Delfintherapie: Anwendung und Kritik der Methode

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Die Delfintherapie soll laut Werbeversprechen bei einer Reihe von Erkrankungen und Beschwerden beruhigend und heilend wirken. Was tatsächlich hinter der fragwürdigen Therapie steckt, erfährst du in diesem Artikel.

Was ist eine Delfintherapie?

Bei der Delfintherapie kommen insbesondere Kinder mit verschiedenen körperlichen und geistigen Einschränkungen mit Delfinen in Kontakt. So schwimmen sie gemeinsam mit den Meeressäugern, können sie beobachten und streicheln.

Die Therapie ist besonders als Behandlungsmethode bei Autismus, Traumata, geistiger Behinderung und seelischen Erkrankungen bekannt. Der Umgang mit den Tieren soll den Kindern helfen, ihre Umwelt besser wahrzunehmen, Vertrauen aufzubauen und ihre Konzentrationsfähigkeit zu erhöhen.

Dieser vermeintliche Effekt wird oft auf das freundliche Wesen der Tiere zurückgeführt. Teilweise geben Veranstalter*innen auch an, dass sich die Schallwellen, die Delfine unter Wasser aussenden, positiv auf das menschliche Gehirn auswirken sollen. Keiner dieser Effekte konnte jedoch bisher wissenschaftlich belegt werden.

Zudem folgt die Delfintherapie weltweit keinem einheitlichen System. So dienen Delfine innerhalb mancher Therapien einfach als Belohnung: Die Kinder dürfen dabei Zeit mit den Meeressäugern verbringen, nachdem sie bestimmte Aufgaben erledigt haben.

Delfintherapie: Deshalb ist sie problematisch

Delfintherapien sind wissenschaftlich nicht fundiert, sondern können laut Forscher*innen eher eine Gefahr darstellen.
Delfintherapien sind wissenschaftlich nicht fundiert, sondern können laut Forscher*innen eher eine Gefahr darstellen.
(Foto: CC0 / Pixabay / paulbr75)

Delfintherapien sind extrem kostspielig. Da ihre Wirkung nicht wissenschaftlich nachgewiesen ist, wird sie auch nicht von der Krankenkasse bezahlt. Dennoch greifen verzweifelte Eltern auf die Therapie zurück – nicht zuletzt, da Delfine schon seit langer Zeit einen Ruf als einfühlsame, mystische Heiler*innen haben.

Tatsächlich sind sich Wissenschaftler*innen weitgehend einig, dass eine Delfintherapie keine geeignete Behandlung für irgendeine motorische oder psychische Erkrankung darstellt. Zu diesem Schluss kommen zum Beispiel Forscher der Emory University in einer Untersuchung der Ergebnisse verschiedener Studien. Die amerikanische Anthropologin Betsy Smith, die die Delfintherapie maßgeblich mitentwickelte, beschreibt die Therapie heute als ineffektiv und als Ausbeutung von Mensch und Tier.

Forscher*innen sehen in der Therapie sogar eher eine Gefahr. So können leicht Infektionen zwischen Delfin und Kind übertragen werden. Zudem steigt laut der Metastudie der Emory University das Verletzungsrisiko: Da Delfine in Gefangenschaft aufgrund der einschränkenden Lebensbedingungen unter Stress leiden, ist das Risiko hoch, dass sie aggressive Verhaltensweisen entwickeln und dabei Menschen verletzen.

Delfinarien: Das Leid der Meeressäuger

Auch wenn die Tümmler scheinbar immer zu lächeln scheinen: In Delfinarien leiden die Tiere unter den künstlichen Lebensbedingungen.
Auch wenn die Tümmler scheinbar immer zu lächeln scheinen: In Delfinarien leiden die Tiere unter den künstlichen Lebensbedingungen.
(Foto: CC0 / Pixabay / JohnAlvarez)

Ein weiteres großes ethisches Problem der Delfintherapie ist, dass diese in sogenannten Delfinarien stattfinden, also Anlagen, in denen die Tiere in kleinen Becken leben. Delfine können in Gefangenschaft niemals artgerecht gehalten werden: In freier Wildbahn legen die Tümmler täglich weite Strecken zurück, sind abwechslungsreiche Lebensräume gewöhnt und sind in Schulen mit bis zu mehreren 100 Tieren unterwegs.

In Gefangenschaft leiden die Tiere unter dem Platz- und Bewegungsmangel. Zudem können sie sich hier anders als in Freiheit nicht selbst aussuchen, zu welchen Artgenossen sie mehr oder weniger Abstand nehmen wollen. Dadurch kommt es auch unter den eigentlich friedlichen Delfinen schneller zu aggressivem Verhalten. Nicht zuletzt sind Delfine extrem geräuschempfindliche Tiere. Sind sie täglich Kindergeschrei und anderen ungewohnten Lauten ausgesetzt, erhöht dies zusätzlich die Wahrscheinlichkeit für Stressymptome.

Nicht nur die Situation in Delfinarien selbst ist an der Delphintherapie problematisch. Bereits die Art und Weise, wie Delfine in Gefangenschaft geraten, ist ethisch nicht vertretbar. So machen Wal- und Delfinjäger*innen auf brutale Weise Jagd auf die Meeressäuger.

Ein Beispiel für diese Grausamkeit sind die Delfin-Massaker der japanischen Hafenstadt Taiji. Dabei treiben die Jäger*innen oft ganze Schulen in einer Bucht zusammen und schlachten den Großteil der Tiere auf brutale Weise ab. Einige wenige Exemplare lassen sie am Leben und verkaufen diese für hohe Summen an Delfinarien, wo die Tiere auf engstem Raum ihr Leben als angebliche Therapeuten oder Unterhalter fristen müssen. Mehr zu diesem Thema findest du in unserem Artikel: Japans berüchtigte Bucht: Drohnen-Video deckt auf, wie grausam Delfine in Taji gejagt werden.

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