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Divestment: Das will der Rückzug aus Investitionen bewirken

Divestment
Foto: CC0/pixabay/Raten-Kauf

Divestment kann bewirken, dass Unternehmen in grüne Technologien investieren, statt klimaschädliche weiterzuführen. Wie das geht und was du selbst dazu beitragen kannst, erfährst du hier.

Divestment: Die Kampagne gegen Kohle und Co

Der Begriff „Divestment“ ist eng verbunden mit Klimaschutzkampagnen. Umweltorganisationen wie Urgewald, Greenpeace oder Fossil Free wollen damit fossilen Brennstoffen den Geldhahn zuzudrehen.

Generell ist ein Divestment (auf Deutsch: Desinvestition) in der Finanzwirtschaft einfach das Gegenteil einer Investition. Das Cambridge Dictionary erklärt, dass bei einem Divestment Unternehmen ihre Geschäftsbereiche teilweise abstoßen oder ihnen Gelder entziehen.

Genau auf diesen Geldentzug setzen Umweltorganisationen bei ihren Divestment-Kampagnen. Fossil Free erklärt das Vorgehen so: Sie fordern Anleger:innen auf, ihre Wertpapiere aus ökologisch und ethisch fragwürdigen Investitionen abziehen. Das Ziel ist es, die milliardenschweren Investitionen für Kohle, Erdöl oder Erdgas zu stoppen. Das führt quasi zu einem Ausstieg aus fossilen Energien durch die Hintertür der Finanzmärkte. Wie dringend dies notwendig ist, zeigen diese Beispiele:

  • Urgewald untersuchte beispielsweise, wofür die World Bank Group ihre Gelder ausgibt. Für fossile Energien kam dabei im Zeitraum von 2015 bis August 2020 eine Summe von 12,1 Milliarden US-Dollar zusammen. Der Großteil davon, 10,5 Milliarden US-Dollar, ging noch immer in die Finanzierung neuer Projekte. Dazu zählte zum Beispiel der Neubau von Öl- und Gaspipelines oder Raffinerien.
  • Greenpeace berichtete im Juli 2021, dass der luxemburgische Pensionsfonds FDC weiterhin seine Investitionen in klimaschädliche Kohleunternehmen aufstockt. 2020 betrug die Summe 289 Millionen Euro.

Divestment-Kampagnen können durchaus funktionieren. Ecoreporter zeigt dies am Beispiel Südafrikas: In den 1980er Jahren übten amerikanische Universitäten durch gezieltes Divestment politischen Druck auf das damalige Apartheid-Regime aus. Die Regierung machte daraufhin den Weg frei für demokratische Wahlen. Erstmals durften dabei alle Südafrikaner:innen ihre Stimme abgeben.

Divestment: So komplex wie die internationalen Finanzmärkte

Divestment schichtet die Gelder am Finanzmarkt um.
Divestment schichtet die Gelder am Finanzmarkt um.
(Foto: CC0/pixabay/kschneider2991)

Für eine erfolgreiche Divestment-Kampagne müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein:

Die richtigen Partner an den Finanzmärkten

Den notwendigen Druck können große Investor:innen am wirksamsten aufbauen. Große Aktien- oder Pensionsfonds sowie Versicherungen verfügen oftmals über mehrere Milliarden, die sie am Finanzmarkt investieren. Deshalb sprechen Divestment-Kampagnen vor allem solche finanzstarken Anleger an.

  • Greenpeace berichtet, dass ein schwedischer Pensionsfonds schon mehrere Hundert Millionen Euro aus klimaschädlichen Unternehmen abziehen. Irland steigt als erster Staat vollständig aus den Investitionen für fossile Brennstoffe aus.
  • Ecoreporter erklärt, warum Versicherungen wie Allianz oder Axa zunehmend Investments in Kohle und Co scheuen. Versicherungskonzerne sehen aus erster Hand, wie teuer die Schäden durch die Erderwärmung sein können. Sie versichern beispielsweise die Schäden durch Überschwemmungen oder zahlen Landwirt:innen die Ernteausfälle durch Dürre oder Hagel. Gelingt es nicht, die Erderwärmung zu verlangsamen, sind die zu erwartenden Umweltrisiken nicht mehr kalkulierbar. Solche unberechenbare Risiken können die Versicherungen nicht versichern.

Strenge Kriterien, die keine Lücken lassen

Klimareporter zeigt am Beispiel des norwegischen Staatsfonds, dass der Beschluss für Divestment allein noch nicht ausreicht. Dazu gehört auch die konsequente Gestaltung der Anlagekriterien. Lassen diese zu viel Spielraum zu, verpufft der Effekt des Divestments.

Der norwegische Staatsfonds gilt als einer der reichsten Staatsfonds. Nach eigenen Angaben beläuft sich das Vermögen auf über 1,4 Milliarden US-Dollar, die in über 9.000 Unternehmen weltweit investiert sind.

Schon 2015 beschloss die norwegische Regierung das Divestment aus Kohle- und Ölunternehmen für den Fonds. Doch erst 2019 brachten verschärfte Kriterien das erwünschte Ergebnis – der Fonds zog weltweit elf Milliarden Euro aus Kohle- und Ölfirmen ab. Darunter sind Unternehmen wie der deutsche Energiekonzern RWE oder die italienische Enel. Durch die zuvor gesetzten Kriterien fielen solche Energiekonzerne durch das Divestment-Raster, weil sie neben fossilen Energien auch andere Geschäftsbereiche haben.

Der norwegische Staatsfonds plant künftig, rund 18 Milliarden Euro in Unternehmen rund um erneuerbare Energien zu investieren.

Divestment – von der Kampagne zur Finanzstrategie

Divestment-Strategien entziehen fossilen Brennstoffen die Finanzierung.
Divestment-Strategien entziehen fossilen Brennstoffen die Finanzierung.
(Foto: CC0/pixabay/Benita5)

Die genannten Beispiele zeigen, dass Divestment sich inzwischen von einer Kampagne zur Finanzstrategie entwickelt hat. Der englische Begriff Divestment ist mittlerweile eng mit nachhaltigen Geldanlagen verbunden.

Eine Divestment-Strategie steht dafür, Unternehmen gezielt die Finanzmittel zu entziehen, die nicht den ESG-Kriterien entsprechen. Die drei Aspekte der Environmental Social Governance sind als Standard für nachhaltige Geldanlagen gebräuchlich. Übersetzt bedeutet ESG „umweltfreundliche und soziale Unternehmensführung“. Konzerne sind dabei aufgefordert, entsprechend ihrer ökologischen und sozialen Verantwortung zu handeln und zu investieren.

Nachhaltige Investments orientieren sich aber auch an einem Katalog von Ausschlusskriterien, einer sogenannten Negativliste. Dazu gehören beispielsweise die Förderung und Verarbeitung von fossilen Energien, die Missachtung von Menschenrechten oder Umweltzerstörung.

Handeln Unternehmen nicht den ESG-Kriterien entsprechend, erhalten sie schwerer Zugang zu Geldmitteln am nachhaltigen Finanzmarkt. Dadurch können sie geplante Projekte entweder gar nicht oder nur mit höheren Kosten realisieren. Greenpeace erläutert die Konsequenzen: 

  • Unrentabel – Das Divestment trägt dazu bei, dass für die jeweiligen Unternehmen die Renditen sinken. Für gewinnorientierte Konzerne sind somit Projekte wie ein Kohlekraftwerk oder eine Ölraffinerie schnell unrentabel.
  • Verluste – Das globale Klimaschutzziel, den Anstieg der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu reduzieren, setzt erneuerbare Energie voraus. Der Bedarf für fossile Brennstoffe sinkt. Zusammen mit der unrentablen Finanzierung solcher Projekte entwickeln sie sich schnell zu einer Verlustquelle für die jeweiligen Konzerne. Dies bezeichnet unter anderem der Ausdruck der „verlorenen Vermögenswerte“.

Das bedeutet für Unternehmen, dass sie sich langfristig besser stellen, wenn sie auf klimafreundliche und ethische Projekte setzen. Ein starker und nachhaltig ausgerichteter Finanzmarkt kann zu diesen Veränderungen beitragen.

Divestment: Wie geht es weiter?

Von Divestment profitieren erneuerbare Energien.
Von Divestment profitieren erneuerbare Energien.
(Foto: CC0/pixabay/geralt)

Divestments aus Unternehmen, die das Klima schädigen oder Menschenrechte missachten, sollte nicht die Ausnahme, sondern die Regel sein. Doch dafür braucht es auch Vorgaben aus der Politik, wie bei den gezeigten Beispielen aus Norwegen oder Irland.

Denn um das Klimaschutzziel noch zu erreichen, muss sich die Menschheit jetzt beeilen. Der Weltklimarat (IPCC) weist in seiner Pressemitteilung zum aktuellen Bericht darauf hin: Ohne sofortige, schnelle und umfangreiche Einsparungen der Treibhausgase übersteigt die Erderwärmung in den nächsten Jahren die 1,5-Grad-Marke.

Welche Pläne haben Staaten?

  • In der EU – Die Europäische Investitionsbank (EIB) stoppt zum Jahresende 2021 die Finanzierung neuer Projekte mit fossilen Energieträgern. Stattdessen plant die EIB, bis 2030 eine Billion Euro für Klimaschutz und ökologische Projekte bereitzustellen.
  • In Deutschland – Divestment ist hier eher ein Thema von Bundesländern und Kommunen. Ein gemeinsames Projekt von Adelphi, dem Forum für Nachhaltige Geldanlagen (FNG) und dem Klima-Bündnis stellt ein Portal für „klimafreundliches Investieren und kommunales Divestment“ zur Verfügung. Vorreiter im Divestment-Projekt sind zum Beispiel die Bundesländer Baden-Württemberg, Brandenburg, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Auf kommunaler Ebene verfolgen unter anderem die Städte Berlin, Nürnberg und Münster schon eine Divestment-Strategie. Weitere Städte sollen bald folgen.

Was kannst du unternehmen?

Bei Divestment-Vorhaben sind zwar große Investitionen wirkungsvoll. Doch das heißt nicht, dass du selbst nichts tun kannst. Das ist der Vorteil, wenn du dein Geld in einem nachhaltigen Fonds anlegst. Dieser bündelt die Gelder von vielen, die Fondsanteile erwerben. In der Summe kommen auch hier Beträge zusammen, bei denen das Divestment Wirkung zeigen kann. Erkundige dich bei deiner Bank, ob der Fonds eine nachhaltige Anlagestrategie verfolgt.

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