Krallenfrösche: Früher lebendiger Schwangerschaftstest, heute Öko-Gefahr

Krallenfrosch
Foto: pirotehnik / stock.adobe.com

Kein Witz: Krallenfrösche wurden früher als lebender Schwangerschaftstest eingesetzt – der Froschtest galt sogar als sehr sicher. Heute nutzen wir andere Möglichkeiten, um eine Schwangerschaft festzustellen. Doch die Krallenfrösche sind uns geblieben: als ernstzunehmendes Umweltproblem.

Krallenfrösche sind recht anspruchslose Frösche, die ursprünglich aus Afrika stammen. Sie werden bis zu zwölf Zentimeter groß und zwischen 15 und 25 Jahre alt. Die Froschart ist mittlerweile auf vielen Kontinenten verbreitet und sorgt für weltweites Amphibiensterben. Woran das liegt und was daran problematisch ist, liest du hier.

Krallenfrösche als lebende Schwangerschaftstests

Vor den heutigen Schwangerschaftstests wurden Krallenfrösche eingesetzt.
Vor den heutigen Schwangerschaftstests wurden Krallenfrösche eingesetzt.
(Foto: CC0 / Pixabay / JuliaFiedler)

Die heutigen Schwangerschaftstests sind Stäbchen aus Plastik, auf die uriniert werden muss. Nach wenigen Minuten wird dann das Ergebnis – negativ oder positiv – angezeigt. Die Funktionsweise ist schnell und einfach. Im Urin wird die Konzentration des Schwangerschaftshormons hCG getestet. Wird ein bestimmter Schwellenwert überschritten, fällt der Test positiv aus und es kann von einer Schwangerschaft ausgegangen werden.

Bevor es diesen Stäbchentest gab, fungierten Krallenfrösche als lebende Schwangerschaftstests. Dieser Hogben-Test klingt heute zwar sonderbar, war aber ab den 1930er bis in die 1960er Jahre hinein gang und gäbe. Auch dieser Schwangerschaftstest funktionierte über Urin. Weiblichen Krallenfröschen wurde Urin von (potentiell) schwangeren Frauen injiziert. Laichten die Frösche innerhalb von 18 Stunden, konnte einer Schwangerschaft bestätigt werden. Der Hogben, beziehungsweise „Froschtest“, galt als sehr sicher.

Später, ab Ende der 1940er Jahre, gab es den Galli-Mainini-Test, für den männliche Frösche herangezogen wurden. Ein Resultat war hier bereits nach drei Stunden erkennbar und wurde durch eine Spermienproduktion der Froschmännchen angezeigt.

Die Krallenfröschen selbst sollen von den Tests keine Schäden davongetragen haben und konnten, mit einer gewissen Pause, sogar wiederholt dafür eingesetzt werden.

Krallenfrösche als Bioinvasoren

Krallenfrösche setzen sich gegen andere heimische Amphibienarten durch.
Krallenfrösche setzen sich gegen andere heimische Amphibienarten durch.
(Foto: CC0 / Pixabay / Couleur)

Schwangerschaftstests wurden überall auf der Welt gebraucht. Krallenfrösche sind jedoch ursprünglich in Afrika, vor allem Südafrika, angesiedelt und wurden entsprechend der hohen Nachfrage in Zehntausenden in viele andere Länder exportiert, darunter auch Europa und Amerika. Zwischenzeitlich sind Krallenfrösche sogar vom Aussterben bedroht gewesen. Um dies zu verhindern, wurden die Amphibien daraufhin massenhaft nachgezüchtet.

Mit Erfindung von Schwangerschaftstests ohne lebende Tiere in den 1960er Jahren und der Einführung von Tests für zu Hause in den 1970er Jahren nahm die Nachfrage nach Krallenfrösche erheblich ab. Diese Krallenfrösche, die es nun in Massen gab, wurden oftmals ausgesetzt, da sie nicht mehr gebraucht wurden. Das Problematische: Krallenfrösche gab es nun dort, wo sie in der Natur nicht vorkommen. 

Bei Krallenfröschen handelt es sich um eine invasive Art, sie haben also eine unerwünschte Wirkung auf unser Ökosystem:

  • tendenziell großer Frosch, frisst anderen Fröschen die Nahrung weg
  • vielerorts keine natürlichen Fressfeinde wie Fische, Schlangen oder Vögel
  • vermehrt sich rasant
  • sind anpassungsfähig und robust
  • sie sind sowohl Kannibalen als auch Räuber

Genauer können sie als Neobiota beziehungsweise Neozoen klassifiziert werden, da Krallenfrösche neue, ihnen ursprünglich fremde Lebensräume eingenommen haben.

Als Resultat verursachen sie ein Amphibiensterben und sogar Artensterben. Hauptproblem ist jedoch ein tödlicher Pilz, gegen den sie resistent sind.

Krallenfrösche tragen Pilz

Auch andere Amphibienarten wie Lurche leiden unter der Invasion der Krallenfrösche.
Auch andere Amphibienarten wie Lurche leiden unter der Invasion der Krallenfrösche.
(Foto: CC0 / Pixabay / susannp4)

Seit den 1970er Jahren kann ein Amphibiensterben beobachtet werden. Die Ursache konnte erst 1998 von Forschenden bestimmt werden: der Chytridpilz Batrachochytrium dendrobatidis. Dieser Pilz hat gravierende Folgen, denn er ist für Artensterben verantwortlich und bedroht die globale Biodiversität.

Es wird vermutet, dass der Afrikanische Krallenfrosch diesen Pilz mitgebracht hat. Problematisch ist es, dass die Krallenfrösche gegen diesen resistent zu sein scheinen, während die meisten anderen Frosch- und viele Amphbienarten daran sterben.

Sind Tiere von diesem Pilz befallen, befällt dieser ihre Haut und breitet sich dort aus. Die Infektion sorgt dafür, dass der Frosch lethargisch wird und nicht mehr frisst. In wenigen Tagen bis Wochen tritt meistens der Tod ein. Der Pilz kann sich leicht von Tier zu Tier übertragen, meist durch direkten Kontakt. Allerdings überleben die Sporen des Pilzes mehrere Wochen im Wasser, was eine Ausbreitung unterstützt.

Um dieser Bioinvasion entgegenzuwirken, versuchen Forscher:innen, andere Froscharten dagegen zu immunisieren – dies gestaltet sich jedoch aktuell noch schwierig.

Utopia meint: Frösche als lebendiger Schwangerschaftstest sind ein weiteres Beispiel dafür, dass Lösungen für Probleme oft neue Probleme schaffen – vor allem wenn uns Menschen (wie so oft) die Weitsicht fehlt.

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