Klimakrise: Warum wir nicht mehr über den Klimawandel reden sollten

Foto: Pixabay / CC0 / Skeeze

Gletscher schmelzen, der Meeresspiegel steigt und extreme Wetterphänomene passieren häufiger: Es ist eine Klimakrise, die Ökosysteme auf der ganzen Welt bedroht. Daher sollten wir aufhören, über den „Klimawandel“ zu sprechen – zu diesem Ergebnis kommt zumindest ein Experiment aus New York.

Der Klimawandel ist real – und er ist menschengemacht: Wissenschaftlich gesehen besteht daran kein Zweifel. Bereits jetzt zwingt der Klimawandel mehr Menschen zur Flucht, als Kriege und Gewalt und er ist mit dafür verantwortlich, dass weltweit immer mehr Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sind.

Aber obwohl der Klimawandel eine der größten Bedrohungen unserer Zeit ist, spielt er in öffentlichen und politischen Debatten eine vergleichsweise geringe Rolle. Dass das so ist, könnte auch an dem Begriff „Klimawandel“ liegen. Einer Studie des New Yorker Unternehmens „Spark Neuro“ zufolge weckt der Begriff kaum Emotionen. Besser seien Ausdrücke wie „Klimakrise“ oder „Umweltzerstörung“.

Klimakrise: Experiment mit 120 Personen

Spark Neuro ist eigentlich auf Werbeforschung spezialisiert: Das Unternehmen misst in Experimenten Variablen wie Hirnströme, Mikrogesichtsausdrücke, Hautwiderstände und Augenbewegungen, um daraus Empfehlungen für bessere Werbung abzuleiten. Diesen Frühling hat sich Spark Neuro mit dem Klimawandel beschäftigt.

Für die Untersuchung hat das Unternehmen 120 Versuchspersonen an EEG-Geräte (Elektroenzephalografie) angeschlossen, um ihre Hirnströme zu messen. Über Webcams wurden die Gesichtsausdrücke erfasst und über Elektroden Schweiß an der Hand.

Klima: vom Wandel zur Krise

Dann wurden den Probanden Tonaufnahmen von sechs verschiedenen Ausdrücken vorgespielt, die alle etwas mit dem Klimawandel und Umweltproblemen zu tun hatten. Dabei wurden die körperlichen Reaktionen gemessen. Bei der Untersuchung ging es unter anderem darum, wie man den Klimawandel in einem politischen Umfeld am besten kommuniziert. Daher wurde bei den Versuchsteilnehmern zwischen Demokraten, Republikanern und Personen ohne Parteipräferenz („Unabhängige“) unterschieden.

Die Ergebnisse: 

  • Die Begriffe „Klimawandel“ und „Erderwärmung“ lösten bei Demokraten und Republikanern die geringste Reaktion aus.
  • Bei den Republikanern wirkte der Ausdruck „Umweltzerstörung“ am stärksten, bei den Unabhängigen „Klimakrise“
  • Bei den Demokraten waren die Reaktionen bei „Destabilisierung des Wetters“ („weather destabilization“) am stärksten, dicht gefolgt von „Umweltzerstörung“ und „Klimakrise“.
Klimawandel, Klimakrise, Umweltzerstörung
Die Ergebnisse der Untersuchung. (Bild: © SPARK Neuro)

„Klimakrise“ klingt bedrohlicher

Dass ausgerechnet „Klimawandel“ und „Erderwärmung“ am wenigsten Emotionen auslösen, könnte daran liegen, dass die Probanden die Worte schon gewohnt waren. Sie vermitteln aber auch nicht unbedingt eine Dringlichkeit: Wenn das Klima sich „wandelt“, oder die Erde „wärmer“ wird, klingt das nicht besonders bedrohlich.

Die Schlussfolgerung aus der Untersuchung: Wenn es darum geht, Aufmerksamkeit für ein Problem zu erzeugen, ist die richtige Wortwahl zentral. Spark Neuro bevorzugt den Begriff „Klimakrise“, weil er im Experiment in allen politischen Lagern Emotionen auslöste. Interessant wäre, ob das Experiment im deutschsprachigen Raum zu ähnlichen Ergebnissen kommen würde. Wahrscheinlich macht es auch bei uns Sinn, nicht mehr über den Klimawandel, sondern den „Klimakollaps“ oder die „Klimakrise“ zu reden.

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(6) Kommentare

  1. Das Klima wandelt sich stetig, aber dieser Wandel ist nicht menschengemacht – zumindest nicht durch CO2. Inwieweit die „Eliten“ durch ihre Wetterkriege Unheil stiften, steht auf einem anderen Blatt.
    CO2 ist weder giftig noch klimaschädlich, sondern lebensnotwendig. Ohne CO2 kein Pflanzenwachstum!

  2. mamichgi: Klar brauchen Pflanzen CO2,(das große Argument der AfD), aber nicht in den großen Mengen,ab einer gewissen Menge wird es nämlich schädlich für Pflanzen
    Ich weiß nicht, woher Sie Ihre Informationen haben, ich kenne sie von der AfD und rechtsesoterischen Plattformen. Man sollte wirklich nicht alles glauben, was man im Internet findet! Viele dieser schrägen Argumente sind auch von der Petrochemie gesponsert (siehe: gekaufte Wissenschaft).

  3. Man sollte auch nicht alles glauben, was Mainstream ist. Wer in bestimmten Berufen Karriere machen will, sollte die These vom bösen CO2 nicht anzweifeln. Man kann also auch hier von gekauften Wissenschaftlern sprechen.
    Im übrigen gibt es ein gutes Mittel gegen das im übrigen nur von einem sehr geringen Anteil menschenverursachten CO2: mehr Pflanzen, vor allem Bäume! Aber Logik scheint nicht die Stärke der Altparteien zu sein, denn sie lassen massenhaft Migranten ins Land, wodurch mehr Wohnungen nötig sind, was mit einer Naturzerstörung einhergeht, ganz zu schweigen davon, dass Menschen in Deutschland naturgemäß wesentlich mehr CO2 verursachen als in wärmeren und unterentwickelteren Ländern.

  4. Es ist natürlich löblich, dass Spark Neuro diesen Versuch gemacht hat, aber wenn sie dafür die New Yorker Bevölkerung genommen haben, dann finde ich das nicht weiter verwunderlich, dass der Ausdruck „Klimawandel“ keine Reaktionen hervor ruft.
    Nicht nur wegen der Steinwüste, in der die Probanten leben, sondern gerade weil der Präsident der Vereinigten Staaten höchstselbst den Klimawandel negiert.
    Für die USA ist es vielleicht sinnvoll einen neuen Ausdruck für „Klimawandel“ zu finden, wenn sie schon die landeseigenen Superstürme etc. ignorieren und nicht in Zusammenhang bringen können mit dem weltweiten Problem.
    Da in den USA nach wie zu vor alles immer gerne (ein bisschen) übertrieben wird, muss man wohl auch die Wortwahl anpassen.
    So gesehen ist Spark Neuro auf dem richtigen Weg.
    🙂