Klimawandel in Deutschland: 7 Folgen, die heute schon spürbar sind

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Die Gletscher schmelzen und der Meeresspiegel steigt – aber nicht nur in fernen Ländern sind die Folgen der Klimakrise bemerkbar. Wie ein neuer Monitoringbericht zeigt, ist auch Deutschland von den Auswirkungen betroffen – und zwar deutlich.

„Die Botschaft des Monitoringberichtes lautet: Die Zukunft hat uns bereits erreicht“, schreibt das Umweltbundesamt. „Deutschland steckt mittendrin in der Erderhitzung, mit weitreichenden Folgen für Umwelt, Gesellschaft und Gesundheit.“

Das Umweltbundesamt hat den Bericht gemeinsam mit dem Umweltbundesministerium (BMU) veröffentlicht. Auf mehr als 270 Seiten beschreibt er, wie sich der Klimawandel schon jetzt in Deutschland bemerkbar macht. Die sieben wichtigsten Folgen des Klimawandels in Deutschland:

1. Höhere Temperaturen

Die Temperaturen in Deutschland sind messbar gestiegen: Laut dem Monitoringbericht hat sich die mittlere Lufttemperatur in Deutschland von 1881 bis 2018 um 1,5 Grad erhöht. Beunruhigend sind vor allem die aktuelleren Entwicklungen: Allein in den letzten fünf Jahren sei die Temperatur um 0,3 Grad gestiegen.

2. Mehr heiße Tage – und mehr Todesopfer

Hitze im Büro
Es gibt deutlich mehr Tage mit über 30 Grad Celsius im Jahr. (Foto: CC0 / Pixabay / geralt)

Dass die durchschnittliche Lufttemperatur gestiegen ist, liegt auch daran, dass es inzwischen mehr extrem heiße Tage im Jahr gibt. 1951 seien noch etwa drei Tage im Jahr mit Temperaturen über 30 Grad Celsius üblich gewesen. Aktuell seien es zehn Tage im Jahr.

Die starke Hitze hat in Deutschland tausende Todesfälle verursacht: „Demnach sind im Jahr 2003 7.500 Menschen mehr gestorben als ohne Hitzeperiode zu erwarten gewesen wäre. In den Jahren 2006 und 2015 gab es jeweils 6.000 zusätzliche Todesfälle.“

3. Niedrige Grundwasserstände

Durch die steigende Hitze und Trockenheit sanken in den letzten Jahren immer wieder Flusspegel stark. Das Ergebnis: Die Schiffahrt wurde beeinträchtigt, Ökosysteme gefährdet und Wasser für die Kühlung von Kraftwerken fehlte.

Leitungswasser teurer
Einige Gemeinden in Deutschland wurden diesen Sommer dazu aufgerufen, nicht zu viel Wasser zu verbrauchen. (Foto: Creative Commons –CC0/Pixabay)

Und nicht nur Flusspegel gehen bei Hitze zurück, sondern auch Grundwasserspiegel: Erst diesen Juni verzeichneten Trinkwasserversorger in Ostwestfalen sogar Engpasse. Die Gemeinden riefen ihre Bürger dazu auf, nicht unnötig Leitungswasser zu verbrauchen.

4. Schäden in der Landwirtschaft

Auch in der Landwirtschaft fehlt Wasser: In den letzten 50 Jahren habe das verfügbare Wasser in landwirtschaftlichen Böden deutlich abgenommen. Allein 2018 seien durch Hitze und Trockenheit Schäden in der Höhe von 770 Millionen Euro entstanden.

Außerdem werde die Viehzucht beeinträchtigt: Hitzestress könne bei Tieren gesundheitliche Probleme verursachen – zum Beispiel am Euter bei Milchkühen oder geringere Fruchtbarkeit. Der Klimawandel führe damit indirekt zu Einbußen in der Milch-, Eier- und Fleischproduktion.

5. Neue Krankheiten

Mücke, Asiatische Tigermücke
Die Asiatische Tigermücke (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay)

Eine weitere Folge der steigenden Temperaturen: Tier- und Pflanzenarten breiten sich aus, die normalerweise in wärmeren Regionen leben. Das Problem: Die Arten können Krankheiten verbreiten, die hierzulande nicht üblich sind. In diesem Jahr warnten Wissenschaftler beispielsweise vor der „Asiatischen Tigermücke“, die schon vor einigen Jahren in Deutschland entdeckt wurde. Die Mücke kann gefährliche Krankheiten wie Denguefieber oder das Zika-Virus übertragen.

6. Wirtschaftliche Schäden

Der Klimawandel trägt auch dazu bei, dass Wetterereignisse heftiger werden. Stürme, Starkregen und Hagel richten dabei Schäden an Gebäuden, Straßen und Autos an. Besonders schlimm waren die Schäden im Jahr 2018, einem der schlimmsten Sturmjahre der letzten 20 Jahre. Laut dem Monitoringbericht entstanden in diesem Jahr Versicherungsschäden in der Höhe von 3,1 Milliarden Euro.

7. Waldsterben

In Laubwäldern verändern sich im Laufe des Jahres die Lichtverhältnisse.
Wälder sind durch den Klimawandel gefährdet. (Foto: CC0 / Pixabay / minka2507)

Auch den Wäldern macht der Klimawandel zu schaffen. Sie sind besonders empfindlich, weil sich das Klima extrem schnell verändert – und die Bäume sich nicht schnell genug anpassen können. Außerdem kommt es zu Kettenreaktionen: Sobald einzelne Bäume geschwächt sind, ist das ganze Waldökosystem gestört.

2018 und 2019 waren besonders schwierige Jahre für Wälder: Durch extreme Dürre, überdurchschnittlich viele Waldbrände, Stürme und Schädlinge sind 2018 laut Monitoringbericht 32,4 Millionen Kubikmeter Schadholz angefallen, 2019 soll es noch mehr sein.

Der Klimawandel geht uns alle etwas an

Der Monitoringbericht des UBA und BMU macht eines deutlich: Vom Klimawandel sind wir alle betroffen. Hierzulande haben wir Systeme wie Versicherungen, die die Schäden auffangen können. In Ländern des globalen Südens haben zerstörte Ernten oder Wasserknappheit viel drastischere Konsequenzen. Um die Klimakrise aufzuhalten, muss die Menschheit vor allem ihre Treibhausgas-Emissionen senken, um den globalen Temperaturanstieg zu begrenzen.

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(2) Kommentare

  1. Den Kraftwerken fehlt die Kühlung, aber Wind- und Sonnenkraftwerke haben genug Luftkühlung. Die Viehzucht leidet, aber der Gartenbau gedeiht. Die Fichtenmonokulturen leiden, aber die einheimischen Buchen-Eichen-Mischwälder sind dürreresistenter. Also offenbar wehrt sich das Klima gezielt gegen seine Angreifer.

  2. Punkt 2 sollte genauer beleuchtet werden. Mehr Todesofer durch höhere Temperaturen mag sein, aber die Hintergründe dafür sind nicht klar. Italien hat hat mit 82,2 eine höhere Lebenserwartung als Deutschland mit 80,7 und das bei höheren Temperaturen, nämlich 19,8 in Italien zu 12,2 in Deutschland mittleres Temperaturmaximum. Auch die mittleren Temperaturmaxima über die Monate liegen z.B. im Juli in Italien um über 7 Grad höher. Liegt es letztendlich doch am persönlichen Lebensstil?