit die Bewertung der Kosten – beeinflussen. Auch wenn das nichts über den eigentlichen Energieverbrauch zum Heizen aussagt. Bislang wird so verfahren, weil es keine anderen Messmethoden gibt. Das soll sich laut Bericht aber ändern.

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