Duschen bei Gewitter und 6 weitere Gewittermythen auf dem Prüfstand

Foto: duschen bei Gewitter

Duschen bei Gewitter vermeiden, unter Buchen Schutz suchen und am besten nicht telefonieren – so sagt der Volksmund. Was davon wissenschaftlich erwiesen ist, erfahrt ihr hier.

Es gibt unzählige Regeln, wie du dich während eines Gewitters richtig verhalten solltest. Aber worauf du wirklich vertrauen kannst, ist oft unklar. Ist Duschen bei Gewitter wirklich gefährlich? Oder sind einige Baumarten geeignetere Blitzableiter als andere? Wir haben die bekanntesten Gewittermythen für dich unter die Lupe genommen.

Duschen bei Gewitter ist nicht ganz unbedenklich

Ob du bei Gewitter gefahrlos duschen kannst, hängt ganz vom Baujahr deiner Wohnung ab. Handelt es sich um einen Altbau, ist tatsächlich Vorsicht geboten. Hier bestehen die Wasserrohre oft aus Metall. Außerdem sind sie – entgegen heutiger Standards – oft nicht mit den anderen Leitungen des Hauses verbunden und geerdet. Wenn du also in einem Altbau wohnst und nicht sicher weißt, wie es um dein Rohrsystem steht, solltest du erstmal auf Duschen während eines Unwetters verzichten. Frage bei der nächsten Gelegenheit deinen Vermieter und lasse den sogenannten „inneren Blitzschutz“ von einem Fachmann nachrüsten.

Telefonieren mit dem Handy ist nicht gefährlich

Wer bei Gewitter mit dem Handy telefoniert, schwebt nicht in Gefahr
Wer bei Gewitter mit dem Handy telefoniert, schwebt nicht in Gefahr (Foto: CC0 / Pixabay / DanielReche)

Wer bei Gewitter duscht, könnte also gefährdet sein. Wer die Zeit während des Gewitters zum Telefonieren mit dem Handy nutzt, ist es sicher nicht. Laut dem VDE (Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik) geht von schnurlosen Telefonen während eines Unwetters keinerlei Gefahr aus. Weniger sicher sind Festnetztelefone. Bei einem Gewitter in unmittelbarer Nähe (weniger als 10 Sekunden zwischen Blitz und Donner) solltest du lieber den Stecker ziehen.

Buchen sollst du nicht suchen

Wie sicher bist du bei Gewitter unter einem Baum?
Wie sicher bist du bei Gewitter unter einem Baum? (Foto: CC0 / Pixabay / Comfreak)

„Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen“ besagt ein altes Sprichwort. Wissenschaftlich belegt ist der Reim nicht. Bei Gewittern solltest du Bäume jeder Art meiden. Hohe, allein stehende Bäume und Baumgruppen sind besonders gefährlich. Als höchste Erhebung bieten sie dem Blitz den kürzesten Weg zur Erde. Wird das Gewitter von Regen begleitet, so besitzt ein nasser Baum sogar noch bessere Leitfähigkeit. Während des Blitzschlags wird elektrische Spannung in den Boden abgegeben, weshalb es schon gefährlich sein kann, sich nur in der Nähe eines Baums aufzuhalten. Mindestens 10 Meter Abstand sind ratsam.

Im Auto bist du fast immer sicher

Autos gelten bei Gewitter also sicher, aber nicht für alle Modelle stimmt das
Autos gelten bei Gewitter also sicher, aber nicht für alle Modelle stimmt das (Foto: CC0 / Pixabay / 733215)

Besitzt dein Auto eine Ganzmetallkarosserie, so kannst du gefahrlos das Gewitter im Fahrzeug abwarten. Solche Modelle bilden einen „Faradayschen Käfig“, über den der Blitz über die metallene Außenhaut zur Erde abfließt, so der VDE. Besitzt du ein Wohnmobil oder Cabriolet ohne Dachgerüst oder metallenen Überrollbügel, bist du wahrscheinlich nicht geschützt und solltest dich anderswo in Sicherheit bringen.

Achtung: Autofahren während eines Gewitters kann viele Gefahren bergen, wie umfallende Bäume, starken Seitenwind und schlechte Sicht durch Regen. Autofahrer sollten also nur sehr vorsichtig fahren und schnell einen sicheren Ort aufsuchen.

Bei Unwetter aufs Fahrrad schwingen?

Wer bei Gewitter mit dem Fahrrad unterwegs ist, sollte sich schnell in Sicherheit bringen
Wer bei Gewitter mit dem Fahrrad unterwegs ist, sollte sich schnell in Sicherheit bringen (Foto: CC0 / Pixabay / renategranade0)

Die Reifen eines Fahrrads bestehen zwar aus Gummi, das Gestell jedoch aus Metall. Du solltest dich bei Gewitter nur auf das Fahrrad setzen, um dem heran nahenden Unwetter schnell zu entgehen. Sobald das Gewitter in unmittelbarer Nähe ist, solltest du sofort Schutz suchen! Am besten eignen sich laut dem VDE dafür Gebäude mit Blitzableiter, Autos (siehe oben), Kabinen von Baumaschinen, Eisenbahnwagen oder Metallkabinen von Seilbahnen.

Bist du allein im Freien, solltest du in einer Mulde im Boden oder einem anderen niedrigen Punkt im Gelände Schutz suchen. Geh mit geschlossenen Füßen in die Hocke und halte Abstand zu Bäumen, Gewässern, Autos, Zäunen, Geländern oder Ähnlichem.

Schirme ziehen Blitze an?

Schirme gelten bei Gewitter als Blitz-Magneten – zu Unrecht!
Schirme gelten bei Gewitter als Blitz-Magneten – zu Unrecht! (Foto: CC0 / Pixabay / geralt)

Dass Regenschirme Blitze anziehen, ist nicht belegt. Allerdings erhöhst du auf freiem Gelände deine Position, wenn du den Schirm aufspannst, und wirst dadurch leichter zum Ziel. Außerdem ist erwiesen, dass der Blitz ­– wenn er in eine Person mit Regenschirm einschlägt – den Schirm als erstes erreicht und über Arm, Rumpf und Beine ins Herz fließt. Das könnte Herzkammerflimmern zur Folge haben. Schätze bei Gewittern also immer genau die Situation ab – egal, ob du Fahrrad fährst, duschen gehst oder den Schirm aufspannst.

Laptop, Fernseher und Co. bei Gewitter abstecken

Elektronische Geräte sollten bei Gewitter unbedingt abgesteckt werden
Elektronische Geräte sollten bei Gewitter unbedingt abgesteckt werden (Foto: CC0 / Pixabay / 6689062)

Wenn der Blitz in der Nachbarschaft einschlägt, kann das oft schon zu schweren Schäden an sensiblen Geräten wie Laptops, Computern oder Fernsehern führen. Donnert und blitzt es in unmittelbarer Umgebung, solltest du die Geräte trotz Überspannungsschutz sicherheitshalber vom Stromnetz nehmen. Auch Router und Modems sind gefährdet. Wichtig: Es reicht nicht, den Schalter an der Mehrfachsteckdose umzulegen. Du solltest das Gerät lieber ganz ausstecken!

Vermeintlich steigende Zahl der Gewitter in Deutschland

Steigt die Zahl der Gewitter in Deutschland? Obwohl wir immer öfter von schlimmen Gewitterstürmen hören, deuten viele Studien eher auf das Gegenteil. Die Firma Siemens betreibt jährlich Studien zur Zahl der Blitzschläge in Deutschland und verzeichnet seit 2007 eine rückläufige Tendenz: 2016 maßen sie 431.644 Einschläge – die niedrigste Zahl seit 1999. Im Vorjahr schlug der Blitz noch 550.000 mal ein. Durch präzisere Unwetterwarnungen und die starke mediale Präsenz von Gewittermeldungen scheint die Zahl größer.

Sind vermehrte Gewitter Zeichen des Klimawandels?

Die Frage, ob stärkere oder vermehrt auftretende Gewitter Indikatoren für den Klimawandel sind, sorgt bei Experten für Uneinigkeit
Die Frage, ob stärkere oder vermehrt auftretende Gewitter Indikatoren für den Klimawandel sind, sorgt bei Experten für Uneinigkeit (Foto: CC0 / Pixabay / jplenio)

Auch hier sind sich Experten uneinig. Eine 2014 veröffentlichte Studie der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) konnte zwar einen Zusammenhang zwischen menschlichem Einfluss und Hitzewellen herstellen, aber keine zu Starkregenereignissen oder Stürmen. Allerdings benötigen Klimastudien meist Daten, die einen Zeitraum von 30 Jahren decken. Verlässliche Niederschlagsradar- und Blitzdaten stehen nur für die vergangenen 15 Jahre zur Verfügung. Der Deutsche Wetterdienste (DWD), bestätigt jedoch, dass innerhalb der verfügbaren Daten die Anzahl der Tage mit Starkniederschlägen gestiegen sei, was auf die Erderwärmung und stärkere Wasservorkommen in der Atmosphäre zurückzuführen sei.

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