Gebrauchte Elektronikgeräte: Wohin damit?

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Gebrauchte Elektronikgeräte: So mancher tut sich schwer, sich von ihnen zu trennen. Daher verstopfen sie Keller, Garage und Abstellkammer. Utopia zeigt die, wie man gebrauchte Elektronik bequem verkauft oder weitergibt – und dabei auch die Umwelt im Blick behält.

Der Dokumentarfilm „Welcome To Sodom“ schildert das Leben der Menschen neben „Europas größter Elektro-Müllhalde“ am Rande von Ghanas Hauptstadt Accra. Wer die Doku von Florian Weigensamer und Christian Krönes gesehen hat, wird wahrscheinlich nie wieder ein gebrauchtes Elektronikgerät wegwerfen wollen.

Zumindest sollte man einen Beitrag leisten, dass es möglichst lange weiterlebt, indem man es weiterverkauft oder verschenkt. Wenn viele Menschen so handeln, dann dreht sich die Konsumspirale vielleicht etwas langsamer, und am Ende wandern auch weniger Geräte auf die Müllhalde in Accra.

Gebrauchte Elektronikgeräte: Wohin damit?

Genau wie bei Smartphones oder Tablets gibt es im Web Portale für gebrauchte Elektrogeräte, die einem das alte Schätzchen abnehmen. Allerdings sind es viel weniger Anbieter als bei den Smartphones.

Das hat verschiedene Ursachen. Während kleine, gebrauchte Elektronikgeräte wie Handys oft schon zwei oder drei Jahre nach der Anschaffung wieder abgestoßen werden, läuft der Fernseher zumeist sechs oder sieben Jahre, bis man einen neuen haben will. In der Zwischenzeit sind so viele neue Modelle auf den Markt gekommen, dass es für die Anbieter fast unmöglich wird, für jedes Gerät einen Eintrag in die Datenbank einzustellen. Zudem benötigen die großen und schweren Geräte mehr Platz im Lager.

Auch für dich als Erstbesitzer ist das fachgerechte Einpacken und Verschicken ungleich aufwändiger und teurer als bei einem Handy. Das macht keinen Spaß, vor allem, wenn der schöne Smoothie-Mixer nur noch 15 Euro einbringt. In der Regel hat man auch den Original-Karton gebrauchter Elektronikgeräte schon weggeworfen.

Kleinanzeigenmarkt für Selbstabholer

Eine gute Alternative sind regionale Kleinanzeigenmärkte. Hier holt der Interessent die alte Mikrowelle oder die schöne Espressomaschine einfach selbst ab. Manchmal muss man das Gerät nicht mal selbst verpacken, der Käufer wuchtet es ganz einfach in sein Auto.

Wenn es sich um ein noch halbwegs aktuelles Markengerät handelt, dann stellt das Web-Portal aber immer noch eine gute Möglichkeit da, das Gerät loszuwerden und dabei noch ein paar Euro zu verdienen.

Ein Vorteil der Portale ist, dass man die gebrauchten Elektronikgeräte nicht lange beschreiben und auch nicht fotografieren muss. Es genügt, sich durch die Kategorien und vorgegebene standardisierte Beschreibungen zu klicken.

Eine weitere Möglichkeit sind Secondhand-Läden und Sozialkaufhäuser. Diese nehmen gebrauchte Elektronikgeräte gerne an, sofern sie noch voll funktionsfähig und nicht verschmutzt sind.

Defekte gebrauchte Elektronikgeräte

Anders liegt der Fall bei kaputten Produkten. Zwar lassen sich auch diese gebrauchten Elektronikgeräte verkaufen. Bastler zum Beispiel lieben defekte Geräte. Doch Verbraucherschützer sind wenig begeistert. Dann sei nämlich nicht sichergestellt, dass das Elektronik-Gerät umweltgerecht entsorgt wird. Die Verbraucherzentrale Bayern schreibt dazu: „Womöglich werden die kaputten Geräte illegal ins Ausland transportiert und nicht recycelt. Wir raten deshalb nicht zu einem Verkauf.“ Womit wir wieder beim erwähnten Dokumentarfilm über Accra wären.

Rücknahmepflicht für gebrauche Elektronikgeräte

Für kaputte, gebrauche Elektronikgeräte ist das fachgerechte Recycling Pflicht und vor allem sehr sinnvoll. Das darin enthaltene Metall ist fast immer von einem gewissen Wert. Die Recycling-Methoden sind ausgereift und bewährt. Außerdem enthalten die Elektrogeräte wie Gold, Platin, Kupfer oder sortenreine Kunststoffe.

Was oft vergessen wird: Händler sind grundsätzlich verpflichtet, Altgeräte zurückzunehmen. Nach Angaben der Verbraucherzentrale müssen Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von mehr als 400 Quadratmetern die bei ihnen erworbenen Altgeräte kostenfrei zurücknehmen.

Das gilt natürlich auch für Online-Händler, wobei hier oftmals nicht klar ist, wie groß deren Lagerfläche wirklich ist. Bei Branchenführern wie Amazon, Cyberport oder Otto kannst du aber von einer Rücknahmepflicht ausgehen.

Allerdings dürfen die Online-Händler selbst entscheiden, wie sie die Rücknahme gebrauchter Elektronikgeräte organisieren. Die kundenfreundlichste Lösung wäre die kostenlose Rücksendung, manche Händler entscheiden sich aber für Sammelstellen, an denen die Geräte abzugeben sind. Das ist für den Verbraucher nicht so toll, vor allem, wenn diese Sammelstelle weit entfernt ist. Kleinere Händler nehmen gebrauchte Elektrogeräte gelegentlich auch freiwillig zurück, der Käufer muss hierbei „nur“ für die Transportkosten aufkommen.

Wenn du also beim nächsten Mal eine Espressomaschine kaufst, erkundige dich vorher, wie der Händler es mit der Rücknahme hält. Und kauf ihm nichts ab, was er nicht auch zur Entsorgung zurücknehmen würde.

Neue Regeln beim Elektroschrott

Seit dem 15.8.2018 zählen auch solche Produkte zum Elektroschrott, die nur ein elektrisches Bauteil integriert haben. Dazu gehören etwa der Badezimmerschrank mit beleuchtetem Spiegel oder auch diese merkwürdigen Turnschuhe mit blinkender LED in der Sohle – auch sie sind jetzt gebrauchte Elektronikgeräte.

Weitere Tipps:

  • Auch wenn’s lästig ist: Beim Kauf eines neuen Geräts solltest du, wenn möglich und zumutbar, die Originalverpackung, die Garantiekarte und die völlig überflüssige 17-sprachige Bedienanleitung behalten. Dann lässt sich das Gerät leichter versenden und verkaufen.
  • Die meisten Ankauf-Portale verkaufen logischerweise auch. Sieh dich vorher auf den Kauf-Seiten um. Dann bekommst du ein Gefühl dafür, welche gebrauchten Elektronikgeräte gut laufen und wie viel Gewinn der Anbieter einstreicht.
  • Mach aussagefähige Fotos. Am besten eine Mischung aus Aufnahmen, die das ganze Gerät zeigen und Detailaufnahmen. Bei Hi-Fi-Produkten wie Verstärkern oder Receivern ist auch die Rückseite wichtig. Technik-Fans wollen wissen, welche Anschlüsse das Gerät hat.
  • Mach auch Fotos von Kratzern, Stellen, an denen der Lack abgesprungen ist oder das Gehäuse eine Delle hat. Dann kann niemand sich nachträglich beschweren, dass der Schaden verschwiegen wurde.
  • Das sorgsame Verpacken der stoßempfindlichen Elektrogeräte ist mühsam, aber leider notwendig. Bei DHL gibt es einen PDF-Ratgeber für den Versand elektronischer Geräte. Du findest ihn, wenn du in einer Suchmaschine die Stichworte „DHL Verpackungsleitfaden für elektronische Ware“ eingibst.
  • Übrigens auch gut für die Umwelt: Den Stromanbieter wechseln – natürlich zu einem Ökostromanbieter.

Web-Portale für gebrauchte Elektrogeräte

Nebenan

Eine gute Idee: Das Portal hilft Waren und Dienstleistungen in der Nachbarschaft zu handeln. Hier kann man beispielsweise den alten Ventilator oder die Stereoanlage an Menschen in der unmittelbaren Nachbarschaft oder im Stadtteil verkaufen oder verschenken. Einpacken und verschicken ist unnötig, der Interessant wohnt zwei Straßen weiter und kommt einfach vorbei. Neben gebrauchten Elektronikgeräte kann man hier natürlich auch Handwerkerarbeiten suchen und anbieten, peruanisches Kunsthandwerk vertickern oder einen Brettspielabend organisieren.
Info: https://nebenan.de/

Gebraucht.de

Umfangreiche Plattform, über die Kunden auch Unterhaltungselektronik wie TV-Geräte oder Stereoanlagen, Küchenkleingeräte und Werkzeug kaufen und verkaufen. Sogar defekte Produkte für Bastler gibt es hier. Den Preis legt der Verkäufer selbst fest. Das Gerät wird direkt an den Käufer geschickt. Bei sehr sperrigen Waren kann man auch Selbstabholung anbieten. Der Anbieter verdient, indem er vom Kaufpreis eine „Servicegebühr“ von 2,5 Prozent einbehält. Das Geld wird ausgezahlt, wenn der Käufer die Waren erhalten und kein Problem gemeldet hat.
Wer Gebraucht.de häufig nutzt, kann über eine Smartphone-App unterwegs die Kaufanfragen checken.
Info: https://www.gebraucht.de/

Zoxs

Das Portal handelt nicht mit Haushaltsgeräten, akzeptiert aber immerhin gebrauchte Elektronikgeräte wie tragbare Lautsprecher, Kopfhörer oder auch Kameras oder Navigationsgeräte. Bei Kameras ist die Auswahl ziemlich groß, es sind alle bekannten Marken vertreten.
Info: https://www.zoxs.de/

eBay-Kleinanzeigen

Nach wie vor ein Klassiker für den Verkauf von Gebrauchtgeräten. Wer den Aufwand des Verpackens-und-zur-Post-Tragens scheut, bietet sein Elektrogerät nur für Selbstabholer ab.
Info: https://www.ebay-kleinanzeigen.de/

Wirkaufens

Im Bereich der Unterhaltungselektronik sind fast alle namhaften Marken vertreten. Das gilt auch für Digitalkameras. Für gebrauchte Elektronikgeräte okay, allerdings kann man keine Haushaltsgeräte verkaufen.
Info: https://wirkaufens.de/

My Swoop

Hier kann man fast alles verkaufen, was Knöpfe und Tasten hat, sogar Gartengeräte und Heimwerkerbedarf. Laut Anbieter erhält man sein Geld schon 24 Stunden nach Eingang des Produkts. Ab 30 Euro Ankaufswert ist der Versand gebrauchter Elektronikgeräte kostenlos. Die Navigation ist einfach und logisch.
Info: https://www.myswooop.de/

Rebuy

Bekanntes Portal, handelt aber nicht mit TV-Geräten. Das Angebot im Bereich Unterhaltungselektronik ist mit Ausnahme von Aktivlautsprechern und Kopfhörern nicht sonderlich groß. Rebuy ist dagegen stark im Bereich gebrauchter Elektronikgeräte Apple, darunter MacBooks und iPhones.
Info: https://www.rebuy.de/

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