Holzuhren & andere nachhaltige Uhren: Am Puls der Zeit

Armbanduhr
Foto: Unsplash (watchdavid)

Die Zeit ist reif – für Holzuhren. Während herkömmliche Produzenten ihre Zeitmesser in Plastikgehäuse verpacken und mit Chemie vollstopfen, haben sich junge Hersteller für nachhaltige Uhren höheren Umweltstandards verpflichtet.

Unter den Vorreitern einer grünen Zeitmessung befinden sich vor allem junge Wilde wie Kerbholz (seit 2012), Wewood (seit 2010), Holzkern (seit 2015) oder Styrman & Crew (seit 2016), die nachhaltige Akzente setzen wollen und vor allem Uhren aus Holz und Stein herstellen. Wir haben fünf umweltfreundlichere Hersteller von Holzuhren und anderen nachhaltigen Modellen für dich genauer unter die Lupe genommen.

Uhren aus Holz & Stein: Naturnahe Zeitmesser von Holzkern

Die Wiener Uhrenmarke Holzkern gibt es seit 2015. Nach eigener Aussage werden die Holzuhren in Handarbeit und in limitierten Kleinserien gefertigt. Anders als der Name des Labels nahelegt, besteht weniger das Innenleben, sondern vielmehr das Gehäuse der schicken Zeitmesser aus Holz. Wie bei allen Holzuhren verfügt jedes Stück über eine sichtbare Maserung und ist so als Unikat zu erkennen.

Holzkern-Uhr
(Foto: Holzkern)

Die Zifferblätter der Holzkern-Chronographen bestehen entweder aus flachen Steinscheiben oder sind ebenfalls aus Holz. Für die Metallteilen der Produkte kommt nickelfreies Edelstahl zum Einsatz. Die Uhrwerke wiederum werden von etablierten Herstellern wie Ronda aus der Schweiz oder Citizen bzw. Seiko aus Japan bezogen. Holzkern engagiert sich auch sozial und spendet für jede verkaufte Uhr einen Euro an eine Caritas-Werkstatt für Menschen mit Beeinträchtigung bzw. an den Verein Primaklima, der sich für Wiederaufforstung einsetzt.

Die Uhrenmarke bietet über 300 Designs an; die günstigsten Modelle beginnen bei etwa 130 Euro. Neben Armbändern aus Holz gibt es auch Modelle mit Armbändern aus (veganem) Leder; außerdem werden Solaruhren angeboten.

Utopia-Einschätzung: Wie nachhaltig ist Holzkern zurzeit? Naturnähe ist zweifellos zentraler Bestandteile der Markenphilosophie des Uhrenlabels; um eine reine Bio- oder Ökomarke handelt es sich deshalb noch nicht.

Wie unten beschrieben, bleiben die Uhrwerke bei allen Herstellern ein Problem, deren Lieferketten nur schwer nachzuvollziehen sind. Auch sollte Holzkern unserer Meinung nach in Zukunft ganz auf veganes Leder setzen sowie seine Sozialbeiträge erhöhen (ein Euro pro verkaufter Uhr ist in dem Preissegment, in dem sich Holzwerk bewegt, nicht gerade viel).

Kaufen: Am besten direkt beim Hersteller, alternativ auf Ebay**.

Preise: Zwischen ca. 129 und 349 Euro, versandkostenfrei in Europa

Wiederaufbereitete Uhren von Nordgreen

Die Uhr „Pioneer“ von Nordgreen gibt es auch wiederaufbereitet (Produktbild: Nordgreen)

Bei PCs und Laptops ist Refurbishment schon lange gang und gäbe, und auch im Uhren-Segment setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass man gebrauchte Uhren professionell wiederaufbereiten kann, um Ressourcen und Kosten zu sparen.

Einer der ersten Anbieter für hochwertige refurbishte Armbanduhren ist die skandinavische Firma Nordgreen. Sie bieten z.B. ihr Modell „Pioneer“ (Bild) auch in einer aufbereiteten Version an. Als Kunde sparst du im Vergleich zum Neuprodukt ordentlich Geld und verbesserst vor allem deinen ökologischen Fußabdruck. 2 Jahre Garantie gibt’s obendrauf.

Kaufen**: Am besten direkt beim Hersteller

Preis: Wiederaufbereitete Uhren ab ca. 120 Euro, Versand kostenlos

Holzuhren aus Holzabfällen: Aufforsten mit Wewood

Als der Designer Alessandro Rossano zum ersten Mal auf den Gedanken kam, Holzabfälle aus der Industrie in Uhren zu verwandeln, wusste er noch nicht, dass seine Kreationen bald von Los Angeles bis Kapstadt nachgefragt sein würden. Die Wewood-Uhren, die Rossano schuf, verfolgen den Anspruch, Stil und Umweltschutz zu vereinen.

Die leichten und allergenfreien Chronographen werden dabei vornehmlich aus Abfällen gefertigt, die bei der Möbelproduktion abfallen. Verschiedene Holzsorten geben dabei unterschiedliche Farbtöne ab, Ahorn sorgt beispielsweise für beige Töne, das Tropenholz Guajak für ein dunkles Grün. Das Uhrwerk der Holzuhren stammt vom japanischen Hersteller Miyota.

Holzuhren von Wewood
Kaum zu glauben: Diese Uhren bestehen aus Industrieabfällen (Foto: Avatar-Merchandising/Wewood)

Übrigens: Für jede verkaufte Wewood-Uhr pflanzt die Umweltorganisation ‚American Forests‘ einen Baum. Diese Zeitmesser dürften damit die einzigen Uhren sein, bei deren Verkauf mehr Holz entsteht, als bei der Produktion verarbeitet wurde.

Kaufen: Im Avocadostore** gibt es eine breite Auswahl an Modellen für Herren und Damen, alle Modelle führt auch der Hersteller

Preise: ab 85 Euro

Bamboo Revolution: Nachhaltige Uhren aus südafrikanischem Bambus

Nicht auf Holz, dafür ausschließlich auf den natürlichen Rohstoff Bambus setzt das südafrikanische Label mit dem sprechenden Namen ‚Bamboo Revolution‘. Die eleganten, minimalistischen Uhren aus Kapstadt werden mit Armbändern aus Naturleder versehen, die umweltschonend mit Pflanzenfarbe gegerbt wurden.

Während die meisten Zeitmesser von Bamboo Revolution als Unisex-Modelle angeboten werden, existiert auch eine limitierte Edition von nachhaltigen Uhren, die sich an Damen richtet: Das charakteristische Bambusgehäuse wird dort mit Armbändern aus handgenähtem Straußenleder kombiniert – auch wenn das vielleicht nicht jedermanns Geschmack ist.

Kaufen: Am besten direkt beim Hersteller

Preis: ab 85 Euro, Versand kostenlos

Gibt es überhaupt wirklich nachhaltige Uhren?

Immer noch am nachhaltigsten: Opas alte Taschenuhr (CC0 / Unplash.com / Kjartan Einarsson )

Eine gute und wichtige Frage. Wir kennen nachhaltigere Hersteller (wie die hier gezeigten), leider aber keine vollständig nachhaltigen Armbanduhren. Warum? Das Problem sind hier vor allem die Uhrwerke. Kleinere und mittelgroße Hersteller beziehen die komplexen und kleinteiligen Uhrwerke normalerweise von Großproduzenten aus anderen Ländern – wie Japan und der Schweiz – und verbauen sie dann wieder in ihre eigenen Modelle.

Um deshalb mehr über die Nachhaltigkeit einer Uhr sagen zu können, benötigt man detaillierte Informationen über die Herstellungsbedingungen dieser Großproduzenten. Wo es – wie im gesamten Elektrik- und Elektronik-Bereich – kompliziert wird. Schließlich stecken in einem Uhrwerk viele winzige Teile aus unterschiedlichen Materialien. Aspekte wie faire Arbeitsbedingungen, kurze Transportwege und ein nachhaltiger Umgang mit der Umwelt entlang der Lieferketten können dabei nur von Experten eingeschätzt werden – wenn überhaupt.

Wer also sicher sein will, dass der eigene Zeitmesser fair und nachhaltig gefertigt wurde, muss herausfinden, welche Standards die Lieferanten von Uhrwerken (und wiederum deren Lieferanten) einhalten. Miyota/Citizen aus Japan, einer der größten Hersteller von Uhrwerken, gibt beispielsweise einen jährlichen CSR-Report mit entsprechenden Informationen heraus; genauso Konkurrent Seiko (ebenfalls aus Japan).

Am nachhaltigsten bleiben aber immer noch: gebrauchte, reparierte und/oder wiederaufbereitete Uhren, zum Beispiel Opas alte Taschenuhr.

Die Liste von nachhaltigen Uhren ist unvollständig?

Kennt ihr weitere nachhaltige Uhren oder deren Hersteller? Welches ist eurer Meinung nach das empfehlenswerteste Modell? Hinterlasst uns gerne einen Kommentar!

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