„Death Cleaning“: der schwedische Weg, Ballast loszuwerden

Death Cleaning: Ausmisten und Ballast loswerden
Fotos: © Friedberg, fotofabrika - Fotolia.com

„Death Cleaning“ ist längst nicht so makaber, wie es sich anhört: Die Methode soll beim Entrümpeln, Aufräumen und Aussortieren der eigenen Besitztümer helfen – damit es nicht eines Tages jemand anders machen muss.

In einer Zeit und Gesellschaft, in der fast jeder Massen an unnötigen Dingen besitzt, ist „Decluttering“, was in etwa so viel heißt wie „entrümpeln“, ein sinnvoller Trend. Wie genau das Entrümpeln am einfachsten oder effektivsten funktioniert, dazu gibt es verschiedene Ansätze. „Death Cleaning“ ist einer davon.

Die Ausmist-Taktik und ihr morbider Name stammen aus Schweden: „Döstädning” ist eine Wortkreation aus den schwedischen Wörtern für „sterben“ und „Sauberkeit“ und wurde ins Englische übersetzt als „Death Cleaning“.

Gemeint ist damit der Prozess des Entrümpelns und Aussortierens der eigenen Wohnung vor dem Tod. Dahinter steckt der Gedanke, diesen Prozess nicht den Hinterbliebenen zu überlassen, sondern selbst bewusst Ordnung zu schaffen.

Dabei soll „Death Cleaning“ ein hilfreiches Konzept nicht nur für Menschen sein, die sich tatsächlich auf den Tod vorbereiten, sondern auch allen anderen die Trennung von angehäuftem Kram und ein Leben ohne allzu viel Ballast leichter machen.

Margareta Magnusson und „The Gentle Art Of Swedish Death Cleaning“

Der aktuelle Death-Cleaning-Trend basiert auf dem Buch der Schwedin Margareta Magnusson, das in der Originalfassung „Döstädning” heißt und ins Englische übersetzt wurde als „The Gentle Art Of Swedish Death Cleaning“. Eine deutsche Übersetzung mit dem weniger schönen Titel „Frau Magnussons Kunst, die letzten Dinge des Lebens zu ordnen“ soll 2018 erscheinen. Bis dahin bekommst du das Buch auf Englisch beim Buchhändler deines Vertrauens oder online z.B. bei** Buch7, Thalia oder Amazon.

In dem Buch – und bei der darin beschriebenen Methode – geht es darum:

“Egal wie alt du bist, Swedish Death Cleaning kann angewendet werden um dir zu helfen, dein Leben zu entrümpeln und Bilanz zu ziehen, was wichtig ist.“

Minimalismus Magic Cleaning Marie Kondo
Ordnung schaffen kann befreiend wirken. (Foto: Unsplash / CC0)

In einem sehenswerten Youtube-Video sagt die Autorin, die nach eigenen Angaben zwischen 80 und 100 Jahre alt ist, „Ich glaube, es ist gut, Dinge loszuwerden, die man nicht braucht“. Das sei nicht traurig, sondern „eine Erleichterung.“

Magnusson glaubt, man solle mit Death Cleaning anfangen, sobald man alt genug ist, um darüber nachzudenken. Ihre Botschaft lautet: „Sammle keine Dinge an, die du nicht willst.“

Hinter ihrer Philosophie steckt die einfache Vorstellung: Wenn ich Morgen sterbe würde, müsste sich irgendjemand um all meinen Krempel kümmern. Das Ziel von Death Cleaning ist es, die Menge an Besitztümern und dabei insbesondere unnötigem Kram, mit dem sich deine Hinterbliebenen eines Tages auseinandersetzen müssen, so weit wie möglich zu minimieren.

So funktioniert Death Cleaning

Die Death Cleaning-Methode hat Ähnlichkeit mit der Grundidee von Marie Kondos Bestseller „Magic Cleaning“: Was du nicht gerne hast und was du nicht benutzt, kannst du entsorgen.

“Behalte nur, was du liebst und was dich im Moment glücklich macht. Das ist wie Marie Kondo, aber mit einem hinzugefügten Gefühl für die Vergänglichkeit und Vergeblichkeit dieses sterblichen Daseins,“ schreibt die Autorin Hannah-Rose Yee in einem Beitrag in der New York Post.

Dabei spricht für Death-Cleaning-Autorin Margareta Magnusson nichts dagegen, Dinge mit sentimentalem Wert aufzubewahren: Sie selbst hat eine „Wegwerf-Kiste“. Darin sind zum Beispiel Briefe, Fotos und andere Dinge, die nur für sie persönlich Bedeutung haben und die ihre Hinterbliebenen nach ihrem Tod „einfach wegwerfen können ohne überhaupt hineinzuschauen.“

Zu Magnussons Methode gehört es, offen über Death Cleaning zu sprechen: mit den Familienmitgliedern, die in irgendeiner Form vom Entrümpeln betroffen sein könnten oder werden, aber auch mit Freunden. Denn über die eigenen Ausmist-Pläne zu sprechen, kann helfen, sie auch wirklich durchzuziehen.

Bücher
Death Cleaning heißt auch: Behalte, was dich wirklich glücklich macht. (Foto: CC0 Public Domain / Unsplash.com - Roman Kraft)

Was auch hilft: Keine Angst haben vor dem Ausmisten. Denn es geht nicht darum, Dinge, an denen du hängst, zu entsorgen oder dich plötzlich von allem trennen zu müssen – und es geht auch nicht um die Angst vor dem Sterben.

Bei Death Cleaning gehe es nicht um den Tod und seine Unvermeidbarkeit, so Magnusson, sondern um „die Geschichte deines Lebens, die guten und die schlechten Erinnerungen. Die guten behältst du, die schlechten löschst du aus.“ Mit anderen Worten: Entsorge, was dich nicht glücklich macht. Heraus kommt eine Form von Minimalismus, die sehr individuell und flexibel ist.

Um den Prozess des Entrümpelns angenehm zu machen, rät Magnusson: Belohne dich! Tu oder gönne dir etwas, was dich glücklich macht: ein gutes Essen, ein Kinobesuch oder ein Wochenendausflug zum Beispiel. Neuen unnötigen Kram zu kaufen ist allerdings vermutlich keine geeignete Belohnung für deine Death Cleaning Erfolge …

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(3) Kommentare

  1. Nee, bei aller Liebe zu Schweden & zum Minimalismus: Hier hört’s auf!

    Als alter Mensch, so wie jedeR andere, mal gründlich ausmisten und prüfen, was wirklich brauchbar ist, weil man es für sich selbst möchte: Immer gerne, gute Idee, aber kein neuer Trend.

    Das hier beschriebene „Death Cleaning“ finde ich absolut daneben!

    Erstens rein von dem Begriff! Älteren Menschen wird damit quasi von außen ein Stempel „Halb-ToteR“ aufgedrückt! – Wie sehr sie ans Sterben denken oder NICHT, das sollte man wirklich jeder und jedem Einzelnen überlassen bleiben. Respektlos!

    Zweitens von der dahinter stehenden Haltung: Warum darf ich als alter Mensch keinen Schrott sammeln, wenn ich Bock dazu habe? Warum muss ich meine Wohnung für die Nachkommen schick und sauber hinterlassen? Nachkommen, die vielleicht kaum Zeit für mich haben? Nachkommen, die vielleicht in ihrer eigenen Welt – und nicht mehr in meiner – leben? Nachkommen, denen ich, als ich jung & fit war, wahrscheinlich tausendfach Spielzeug, Schulsachen und Socken hinterhergeräumt habe???

    Death Cleaning – absolut KEIN nachahmenswerter Trend, sondern eine ungehörige Zumutung!

    Merke: auch, wenn ein Trend auf utopia propagiert wird, heisst das nicht, dass man auf eine wichtige Tugend verzichten sollte: Selber denken! ; )

  2. hi wiebke-maria,

    ein gutes Beipiel ist das hier für die Weisheit, dass Gedanken und Überlegungen bei verschiedenen Menschen auch sehr verschieden „ankommen“ können. Ich fand das Thema in keinster Weise makaber, fand die beschriebenen älteren Menschen auch nicht bedrängt, etwas zu tun, was ihnen widerspricht oder nur ihren undankbaren nichtsnutzigen Nachkommen zupass kommt.
    Zum einen schätze ich es, wenn propagiert wird, über die Vergänglichkeit des Lebens nachzudenken, und zwar in jedem Alter. Denn dann wird das Anhäufen von Unsinn überhaupt in Frage gestellt!
    Zum anderen bin ich noch heute meiner Mutter sehr dankbar, dass sie sich zumindest auf den Weg gemacht hat, mein recht großes Elternhaus einigermaßen zu entrümpeln. Wir drei Geschwister haben trotzdem viel Zeit damit verbracht, das Hinterbliebene sinnvoll wegzugeben, aber ohne ihren Willen schon Jahre zuvor, echtes Gerümpel zu entsorgen, wären wir wesentlich belasteter gewesen, sowohl zeitlich als auch finanziell. Wir waren vielleicht auch nicht unbedingt die Sorte uninteressierter, keine Zeit habender Nachwuchs…… 🙂

    Nichtsdestotrotz, deinen letzten Satz unterstreiche ich dick!

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