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Wann Videos zu streamen zur größten Umweltsünde wird

Foto: CC0 Public Domain / Pixabay StockSnap/diermaier
Das Umweltbundesamt hat im Rahmen eines Forschungsprojekts ausgerechnet, wie viel Kohlendioxid verursacht wird, wenn wir Filme und Serien streamen. Entscheidend ist der Übertragungsweg, also wie die Videos zu uns kommen.

Von Mediatheken bis Netflix: Gerade in Corona-Zeiten streamen wir viel. Macht ja auch mehr Spaß als lineares Fernsehen. Die Frage, ob das alles klimafreundlich geht, ist nicht leicht zu beantworten. Für Musik-Streaming haben wir bereits eine Bestandsaufnahme versucht. Das Ergebnis: Verlässliche Zahlen gibt es kaum, wichtig ist es vor allem, mehr grünen Strom zu nutzen.

Im September hat nun das Umweltbundesamt im Zuge des Forschungsprojekts „Green Cloud-Computing“ gemeinsam mit dem Verein Öko-Institut und dem Fraunhofer Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration interessante, offenbar auch belastbare Daten zur Energieeffizienz von digitalen Infrastrukturen vorgelegt.

So heißt es: „Mit den aktuellen Daten […] lässt sich der CO2-Fußabdruck von datenintensiven Anwendungen wie Video-Streaming, Videokonferenzen und Online-Datenspeicherung realitätsnäher als bisher ermitteln.“ Dafür sei unter anderem bei „einem großen Streaming-Rechenzentrum“ gemessen worden. Es handelt sich um einen ausführlichen Zwischenstand, die finalen Ergebnisse sollen voraussichtlich im Dezember kommen.

Videos streamen: zu Hause ist Glasfaser am nachhaltigsten

Laut der bisherigen Auswertung ist das Streaming zu Hause via Glasfaser am besten. Man könne dies „mit gutem Klimagewissen tun“, so der Präsident des Umweltbundesamtes Dirk Messner. Weil erwartet werde, dass die Datenmengen in den kommenden Jahren massiv steigen werden, sei der parallele Glasfaserausbau von entscheidender Bedeutung.

Wird etwa ein HD-Video über den Glasfaseranschluss daheim gestreamt, fallen pro Stunde zwei Gramm CO2 an. Für diese Rechnung wurden die Werte für Rechenzentrum und Datenübertragung addiert. Mit Mobilfunk via UMTS (3G) sind es hingegen 90 Gramm, also das Fünfundvierzigfache.

Mobilfunk streamt am Klimaschädlichsten.
Mobilfunk streamt am Klimaschädlichsten. (Grafik: Umweltbundesamt)

Wichtig: Die Übertragungsform ist ausschlaggebend, die Werte des Rechenzentrums spielen generell nur eine geringe Rolle. Allerdings wurde in der Analyse nicht die jeweilige Energiebilanz des Endgeräts berücksichtigt.

Dazu abschließend eine bemerkenswerte Zahl: Allein indem man auf den Standby-Modus beim Fernseher verzichtet, also etwa eine Master-Steckdose nutzt und den Strom wirklich per Schalter abstellt, lassen sich bis zu 112 Kilowattstunden im Jahr einsparen. Und eine Kilowattstunde verursachte 2019 im deutschen Strommix hochgerechnet etwa 401 Gramm Kohlendioxid.

Autor: Jan Scheper

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(1) Kommentar

  1. Danke für den schönen Vergleich!
    Auch wenn die Emissionen der verschiedenen Übertragungswege sich in dem gezeigten Diagramm sehr stark unterscheiden, könnte dadurch leicht der Eindruck entstehen, als ob man die Rechenzentren vernachlässigen könnte.
    Dabei wächst deren Energieverbrauch stetig und übersteigt schon jetzt dem Verbrauch ganzer Staaten!

    Von daher sehe ich auch den folgenden Abschnitt aus dem Text etwas kritisch:
    „Von Mediatheken bis Netflix: Gerade in Corona-Zeiten streamen wir viel. Macht ja auch mehr Spaß als lineares Fernsehen“
    – trifft zumindest auf mich nicht zu. Spaß sieht für mich anders aus! Aber ich laufe sowieso nicht jedem unsinnigen Massenphänomen hinterher!
    Gerade das aktuelle Geschehen verfolge ich daher lieber live im TV, statt aus Aufzeichnungen. Und für die vielen Serien in den einschlägigen neuen Portalen ist mir einfach meine Lebenszeit viel zu kostbar. Es gibt echt Wichtigeres, was über das reine Streaming-Vergnügen hinausgeht! 😉