Das Erdgas-Auto ist sparsamer und nachhaltiger

Erdgasautos sind längst kein Testballon mehr ... Foto: marshi / photocase.com

Nicht nur beim Warten auf erschwingliche Elektromobile ist das Erdgas-Auto eine Alternative fürs Klima. Reife Technik, schmaler Verbrauch und „Power-to-gas“-Start machen die rund zwei Dutzend Gasautos am deutschen Markt interessant.

Wer sich in diesen Zeiten für möglichst nachhaltige Mobilität entscheiden möchte, bleibt meist an drei entscheidenden Fragen hängen: Reichweite, Ökobilanz und Anschaffungspreis.

Immerhin: Die Angst vorm Liegenbleiben war beim Erdgas-Auto, anders als lange beim Elektroauto, noch nie ein Thema. Denn gut 920 Tankstellen im Bundesgebiet bieten flächendeckend den besonderen Stutzen zum Nachfüllen, fast zwei Drittel davon sind rund um die Uhr geöffnet. Man kann heute also getrost zu einem der Erdgasauto-Modelle greifen.

Eilige Leser finden 12 Erdgasautos aller Größenklassen in der Bilderstrecke:

Einzelne Hersteller bedienen ihre Kunden inzwischen nicht nur mit Gastanken-Karten, sondern auch mit aufgerüsteten Navis. Viele europäische Urlaubsländer sind zudem versorgungssicher ausgerüstet – noch etwas dünn ist das Netz in Frankreich, am besten dafür in Italien: dort besitzt inzwischen jedes siebte neue Auto einen Erdgas-Tank.

Den Abschleppdienst muss man als Erdgas-Auto-Fahrer schon deshalb nicht rufen, weil jedes Erdgasmobil zusätzlich mit einem Benzintank ausgestattet ist. Weiter geht’s immer irgendwie … und das schon im Normalfall recht klimafreundlich.

Das Erdgas-Auto ist klimafreundlicher

Erdgas-Auto betanken
Erdgas-Auto betanken

Erdgas besteht vor allem aus Methan und  gilt als der kohlenstoffärmste Brennstoff. Bei seiner Nutzung entsteht ein Viertel weniger CO2 als im Benzinbetrieb. Im Vergleich mit einem Dieselfahrzeug schrumpft dieser Unterschied zwar, dafür gibt es 75 Prozent weniger Stickoxide und so gut wie keine Rußpartikel und Feinstäube.

Weiteres Plus fürs Erdgas-Auto: Bereits jetzt werden 180 Erdgas-Tankstellen in Deutschland ergänzend mit Methan aus Biogas-Anlagen beliefert. Es verspricht erzeugungsseitig CO2-Neutralität, weil durch den Auspuff nur jene Menge in die Umwelt entlassen wird, die ihr die pflanzlichen Ausgangsstoffe vorher entnahmen.

„Power-to-gas“ geht noch einen Schritt weiter. Das 1895 in Dänemark erstmals ausprobierte Verfahren gewinnt Methan per Elektrolyse aus Wasser und CO2. Die nötige Energie stammt – damals wie heute – aus Windkraftanlagen. Längst ist Power-to-gas kein Testballon mehr. Anlagen arbeiten in Stuttgart, der Uckermark und (im Auftrag von Audi) auch im niedersächsischen Werlte. Weitere sind in Planung und Bau.

Anfang Juli geht im Mainzer Energiepark der mit 6 MW Leistung größte Elektrolyseur in Betrieb, an dem Siemens und Linde beteiligt sind. Die Idee dahinter: Warum überschüssigen Windstrom billigst oder sogar zu negativen Preisen ins Ausland abgeben, wenn man daraus synthetisch Erdgas machen und dieses auch speichern kann?

Die Ökobilanz beim Erdgas-Auto würde sich noch einmal schlagartig verbessern: Audi hat vorgerechnet, dass sich der CO2-Ausstoß seines „A3 g-tron“  so von derzeit 92 auf 32 g/km dritteln würde.

LPG-Autogas: Steuervorteil läuft aus

Zur Unterscheidung: Neben natürlichem Erdgas, synthetischem Methan und Biogas gibt es für das Erdgas-Auto noch „Autogas“ (LPG), das ebenfalls an vielen Tankstellen angeboten wird. Ihre Besitzer schätzen den Kostenvorteil, der trotz des Mehrverbrauchs besteht.

Der für nachhaltige Mobilität jedoch entscheidende Fakt: LPG – bestehend aus Butan und Propan – wird als Abfallprodukt bei der Erdöl-Förderung gewonnen. Es hat keine Chance, über Biogas- oder „Power-to-gas“-Anwendungen klimafreundlicher gestaltet zu werden. Seine steuerliche Förderung gilt nur noch bis 2018. Dagegen hat die Berliner Regierungskoalition der Fortsetzung des Steuerbonus für Erdgasautos fest verabredet.

Zudem irritiert gern, dass auch Erdgas-Preistafeln regional merklich differieren können. Ursache sind zwei – leicht unterschiedliche – Qualitäten, mit denen Deutschland beliefert wird: höherenergetisches H-Gas und leichteres L-Gas.

Der Unterschied im Energiegehalt beträgt etwas mehr als 10 Prozent, den der Motor des Erdgasautos unter entsprechendem Mehrverbrauch problemlos verkraftet. Wo Erdgas – beispielsweise im Rheinland – mit 85 Ct./kg besonders billig erscheint, wird L-Gas getankt.

Erdgasautos vom Kleinstfahrzeug bis zum Erdgas-Van

Bei den Zulassungszahlen bilden Erdgasfahrzeuge nach wie vor einen Nischenmarkt, doch die prozentualen Zuwächse sind beachtlich. 2014 konnte man mit 9.100 neuen Gasautos ein Ausrufezeichen setzen und den Bestand auf 81.400 Exemplare erhöhen. Zum Vergleich: Das sind fünfmal mehr Erdgas-Autos als die zum selben Zeitpunkt betriebenen Elektro-Autos.

Manch Fahrzeughersteller zog sich aus dem Markt für Erdgasautos zurück, weil seine „Nische in der Nische“ nicht mehr rentabel bedient werden konnte. Dennoch sind in Deutschland etwa 25 Erdgas-Pkw in acht unterschiedlichen Segmenten verfügbar – von Kleinstfahrzeugen wie VWs „eco up!“ und dem Fiat Panda über die Kompaktklasse mit Seat Leon, VW Golf und Mercedes-Benz B 200 hin zu Mittelkasse-Kombis, Hochdach-Kombis und familienfreundlichen Vans.

Sogar in der oberen Mittelklasse macht Daimler mit der E-200-Limousine ein – wenn auch preislich anspruchsvolles – Angebot für ein Erdgas-Auto. Die größte Angebotspalette findet man bei Fiat und dem VW-Konzern.

12 wichtige Vertreter aus allen Pkw-Klassen vom Kleinstwagen bis zum Hochdach-Kombi haben wir in der Bildergalerie für dich zusammengestellt:

Allen Erdgas-Fahrzeugen ist gemeinsam, dass sie in Verbrauch, Treibstoffkosten pro 100 Kilometer und CO2-Ausstoß deutlich besser abschneiden als typengleiche Benziner. Die Mehrkosten der Anschaffung egalisieren sich beim Erdgasauto oft sehr schnell. Knapper gestaltet sich der Vergleich mit Diesel-Modellen – dort sprechen in Ausnahmefällen die ökonomischen Faktenvergleiche sogar für den Selbstzünder. Aber nachhaltig sind solche Treibstoffe nicht, hinzu kommt das Problem mit den Stickoxiden.

Wem das Angebot nicht reicht: In den einschlägigen Online-Portalen finden sich Hunderte von Gebraucht-Mobilen mit Erdgasantrieben im erreichbaren Umkreis, zum Beispiel auf autoscout24.de. Teilweise – weil es das Erdgas-Auto der Eltern oder Großeltern gewesen ist – zu durchaus günstigen Konditionen. Durchaus noch nicht alte Modelle von BMW, Ford, Volvo oder Citroen erweitern zudem das Angebot.

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(3) Kommentare

  1. in dem Artikel kam leider nicht zur Sprache dass es einen erheblichen Unterschied zwischen Autogas (LPG) und Erdgas (CNG) gibt. Erdgas und Biogas basieren auf Methan und die Autos können mit beidem gefahren werden. Autogas hingegen – auf das zum Beispiel Italien setzt – ist ein Abfallprodukt aus der Erdölverarbeitung. Autos mit dieser Gasart (LPG) können meines Wissens nicht mit Erdgas-Biogas betankt werden und haben eine sehr schlechte Ökobilanz.

  2. Ich lese im Abschnitt „LPG-Autogas: Steuervorteil läuft aus“
    „(…) Der für nachhaltige Mobilität jedoch entscheidende Fakt: LPG – bestehend aus Butan und Propan – wird als Abfallprodukt bei der Erdöl-Förderung gewonnen. Es hat keine Chance, über Biogas- oder „Power-to-gas“-Anwendungen klimafreundlicher gestaltet zu werden. (…)“

  3. stimmt, das war ein Missverständnis meinerseits! Anscheinend ist es für mein Auto wirklich egal welche Art von Gas ich tanke – oder gibt es wirklich Unterschiede (mein aktueller Wissensstand)?