Nachtcreme bei Öko-Test: L’Oréal, Nivea und Neutrogena fallen durch

Foto: Öko-Test

Viele Nachtcremes versprechen, was sie nicht halten können: weniger Falten und ein jüngeres Hautbild. Das kritisiert Öko-Test im November-Heft. Die Expert*innen haben 50 Nachtcremes getestet und können am Ende immerhin 19 Cremes empfehlen – die Testergebnisse kannst du gratis lesen.

Jede dritte Frau nutzt abends eine Nachtcreme (Statista). Doch ist die besser als eine normale Pflegecreme? Klar ist zumindest, dass Nachtcremes mehr Fette und Öle enthalten als Tagescremes. Wer also eine reichhaltige Pflegecreme sucht, ist mit einer Nachtcreme gut beraten. „Ob die Haut davon einen Vorteil hat, ist umstritten“, meint aber Öko-Test.

Positiv ist in jedem Fall, dass Nachtcremes ohne bedenkliche UV-Filter auskommen. Schließlich braucht die Haut nachts keinen UV-Schutz. Allerdings enthalten einige Nachtcremes problematische Konservierungsmittel und potenziell schädliche Duftstoffe, kritisiert Öko-Test. Die Expert*innen haben 50 Nachtcremes auf Schadstoffe hin untersucht und sich die Werbeversprechen genauer angesehen. Können die Cremes halten, was sie versprechen? Ganz und gar nicht …

Nachtcreme im Test: Von „sehr gut“ bis „ungenügend“

Nachtcreme Kosmetik Creme Gesichtscreme
Nachtcreme ist in der Regel reichhaltiger als reguläre Gesichtscreme. (Foto: © Lichtmaler - Fotolia.com)

Zwei Drittel der Nachtcremes sind frei von kritischen Inhaltsstoffen. Wegen anderer Kritikpunkte haben am Ende aber nur neun Nachtcremes auch die Bestnote „sehr gut“ erhalten, davon sind sieben zertifizierte Naturkosmetik. Darunter ist beispielsweise die Weleda Wildrose Glättende Nachtpflege (zu finden** bei Shop Apotheke oder Ecco Verde), die allerdings zu den teuersten Produkten im Test gehört. Wer eine Creme ohne bedenkliche Inhaltsstoffe sucht, greift trotzdem besser zu Naturkosmetik. Alle Testsieger und Details zu ihrer Bewertung findest du gratis bei Öko-Test.

Besonders kritisiert Öko-Test das Anti-Aging-Versprechen, das sich auf zahlreichen Verpackungen befindet. Die Hersteller sollten die Anti-Aging-Wirkung mit Studien belegen. Doch „keine davon konnte uns überzeugen, dass die untersuchte Creme mehr kann als eine gewöhnliche Pflegecreme“, so Öko-Test. Manche Studien würden die Hautpartien mit ungecremter Haut vergleichen, andere messen nur äußert minimale Veränderungen. Unterm Strich heißt das: Falten lassen sich nicht wegcremen. Besser als „gut“ konnte daher keine Nachtcreme mit Anti-Aging-Versprechen abschneiden.

Öko-Test Nachtcreme: Alle Ergebnisse kostenlos abrufen

Problematische Konservierungsstoffe bei L’Oréal und Co.

Wegen des hohen Wassergehalts in den Nachtcremes müssen die Hersteller*innen Konservierungsstoffe hinzumischen. Erst recht, wenn Konsument*innen mit ihren Fingern in das Cremeglas langen. Mitunter handelt es sich dabei jedoch um äußerst bedenkliche Konservierungsstoffe.

Das Konservierungsmittel Propylparaben steckt beispielsweise in zwei Cremes und steht im Verdacht, wie ein Hormon zu wirken. Betroffen ist unter anderem die Bebe Relaxed Tag & Nacht Pflege. Sie enthält außerdem bedenkliche UV-Filter, kritisiert Öko-Test.

Ebenfalls problematisch sind halogenorganische Verbindungen, da sie ein hohes Allergie-Risiko beinhalten. Öko-Test hat sie in der L’Oréal Hydra Active 3 Feuchtigkeitspflege Nacht nachgewiesen.

Außerdem steckt ein regelrechter Cocktail aus Erdölbestandteilen in der Creme: Paraffine, Silikone und eine PEG-Verbindung, so das Test-Ergebnis. Die Erdöl-Förderung steht aus vielen Gründen in der Kritik, unter anderem weil sie den Klimawandel beschleunigt und die Artenvielfalt bedroht. Die Nachtcreme von L’Oréal ist daher mit „ungenügend“ als eine der schlechtesten Cremes durchgefallen. Nicht viel besser hat die Neutrogena Hydro Boost Nachtcreme abgeschnitten: Wegen PEG und Silikonen ist sie mit „mangelhaft“ ebenfalls durchgefallen.

Öko-Test Nachtcreme: Alle Ergebnisse kostenlos abrufen

Risiko-Duftstoffe unter anderem bei Nivea nachgewiesen

In allen drei getesteten Produkten der Firma Beiersdorf (unterschiedliche Marken) hat Öko-Test Lilial entdeckt. Der Duftstoff steht in der Kritik, da er sich in Tierversuchen als fortpflanzungsschädigend herausgestellt hat. Betroffen ist unter anderem die Nivea Gute Nacht Pflege 24H Feuchtigkeit + Regeneration. Beiersdorf hat inzwischen angekündigt, bei den drei Produkten neue Rezepturen ohne Lilial auf den Markt zu bringen. Doch das ist nicht das einzige Problem der Nivea-Nachtcreme. Sie enthält auch Butylhydroxytoluol (BHT). Ein Stoff, der die Haut reizen und Allergien hervorrufen kann.

Ein weiterer Problemstoff ist der künstliche Moschusduft Galaxolid, der in der Judith Williams Anti-Aging Hyaluron Aktiv Nachtcreme nachgewiesen wurde. Der Duftstoff reichert sich im Körper an – mit bisher unbekannten Folgen.

Mikroplastik in zahlreichen Nachtcremes

In fast der Hälfte der getesteten Nachtcremes stecken „weitere Kunststoffverbindungen“, also Mikroplastik. Öko-Test bezeichnet so die synthetischen Polymere, die in flüssiger Form in den Nachtcremes enthalten sind (mehr dazu hier: Was ist Mikroplastik? – Eine Definition).

Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace und BUND sprechen schon länger auch in solchen Fällen von Mikroplastik – und wir von Utopia schließen uns dem an. Denn wasserlösliche Kunststoffverbindungen sind ebenfalls bedenklich, da sie biologisch nur schwer abbaubar sind. Kläranlagen können sie oft kaum aus dem Abwasser herausfiltern, sodass Mikroplastik über den Wasserablauf der Kläranlagen in die Gewässer gelangt und sich in der Umwelt anreichern kann.

Öko-Test Nachtcreme: Alle Ergebnisse kostenlos abrufen

Alle Details findest du in der Ausgabe 11/2020 von Öko-Test sowie online auf www.ökotest.de.

** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.

Gefällt dir dieser Beitrag?

Vielen Dank für deine Stimme!

Schlagwörter:

(2) Kommentare

  1. Nur eine kleine inhaltliche Korrektur, da ich im Bereich Abwasser arbeite. Klärschlamm wird kaum noch landwirtschaftlich verwertet, sondern nach der Phosphat-Rückgewinnung verbrannt. Der Haupteintragspfad für Mikroplastik ist demnach über den Kläranlagen Ablauf in die Gewässer, was aber natürlich nicht minder schlimm ist.