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Shitshow WM: Manuel Neuers grandiose Chance

Foto: Foto: Guido Kirchner/dpa / Unsplash/Nasif Tazwar

Ein menschenunwürdiges Desaster – nichts anderes ist diese WM. Umso wichtiger ein Zeichen zu setzen, vor dem Fernseher oder auf dem Kunstrasen in Katar. Nationaltorhüter Manuel Neuer hat heute die grandiose Chance, der Shitshow ein bisschen Würde zu verleihen. Ein Kommentar.

Selbst wer Fußballturniere für uninteressant oder völlig überbewertet hält, kommt aktuell nicht an der WM in Katar vorbei. Der Weltmeisterschaft, für die der Begriff Shitshow wie gemacht ist. Denn nichts anderes ist diese WM: ein menschenunwürdiges Desaster.

Queere Menschen werden in TV-Interviews von WM-Botschaftern offen als geistig geschädigt bezeichnet; homophobe Parolen von Zuschauerrängen gegrölt – und LGBTQ-Solidaritätsbinden mit der Aufschrift „One Love“ von der FIFA verboten. Nicht zu vergessen die Tausend toten Arbeitsmigrant:innen, die die WM-Stadien in sengender Hitze im Wüstenermirat hochziehen mussten.

WM in Katar: Nicht eine Minute Sendezeit für die FIFA

Auch wenn die derzeitig öffentliche Aufregung über all diese Missstände wichtig und richtig ist, kam die Shitshow mit Ansage. In Katar steht Homosexualität unter Strafe, Frauen haben kaum Rechte. Wer hat da schon wirklich eine tolerante, weltoffene WM 2022 erwartet?

Die WM in Katar hätte gar nicht erst stattfinden dürfen. Da wir sie jetzt nunmal haben, ist es umso wichtiger, ein Zeichen zu setzen: Vor dem Fernseher, indem man sich besser die Lieblingsserie stundenlang reinzieht anstatt der FIFA nur eine Minute Sendezeit im eigenen Wohnzimmer zu schenken. Oder eben auf dem Kunstrasen in Katar – indem die „One Love“-Binde doch noch die Oberarme der Kapitäne schmückt.

Manuel Neuers grandiose Chance

Für Manuel Neuer wäre es die grandiose Chance, der WM ein bisschen Würde zu verleihen – und vermutlich so die eigene Karriere in der Nationalelf zu beenden.

Eine Twitter-Userin merkte treffend an: „Neuer ist 36 Jahre alt. Er könnte sich rückenschonend mit gelb-rot und dem absoluten Legendenstatus in den Ruhestand schicken lassen und dann 20 Jahre bei Lanz über sein Statement labern. Wie dumm kann man sein.“

Die ursprünglich an der „One Love“-Aktion beteiligten Nationen kündigten jedoch an, auf die Armbinde zu verzichten, da sie das Risiko einer möglichen Gelben Karte oder anderer sportlichen Sanktionen nicht eingehen wollten. Der niederländische Fußball-Bund erklärte unverblümt, dass „Spiele gewinnen“ schlichtweg „oberste Priorität“ habe.

Die WM und ihr kaputter Wertekompass

Sollte sich Neuer heute um 14 Uhr mit der „One Love“-Binde zeigen, würde er dieser Priorität ihre wahre Wertigkeit geben: Spiele gewinnen gehört zum Turnier, allerdings nicht auf Kosten anderer Menschen.

Andernfalls müssen sich die Spieler sowie der Deutsche Fußball-Bund die Frage gefallen lassen, worin genau die Solidarität besteht, wenn man zurückrudert, sobald es hart auf hart kommt? Vermutlich wird genau das eintreffen und die Shitshow ihren erwartbaren Lauf nehmen. Mit einem kaputten Wertekompass und viel Torjubel.   

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