Black Food: Was ist dran an schwarzen Lebensmitteln?

Black Food
Fotos: © ajale, pezibear, jackmac34 CC0 Public Domain / Pixabay

Black Food nennt sich ein neuer Ernährungstrend, der vermehrt auf schwarze Lebensmittel setzt. Was ist dran an diesem Trend? Vor allem aber: Was steckt drinnen in den schwarzen Lebensmitteln?

Black Food? Wenn du da zuerst an schwarze Currywurst mit schwarzen Pommes oder schwarze Burger in Schwarzbrot denkst – liegst du tatsächlich richtig.

Angefangen hat es tatsächlich mit einem verkohlten Hot Dog in einem schwarzen Brötchen, dessen Foto durch die Sozialen Netze ging. Mittlerweile gibt es kaum ein Lebensmittel, das nicht schon jemand schwarz eingefärbt hätte – und zwar nicht notwendigerweise durch Ankokeln.

Was macht Lebensmittel schwarz?

Beim Black Food geht es in erster Linie darum, dass die Lebensmittel schwarz sind. Und zwar unabhängig davon, wie sie ihre schwarze Färbung bekommen haben. Denn die Farbe kann auf natürliche Art und Weise „erwachsen“ oder auch nachträglich hinzugefügt worden sein. Die häufigsten Farbstoffe in schwarzen Lebensmitteln sind:

  • Anthocyane: Das sind natürliche Pflanzenfarbstoffe, die Obst und Gemüse blau, lila oder fast schwarz erscheinen lassen. Brombeeren enthalten zum Beispiel viele Anthocyane.
  • Eisen-II-Gluconat oder Eisen-II-Laktat: Beide Stoffe wirken oxidierend und bewirken, dass sich damit behandelte Lebensmittel tiefschwarz verfärben. Billige schwarze Oliven werden so eingefärbt, die nachträgliche Färbung erkennst du an Zusatzstoffe-Nummern wie E579 und E585.
  • Sepia: Die dunkle „Tinte“ des Tintenfisches dient eigentlich zur Abwehr von Feinden und färbt seit Langem italienische Nudelspezialitäten schwarz.
  • Aktivkohle: Bei Durchfallerkrankungen werden oft Kohletabletten empfohlen, denn sie sind in der Lage, durch die Nahrung aufgenommene Gifte aus dem Verdauungstrakt zu entfernen.

Zusätzlich zu diesen häufig verwendeten Lebensmittelfarbstoffen gibt es noch exotische Varianten. Beispielsweise die Kohle verbrannter Kokosnüsse, jedoch ist auch diese chemisch gesehen nichts anderes als Kohlenstoff.

Black Food
Schwarze Pasta wird mit der Tinte von Sepia gefärbt oder auch mit Kakaopulver. (Foto: © Stilfehler CC BY-SA 3.0)

Was ist der gesundheitliche Nutzen schwarzer Lebensmittel?

Black Food soll gesund sein, sogar so gesund, dass sogar Eiscreme, die schwarz gefärbt wurde, als „gesünder“ angeboten wird. Schwarze Lebensmittel sollen außerdem entgiften, gut für die Nieren sein, Krebs vorbeugen und besonders reich an Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen sein.

Aber: Farbe allein sagt noch nichts über den Gesundheitswert eines Lebensmittels aus, die schwarze Lakritzschnecke spricht hier sicherlich für sich. Wir haben die häufigsten schwarzen Farbstoffe unter die Lupe genommen und auf ihren gesundheitlichen Mehrwert hin beurteilt:

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Black Food durch Aktivkohle

Mit Aktivkohle gefärbte Lebensmittel sind die billigsten Vertreter unter den neumodischen schwarzen Lebensmitteln. Aktivkohle ist ein zugelassener Lebensmittelfarbstoff (E-Nummer E153) und wird vielen industriell hergestellten Lebensmitteln zugesetzt, um sie farblich „aufzuhübschen“. So werden zum Beispiel Marmeladen und Gelees mit wenig Fruchtanteil trotzdem dunkel und suggerieren beispielsweise viele Schwarze Johannisbeeren.

Gesünder wird dadurch kein Produkt – nur schwärzer. Weil Aktivkohle in der Lage ist, Gifte zu binden, werden mit Kohle gefärbte Black Food Lebensmittel gerne mit Zusatznutzen wie „entgiftend“ oder „detox“ angepriesen. Ein gesunder Körper ist jedoch mit Leber und Niere bereits bestens ausgestattet, Schadstoffe auszuscheiden.

Auf die geringe Menge Aktivkohle in Black Food kommt es nicht wirklich an – und „detoxen“ und „entschlacken“ muss sowieso niemand. Darüber hinaus werden mit Aktivkohle hauptsächlich per se ungesunde Lebensmittel auf „black & gesund“ getrimmt: Pommes, Currywurst und Burgerbrötchen werden nicht gesünder, wenn sie „kohlrabenschwarz“ gefärbt sind.

Black Food
Von Natur aus Black Food: Blaubeeren. (Foto: © krzys16 / Pixabay)

Eisen-II-Gluconat und Eisen-II-Laktat

Oliven und andere Lebensmittel, die mit Eisen-II-Gluconat oder Eisen-II-Laktat schwarz gefärbt sind, bringen keinen gesundheitlichen Zusatznutzen durch die Farbe mit sich. Mit Eisen-II-Gluconat (E579) schwarz gefärbte Oliven sind deshalb gefärbt, weil man ihnen keine Zeit zum Reifen gelassen und sie grün geerntet hat. Das erkennt man ganz leicht daran, dass der Kern noch hellgrün ist.

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Eisen-II-Laktat (E585) ist wie Eisen-II-Gluconat in der EU zwar nur als Farbstoff für Oliven zugelassen, wird aber vom Körper sehr gut aufgenommen und dient daher zur Anreicherung von Lebensmitteln mit Eisen. Dies ist dann nicht an der Farbe zu erkennen, denn Eisen-II-Gluconat ist eigentlich grüngelblich, die schwarze Farbe der Oliven entsteht nur durch Oxidation. Auch hier bringt die schwarze Farbe also keinen gesundheitlichen Mehrwert.

Natürliches Färbemittel Sepia

Sepia, auch „Tintenfischtinte“ genannt, hat sich als natürliches Färbemittel für Nudeln inzwischen auch in deutschen Küchen etabliert. In der Homöopathie wird Sepia zum Beispiel bei Frauenleiden oder Erkrankungen der Atemwege eingesetzt. Es liegen hierzu jedoch noch keine wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse vor.

Wer weder unter Frauenleiden noch unter sonstigen Erkrankungen leidet, gegen die Sepia in der Homöopathie hilft, hat keinen gesundheitlichen Vorteil durch den Verzehr von Tintenfischtinte. Im Gegenteil: Die Sahnesauce, die oft zu schwarzen Nudeln gereicht, darf als nicht besonders gesund gelten.

Sepia hat übrigens keine E-Nummer, muss aber auf der Zutatenliste aufgeführt werden, weil sie Allergien auslösen kann.

Black Food: Schwarze Olive
Schwarze Oliven sind manchmal gefärbt (Foto: © Colourbox.de)

Black Food dank Anthocyane

Anthocyane gehören zu den Flavonoiden, sind sekundäre Pflanzenstoffe und somit grundsätzlich gesund. Je mehr Flavonoide und gesunde sekundäre Pflanzenstoffe wir aufnehmen, desto besser. Anthocyane sind nicht nur für die fast schwarze Färbung von Obst und Gemüse verantwortlich, sondern auch für die dunkelrote Farbe von Kirschen, Trauben oder auch Hibiskusblüten.

Wir stellen dir hier in Bildern 12 leckere Lebensmittel mit Anthocyanen vor:

Es gibt allerdings über 8.000 Flavonoide, und ihnen allen wurden antioxidative Wirkungen nachgesagt. Sie alle senken grundsätzlich das Risiko für Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen – ganz unabhängig von ihrer Farbe. Es bringt also nichts, sich rein auf schwarzes Obst und Gemüse zu beschränken. Obst und Gemüse sind per se gesünder als Junk-Food und industriell stark verarbeitete Nahrung.

Utopia empfiehlt:

Die schwarze Farbe alleine hat nichts mit dem Gesundheitswert eines Lebensmittels zu tun. Je bunter deine Ernährung, desto vielfältiger deine Aufnahme an Flavonoiden und anderen gesundheitsfördernden sekundären Pflanzenstoffen. Und damit dein Essen so bunt wie möglich ausfällt, dürfen auch natürlich schwarze Lebensmittel nicht fehlen. Am besten aus regionalem Anbau und nach dem Saisonkalender.

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