Wegen Plus-Size-Model: Gillette erntet Shitstorm im Netz

Foto: Screenshot Twitter, Gillette Venus

Rasiererhersteller Gillette sorgt derzeit für Aufregung im Netz. Weil ein stark übergewichtiges Model für die aktuelle Kampagne wirbt. Der Vorwurf: Gillette verherrliche krankhaftes Übergewicht. Das eigentliche Problem ist ein anderes.

Mit der Kampagne „Das Beste im Mann“ sorgte Gillette bereits im Januar für viel Gesprächsstoff: Mit der darin ausgerufenen „neuen Ära der Männlichkeit“ brach der Hersteller mit gängigen Männlichkeits-Stereotypen und eckte damit ziemlich an.

„My Skin. May Way“: Gillette Venus zeigt „normale“ Frauen

Auch für die Damenrasierer von Gillette Venus hat sich der Hersteller etwas einfallen lassen: Die „My Skin. My Way“-Kampagne stellt sich ebenfalls gegen gängige Ideale, in dem Fall gegen Schönheitsideale: Auf den Werbebildern und in Werbespots sind Frauen zu sehen mit Pigmentflecken, Tattoos und „normalen“ Körpern – also keine schlanken Models, wie man es sonst kennt.

Eigentlich eine gute Sache, die in der Öffentlichkeit auf große Zustimmung stieß: Viele Menschen im Netz zeigten sich begeistert darüber, dass Gillette ein diverseres Körper- und Frauenbild vermittelt. Der Hersteller schreibt in einer Pressemitteilung, man wolle mit der aktuellen Kampagne die individuelle Schönheit von Frauen feiern, „die sich von der Gesellschaft nicht vorschreiben lassen, wie sie sich in ihrer Haut zeigen.“

US-Plus-Size-Model sorgt für Aufregung

Seit kurzem sieht man auf den Fotos der Kampagne auch das US-Plus-Size-Model Anna O’Brien in einem Bikini. Eins davon wirbt mit der Bildüberschrift „Go out there and slay the day“ (dt. etwa „Geh raus und zeig’s ihnen!“). Das scheint vielen Twitter-Nutzern dann aber doch zu viel Diversität: Die Aufregung im Netz ist groß – denn O’Brien ist stark übergewichtig.

Zwar zeigen sich einige Nutzer begeistert darüber, dass hier kein perfekter Körper gezeigt wird. Doch es gibt auch viel Kritik. Der Vorwurf: Gillette befürworte krankhaftes Übergewicht, um seine Rasierer zu verkaufen.

„Es gibt keinen Grund, warum @GilletteVenus lebensbedrohliche Fettleibigkeit fördern sollte“, schreibt ein Nutzer unter den Tweet. Eine andere Nutzerin kommentiert. „Das ist so ungesund! Fettleibigkeit verursacht Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, Schlafapnoe, Depressionen, Krebs und Tod. Warum zeigt ihr jüngeren Mädchen ein solches Bild? Ein weiterer Grund, Ihre Produkte nicht zu kaufen!“ Ein weiterer Nutzer erklärt „Krankhafte Adipositas zu feiern, ist keine gute Sache.“

Gillette bricht nicht mit gängigen Schönheitsidealen – im Gegenteil

Doch das eigentlich absurde an dieser Kampagne: Gillette Venus wirbt zwar mit Models, die gängigen Schönheitsidealen wiederspreche. Aber nur, um ein Produkt zu verkaufen, mit dem genau solche Ideale erfüllt werden. Mit der Kampagne „My Skin. May Way“ soll schließlich immer noch eine Rasur verkauft werden. Und zwar weil ein weiteres gängiges Schönheitsideal lautet: Weibliche Körperbehaarung ist unschön.

Besonders deutlich wird das, weil Gillette Venus auch eine eher unübliche Rasur in seiner Kampagne zeigt: Frauen rasieren sich Arme und Bauch – zusätzlich zu den eher üblichen Rasuren an Achseln, Beinen und im Intimbereich. Auch dafür erntet das Unternehmen Kritik, weil mit solchen Bildern noch mehr Druck auf Frauen ausgeübt werde.

Hier könnt ihr den Tweet sehen: 

Utopia meint: Durch das Plus-Size-Model O’Brien verschafft sich Gillette Venus maximale Aufmerksamkeit. Nicht nur wegen ihres Körpers. Das Model ist extrem bekannt: Sie erreicht auf Instagram 323.000 Follower. Auf YouTube sind es gut 195.000 Menschen.

Gängige Schönheitsideale hinterfragt die Kampagne aber nur soweit, wie es dem Unternehmen dient. Und das ist aus Nachhaltigkeits-Perspektive nicht gerade unterstützenswert: Die Rasierer von Gillette Venus sind am Ende Produkte aus Plastik, deren Klingen schnell im Müll landen und viel kosten. Wer seine Haare loswerden will – und das sollte immer noch jedem selbst überlassen werden – kann zu besseren Alternativen greifen: Rasiermesser, Rasierhobel, Sugaring und Co. produzieren so gut wie keinen Abfall.

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(5) Kommentare

  1. Ich mag Haare im Imtimbereich!
    Da scheint mir eine schleichende Infantilisierung im Gang zu sein.-
    Generell gehen mir diese Mode-Trends nur auf die Nerven. Eine(r) macht’s vor, und alle Anderen rennen wie die Lemminge hinterher. Die Hersteller verdienen sich mit allen Folgen für Umwelt und Gesellschaft dumm und dämlich.

  2. Sehe ich genauso. Nicht jede Mode ist es wert, mitgemacht zu werden und ich finde Haare natürlicher als einen in Würde gealterten Körper, dem, warum auch immer, alle Haare außer Kopfhaaren abrasiert worden sind. Da geht dann auch die Würde irgendwie den Bach runter…

  3. Ich verstehe die Aufregung echt nicht. Natürlich ist starkes Übergewicht nicht gesunde bla bla, aber das behaupten sie doch garnicht? Sie zeigen eben eine stark fettleibige Frau, inwiefern ist das verwerflich… als ob diese Frau / solche Frauen sich nicht rasieren dürfen.( inwieweit das widerrum irgendwelchen unrealistischen Schönheitsidelanen entspricht ist ne andere Frage mMn) Ich finde es immer wieder erstaunlich wie bei solchen Bildern alle sagen, dass sei ungesund. Ja klar, aber das ist doch garnicht der Punkt der Kampagne. Es geht darum dass es nunmal Mneschen gibt die so aussehen, im Gegensatz zu irgendwelchen gefotoshoppten Menschen. Bei dünnen/ normalgewichtigen Models fragt dann auch keiner ob diese vllt rauchen weil das wäre ja auch extrem ungesund etc.
    Ich persönlich finde solche Kampagnen die es sich zur Aufgabe gemacht haben auch mal Mneschen abzubilden die es sonst nicht auf die Plakate schaffen super, einfach um Diversität und Toleranz zu fördern, auch Akzeptanz.
    Dass man sich irgendwie rasieren müsse um schön zu sein ist ein ganz anderes Thema und an sich würde ich die Firma Gilette auch keineswegs heilig sprechen wollen, wie schon im Artikel gesagt, gibts einiges was man dort verbessern könnte…

  4. Schönheit hat viele Gesichter. Aber Fettleibigkeit ist Ausdruck dafür, dass sich jemand mehr nimmt als ihm zusteht und gut tut. Das hat für mich nichts mehr mit Livestyle zu tun sondern mit Maßlosigkeit. Komisch, dass das neuerdings immer mehr als Ausdruck persönlicher Befreiung stilisiert wird…

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