Plastic Bottle Village: ein Dorf gebaut aus Plastikflaschen

Haus Plastikflaschen Plastic Bottle Village
Foto: © Plastic Bottle Village / Robert Bezeau

Im Dschungel von Panama entsteht derzeit ein Dorf, das anders ist, als gewöhnliche Dörfer: Die Häuser werden mit Plastikflaschen gebaut. Das neueste Gebäude ist ein vierstöckiges Schloss, das aus 40.000 Plastikflaschen besteht.

Plastikflaschen als Baumaterial – mit dieser Idee will der kanadische Unternehmer Robert Bezeau die Umwelt und Weltmeere vom Plastikflaschen-Müll befreien. Auf der Colón Insel in Panama baut er gerade ein Dorf, das aus Plastikflaschen besteht. Der Name des Dorfes: „Plastic Bottle Village“ – also „Plastikflaschen-Dorf“.

Bezeau hat das Projekt 2015 begonnen. Diesen Sommer haben er und sein Team das dritte Gebäude aus recycelten Plastikflaschen fertig gestellt. Insgesamt sollen in dem Dorf einmal 120 Häuser stehen.

Konstruktion aus Metall und Plastikflaschen

Haus Plastikflaschen Plastic Bottle Village
Die Plastikflaschen stecken in einem Metallgerüst. (Foto: © Plastic Bottle Village / Robert Bezeau)

Die Grundstruktur der Gebäude besteht aus einem Metallgerüst. Das Metallgerüst wird mit Plastikflaschen befüllt. Darüber kommt eine Schicht aus Beton. Anschließend werden die Häuser mit Fenstern und Türen ausgestattet. Jedes Haus hat außerdem Rohrleitungen, Elektrizität, einen Wassertank sowie ein Wasser- und Abwassersystem.

Die fertigen Häuser wollen Bezau und sein Team verkaufen; ein 100-Quadratmeter-Haus kostet etwa 35.000 Dollar. Ein Haus in dieser Größe  benötigt etwa 14.000 Plastikflaschen – Flaschen die sonst als Müll in den Meeren schwimmen, oder mit hohem Energieaufwand recycelt werden müssten.

Woher stammen eigentlich die Flaschen? Zum einen von den Bewohnern der Insel. Aber auch die vielen Touristen lassen jedes Jahr eine Menge Plastikflaschen auf der Insel zurück, die das Team aufsammelt. Zwei Familien leben bereits in den Plastikflaschen-Häusern.

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Die Plastikflaschen-Häuser sind besonders energieeffizient

Laut Bezeau haben die Plastikflaschen-Häuser neben der Verwertung von Plastikflaschen einige weitere Vorteile. So seien die Häuser besonders energieeffizient: Die mit Luft gefüllten Plastikflaschen im Metallgerüst seien eine besonders gute Isolierung. Wie sich gezeigt habe, sei die Raumtemperatur im Inneren der Häuser bis zu 17 Grad Celsius niedriger als draußen – die Häuser brauchen also keine Klimaanlage.

Haus Plastikflaschen Plastic Bottle Village
Im Plastic Bottle Village sollen irgendwann 120 Häuser aus Plastikflaschen stehen. (Foto: © Plastic Bottle Village / Robert Bezeau)

Außerdem seien die Gebäude erdbebensicher. Da die Plastikflaschen in einem Metallgerüst und Beton stecken, sind sie nicht der Sonne oder Hitze ausgesetzt – es bestehe also nicht die Gefahr, dass sich krebserregende Stoffe bilden.

Wasser aus Plastikflaschen – wie groß ist das Gesundheitsrisiko?

Das erste Schloss aus Plastikflaschen

Haus Plastikflaschen Plastic Bottle Village
Das „Castle Inspiration“ (Foto: © Plastic Bottle Village / Robert Bezeau)

Das neueste Gebäude im Plastikflaschen-Dorf: Ein 13 Meter hohes Schloss, das aus 40.000 Plastikflaschen gebaut wurde. Auf 290 Quadratmetern und vier Stockwerken hat das Schloss mehrere Schlafzimmer, Wohnräume und Badezimmer, außerdem eine Küche und eine Terrasse mit Bar. Acht Personen sollen einmal in dem Gebäude leben. Das Schloss heißt „Castle Inspiration“, also „Schloss Inspiration“ – weil es dazu inspirieren soll, unseren Umgang mit Plastik zu überdenken.

Haus Plastikflaschen Plastic Bottle Village
Die Innenräume des „Castle Inspiration“ (Haus Plastikflaschen Plastic Bottle Village)

Als nächstes Projekt strebt Bezeau ein internationales Ausbildungszentrum an. Dort sollen Interessierte aus der ganzen Welt die Kunst des Hausbaus aus Plastikflaschen lernen können. Das Ausbildungszentrum soll natürlich auch aus Plastikflaschen bestehen und eine Cafeteria sowie Mietwohnungen enthalten.

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(13) Kommentare

  1. Zitat: „Flaschen die sonst als Müll in den Meeren schwimmen, oder mit hohem Energieaufwand recycelt werden müssten.“

    Also ich kenne die Situation in Panama nicht im Deteil, aber eine funktionierende Müllabfuhr gibt es dort durchaus. Darüber hinaus kann man Plastikflaschen eben nicht nur ins Meer werfen oder (ökonomisch unsinnig) recyceln. Man kann sie auch – wie in Deutschland es mit allem Müll geschieht – verbrennen und daraus Elektrizität und Prozesswärme gewinnen. Gleichzeitig spart man dadurch Erdöl.

    Und eine Frage an jeden von uns: Würden wir selbst in einem solchen Haus wohnen wollen? Falls nein, warum nehmen wir uns dann das Recht heraus, zu glauben, die Bevölkerung von Panama hätte das zu wollen?

  2. „Würden wir selbst in einem solchen Haus wohnen wollen?“
    Was tut das in diesem Zusammenhang zur Sache?
    „warum nehmen wir uns dann das Recht heraus“
    Wer tut das?
    „zu glauben, die Bevölkerung von Panama hätte das zu wollen“
    Wer tut das?

  3. Weil der Initiator sonst wohl kaum Geld in ein Ausbildungszentrum zum Bau von Plastikflaschenhäusern stecken würde. Es sei denn, er hat Geld zu verschenken. Dann kann ich meine Kontonummer gerne mal übermitteln.

    Also: Würde der Initiator oder andere, die das eine tolle Idee finden, gerne in solchen Häusern wohnen? Oder finden sie die Idee nur dann toll, wenn andere darin wohnen?

  4. „Weil der …“
    Falls es dir nicht aufgefallen sein sollte:
    Ich habe gefragt „was“ und „wer“, nicht „warum“.
    Außerdem könntest Du dir mal Gedanken darüber machen, dass er das möglicherweise tun könnte weil er Bedarf und eine Gewinnmöglichkeit sieht. Aber natürlich nur wenn es dir nicht zu viel Mühe macht.

  5. Da hast du leider recht, inklusive Brandbeschleuniger. Die Feuerwehr (auch bei mir Ort) warnt seit vielen Jahren. Aber was sind schon Menschenleben gegen grüne Ideologie.

  6. „Würden wir selbst in einem solchen Haus wohnen wollen“
    Warum nicht?
    Wie geschrieben hat das Haus ja einige Vorteile, zumindest in der genannten Region.
    Ich muß nicht erdbebensicher wohnen, in anderen Regionen ist das schon wünschenswert, ebenso wie der genannte Kühleffekt.

  7. Warum sollte man nicht in einem solchen Haus leben wollen? Die Erdbebensicherheit und Energieeffizienz sind doch ein Argument; ist doch super, dass man nicht klimatisieren muss. Und außerdem kann man die Häuser so bauen, dass man die Flaschen nicht sieht, wenn man sie nicht sehen will.

  8. Ja, die Flaschen sollten von außen nicht zu sein, denn erosive Kräfte tragen sonst von den Flaschen kleinsten Mikroplastik ab. Staub im Wind, der Staub mit sich reißt, von den Flaschen abgerieben. Die Türme der Burg werden diese Spüren bereits nach einem Jahr aufweisen.
    Bei unseren Wärmedämmungen fliegen ja auch die Flocken davon, zum Beispiel kleine Styroporkrümel.
    Bautechnisch sind diese Konstruktionen für spätere bauliche Veränderungen eher weniger geeignet, da eine Änderung eines Flaschenkubus seine Tragfähigkeit deutlich reduziert. Mit einer Familie, deren Umfeld jährlich mindestens einmal an älter werdende Kinder angepasst werden muss, wird die Anpassung erschwert.
    Plastikstaub in Gartens Muttererde und minder- bis mittelwertige Bausubstanz sind beim Hauskauf ein NoGo.

  9. „Ja, die Flaschen sollten von außen nicht zu sein, denn erosive Kräfte tragen sonst von den Flaschen kleinsten Mikroplastik ab.“
    Hast Du da nicht etwas durcheinander gebracht?

  10. Baust du Dein Haus etwa alle paar Jahre um , um es an die Kinder anzupassen? Also in unserem Haus wurde seit den 60er Jahren nichts umgebaut und es wurden im laufe der Jahre 7 Kinder darin Groß, 2 Enkelkinder betreut wenn die Eltern Wochenenddienst hatten, 2 Großeltern haben ihren Lebensabend darin verbracht, eine Oma die Mama von 3 der Kindern ist macht das gerade. Natürlich ist ihre Wohnung jetzt etwas zu groß wo sie alleine ist und die Enkel groß, aber deshalb umbauen bringt es wohl nicht. Die nächste Generation irgendwann kann das Zimmer vermutlich wieder brauchen. Oder sie selbst wenn das Urenkelchen so alt ist das es über das Wochenende da bleibt…

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