Heizen ohne Heizung: 8 Tipps nicht nur für die kalte Jahreszeit

Heizen ohne Heizung
Foto: © marshi / photocase.de

Herausforderung Heizen: Vor allem in Altbauwohnungen sind Bad, Küche oder sogar das Schlafzimmer oft nicht mit einer Heizung ausgestattet. Das ist nicht nur ungemütlich, sondern erhöht auch Feuchtigkeit und Schimmelgefahr.

Utopia verrät, wie du in Räumen ohne Heizung nicht frierst – ohne die Stromkonzerne unbedingt reich(er) zu machen.

Tipp 1: Wärmer anziehen – das heizt ein

Zunächst einmal gilt: Ziehe dich selbst warm an! Im tiefsten Winter muss die Wohnung nicht so warm sein, dass du in kurzen Hosen herumlaufen kannst. Im Zweifel einfach einen dicken Pulli und ein zweites Paar Socken anziehen. Das spart Energie und ist obendrein sehr gemütlich.

Tipp 2: Heizen hilft nichts ohne gute Isolation

Außerdem sollte die Wohnung gut isoliert sein. Andernfalls heizt du buchstäblich aus dem Fenster. Der Boden kann zum Beispiel mit Korkplatten ganz ohne Heizen fußwarm gehalten werden. Weniger gemütlich, dafür aber isolierend sind reflektierende Metallbleche an den Wänden. Damit es nicht durch undichte Fenster zieht, kannst du sie mit Gummidichtungen aus dem Baumarkt abdichten. Dazu musst du den Vermieter nicht um Erlaubnis fragen.

Tipp 3: Heizen wie bei Oma – mit Kaminofen oder Kachelofen

Wer einen Kachel- oder Kaminofen in der Wohnung hat, kann sich glücklich schätzen: Es braucht zwar eine Weile, bis man ihn angefeuert hat. Doch danach ist die Wohnung mollig warm – ganz ohne Zentralheizung.

In punkto Nachhaltigkeit sollte man aufpassen: Wer mit Holz aus Raubbau, Holz mit Lackresten oder bedrucktem Papier heizt, riskiert hohe Schadstoffemissionen. Deswegen solltest du genau darauf achten, womit du den Ofen beheizt: Pellets aus dem Baumarkt oder Holzscheite, am besten von einem regionalen Anbieter, sorgen für nachhaltige Wärme. Tipps zum Heizen mit Holz hat der Industrieverband Haus-, Heiz- und Küchentechnik HKI herausgegeben.

Heizen - Kaminofen
Das Feuer im Kaminofen gibt nicht nur mollige Wärme ab, sondern ist auch eine Augenweide – hier der Kleining Arona mit beachtlichen 80% Wirkungsgrad. (Foto: © Feuerdepot.de)

Sich einen Kachelofen zum Heizen neu anzuschaffen, ist sehr kostspielig. Meist wird er schon beim Bau eines Hauses mit eingeplant, weshalb ein nachträglicher Zubau schnell teuer wird. Ein Kaminofen hingegen kann einfacher neu angeschafft werden. Unbedingt beachten: Dazu brauchst du in der Regel das Einverständnis des Wohnungseigentümers.

Voraussetzung für den Einbau eines Kaminofens ist ein guter Zugang zum Abzugsrohr – das klärst du am besten vorab mit dem zuständigen Schornsteinfeger. Der berät dich auch dabei, was beim Aufstellen von Kaminöfen zu beachten ist. Auch ein Kaminofen ist nicht ganz billig: Mit 300 Euro und mehr allein für den Kaminofen aus dem Baumarkt musst du bei der Erstanschaffung auf jeden Fall rechnen; Kaminöfen mit Speicherfunktion kosten 1.200 Euro und mehr. Und den Einbau des Abzugrohrs solltest du besser einem Handwerker überlassen; dein Schornsteinfeger kann dir sicher jemand empfehlen, der die gesetzlichen Brand- und Umweltschutzvorschriften kennt und einhält.

Tipp 4: Notlösung Heizlüfter

Der Vorteil eines Heizlüfters liegt auf der Hand: schnell verfügbare Wärme überall, wo es Steckdosen gibt.

Der große Nachteil: Ein Heizlüfter frisst im Betrieb eine enorme Menge Strom. Wenn das kein Ökostrom ist, ist es mit dem nachhaltigen Heizen schnell vorbei.

Heizlüfter sind in der Anschaffung preisgünstig: Kleine Modelle bekommt man schon für 20 Euro, Geräte aus Keramik kosten 40 Euro und mehr. Das Gerät sollte aber nur für kurze Zeitdauern und mit Ökostrom heizen – alles andere ist eine Umweltsünde.

Wichtig bei der Anschaffung:

  • Achte auf Kipp- und auf Überhitzungsschutz, sonst kann es im schlimmsten Fall zu Zimmerbränden kommen.
  • Der Kippschutz sorgt dafür, dass sich der Heizlüfter automatisch abschaltet, wenn er umfällt. Das ist vor allem dann ein Muss, wenn du Kinder oder Haustiere hast, die auch mal unbeaufsichtigt in der Wohnung sind.
  • Der Überhitzungsschutz unterbricht den Stromkreis, falls der Heizlüfter zu heiß wird.
  • Und bei Heizlüftern für das Bad unbedingt auf Spritzschutz achten!
  • Heizlüfter sind wirklich eine extreme Notlösung und ökologisch sehr problematisch!

Tipp 5: Geheimtipp Heizstrahler

Heizstrahler werden meist in großen Hallen eingesetzt, wo andere Heizungen unrentabel sind. Das liegt daran, dass sie Wände und andere Oberflächen direkt aufwärmen, ohne die Luft zu sehr aufzuheizen. (Ein Heizlüfter macht das Gegenteil: Er wärmt erst die Umgebungsluft auf, und diese wärmt dann die Oberflächen.)

Ein Heizstrahler macht das Zimmer viel schneller warm als ein Heizlüfter oder ein Heizkörper. An den meisten Geräten ist die gewünschte Temperatur einstellbar, und nach fünf Minuten ist diese bereits erreicht. Hinzu kommt, dass sie beim Heizen deutlich weniger Energie verbrauchen als andere Heizsysteme.

Das einzige Manko: Die Geräte sind kostspielig – die günstigsten bekommt man für knapp 200 Euro. Und besonders ökologisch sind sie auch nicht.

Heizen - Heizstrahler
Heizstrahler werden meist an der Wand oder Decke montiert (Foto: © joho345)

Tipp 6: Küche mit Backofen heizen

Was wie eine riesige Umweltsünde klingt, kann ganz nachhaltig werden: Wer zum Beispiel Apfelchips oder anderes Dörrobst und -gemüse macht, kann gleichzeitig etwas Leckeres zaubern, Lebensmittel haltbar machen und die Küche heizen. Das Rezept für Apfelchips zum Beispiel findest du direkt hier:

Zutaten für (ein paar) Apfelchips:

  • zwei große Äpfel
  • drei bis vier Esslöffel Zitronensaft
  • etwas Pflanzenöl

Und so gehst du vor: Du hobelst die Äpfel ungeschält in dünne Scheiben und beträufelst diese mit etwas Zitronensaft. Dann streichst du ein Backrost mit etwas Öl ein, legst die Apfelscheiben darauf und lässt diese circa eine Stunde bei 80 bis 100 °C trocknen. Dabei immer wieder mal die Ofentür öffnen, damit die Feuchtigkeit entweichen kann. Oder einen Kochlöffel in die Ofentür schieben, damit ein kleiner Spalt offen bleibt.

Dieses Rezept funktioniert mit fast allen nicht zu wässrigen Obst- und Gemüsesorten (bei Tomaten kann man lange warten…). Natürlich sollte der Backofen dabei mit Ökostrom betrieben werden.

Tipp 7: Romantisch, aber wenig effizient – Heizen mit Teelichtern

Aus Teelichtern und Stein oder Keramik kann man schöne Tischheizungen aus Teelichtern basteln. Allerdings erhöht man die Raumtemperatur damit um nicht mehr als zwei bis drei Grad. Eine einfache Konstruktion ist zum Beispiel mit Blumentöpfen möglich.

Diese Variante ist sicher nicht so effizient beim Heizen wie andere, ist aber kostengünstig und schafft eine schöne Atmosphäre. Nur Vorsicht, dass nichts anbrennt!

Zusatztipp 8: Richtig heizen

10 Tipps zum richtigen Heizen findest du auf Utopia. Zum richtigen Heizen gehört auch das richtige Lüften – sonst kann es zu gesundheitsschädlicher Schimmelbildung kommen; auch dazu haben wir praktische Tipps für richtiges Lüften gegen Schimmel zusammengestellt.

Übrigens: Es gibt sogar erste Ideen, mit der Abwärme von verteilten Serverschränken ganze Häuser zu heizen – etwa von Cloud&Heat.

Weiterlesen auf Utopia.de:

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(2) Kommentare

  1. Warm anziehen kann man nicht überbetonen finde ich. Ein Mitbewohner von mir beklagte sich ständig wie kalt es war, lief aber in Shorts und Flipflops durchs Haus. Ganz oh ne Heizung geht es bei uns nicht, jedoch kann man durch vieles reduzieren wie viel man heizt. Darauf legen wir sehr viel Wert.

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