Fairtrade-Blumen & Bio-Blumen: Blumen kaufen mit blĂŒtenreinem Gewissen

Foto: Pixabay, CC0 Public Domain

Wer am Valentinstag, Muttertag oder Jahrestag Blumen verschenkt, will seinen Lieben eine Freude machen. Um damit nicht gleichzeitig Umweltzerstörung und Ausbeutung zu unterstĂŒtzen, kaufst du besser nicht irgendwelche Blumen, sondern regionale Blumen, Bio-Blumen oder Fairtrade-Blumen. Utopia zeigt, worauf du beim Blumenkauf achten kannst.
Dieser Valentinstag, am Sonntag, dem 14.02.2021, fĂ€llt noch direkt in den Corona-Lockdown. Das macht es schwieriger, dieses Jahr ĂŒberhaupt Blumen zu kaufen. Aber bitte: Kauf trotzdem nicht die billigen Blumen von der Tankstelle oder aus dem Supermarkt, sondern zertifizierte Blumen.

Einige lokale BlumenlĂ€den und GĂ€rtnereien bieten dieses Jahr Click & Collect an: Dort kannst du telefonisch einen Strauß oder Topf vorbestellen und abholen oder die Blumen sogar liefern lassen. Auf den WochenmĂ€rkten bekommst du oft Blumen in Bio-QualitĂ€t und fair gehandelt. Es gibt aber auch Onlineanbieter, die fair gehandelte Blumen im Sortiment haben. Bei Fairtrade-Deutschland findest du dazu eine Online-Shoppingliste.

Wenn möglich, Bio-Blumen wÀhlen

Bio-Blumen werden nicht mit synthetischen Pestiziden oder DĂŒngern behandelt und sind daher umwelt- und gesundheitsschonender.

Leider hat sich Bio bei Schnittblumen noch nicht wirklich durchgesetzt. Daher ist es nicht ganz einfach, Blumen in Bio-QualitĂ€t im Blumenhandel zu bekommen, auch wenn es Ausnahmen gibt. Im Zweifel einfach nachfragen – das hilft auch, die BlumenhĂ€ndler:innen weiter fĂŒr das Thema zu sensibilisieren, glaubt Blumenexpertin und Autorin Silke Peters.

Bio-Blumen & Fairtrade-Blumen kaufen
Blumen-Kauf: Wenn möglich, Bio-Blumen und Fairtrade-Blumen wÀhlen (Foto: Pixabay, CC0 Public Domain)

In der Regel erhÀltst du Bio-Blumen am ehesten auf WochenmÀrkten oder direkt bei ökologischen GÀrtnereibetrieben (die auch gelegentlich auf WochenmÀrkten vertreten sind).

Nach Bezugsquellen fĂŒr Bio-Zierpflanzen kannst du in dieser interaktiven Karte, Bioland-zertifizierte GĂ€rtnereien listet der Verband hier.

Fairtrade-Blumen kaufen

Wenn du im Winter – etwa zum Valentinstag – unbedingt Rosen kaufen willst, kaufe sie wenn möglich fair, d.h. zum Beispiel Fairtrade-zertifiziert. Nur 20 Prozent der in Deutschland verkauften Blumen werden auch hier angebaut, der Rest kommt aus aller Welt. Etwa jede dritte in Europa verkaufte Rose war 2011 laut ARD in Kenia gewachsen. Dort kommt es durch die BewĂ€sserung der Blumen zu Wasserknappheit, die Arbeitsbedingungen sind oft schlecht, Ausbeutung an der Tagesordnung, der Pestizideinsatz hoch.

Fairtrade aus Afrika mit besserer Umweltbilanz als Rosen aus Holland

Obwohl die Rosen aus den Niederlanden einen kĂŒrzeren Transportweg nach Deutschland haben, haben die Fairtrade-Rosen aus Afrika im Winter eine bessere Ökobilanz. Das bestĂ€tigt eine Studie vom Migros-Genossenschafts-Bund und Fairtrade International. In den klimatischen Bedingungen in Kenia oder Tansania, können Rosen besser wachsen. In Europa mĂŒssen fĂŒr den Anbau TreibhĂ€user mit hohem Energieaufwand beheizt werden. Wichtig ist nur eben darauf zu achten, dass die Blumen aus fairem Handel kommen und es sich nicht um konventionelle Rosen aus Kenia handelt. Bei den fair produzierten Rosen werden weniger Pestizide eingesetzt, weshalb diese Blumen auch besser fĂŒr die Umwelt sind.

Deshalb: Kauf lieber keine Blumen aus zweifelhafter Produktion, sondern besser Fairtrade-Blumen. Das Fairtrade-Siegel garantiert, dass sozial- und umweltvertrĂ€glicher produziert wird (das Wasserproblem löst es allerdings nicht). Fair gehandelte Rosen sind nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch fĂŒr die BeschĂ€ftigten besser: „Wer Rosen mit Fairtrade-Siegel kauft, unterstĂŒtzt neben nachhaltigen Anbaupraktiken auch Arbeitsschutz, ArbeitsvertrĂ€ge und Mindestlöhne fĂŒr die BeschĂ€ftigten“, so TransFair-Vorstandsvorsitzender Dieter Overath.

Fairtrade-Blumen gibt es in vielen SupermĂ€rkten, beispielsweise bei Rewe, Penny oder Aldi, aber auch in zahlreichen BlumenlĂ€den. Eine Übersichts-Karte gibt es bei Fairtrade Deutschland.

Blumenstrauß kaufen: Auf saisonale und regionale Blumen achten

Blumenstrauß kaufen: Fairtrade-Blumen, Bio-Blumen oder regionale Blumen
Blumenstrauß kaufen: auf regionale Herkunft achten (Foto: CC0 Public Domain / Unsplash - Katya Austin)

Auch fĂŒr Blumen ist regional und saisonal die beste Wahl. Frag deshalb beim Blumenkauf nach der Herkunft der Pflanzen: Wachsen Pflanzen im beheizten GewĂ€chshaus oder kommen vom anderen Ende der Welt, ist das fĂŒr die Klimabilanz kontraproduktiv. Auch ein Siegel kann dir Aufschluss geben: FĂŒr regionale Blumen gibt es das grĂŒne „Ich bin von hier!“-Siegel.

Eine Übersicht, wann welche Blume bei uns Saison hat, findest du im PDF von oeko fair.

Trockenblumen statt frische Blumen

Es muss aber nicht immer der Strauß frische Schnittblumen sein. Wie wĂ€re es mal mit Trockenblumen? An denen kann sich die beschenkte Person noch lĂ€nger erfreuen als an den frischen Blumen. Die meisten Trockenblumen halten mehrere Monate oder bei guter Pflege sogar ewig.

Trockenblumen sind unkompliziert in der Pflege: Das Wasser muss nicht gewechselt werden und die Blumen brauchen keine bestimmten LichtverhĂ€ltnisse. Da sich Trockenblumen zum echten Trend entwickelt haben, gibt es sie in einer großen Vielfalt zu kaufen. Auch an die Saison bist du nicht mehr gebunden, denn getrocknete Sommerblumen kannst du dir auch im Winter in die Wohnung stellen.

Faire Trockenblumen von bloomon
Faire Bio-Trockenblumen gibt es zum Beispiel von bloomon. (Foto: bloomon)

Auch hier gilt: Besser nicht irgendwelche Blumen kaufen, sondern darauf achten, dass die Blumen biologisch und fair angebaut wurden. Solche Blumen findest du zum Beispiel bei bloomon.

Im Sommer: Blumen selber pflĂŒcken

Einen Blumenstrauß kaufen und verschenken ist schön – aber BlumenstrĂ€uße selber pflĂŒcken bringt dazu noch Sommerlaune. Der oder die Beschenkte darf sich außerdem ĂŒber diese besonders liebevolle Geste freuen. Wunderschöne regional angebaute SommerstrĂ€uße bekommt man im Sommer oft frisch vom Feld. Achte einfach auf Hinweisschilder wie „Blumen zum SelberpflĂŒcken“.

Wenn du auf der grĂŒnen Wiese Wildblumen pflĂŒcken möchtest, solltest du einige Dinge beachten:

„Im Idealfall schneidet man Pflanzen fĂŒr den Wildblumenstrauß mit dem Messer und sammelt immer nur einzelne Exemplare eines Bestandes, dann sind spĂ€testens im darauf folgenden Jahr alle wieder da. Ausgraben oder ausreißen sollte man Wildpflanzen prinzipiell nie. GeschĂŒtzte Pflanzen dĂŒrfen nicht gepflĂŒckt werden“,

sagt Dr. Thomas Hövelmann, Diplom-Biologe und Vorsitzender des NABU-Bundesfachausschusses Botanik.

FĂŒr HobbygĂ€rtner:innen: Blumen selber ziehen

Werde doch einfach selbst zum:r GĂ€rtner:in und ziehe dir deinen Blumenstrauß selbst. Wenn du die richtigen – heimischen – Sorten wĂ€hlst, haben auch Bienen und andere Insekten etwas davon.

Bunte BlumenstrĂ€uße ergeben zum Beispiel die Bingenheimer Saatgutmischungen der Initiative Vielfalt erleben, zu kaufen in dm-, Alnatura-und Budni-Filialen oder online. Bio-Blumensamen-Mischungen gibt es zum Beispiel bei Avocadostore**.

Beim Blumenstrauß-Kaufen auf Blumen unklarer Herkunft verzichten

Wenn du keine nachhaltigen Blumen, wie zum Beispiel Bio-Blumen oder Fairtrade-Blumen bekommst: Vielleicht fÀllt dir ein anderes kleines Geschenk ein? Von Blumen, deren Herkunft sich nicht bestimmen lÀsst und die auch nicht durch verlÀssliche Label ausgezeichnet sind, sollte man besser die Finger lassen.

Wir haben einige Geschenk-Ideen zur Inspiration:

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass du sonst Unternehmen und Produktionsformen unterstĂŒtzt, die weder an sozialen Standards noch an Umweltkriterien interessiert sind – und deine Liebsten mit einem Strauß voller Pestizide beschenkst.

Weiterlesen auf Utopia.de:

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(3) Kommentare

  1. Ein Problem bei den Fairtrade Blumen: Zum Beispiel in Afrika, wird viel Wasser verbraucht, um Blumen fĂŒr unseren Markt zu produzieren. Dieses Wasser fehlt dann bei anderen Bevölkerungsgruppen in nicht unerheblichem Maße. Dazu gab es auch schon einmal eine Reportage bzw. Dokumentation, ich konnte aber leider nur noch diesen Link ausfindig machen, in dem man einen Hinweis findet: „Die kenianischen Massai, deren Viehherden aufgrund der Blumenplantagen kaum noch Zugang zu Trinkwasser haben[…].“
    http://faireinkaufenaberwie.blogspot.de/2013/02/fairtrade-rosen-in-der-kritik.html

  2. https://www.fairtrade-deutschland.de/fileadmin/user_upload/materialien/download/Statements_Wasserverbrauch_Fairtrade_Rosen.pdf
    Diese – von Fairtrade selbst verfasste – Stellungnahme zeigt, dass die Angelegenheit sehr zweischneidig ist. Die Beschreibung von Utopia unter dem Punkt „Fair kaufen“, ist diesbzgl. viel zu positiv bzw. zu undifferenziert und könnte den KĂ€ufer eher dazu verleiten, bedenkenlos zu Fairtrade Blumen zu greifen, statt sich auch hin und wieder zu fragen, ob es bessere Lösungen gibt. Das kann z.B. auch bedeuten Fairtrade, aber weniger oder (fast) keine Blumen zu kaufen, wenn die Probleme nicht noch besser gelöst werden und die Gefahr besteht, dass Menschen trotz fairer Produktion leiden mĂŒssen.
    Auch sollte nicht immer das „Totschlagargument“ der ArbeitsplĂ€tze der Menschen vor Ort bemĂŒht werden. Denn anstatt fĂŒr uns könnte man auch dafĂŒr sorgen, dass die Menschen fĂŒr ihre eigenen Regionen bzw. LĂ€nder und umliegenden MĂ€rkte nachhaltig und fair produzieren. Es lohnt sich auch, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen und sich von – zu einem gewissen Teil – Scheinargumenten (dessen Basis auch Probleme sind, fĂŒr die wir in den reichen LĂ€ndern auch mitverantwortlich sind) nicht von eigentlichen Problemen ablenken zu lassen.

  3. Hinter Fairtrade steht im Prinzip eine neokoloniale AttitĂŒde: Die Leute in Kenia sollen doch bitteschön etwas mehr fĂŒr ihre Blumen bekommen, damit sie auch in 20 Jahren noch Blumen verkaufen und davon einigermaßen gut leben können. TatsĂ€chlich wĂ€re es fĂŒr Kenia aber besser, den Weg Chinas zu gehen, d.h. möglichst schnell zu industrialisieren.

    Wir WohlstandseuropĂ€er machen immer wieder den Fehler, unsere Sicht der Welt auf arme LĂ€nder zu ĂŒbertragen.