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Heizkosten: Wer mit einem Preisschock rechnen muss

Gas: Heizkosten steigen
Foto: CC0 Public Domain / Pixabay - Alexander Stein

Millionen von Haushalten in Deutschland müssen in den kommenden Jahren mit massiv steigenden Heizkosten rechnen. Vor allem mit Gas zu heizen wird bald richtig teuer. Dafür gibt es mehrere Gründe – und Wege, dem Preisschock zu entgehen.

Etwa die Hälfte der deutschen Haushalte heizt noch immer mit Gas. Im vergangenen Jahr wurden laut Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie sogar noch über 400.000 neue Gasheizungen eingebaut. Dabei sind die Warnungen fast aller Fachleute eindeutig: Wer mit Gas heizt, muss schon bald sehr hohe Heizkosten tragen. Was lange Zeit als Standardheizung galt, wird zur Kostenfalle.  

Der CO2 Preis steigt

Fossile Brennstoffe verursachen CO2-Emissionen, welche die Klimakrise verschärfen. Um die Erderhitzung zu begrenzen, haben die EU-Staaten sich verpflichtet, ihre Treibhausgasemissionen auf null herunterzufahren. Deutschlands Klimaziel lautet: Klimaneutral ab 2045.

Ein CO2-Preis soll helfen, fossile Brennstoffe unattraktiver zu machen und so die Emissionen zu reduzieren. Dieser CO2-Preis wird unter anderem auf Gas und Öl erhoben und ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. 2025 liegt er bei 55 Euro pro Tonne CO2, 2026 wird er sich in einem Korridor zwischen 55 und maximal 65 Euro bewegen.

2027 startet ein europäischer Emissionshandel für die Sektoren Gebäude und Straßenverkehr. Ab dann wird der CO2-Preis frei am Markt gebildet, Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Fachleute rechnen dann mit einem sprunghaften Anstieg. Je nach Entwicklung der Emissionen könnte der CO2-Preis sich bereits übernächstes Jahr gegenüber dem heutigen Preis verdoppeln. Das Forschungsprojekt Ariadne prognostiziert für das Jahr 2030 für den Gebäudesektor CO2-Preise zwischen etwa 100 und 140 Euro pro Tonne CO2, mit einer möglichen Steigerung bis über 300 Euro im Jahr 2040.

Jeden Anstieg spüren Haushalte mit Gasheizung bei den Heizkosten, spätestens mit der Nebenkostenabrechnung.  Je höher der Gasverbrauch ist, desto stärker fällt auch der CO2-Preis ins Gewicht.

Eine Analyse von CO2Online hat kürzlich berechnet, dass allein der CO2-Preis auf Gas sich pro Gasheizung über die kommenden 20 Jahre auf rund 15.000 Euro summieren könnte.

Die Gasnetzentgelte steigen

Auch die langsame Abkehr von der Gasheizung wirkt sich für die verbliebenen Haushalte finanziell aus: Je weniger Haushalte an die Gasnetze angeschlossen sind, desto teuer werden die Netzentgelte für diese. Denn die Kosten werden auf alle Nutzer:innen verteilt.

Die Netzentgelte, die laut Verivox derzeit rund 20 Prozent am Gaspreis ausmachen, könnten sich so in den kommenden Jahren vervielfachen. Einer Analyse der Denkfabrik Agora Energiewende könnten sie im Jahr 2045 acht bis 16-mal so hoch sein wie heute.

Viele Kommunen werden ohnehin nach und nach ihre Gasnetze stilllegen. Denn spätestens 2045 soll Schluss sein mit Gas. Die ersten Städte planen bereits die Stilllegung der Gasnetze.

Neue Gasheizungen müssen grüne Gase verwenden

Laut den derzeitigen Regelungen des Heizungsgesetzes (Gebäudeenergiegesetz) darf man zwar noch neue Gasheizungen einbauen. Doch es gibt eine Bedingung: Ab 2029 – wenn die kommunale Wärmeplanung abgeschlossen ist – muss man dann einen stetig steigenden Anteil „grünes Gas“ (Biogas oder Wasserstoff) nutzen. Es ist aber bereits deutlich absehbar, dass grüne Gase knapp bleiben werden und damit teuer – wenn sie überhaupt verfügbar werden. Das treibt die Heizkosten für die Gasheizung nach oben.

Gasheizungen, die bis Ende 2023 eingebaut wurden, dürfen übrigens weiterlaufen und repariert werden. Gehen sie irreparabel kaputt, gibt es Übergangsfristen von fünf bis 13 Jahren, bis man auf eine Heizung mit 65 Prozent erneuerbarer Energie umsteigen muss. Teuer wird es trotzdem – siehe CO2-Preis und Netzentgelte.

Der Gasspeicher-Füllstand treibt den Preis

Finanztip weist noch auf einen weiteren möglichen Kostenfaktor hin: Aktuell sind die deutschen Gasspeicher zu unter 30 Prozent gefüllt und damit so leer wie seit mehreren Jahren nicht mehr. Fachleute sehen darin zwar kein Problem, da die Gasversorgung Deutschlands derzeit gesichert ist. Der Großteil kommt aus Norwegen und den Niederlanden.

Allerdings schreibt eine EU-Richtlinie vor, dass die Gasspeicher zum 1. November wieder zu mindestens 90 Prozent gefüllt sein müssen. Die Mitgliedsländer müssen also über den Sommer vergleichsweise viel Gas einkaufen. Diese Nachfrage kann die Preise am Markt kurzfristig erhöhen. Das können auch Haushalte mit Gasheizung zu spüren bekommen.

Übrigens: Nicht nur Gasheizungen werden teurer

Ein knappes Viertel der deutschen Wohnungen hat noch eine Ölheizung (s. BDEW). Auch hier sind die Heizkosten in den vergangenen Jahren bereits gestiegen und werden weiter steigen. Auf Heizöl ist ebenso wie auf Gas der CO2-Preis fällig. Und dieser wird aller Voraussicht nach in den kommenden Jahren kräftig steigen.

Ein kleines Rechenbeispiel: Aktuell kommt man bei einem Verbrauch von etwa 2.000 Litern Heizöl auf jährliche CO2-Kosten von rund 350 Euro. Würde sich der CO2-Preis 2027 tatsächlich verdoppeln, müsste man dann schon mit rund 700 Euro rechnen. Dazu kommen die Heizölpreise, die vielen Fachleuten zufolge langfristig eher steigen werden.

Empfehlung: Heizungstausch planen

Alle Haushalte, die mit Gas oder Öl heizen, müssen also schon in den kommenden Jahren mit deutlich höheren Heizkosten rechnen. Nicht in allen Fällen wird es möglich sein, der Kostenfalle zu entgehen. Mieter:innen haben selbst meist wenig Einfluss auf die Art und Effizienz ihrer Heizung. Zumindest mit den Vermietenden sprechen sollte man aber, um zu erfahren, ob womöglich ein Heizungstausch geplant ist – oder genau das anzuregen. Darüber hinaus hilft nur sparsames und effizientes Heizen, um Kosten zu sparen.

Klar ist: Eine neue Gasheizung sollte man heute nicht mehr einbauen lassen. Das Kostenrisiko ist zu hoch.

Wer bereits ein Haus mit Gasheizung besitzt, sollte diese vom Fachbetrieb überprüfen und optimieren lassen. Das kann den Gasverbrauch und damit auch die Kosten reduzieren. Gleichzeitig sollte man sich aber bereits mit den Möglichkeiten für einen Heizungstausch beschäftigen.

Informiere dich am besten zunächst nach dem Stand der kommunalen Wärmeplanung. Im besten Fall ist dort heute schon abzusehen, ob irgendwann der Anschluss an ein Fern- oder Nahwärmenetz möglich ist.

Eine Energieberatung kann helfen, herauszufinden, welches alternative Heizungssystem sich für dein Haus eignet. Im Wesentlichen kommen Holzpellets oder eine Wärmepumpe infrage, in selteneren Fällen Biogas oder eine Hybridheizung, im Neubau außerdem Infrarotheizungen. Oft lohnt sich eine Ergänzung des Heizsystems durch Photovoltaik oder Solarthermie, insbesondere bei strombetriebenen Heizungen.

Die Debatte der vergangenen Jahre sollte dich dabei nicht verunsichern: In vielen Fällen ist insbesondere eine Wärmepumpe schon heute eine praktikable, klimaschonende und langfristig günstigere Heizoption.

Wichtig: Qualifiziert für die staatlichen Förderprogramme sind nur Energieberater:innen auf der offiziellen Liste für Energieeffizienz-Experten.

Um die Suche nach einem passenden Angebot abzukürzen, kannst du deine Adresse und Telefonnummer bei Portalen wie Aroundhome oder Enter hinterlassen. Die Plattformen vermitteln dir dann unverbindliche Angebote für zertifizierte Energieberater:innen, die förderfähige individuelle Sanierungsfahrpläne (iSFP) erstellen können.

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