160 Shuttle-Flüge pro Tag: Ein Grund mehr, die WM in Katar zu boykottieren

160 Shuttle-Flüge pro Tag: Ein Grund mehr, die WM in Katar zu boykottieren
Foto: Unsplash / Symbolbild / Vienna Reyes

Die Fußball-WM in Katar wird als sportliches Spektakel gefeiert, unangenehme Wahrheiten werden beiseite gelächelt. Da dürften fragwürdige Shuttle-Flüge nur noch ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Trotzdem: Wie viele Gründe brauchen wir noch, diese Veranstaltung zu boykottieren? Ein Kommentar.

Man muss kein Fußballfan sein, um sich für die Hintergründe der diesjährigen Weltmeisterschaft zu interessieren. Denn die relevanten Informationen gehen weit über das große Sport-Spektakel, das live aus Katar in unzählige Wohnzimmer übertragen wird, hinaus. Sie handeln von Ausbeutung, Klimafeindlichkeit und Ignoranz. Kurzum: Die Details zur Fußball-WM fordern einen regelrecht dazu auf, das Event zu boykottieren.

Jüngster Aufreger stellt die Unterbringung der Zuschauer:innen vor Ort dar. Wie der Sport-Informations-Dienst (SID) berichtet, gibt es offenbar nicht genügend Unterkünfte auf der arabischen Halbinsel, dessen Landschaft zu einem großen Teil aus Wüste besteht. Deshalb sollen mehrere Hundert Zelte unter anderem am Küstenabschnitt errichtet werden – hinzu kommen zwei Hotelschiffe und zu allem Überdruss noch 160 extra Pendelflüge täglich. Mit ihnen sollen WM-Besucher:innen aus benachbarten Golf-Staaten nach Katar eingeflogen werden.

„Was eine Drecks-Veranstaltung von vorne bis hinten“

Die Shuttle-Flüge sind die klimafeindliche Spitze einer WM, die gemessen an ethischen Standards ohnehin nicht stattfinden dürfte. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International haben bereits im Sommer 2021 – also rund eineinhalb Jahre vor Anpfiff der WM – offengelegt, dass rund 15.000 Nicht-Katarer:innen im Zusammenhang mit den Bauarbeiten für die WM zwischen 2010 und 2019 gestorben sind. Unter ihnen Menschen, die 13 Stunden am Stück in sengender Hitze geschuftet haben. Bis heute macht das Regime in Doha keine Anstalten, die genauen Todesumstände der Arbeitsmigrant:innen aufzuklären. Nicht einmal für die Hinterbliebenen, die laut Recherchen des Guardian mitunter in Indien, Pakistan, Nepal, Bangladesch und Sri Lanka auf Antworten warten. Die Dunkelziffer der Opfer menschenunwürdiger Arbeitsbedingungen in Katar dürfte noch höher sein. Und trotzdem wird dem Land, das Journalist:innen und Regime-Kritiker:innen festnehmen lässt, der ignorante Torjubel aus aller Welt sicher sein.

Die ernsthaft Empörten bleiben also vermutlich in der Unterzahl, auch wenn ihre Stimme wichtig ist. Auf Twitter fasste eine User:in das nahende Fußball-Spektakel daher sehr treffend zusammen. Sie schrieb: „Damit zur WM in #Qatar alle Gäste in Hotels untergebracht werden können, wird es an jedem der 27 WM-Tage jeweils 160 Pendelflüge zwischen Qatar und anderen Golfstaaten geben. Was eine Drecks-Veranstaltung von vorne bis hinten.“

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