ok power: Wie empfehlenswert ist das Ökostrom-Siegel?

Ökostrom-Siegel ok power
Siegel: © ok power / EnergieVision e.V.

Das anspruchsvolle Ökostrom-Siegel von ok power haben inzwischen fast 100 Energieversorger in Deutschland.

Das ok-power-Siegel bescheinigt neben 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien auch einen fairen Umgang mit Verbrauchern. Wer seinen Ökostrom zertifizieren lassen möchte, darf zudem keine Anteile an Atom- oder Kohlekraftwerken besitzen. Der Gewinn aus dem Verkauf von Ökostrom kann der Energieversorger auf viele unterschiedliche Arten in die Förderung erneuerbarer Energien investieren.

5 Gigawatt Ökostrom aus neu gebauten Anlagen und Verbraucherfreundlichkeit statt versteckter Vertragsklauseln: Das Ökostrom-Siegel ok power setzt hohe Ansprüche an Energieversorger, die das Ökostrom-Siegel erwerben wollen. Der gemeinnützige Verein EnergieVision e.V. vergibt das ok-power-Siegel. Hinter dem Verein stehen das Freiburger Öko-Institut und das Forschungsinstitut HIR Hamburg Institut Research. Voraussetzung für die Zertifizierung ist, dass der Stromanbieter keine Anteile an Atom- und Kohlekraftanlagen besitzt und den Ausbau erneuerbarer Energien aktiv fördert. Der Ökostrom muss vollständig aus Solar-, Wasser- oder Windenergie, Biomasse oder Geothermie stammen.

  • Vergeben in: Deutschland
  • Vergeben von: EnergieVision e.V
  • Kategorie: Ökostrom
  • Produkte: Ökostrom-Tarife
  • Verbreitung: mittel
  • Utopia-Bewertung: sehr empfehlenswert

ok power: Die Kriterien des Ökostrom-Siegels

Um das ok-power-Siegel zu erhalten, müssen die Stromanbieter unterschiedliche Anforderungen erfüllen. In Punkto Verbraucherschutz gibt es klare Vorgaben:

  • Die Versorger dürfen weder Mindestmengen noch Mengenpakete anbieten; auch die Zahlung per Vorkasse ist nicht erlaubt.
  • Der Energieversorger muss außerdem die Herkunft der Stromlieferung über offizielle Zertifikate des Umweltbundesamtes belegen.
  • Der Strom muss zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien stammen.
  • Der Stromanbieter besitzt keine Anteile an Kohle-/Atomkraftwerken.
  • Der Anbieter schließt verbraucherfreundliche Verträge ab.
  • Der Energieversorger fördert den Ausbau erneuerbarer Energien.

Was zunächst sehr allgemein klingt, ist in drei Modellen ganz konkret festgeschrieben. Der Energieversorger muss sich bei der Zertifizierung für eines der Modelle entscheiden, um das Label zu erhalten.

Die drei Modelle für Energieversorger

Ökostrom-Siegel ok power
Das Siegel (© ok power / EnergieVision e.V.)

Beim Innovationsfördermodell investieren die Stromanbieter einen festen Betrag pro Kilowattstunde in besonders innovative Ideen und Technologien. Das können zum Beispiel innovative Speichertechnologien sein, die Stromschwankungen durch unterschiedliche Wind- und Sonnen-Verhältnisse ausgleichen. Jedes Projekt muss vorher von EnergieVision e.V. genehmigt werden. Pro verkaufte Kilowattstunde Ökostrom an Privathaushalte zahlt der Energieversorger 0,5 Cent, bei großen Unternehmen sind es 0,2 bis 0,4 Cent/kWh. Die so gesparten Beiträge müssen zeitnah in neue Technologien investiert werden. Damit die Mittel effizient eingesetzt werden, prüft EnergieVision e.V. auch die Projektkosten im Voraus.

Das Initiierungsmodell setzt dagegen ganz auf den Ausbau von EE-Anlagen, etwa Windräder und Solarparks. Der Energieversorger initiiert bei diesem Modell den Bau und Ausbau neuer Anlagen. Nach 5 Jahren müssen die neuen Anlagen mindestens 25 Prozent des Strombedarfs der Privat- und Gewerbekunden ausmachen, mindestens jedoch 5 Gigawattstunden. Außerdem gilt:

  • Die neuen Anlagen müssen spätestens nach 5 Jahren mindestens die Hälfte des Strombedarfs der Neukunden decken.
  • Die Anlagen müssen spätestens nach 5 Jahren jährlich um 4 Prozent des Strombedarfs von Bestandskunden wachsen.
  • Staatliche Förderungen dürfen für den Neubau nicht verwendet werden.

Durch die 4-Prozent-Klausel soll gesichert werden, dass nach 25 Jahren eine alte Anlage erneuert werden kann.

Das Händlermodell fördert ebenfalls den schnellen Ausbau Erneuerbarer-Energien-Anlagen. Durch ein festgelegtes Höchst-Alter der Produktionsstätten soll der Stromanbieter gezwungen werden, viele neue Anlagen zu bauen. Hier gilt:

  • Ein Drittel des Stroms muss aus max. 6 Jahre alten Anlagen stammen.
  • Ein weiteres Drittel aus Anlagen, die höchstens 12 Jahre alt sind.
  • Der Bau der Anlagen darf nicht staatlich gefördert worden sein.

ok power plus – was ist das?

Ökostrom-Siegel ok power plus
Produkt- und Anbietersiegel (© ok power / EnergieVision e.V.)

Zusätzlich gibt es noch die „Premium-Auszeichnung“ ok power plus. Anbieter, die damit ausgezeichnet werden, beliefern mindestens alle nicht-lastganggemessenen Kunden mit ok-power-zertifiziertem Ökostrom. Anders als ok power ist ok power plus kein reines Produktsiegel, sondern Produkt- plus Anbietersiegel. Für den Endverbraucher hat das plus-Siegel letztlich keine Bedeutung.

ok power: Kontrollen

Dreimal im Jahr müssen die Stromanbieter Nachweise sowie Plan- und Projektzahlen bei EnergieVision e.V. einreichen. In einer Vorschau, Zwischenbilanz und einer Rückschau wird geprüft, ob sie alle Kriterien erfüllt haben. Ein unabhängiger Gutachter untersucht jährlich, ob der Ökostrom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien stammt. Dafür greift EnergieVision e.V. unter anderem auf Experten vom Fraunhofer Institut, TÜV Nord, TÜV Süd und TÜV Rheinland zurück.

Nur wenn alle Kriterien erfüllt sind, wird das Siegel verlängert – sonst drohen Sanktionen. Im schlimmsten Fall wird das Siegel sofort entzogen oder die Zertifizierung nicht verlängert. Alle drei Jahre muss sich der Energieversorger zudem einer vollständigen Überprüfung unterziehen.

Kritik am Ökostrom-Siegel ok power

Offiziell stammt der Ökostrom mit dem ok-power-Siegel aus erneuerbaren Energien. Doch die Energieversorger dürfen sich auch über Zertifikate mit Ökostrom eindecken, so die Kritik. Dabei kauft ein Stromanbieter die Ökostrom-Zertifikate zum Beispiel vom Betreiber eines Windkraftparks. Der wiederum muss die gleiche Menge Strom dafür als Atom- oder Kohlestrom deklarieren. Problematisch hierbei ist, dass dadurch der Ausbau erneuerbarer Energien nicht gefördert wird. Denn die tatsächliche Menge an Ökostrom bleibt gleich.

Alternativen zum Siegel ok power

Das Label ok power setzt zwar hohe Maßstäbe, doch es gibt auch gute, empfehlenswerte Alternativen. Besonders streng sind Grüner Strom und das EE02-Siegel von TÜV Süd:

  • Bei Grüner Strom dürfen die Energieversorger ebenfalls keine Atom- und Braunkohlekraftwerke besitzen. Die Förderung pro Kilowattstunde liegt bei Privathaushalten mit 1 Cent/kWh etwas höher als bei ok power. Das Siegel wird von mehreren Naturschutzverbänden herausgegeben, darunter der BUND und NABU.
  • Einen anderen Weg schlägt der TÜV Süd mit seinem EE02-Siegel ein. Es verpflichtet die Energieversorger, zeitgleich genau so viel Strom aus erneuerbaren Energien einzuspeisen, wie verbraucht wird. Deshalb müssen die Anbieter so viele Anlagen bauen, dass sie auch bei hoher Auslastung genug Ökostrom haben.

Verfügbarkeit des Ökostrom-Siegels ok power: mittel

Den anspruchsvollen Kriterien für das Siegel ok power sind nicht viele Stromanbieter gewachsen. Nach eigenen Angaben haben knapp 100 Anbieter ihren Strom-Tarif mit diesem Siegel zertifizieren lassen. Hat ein Energieversorger aber kein ok-power-Siegel, muss der Ökostrom nicht schlecht sein. Die Kosten für die Zertifizierung und das Siegel können sich vor allem kleinere Versorger oft nicht leisten. Deshalb raten wir zu unseren Utopia-Empfehlungen und den Hinweisen von NGOs und Naturschutzverbänden.

Utopia-Fazit zum Ökostrom-Siegel ok power

Die mit dem ok-power-Siegel zertifizierten Stromtarife reichen weit über die herkömmlichen Standards hinaus. Drei Kontrollen im Jahr gewährleisten, dass der Energieversorger nachhaltig in erneuerbare Energien investiert. Unabhängige Gutachter prüfen ebenfalls regelmäßig, woher der Ökostrom stammt. Damit können wir das ok-power-Siegel für Stromtarife sehr empfehlen. Es gibt den Kunden zugleich Sicherheit, einen fairen Stromvertrag zu bekommen und nicht von Vertragsklauseln überrascht zu werden.

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