Warum Stadt-Seen zunehmend zum Gesundheitsrisiko werden

Antibiotika, Bakterien, Chemikalien: Sind Stadt-Seen eine Gesundheitsgefahr?
Foto: CC0 / Pixabay / manfredrichter

Aufgrund der zunehmenden Urbanisierung werden Badeseen mehr und mehr verschmutzt. Studien zeigen, dass sich darin oft Antibiotika-Rückstände sowie schädliche Bakterien und Chemikalien finden. Wir erklären, wann Seen in der Stadt krank machen.

Seen als Ökosysteme bieten mit Uferzonen und freien Wasserkörpern sowie durch hohe Nährstoffeinträge eine Lebensgrundlage für Mensch und Tier. Dennoch sind sie, laut eines Reviews international kooperierender Wissenschaftler:innen, ein besonders stark vom menschengemachten Klimawandel beeinträchtigtes Ökosystem. Ein Grund dafür sind die urbanen Lebensräume, die die klimatischen Bedingungen in Gewässern nachhaltig verändern. So befanden sich 2015 laut Angaben des Umweltbundesamts nur 26,4 Prozent der deutschen Seen in einem „sehr guten“ oder „guten“ ökologischen Zustand. Die Erhebung findet alle sechs Jahre statt, sodass 2022 neue Daten zur Verfügung stehen werden.

Einige Badeseen wurden von der Europäischen Kommission im Rahmen einer Untersuchung aufgrund schlechter hygienischer Qualität sogar als „mangelhaft“ bewertet. Mitunter hatten Sturm und Regen belastendes Schmutzwasser in die Gewässer gespült. Wie das Umweltbundesamt auswertet, waren in den vergangenen Jahren häufig jedoch auch bakterielle Verschmutzungen eine Ursache für mangelhafte Wasserqualität. Eine Studie aus dem Wissenschaftsjournal Science of The Total Environment kommt zu dem Ergebnis, dass die allgemeine Verstädterung enorm zur Verbreitung der potenziell schädlichen bakteriellen Erregern beiträgt. Basierend auf den Ergebnissen halten es die Autor:innen der Studie für dringend geboten, weitere Abhilfemaßnahmen wie etwa gezieltes Wassermanagement zu betreiben.

Werden Stadt-Seen zu einer gesundheitsgefährdenden Angelegenheit?

Untersuchungen bestätigen, dass sich zunehmend mehr Rückstände von Antibiotika in Badeseen finden.
Untersuchungen bestätigen, dass sich zunehmend mehr Rückstände von Antibiotika in Badeseen finden.
(Foto: CC0 / Pixabay / SookyungAn)

Weitere Untersuchungen vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei sowie dem Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung kommen zu ähnlichen Ergebnissen: Insbesondere in der Hauptstadt fänden sich demnach mehr Bakterien in den Seen als im Brandenburger Umland. Darunter seien auch Krankheitserreger, die eine Gefahr für die Gesundheit darstellen.

Situation in Mitteldeutschland teilweise kritisch

Die Situation im mitteldeutschen Raum mutet noch problematischer an. Aufgrund der zunehmenden Urbanisierung gelangen immer mehr Krankheitserreger in die Gewässer. So ließen sich die Ergebnisse der Studie auch auf andere Gebiete wie Mitteldeutschland übertragen, wie die Studienautorin Dr. Daniela Numberger dem MDR mitteilt. Besonders in den Magdeburger Seen wie dem beliebten Barleber See gab es in den vergangenen Jahren vermehrt Probleme mit einer unzureichenden Wasserqualität. Durch den starken Algenbefall wurde am Barleber See zeitweise das Baden untersagt. Auch andere Seen wie der Neustädter See mussten schon ein Badeverbot aufgrund von Enterokokken-Bakterien aussprechen.

Klimawandel verschlimmert das Problem

Der Klimawandel verschärft das Problem der schmutzigen Gewässer in städtischen Gebieten.
Der Klimawandel verschärft das Problem der schmutzigen Gewässer in städtischen Gebieten.
(Foto: CC0 / Pixabay / Couleur)

Obwohl die Europäische Umweltagentur den meisten deutschen Badeseen eine gute Wasserqualität bescheinigt, können sich in den Seen große Mengen an Krankheitserregern ansiedeln. Vor allem dann, wenn im Umland intensive Landwirtschaft betrieben wird, gelangen Schadstoffe wie Nitrate oder tierische Antibiotika ins Wasser.

Zusätzlich dazu verstärkt der Klimawandel die Situation. Durch die zunehmende Erwärmung fällt es Bakterien und Keimen einerseits leichter, sich im Wasser zu vermehren, andererseits könnten auch die Sporen aufgrund der günstigen Bedingungen länger überleben. Wie das Helmholtz-Institut für Umweltforschung (UFZ) erklärt, erwärmt sich das Oberflächenwasser massiv, wodurch „Seen-Hitzewellen“ entstünden. Eine See-Hitzewelle liegt vor, wenn die Wasseroberfläche mindestens fünf Tage lang so heißt ist, dass sie bei normalem Klima nur zehn Prozent der Zeit noch heißer ist.

Auch die sogenannte „Eutrophierung“, also die Anreicherung mit Nährstoffen und dem dadurch geringeren Sauerstoffgehalt, lässt sich auf den Klimawandel zurückführen. Nicht zuletzt ist die biologische Vielfalt durch die Zunahme von Hitze und Krankheitserregern bedroht, da manche Tier- und Pflanzenarten in dieser Umgebung nicht überleben können. Auch die Ausbreitung invasiver Arten führt einem von der ARD veröffentlichtem Bericht zufolge dazu, dass heimische Arten verdrängt und die Nahrungsgrundlage der Menschen gefährdet ist. Konkrete Maßnahmen, die Seen und Flüsse widerstandsfähiger machen würden, bestünden laut dem Bericht aus speziellen Entwässerungssystemen, die Gewässer vor dem Austrocknen bewahren, sowie der drastischen Eindämmung von CO₂-Emissionen.

Langfristiger Schutz der Seen muss stärker in den Fokus rücken

Die negativen Effekte auf städtische Gewässer sind lange bekannt, rücken jedoch angesichts der Klimadebatte erst in den letzten Jahren stärker in den Fokus der Öffentlichkeit. Dennoch trifft die Politik eher kurzfristige Entscheidungen, die langfristige Perspektiven außer Acht lassen. Um Artenvielfalt und auch Lebensraum von Menschen, Tieren und Pflanzen dauerhaft zu erhalten, ist es zwingend notwendig, dem Klimawandel entgegenzuwirken und noch stärker auf eine gute bis sehr gute Qualität der Gewässer Acht zu geben.

Weiterlesen auf Utopia.de:

Bitte lies unseren Hinweis zu Gesundheitsthemen.

** mit ** markierte oder orange unterstrichene Links zu Bezugsquellen sind teilweise Partner-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös. Mehr Infos.

Gefällt dir dieser Beitrag?

Vielen Dank für deine Stimme!

Schlagwörter: