Abgepackt vs. Frischetheke: Wo soll ich Käse und Wurst kaufen?

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Egal ob Biomarkt oder konventioneller Supermarkt – wer Fleisch, Wurst oder Käse kaufen möchte, hat oft die Qual der Wahl: lieber die Ware aus der Frischetheke oder doch die abgepackten Produkte aus der Kühlung? Die Unterschiede sind geringer als man denkt.

Billig, schlechte Qualität, Massentierhaltung und Lebensmittelskandale – das Image von abgepackten Fleisch- und Wurstwaren ist nicht gerade das beste. Die Frischetheke schneidet in der Wahrnehmung vieler Verbraucher besser ab: schön angerichtet, in guter und frischer Qualität, dafür aber auch etwas teurer. Nicht nur bei Fleischwaren, auch bei Käse hat man das Gefühl, die Produkte aus der Frischetheke sind hochwertiger – immerhin bekommt man hier den Käse am Stück und nicht nur in Scheiben. Doch macht es eigentlich wirklich einen Unterschied, wo wir Wurst, Käse & Co. kaufen? Und wenn ja, worin besteht er? Utopia zeigt, worauf Sie beim Kauf achten sollten.

Abgepackte und „frische“ Ware stammt aus den gleichen Betrieben

Zuallererst die große Überraschung: Das Fleisch, die Wurst und der Käse, die abgepackt in den Kühlregalen liegen, kommen in der Regel von den gleichen Tieren von den gleichen Höfen wie die Lebensmittel in der Frischetheke. Wer also denkt, die „frisch“ nach Bedarf eingepackten Waren seien regionaler, aus besserer Tierhaltung oder gesünder, der liegt meistens falsch.

Die Supermärkte beziehen ihre Fleischwaren bei den mit Ihnen kooperierenden Großschlachtern – und diese liefern sowohl kleine Portionen, die sie gleich fürs Kühlregal unter Schutzatmosphäre verpacken, als auch größere Tierstücke, die für die Frischetheke gedacht sind. Aber auch Discounter und knapp drei viertel aller Metzgereien ordern ihre Waren von Großschlachtbetrieben. So ist es durchaus üblich, dass Tierprodukte aus ein und demselben Hof im Discounter, im Supermarkt (sowohl abgepackt als auch an der Theke) und beim Metzger um die Ecke zu finden sind.

Für ein bisschen Transparenz soll die neue Lebensmittelinformationsverordnung sorgen. „Seit April diesen Jahres muss auf abgepacktem Fleisch eine Kennzeichnung über die Herkunft stattfinden – also wo das Tier aufgewachsen ist und wo es geschlachtet wurde“, sagt Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern. „Für verarbeitete Produkte, wie zum Beispiel Wurst oder auch Fleisch in Fertigprodukten gilt diese Kennzeichnungspflicht jedoch nicht“.

Unterschiede vor allem bei Lagerung und Verpackung

Doch auch wenn die Herkunft dieselbe ist – Unterschiede bestehen zwischen den Waren aus der Frischetheke und den Abgepackten aus dem Kühlregal trotzdem. Dabei ist weder Kühlregal noch Frischetheke pauschal „besser“, sondern es ist vom jeweiligen Einkauf abhängig, welche Variante man bevorzugen sollte. Achten können Sie dabei vor allem auf Folgendes:

Haltbarkeitsdatum und Größe der Portionen

Die Produkte aus dem Kühlregal werden vom Hersteller unter Schutzatmosphäre in Plastik verpackt. Diese Schutzatmosphäre besteht aus natürlichen Luftbestandteilen, zum Beispiel Sauerstoff oder Stickstoff, deren Mengenanteile produktabhängig variieren. Ihr Vorteil ist, dass sie Konservierungsstoffe unnötig macht und die Waren trotzdem deutlich länger halten als unverpackte Fleisch-, Wurst- und Käseprodukte.

Zudem schreibt der Hersteller auf der Verpackung ein Verbrauchs- oder Mindesthaltbarkeitsdatum fest. Für den Konsumenten ist somit auch einfach ersichtlich, wie lange sich das Produkt noch (mindestens) hält. „Zur Vorratshaltung eignen sich daher abgepackte Produkte besser“, erklärt Daniela Krehl. An der Frischetheke kann man hingegen die Kaufmenge genau auf den eigenen Bedarf abstimmen, wodurch weniger Reste bleiben und auch kein Essen im Müll landen muss. Das ist besonders bei kleinen Portionen oder wenn man etwas Neues probieren möchte von Vorteil.

Schöne Optik vs. Frische

Ein Nachteil der Frischetheke ist eine höhere Keimbelastung der Waren. Keime aus der Luft können sich hier, wenn die Lebensmittel in der Auslage liegen, auf den Waren verteilen und vermehren. Aus diesem Grund halten sich die Frischwaren auch nicht so lange wie Abgepacktes und haben – bei Fleisch und Wurst – in der Regel auch schon nach kurzer Zeit keine so ansprechende und leuchtende Farbe mehr wie abgepackte Produkte.

Abgepackte Produkte sind jedoch nicht so frisch: Fleisch, Wurst und Käse aus der Frischetheke werden erst am Morgen vor dem Verkauf oder direkt beim Verkauf zugeschnitten – die Schnittflächen sind hier also nicht wie bei abgepackter Ware bereits mehrere Tage oder gar Wochen alt. Zudem macht die Schutzatmosphäre zum Beispiel Fleisch schneller zäh, weshalb man an der Frischetheke oft eine bessere Qualität findet. Zu beachten ist aber, dass das Fleisch selbst bei abgepackten Produkten nicht „älter“ ist. „Der Schlachttermin ist bei beiden Produkten oft derselbe und nur die Weiterverarbeitung findet letztendlich zu einem unterschiedlichen Zeitpunkt statt“, erklärt Daniela Krehl.

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Verpackungsmüll und Weichmacher im Plastik

Bei abgepackten Waren sind „die Mengen an Plastikmüll, die durch die Verpackungen entstehen, ökologisch wirklich zu überdenken“, so Krehl. Im Klartext: Bei Produkten von der Frischetheke fällt deutlich weniger Plastikmüll an. Zudem können bei längerer Aufbewahrung der Lebensmittel in Plastik Schadstoffe auf Fleisch, Wurst und Käse übergehen. „Man empfiehlt eigentlich nicht, diese Lebensmittel – insbesondere Käse, der ja oft sehr fett ist – in Kunststoff aufzubewahren.“ Kauft man an der Frischetheke, sind die Waren nur kurzzeitig oder mit viel Glück auch gar nicht in Plastik verpackt.

Teurer bedeutet nicht gleich bessere Qualität!

Billig-Fleisch und -Wurst ist gleich schlechtes Fleisch und schlechte Wurst – und zwar in punkto Qualität und Erzeugung. Aber bedeutet ein höherer Preis umgekehrt auch eine bessere Qualität? An der Frischetheke kosten die Lebensmittel oftmals mehr als die gleichen Produkte aus der Kühlung. Sind sie also besser? In diesem Glauben wählen viele Käufer die Waren zum höheren Preis. Eine Untersuchung von Öko-Test im August 2014 hat gezeigt, dass zum Beispiel Schweine-Schnitzel bei Rewe an der Frischetheke fast doppelt so viel kosten wie aus dem Kühlregal – die Qualität ist jedoch nicht besser. Der erzielte Gewinn verbleibt in der Regel im Handel und nicht bei den Bauern, die oftmals viel zu wenig Geld für Fleisch und Milchprodukte erhalten und bei den Tierhaltungsbedingungen sparen. Ist es also daher egal, welche Fleisch- und Milchprodukte wir kaufen? Nein! Wir müssen beim Einkaufen auf ganz andere Dinge achten als nur auf den Preis!

Wo bekomme ich Fleisch, Wurst und Käse in guter Qualität?

Auch hier gilt wie so oft: Kaufen Sie regional und biologisch!

  • Immerhin 30 Prozent aller Metzger schlachten noch selbst und beziehen die Tiere dabei häufig von kleineren Bauern aus dem Umkreis. Kleinere Höfe setzen häufiger auf bessere Qualität und bessere Haltung als Großbetriebe, da sie sich gegen die billige Massenproduktion sowieso nicht durchsetzen können. Manchmal bieten traditionelle kleine Höfe sogar Tierhaltung, die (fast) Biostandard entspricht ohne aber zertifiziert zu sein. Natürlich ist das nicht bei jeder Metzgerei der Fall. Fragen Sie daher einfach nach, woher das Fleisch kommt und wie die Tiere dort behandelt werden!

  • Das gleiche gilt auch für Wochenmärkte: Auch hier kann es sein, dass die Metzger noch selber schlachten und die Tiere von regionalen Anbietern bekommen. Informieren Sie sich vor dem Kauf von Käse, Fleisch und Wurst über den Ursprung und die Haltungsbedingungen der Tiere!

  • Eine weitere (und oft auch sehr günstige) Möglichkeit ist es, Fleisch, Wurst und Käse direkt vom Biohof zu kaufen. Hofläden in Ihrer Nähe finden Sie zum Beipsiel unter www.dein-bauernladen.de. Sie erhalten dort besonders frische Qualität und können sich direkt vor Ort über die Haltungsbedingungen informieren.

  • Oder sie verbinden sich langfristig mit einem Hof nach dem Prinzip der solidarischen Landwirtschaft: dabei finanzieren Sie zusammen mit anderen gemeinsam die jährlichen Hofkosten und erhalten im Gegenzug einen Ertragsanteil und die Gewissheit, dass die Landwirte mit dem Land, dem Wasser, den Tieren und Pflanzen verantwortlich und zukunftsfähig umgehen. Hier finden Sie Betriebe, die solidarische Landwirtschaft betreiben.

  • Auch Biosupermärkte oder Biomarken in konventionellen Supermärkten sind eine Alternative – leider sind diese Produkte aber oft nicht regional. Eine Übersicht über die verschiedenen Bio-Siegel und ihre Unterschiede hinsichtlich der Haltungsbedingungen finden Sie hier.

Fazit

Eine klare Empfehlung für Kühlregal oder Frischetheke gibt es nicht: Fleisch, Wurst und Käse stammen meist aus denselben Quellen. Vorteile der Frischetheke sind vor allem, dass man die Menge auf den Bedarf abstimmen kann, weniger Plastikmüll anfällt und die Ware etwas frischer ist. Für abgepackte Produkte sprechen dagegen die längere Haltbarkeit und die geringere Keimbelastung. Wer „gutes“ Fleisch will, sollte auf jeden Fall Bio und möglichst regional einkaufen – und nicht unbedingt nur im Supermarkt. Grundsätzlich gilt für Produkte tierischer Herkunft: lieber seltener, dafür aber „besser“ einkaufen.

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(9) Kommentare

  1. An der Frischetheke von manchen Supermärkten wird jedes Stück Käse neu in Frischhaltefolie eingepackt, nachdem ein Kunde etwas davon gekauft hat. So bezweifle ich stark, dass an solchen Theken der Plastikabfall wirklich geringer ist, als beim Käse aus dem Kühlregal! Analog bei Wurst /Fleisch. Erschreckend.

  2. wer kauft denn fleisch oder käse um die produkte dann lange zu lagern? das ist für mich gar kein kriterium. im regelfall kaufe ich das und verbrauche es dann auch, insbesondere an der frischetheke kann ich dann auch die menge kaufen, die ich aktuell verbrauchen will. industriell gefertigtes fleisch aus plastikverpackungen käme mir nicht auf den tisch. ein aspekt der mir bei der auflistung der vorteile der frischetheke fehlt: der soziale aspekt. frischetheken brauchen personal und geben menschen jobs. sie können, wenns ein guter metzger ist, auskunft geben und beraten. und ich finde insgesamt kann man dann schon deutlich zum kauf an der frischetheke raten – nur für hygienefanatiker ist das ganze nix. ich hab das glück einen metzger und auch einen käsehändler zu haben, der in papier verpackt, so fällt gar kein plastikmüll an – dass das ganze bio ist versteht sich dann von selbst

  3. Mag sein, dass Singles und Pärchen an der Frischetheke zum sofortigen Verbrauch kaufen. Familien mit Kindern hingegen haben meist keine Zeit, jeden zweiten Tag zum Metzger zu laufen. Da kauft man dann neben der Frischwurst auch Hartwurst, die bis zum Wochenende hält.

    Und es war noch nie ein gutes Argument, Dinge auf eine Art zu tun, nur weil sie mehr Menschen beschäftigt. Das hat in der DDR auch nicht so toll funktioniert. Wenn das Thekenpersonal allerdings berät, verkauft es auch gut und erwirtschaftet damit seinen Lohn.

  4. na, thortos, da hast du mich wohl falsch verstanden. du kannst ja auch beim metzger ne salami am stück kaufen und davon 2 wochen was abschneiden, egal ob als single, pärchen oder als familie – und da frag ich mich natürlich gleich, was eigentlich die familien gemacht haben, als es noch keine plastikverpackten lebensmittel gegeben hat…grübel….das zeitargument nervt langsam, die leute haben heute für jeden mist zeit, fernsehen gucken, rumdaddeln mit dem handy, computer, ipad, und was weiß ich noch, nur zum kochen und einkaufen hat irgendwie dann immer gar niemand zeit. und nochmal zu klarstellung, es geht hier nicht darum leute einfach nur um der beschäftigung zu beschäftigen. aber ich zahle gern ein paar cent mehr dafür, dass ich die waren frisch geschnitten bekomme und von einem netten verkäufer oder verkäuferin über die theke gereicht bekomme, der/die mich beraten kann und mir einen guten tag wünscht. das hat mit ddr nix zu tun. das heisst dienstleistung und gerät im zeitalter von selbstbedienung und verpackungswahn ein bisschen in vergessenheit

  5. Utopia sollte ihrem Anspruch zukunftsweisende gute Ratschläge zu geben gerecht werden, dann lautete die Empfehlung eindeutig: Wurst und Käse gar nicht kaufen, sondern ein veganes Leben für die eigene Gesundheit, für Menschenrechte, für die Umwelt, den Planeten, andere fühlende Lebewesen … zu führen

  6. @chiara oriana – tja liebe chiara, wenn du das allwissend hier für uns alle, für utopia und für die gesamte menschheit vorschreibst, dann halten wir ab jetzt alle die klappe und beugen uns deinem sicher nur gut gemeinten VEGAN-diktat. aber vielleicht entschließe ich mich einfach, menschen, die glauben, den einzig richtigen weg gefunden zu haben, die glauben menschen ihre lebensweise vorschreiben zu können, einfach nur doof zu finden.

  7. Vielen Dank, du nimmst mir die Worte aus dem Mund. Mal davon abgesehen, dass die Herstellung veganer Lebensmittel nicht einen Deut nachhaltiger ist und zu Mangelernährung führt.

    Die Entscheidung, was man isst, liegt bei jedem selbst. Und wie immer liegt die Wahrheit wahrscheinlich irgendwo in der Mitte, bei einer praktikablen Mischung aus hochwertigen, achtsam zu genießenden Fleischprodukten, frischen regionalen Produkten und bezahlbaren Grundnahrungsmitteln aus dem Discounter.

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