Feministische Literatur: Diese 4 feministischen Bücher solltest du gelesen haben

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Feminismus – das Wort stößt nicht unbedingt auf Begeisterung. Es klingt nach Arbeit, Konflikt, Stress. Doch es gibt nicht nur einen Feminismus. Und er kann auch spielerisch, unterhaltsam und aus verschiedenen kulturellen Perspektiven für die feministische Sache argumentieren. Wir stellen dir vier wichtige Bücher vor, die du zum Thema gelesen haben solltest.

Den Feminismus verbinden viele Menschen hauptsächlich mit Frauen – doch eigentlich geht es um Gleichberechtigung für alle Geschlechter. Der Feminismus will das Zusammenleben aller Geschlechter besser, einfacher und friedlicher machen. Deshalb sind feministische Bücher für alle Menschen – auch für Männer – lesenswert.

Wir stellen dir hier vier feministische Bücher vor, die jeder gelesen haben sollte, der sich mit dem Thema beschäftigen möchte. Wer sich schon mit feministischer Literatur auseinandergesetzt hat, wird sicherlich einige Titel wiederkennen. Natürlich gibt es noch eine Vielzahl an weiteren wichtigen Büchern zum Feminismus – bedeutende Namen in der Geschichte der feministischen Literatur sind beispielsweise Virginia Woolf, Simone de Beauvoir oder Judith Butler. Wenn du also auf den Geschmack gekommen bist: Es gibt noch vieles zu entdecken!

Must-Read 1 – Magarete Stokowski: Untenrum frei

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(Cover: Rowohlt Verlag)

Magarete Stokowski, Jahrgang 1986, ist freie Autorin und schreibt seit 2015 die wöchentliche Kolumne „Oben und unten“ auf Spiegel online. Ihr erstes Buch „Untenrum frei“ (2016) galt schon kurz nach Erscheinen als Standardwerk eines zeitgenössischen, jungen Feminismus: Stokowski verknüpft eigene Erfahrungen – „die kleinen schmutzigen Dinge, über die man lieber nicht redet, weil sie peinlich werden könnten“ – mit Fakten.

Sie schreibt vom Aufwachsen als Mädchen in Deutschland: Davon, wie es ist, auf dem Nachhauseweg sexuell belästigt zu werden, und darüber, welchen Einfluss Mädchenzeitschriften auf junge Frauen haben. Gleichzeitig hinterfragt Stokowski unsere – vor allem von männlichen Vorstellungen geprägte – Sprache und die gesellschaftlichen Strukturen, die vielen von uns gar nicht bewusst sind.

In „Untenrum frei“ geht es um Gleichberechtigung, Sex, Unterdrückung, Macht, Freiheit, Rollenbilder und Schamgefühle. Magarete Stokowski schreibt mit einer ordentlichen Portion Witz, Sarkasmus und Ironie, gleichzeitig ist sie scharfsinnig, intelligent und provokant. Der Begriff „Feminismus“ spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle für Stokowski:

Am Ende geht es darum, wie wir handeln und miteinander umgehen, und nicht darum, welches Etikett wir uns geben.

Das Buch ist leicht zu lesen, macht an vielen Stellen Spaß und häufig auch wütend. Es regt zum Selberdenken an und ist für alle, die sich bisher wenig mit feministischen Themen beschäftigt haben, sehr lesenswert. Wer schon tiefer in der Materie steckt, wird zwar wenig Neues finden, aber dennoch ausgezeichnet unterhalten werden. Stokowski schreibt selbst, dass sie kein feministisches Manifest liefern wolle. Trotzdem ist „Untenrum frei“ schon fast ein Klassiker des modernen Feminismus – ein Buch, dass du dir nicht entgehen lassen solltest.

Kaufen** kannst du „Untenrum frei“ für 12,- (Taschenbuch) im lokalen Buchhandel oder online u.a. bei Buch7, bücher.de oder Thalia. Auch Stokowskis zweites Buch „Die letzten Tage des Patriarchats“, eine Sammlung von Kolumnen und Essays, ist sehr lesenswert.

Must-Read 2 – Jens van Tricht: Warum Feminismus gut für Männer ist

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(Cover: Ch. Links Verlag)

„Männer sind stark, essen am liebsten Fleisch und reden nicht über ihre Gefühle.“ Das sind die männlichen Klischees mit denen auch heute noch viele Menschen – insbesondere Jungen – aufwachsen. Jens van Tricht schreibt darüber, wie diese Erwartungen Männern gesundheitlich schaden und wie Geschlechterklischees das gesellschaftliche Zusammenleben gefährden.

Der niederländische Aktivist und Gründer der Organisation ‚Emancipator‘ kritisiert in seinem Buch die traditionelle Männlichkeit und beschreibt, dass viele gesellschaftliche Probleme – die Klimakrise, Ressourcenerschöpfung, Armut, Ungleichheit, Ausgrenzung, Ausbeutung, Kriege, gewalttätige Konflikte – von Männern verursacht werden. Dabei geht es jedoch nicht darum, Männern die Schuld für diese Probleme in die Schuhe zu schieben. Vielmehr plädiert van Tricht dafür, dass Männer sich von traditionellen Männlichkeitsbildern emanzipieren sollten, und die Gesellschaft sie dabei unterstützen müsse. Auf diese Weise ließen sich Lösungen für viele gesellschaftliche Probleme finden.

„Warum Feminismus gut für Männer ist“ ist ein leidenschaftliches Plädoyer und definitiv ein feministisches Buch, dass jede:r gelesen haben sollte – ganz besonders diejenigen (Männer), die dem Feminismus sehr kritisch gegenüberstehen. Oder, wie van Tricht schreibt:

Als Mann menschlicher zu werden, ist kein einfaches Unterfangen, sondern verbunden mit Höhen und Tiefen. Sie müssen damit anfangen und dann nie mehr damit aufhören.

Kaufen kannst du „Warum Feminismus gut für Männer ist“ für 4,50 Euro bei der Bundeszentrale für Politische Bildung oder für 18 Euro (broschiert) im lokalen Buchhandel bzw. online** bei Buch7, bücher.de oder Thalia.

Must Read 3 – Lady Bitch Ray: Yalla, Feminismus!

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(Cover: Tropen/Klett Cotta)

Die meisten modernen feministischen Bücher werden von weißen Cis-Frauen ohne Migrationshintergrund geschrieben. „Yalla, Feminismus!“ ist eine Ausnahme: Reyhan Şahin – aka Lady Bitch Ray – ist türkisch-muslimische Alevitin und in vielfacher Hinsicht eine Besonderheit im modernen Feminismus: Als promovierte Linguistin und Rapperin schreibt sie über Diskriminierung, Rassismus, Kopftuchdebatten, Sexualität, Deutschrap, Feminismus und Ausgrenzung im männlich und weiß dominierten Wissenschaftsbetrieb.

Reyhan Şahin will, dass muslimisch sozialisierte Frauen, schwarze Frauen, queere Personen und Transmenschen in feministischen Debatten sichtbarer werden. Den „weißen Salon Feminismus“ lehnt sie ab, weil er eindimensional ist. Mit ihrem Buch “Yalla, Feminismus!” versucht sie, diese Gruppen sichtbarer zu machen.

Immer wieder kommt die Autorin auf das Wort Intersektionalität zurück, was bedeutet, dass Menschen in mehrfacher Hinsicht diskriminiert werden: Etwa kann eine schwarze Frau gleichzeitig von Rassismus und Sexismus betroffen sein. Auch Körper, Alter, Gesundheit, Kultur, sozialer Status oder Religion können solche Diskriminierungsfaktoren sein. Dabei betont Şahin, dass diese Vielschichtigkeit im Feminismus mitgedacht werden muss und nicht gegeneinander ausgespielt werden darf – wie etwa Rassismus und Sexismus.

Diese Kämpfe im intersektionellen Sinne auszugleichen, sollte jedoch das langfristige Kernziel von feministisch intersektionellem Engagement sein.

Wer Şahin als Lady Bitch Ray kennt, wird den Ghetto-Slang in ihrem Buch wiedererkennen, gleichzeitig wird auch ihr wissenschaftlicher Hintergrund deutlich. „Yalla, Feminismus!“ ist verständlich geschrieben, regt zum Nachdenken und Diskutieren an und endet mit den bestärkenden Worten:

Dieses Buch soll alle Menschen dazu empowern, ihre kritischen Gedanken zu feministischen Inhalten auszuformulieren und kundzutun und insbesondere marginalisierte Menschen wie etwa Frauen und LGBTQI*s of Color, Muslim*innen, Alevit*nnen oder Kurd*innen dazu anregen, sich feministisches Wissen anzueignen und intersektionellen (Queer-)Feminismus zu machen. Fast alles ist möglich, wenn man an sich und an der Sache arbeitet und um keinen Preis aufgibt.

Eindeutiges Fazit: Dieses feministische Buch solltest du gelesen haben.

Kaufen** kannst du „Yalla, Feminismus!“ für 20 Euro (broschiert) im lokalen Buchhandel oder online u.a. bei Buch7, bücher.de oder Thalia.

Must-Read 4 – Chimamanda Ngozi Adichie: We Should All Be Feminists

Adichie-Feministische-Literatur
(Cover: S. Fischer Verlag)

Die nigerianische Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie gilt als Ikone des Feminismus: Ihr Buch „We Should All Be Feminists“ (auf Deutsch unter dem Titel: „Mehr Feminismus. Ein Manifest und vier Stories“) beruht auf dem gleichnamigen TED-Talk, den sie 2012 hielt. Der Talk wurde im Internet millionenfach geklickt, Beyoncé zitierte einige Passagen in ihrem Song „Flawless“, und Dior druckte den Titel auf T-Shirts – ein echter Hype!

Das Buch enthält eine leicht geänderte Version der Rede sowie vier Geschichten, die von Rollenerwartungen, Liebe, kultureller Identität, Sexualität, Schuld und Scham handeln. Adichie schreibt verständlich und gleichzeitig präzise über komplexe Themen. Sie fordert Gleichberechtigung für Männer und Frauen und inspiriert zur Rebellion gegen Geschlechterrollen. Nach ihrer Definition ist ein:e Feminist:in keine Beleidigung, sondern

[…] ein Mensch, der sagt, ja es gibt heutzutage Probleme mit Geschlechterrollen, und das müssen wir korrigieren, und wir müssen es besser machen. Wir alle, Frauen und Männer, müssen es besser machen.

Adichie benennt die Folgen und Probleme des Patriarchats für Männer und Frauen deutlich, gleichzeitig lässt ihr Buch den Lesenden nicht ohnmächtig zurück, sondern regt an, die Ideen und Forderungen des Feminismus umzusetzen.

Die Kultur erschafft die Menschen nicht. Die Menschen erschaffen die Kultur.

„We Should All Be Feminists“ ist mit seinen 112 Seiten schnell gelesen und ein guter Einstieg ins Thema Feminismus – definitiv ein Buch, das jede:r gelesen haben sollte.

Kaufen** kannst du die deutsche (und natürlich auch englische) Ausgabe für 9 Euro im lokalen Buchhandel oder online u.a. bei Buch7, bücher.de oder Thalia.

Noch mehr feministische Bücher

Wer in Berlin lebt, kann in der queer-feministischen Buchhandlung „she said“ stöbern – Menschen aller Geschlechter sind hier willkommen! Für Freiburger empfiehlt sich die jos fritz Buchhandlung.

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