Clean-Energy-Start-ups: Was bieten Stromee, Corrently, Ostrom, Tibber, Octopus Energy?

Clean Energy Startups Öko Strom
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Die Tage der Energiekonzerne sind gezählt. Zahlreiche kleine, wendige Clean-Energy-Start-ups können Strom und Energie – aber eben umweltfreundlicher und ideenreicher. Utopia stellt dir spannende Newcomer wie Stromee, Corrently, Ostrom, Tibber und Octopus Energy vor.

Es gibt eine wachsende Zahl neuer Anbieter von Ökoenergien. Nicht alle Clean-Energy-Start-ups sind dabei nur „grüne Marken grauer Anbieter“, doch gleichzeitig lassen sich auch nicht alle davon mit den strengen Kriterien der Utopia-Bestenliste Ökostrom messen. Daher wollen wir sie an dieser Stelle einmal gesondert betrachten. Wichtig: Hier gelistet zu sein ist noch keine Utopia-Empfehlung irgendeiner Art – aber grünen Strom bieten alle hier genannten Anbieter, Stromee und Corrently sogar mit Ökostrom-Siegel.

Stromee: Direktkauf beim Öko-Stromerzeuger

Bei Stromee handelt es sich um eine digitale Plattform, Verbraucher und Erzeuger erneuerbarer Energien direkt miteinander verbinden möchte. Und das können Kund:innen dort auch sofort sehen: Denn bei Stromee kann man nicht nur, wie bei vielen Stromvergleich-Rechnern, Postleitzahl und Stromverbrauch angeben und sich ein Angebot machen lassen – dort kann man auch direkt aussuchen, bei welcher EE-Anlage man diesen Strom (mit ok-power-Label) kaufen möchte.

Auf diese Weise und mit Filtern wie Bio-, Solar- bzw. Windkraft gewährt Stromee ein Maß an Selbstbestimmtheit, wie man es noch sehr selten findet. Aber Vorsicht: Es ist eine Illusion zu glauben, dass man dann wirklich Strom von dieser Anlage beziehen würde, denn Strom nimmt immer den kürzesten Weg. Wahr ist hingegen, dass man die beim Wechsel ausgesuchte Anlage mit dem Stromkauf direkt unterstützt.

Diese Transparenz ist wirklich einzigartig, macht die eigene Wirkung auf die Energiewende faßbar und Stromee zu einem Tipp unter den Clean-Energy-Startups. Zudem will Stromee in den kommenden Jahren so viele Stromanbieter involvieren, dass künftig jede:r auf eine maximal 100 km entferne EE-Anlage zugreifen kann (eine Distanzsortierung gibt es bereits). Irgendwann sollen dann auch Privathaushalte die Möglichkeit erhalten, zum Beispiel eigenen Solarstrom über den Marktplatz anzubieten. Kritisches Detail: Hinter dem Unternehmen steht unter anderem die Energie Steiermark Kunden GmbH, deren Muttergesellschaft noch viel fossiles Gas nutzt.

  • Utopia meint: Einer der spannendsten Strommarktplätze, nach Stichproben auch eines der günstigeren Ökostromangebote.
  • Ökostrom: empfehlenswertes Siegel ok-power-plus, regionale Erzeugung mit wählbarer Erzeugungsanlage
  • Info: Stromee

Corrently: Strom vom nächstgelegenen Ort

Eine der unangenehmen Wahrheiten bei Ökostrom haben wir schon erwähnt: Der Strom kommt immer vom nächstgelegenen Kraftwerk. Das ist Physik und lässt sich nicht ändern. Was sich ändern lässt ist, wohin unser Geld für Strom fließt. Daher ist Ökostrom dennoch sinnvoll, denn unsere Entscheidung für bessere Ökoenergien beschleunigt den Ausbau der erneuerbaren Energien.

Was aber bleibt, ist das Problem der Distanz zwischen den Orten, an denen Strom erzeugt wird und jenen, wo Strom verbraucht wird. Der oben genannte Anbieter Stromee will dieses Problem adressieren, StromDAO Corrently tut es schon: Ein spezielles System sorgt dort dafür, dass Kund:innen stets Ökostrom (bei Corrently sogar ok-power-plus-zertifiziert) aus der Region erhalten, wobei auch der konkrete Standort (näher an Windmühlen oder näher an Photovoltaik) berücksichtigt wird.

Nach eigenen Angaben konnte Corrently die durchschnittliche Distanz zwischen dem Ort der Stromerzeugung und dem Ort des Stromverbrauchs bereits deutlich reduzieren. Und auf der Strecke dennoch anfallende Strom-Netzverluste, die ihren eigenen CO2-Fußabdruck haben, werden bei Corrently zusätzlich klimaneutralisiert. Das ist nicht nur unter den hier genannten Clean-Energy-Start-ups, sondern selbst unter den vorbildlichsten Ökostromanbietern einzigartig.

  • Utopia meint: Sehr interessanter Stromanbieter der anderen Art, der tatsächlich ein einzigartiges Angebot hat.
  • Ökostrom: empfehlenswertes Siegel ok-power-plus, regionale Erzeugung
  • Info: Corrently

Ostrom – Strom zum Einkaufspreis

Die Verfügbarkeit erneuerbarer Energien schwankt etwas stärker, es wird also vermehrt Zeiten reduzierter Stromverfügbarkeit und Strom-Überproduktion geben, die auch auf die Marktpreise durchschlagen. Das ist ein Problem, aber kein unlösbares, und Clean-Energy-Start-ups wie Ostrom gehen es an.

Ostrom verkauft hierfür Strom zum „Einkaufspreis“. Ist dieser hoch, zahlt der Kunde mehr, ist er niedrig, wird es günstiger. Ostrom selbst nimmt noch eine Grundgebühr, aus der sich das Unternehmen selbst finanziert. Natürlich werden noch diverse andere Gebühren fällig, die Ostrom aber fein säuberlich auflistet.

Eine App erlaubt die detaillierte Verbrauchsüberwachung im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten. Smart Meter sind hier von Vorteil, aber bei Ostrom ausdrücklich noch keine Bedingung. Schön: Die deutschen Stromlieferanten, überwiegend Windparks und etwas Photovoltaik, macht Ostrom auf seiner Seite gut sichtbar.

  • Utopia meint: Spannende Alternative, die nach Stichproben auch etwas günstiger ist als viele normale Ökostromangebote, die wir empfehlen.
  • Ökostrom: nennenswerte Ökostrom-Siegel finden wir keine, aber er kommt direkt von gelisteten deutschen EE-Stromerzeugern
  • Info: Ostrom

Tibber: Strom zu stundenaktuellen Preisen

Wie Ostrom ermöglicht Tibber im Wesentlichen eines: Stromverbraucher:innen können dort selbst von den schwankenden Strompreisen profitieren, indem sie ihren Verbrauch an das Angebot anpassen, also ihren Verbrauch reduzieren, wenn Strom knapp und die Preise hoch sind, und höhere Verbräuche dafür in jene Zeiten legen, in denen Strom reichlich verfügbar und günstig ist.

Voraussetzung für eine sinnvolle Nutzung sind allerdings Smart-Meter zur Strommessung, es geht prinzipiell aber auch ohne. Besser sind aber echte Smart-Home-Steuerungssysteme, denn mit diesen und der Tibber-App ist dann eine sehr granulare Kontrolle des Stromverbrauchs und eine entsprechende Planung und Steuerung möglich. Details zu diesem Clean-Energy-Start-up im Beitrag Tibber Strom: Ökostrom zu stündlich aktuellen Preisen.

  • Utopia meint: Mit einer starken App spricht Tibber digitale Zielgruppen an, die bereits Smart-Home-Technik einsetzen.
  • Ökostrom: Nennenswerte Ökostrom-Siegel finden wir keine, der Strom kommt von der Strombörse, die HKNs aus Deutschland
  • Info: Tibber

Octopus Energy

Auf den ersten Blick ist Octopus Energy aus Großbritannien nur ein weiterer Stromanbieter, der vor allem über die Preisgestaltung an neue Kunden herankommen will. Erst auf den zweiten Blick zeigt sich, dass Octopus Energy in mittlerweile 9 Ländern aktiv ist und es dabei in eine ähnliche Richtung geht wie bei Tibber: Octopus Energy will ebenfalls eine smarte Steuerung der Stromnetze herbeiführen, mit einer hausintern programmierten Energiemanagement-Plattform, die im Marketingdeutsch „Kraken“ heisst und das in UK schon an E.ON lizensiert wurde.

Anders als zum Beispiel bei Tibber haben Kund:innen bei diesem Clean-Energy-Start-up keinen dynamischen Tarif, dafür eine Preisgarantie von 12 oder 24 Monaten. Die Tarifvorschau zeigt vorbildlich die Strompreiszusammensetzung an. Allerdings besitzt der Ökostrom aus Wasserkraft nur ein TÜV-Süd-Siegel (Erzeugung EE), und wo die Wasserkraft nun genau herkommt, bleibt offen – es sind also mutmaßlich die beliebten Zertifikate für Wasserkraft aus Skandinavien („Nordic Hydro“), die aber hierzulande den Ausbau der Energiewende nicht beschleunigen.

  • Utopia meint: Derzeit vor allem ein preiswerter Anbieter, der aber in Sachen Transparenz nachlegen könnte.
  • Ökostrom: Nennenswerte Ökostrom-Siegel finden wir keine, Herkunft von Strom und HKNs könnten transparenter erklärt werden.
  • Info: Octopus Energy

Clean-Energy-Start-ups scheitern auch mal

Eines der Probleme vieler Clean-Energy-Start-ups: Sie gehen mit höchst vollmundigen Marketing-Versprechungen in den Markt. Wer erinnert sich nicht an die „Pizzakartons“, mit denen plötzlich jeder „Energiewende machen“ können sollte. Hip sind auch gerade Buzzwords wie „Blockchain“ und „künstliche Intelligenz“. Doch Stromanbieter zu sein bedeutet eben auch harte Arbeit, und nicht zuletzt die Energiekrise von Ende 2021 sorgte dann dafür, dass Anbieter wie Enyway oder Lition insolvent gingen.

Sollen wir als Kund:innen uns davon abschrecken lassen? Nein. Marketing-Geklingel gehört schon auch dazu, denn wer darauf verzichtet, bekommt eben keine Kund:innen – doch darum geht es ja: Je mehr, desto besser für’s Klima. Früher oder später brauchen wir Technik und Unternehmen, um die schwierigere dezentrale Energieproduktion sinnvoll zu organisieren, ohne dass Verbraucher:innen sich hier selbst den Kopf zerbrechen müssen. Mancher Anbieter, und Enyway ist hier ein gutes Beispiel, war womöglich einfach zu früh am Markt; das bedeutet aber nicht, dass man Clean-Energy-Start-ups per se misstrauen müsste.

Utopia meint: Nicht alle Start-ups, die Ökostrom anbieten, überzeugen sofort –– auch hier lohnt es sich, näher hinzusehen. Derzeit finden wir vor allem Stromee, Corrently, Ostrom und Tibber spannend und ausprobierenswert, weil die Tarife meist tatsächlich günstiger sind als bei anderen. Wenn du einen der Anbieter ausprobierst, achte auf möglichst kurze Kündigungsfristen, dann kannst du bei Nichtgefallen wieder umsteigen.

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