Nachhaltig sterben

nachhaltig sterben: Bestattung, Erbe, Dokumente
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Auch wer zu Lebzeiten darauf achtet, sein Leben besonders nachhaltig zu gestalten, macht sich meist wenig Gedanken darüber, was ist, wenn das Leben zu Ende geht. Geht das überhaupt, „nachhaltig sterben“? Und kann man auch „nachhaltig vererben“? Welche Möglichkeiten gibt es?

Wer stirbt, hinterlässt nicht nur seine Freunde und Familienangehörigen, sondern auch seinen Körper und sein Hab und Gut. Wer nichts im Vorfeld regelt, überlässt den Hinterbliebenen alle Entscheidungen rund um die Bestattung und dem Gesetzgeber das Verteilen des Erbes. Wenn du sie damit nicht belasten möchtest, solltest du dich schon heute darum kümmern, dass mit deinem Körper und mit deinem Vermögen nach dem Tod genau so verfahren wird, wie du es willst.

Rund um das Erbe

Wenn du zum Beispiel mit deinem Geld auch nach deinem Tod einen guten Zweck unterstützen möchstest, so kannst du in deinem Testament verfügen, dass ein Teil deines Vermögens an eine Umwelt- oder Menschenrechtsorganisation gespendet wird. Ist diese als „gemeinnütziger Verein“ eingetragen, fallen übrigens keine Steuern an.

Alternativ könntest du zu Lebzeiten eine Stiftung gründen, mit der du einen Zweck für die Verwendung deines Vermögens definierst und die nach deinem Tod einen Teil deines Vermögens erbt. Es ist auch möglich, einem Stiftungsfonds einer bestehenden Stiftung beizutreten, wenn diese deine Ideen bereits verwirklicht.

Wenn du im Falle deines (Hirn-)Todes deine Organe oder Gewebe spenden möchtest (oder auch nicht), solltest du diese Entscheidung immer bei deinen Ausweispapieren sichtbar machen, damit im Ernstfall deinem Willen entsprechend gehandelt werden kann. Dafür gibt es Organspendeausweise aus Pappe im Scheckkartenformat.

Erdbestattungen
Bei Beerdigungen macht es Sinn, auf möglichst umweltverträgliche Särge zu achten. (Foto: © Kzenon - Fotolia.com)

Erdbestattung

Bei einer Erdbestattung wird der gesamte Leichnam in ein Grab beigesetzt. Darauf bezieht sich auch das deutsche Wort „Beerdigung“, welches aber umgangssprachlich auch für Urnenbestattungen verwendet wird. Erdbestattungen sind in Deutschland nur auf einem Friedhof erlaubt.

Bei einer Erdbestattung gibt es mehrere Faktoren, die das Begräbnis mehr oder weniger umweltverträglich machen. Der Sarg hat für seine Produktion natürliche Ressourcen, zum Beispiel Holz und Strom, verbraucht und kann Schadstoffe enthalten. Auch für den Transport der Särge und des Leichnams kommen fossile Rohstoffe und Emissionen zur Rechnung hinzu. Alle im Laufe eines Lebens im Körper angesammelten Schadstoffe und alle Materialien des Sarges (Kunststoffe, Metalle, Lacke,…) gelangen in den Boden.

Für eine Erdbestattung gibt es Särge aus verschiedensten Materialien, neben Holz zum Beispiel (Recycling-) Pappe. Es gibt auch Anbieter, die andere Materialien, zum Beispiel Bambus, Bananenblätter oder Weide im Angebot haben – teils sogar mit Fair Trade Siegel. Wenn du einen nachhaltigen und ökologischen Sarg möchtest, entscheide dich am besten für ein weitgehend unbehandeltes, möglichst (FSC-)zertifiziertes Material aus deiner Region, welches vor Ort unter ökologischen Gesichtspunkten gefertigt wird. Auch die Innenausstattung des Sarges kann aus ungebleichter Bio-Baumwolle sein.

Feuerbestattung

Bei einer Feuerbestattung wird der Leichnam mitsamt dem Sarg im Krematorium verbrannt. Neben den Rohstoffen für Produktion und Transport des Sarges kommen hier fossile Energie für die Kremierung und ein zusätzlicher CO2-Ausstoß dazu: Sarg und Leichnam müssen zum Krematorium, die Urne zurück zum Friedhof überführt werden.

Im Krematorium erfolgt die Verbrennung mit Strom oder Gas und aus der Verbrennung selbst resultieren Schadstoffe und Feinstaub, die zwar durch Filteranlagen nicht in die Umwelt gelangen, aber nichtsdestotrotz entsorgt werden müssen.

Weil ein Teil der im Körper gespeicherten Schadstoffe bei der Verbrennung entweicht und mithilfe des Filters fachgerecht entsorgt werden kann, ist die Asche eines Verstorbenen jedoch eine geringere Belastung für Boden und Grundwasser als der komplette Leichnam bei einer Erdbestattung.

Die Asche des Verstorbenen muss in Deutschland in einer Urne bestattet werden. Auch diese gibt es in „bio“, zum Beispiel aus Weidengeflecht, Bambus oder Bananenblättern. Die Beisetzung darf nur in dafür vorgesehenen „Bestattungsplätzen“ geschehen. Der Bestattungszwang gilt auch für Asche, weswegen man sich von der Vorstellung, seine Liebsten in der Urne auf dem Kaminsims für immer bei sich zu haben, schnell verabschieden sollte. Doch wo darf man Urnen, außer auf einem Friedhof, bestatten?

Waldbestattung - Freidwald
Kein Grabstein, dafür Bäume: Bestattung im Firedwald (Foto: © Zauberkugel Studio - Fotolia.com)

Waldbestattung

Seit etwa 20 Jahren existiert das Modell Bestattungswald: Waldflächen, in denen Urnen im Wurzelbereich von Bäumen meist anonym beigesetzt werden. Andere Namen für Bestattungswald sind Friedwald, Ruheforst oder Urnenwald.

Meist handelt es sich bei einem Bestattungswald um eine für 99 Jahre gepachtete Waldfläche, einen Forst oder Wald in Privatbesitz, der zunächst für diesen speziellen Zweck nutzbar gemacht werden muss. Ziel ist es, den Baumbestand zu erhalten, um unter jedem Baum bis zu zwölf Urnen vergraben zu können. Greenpeace empfiehlt die Waldbestattung übrigens.

Urnen für eine Waldbestattung müssen aus einem Material gefertigt sein, das biologisch vollständig abbaubar ist. Der Deckel muss aus Metall sein, um die Urne unter der Erde langfristig orten zu können. Manche Kirchengemeinden und Glaubensrichtungen haben sich gegen eine solche Form der Bestattung ausgesprochen, sodass nicht immer ein Geistlicher bei der Trauerfeier oder Bestattung anwesend ist.

Seebestattung

Eine Seebestattung darf nur im Meer stattfinden und in keinem Fluss oder stehenden Gewässer. Dabei wird eine Urne, die aus Pappmaché, Salz oder einem anderen schnell auflösenden Material besteht, in einem Gebiet dem Meer übergegeben, das weder für Fischerei noch Wassersport genutzt werden darf. Es ist erlaubt, Blumen mit dem Meer zu übergeben, aus Umweltschutzgründen sind jedoch Kränze und sonstige Gebinde nicht erlaubt.

Es kommt auf das Bundesland an, ob man zur Seebestattung frei gegeben wird oder nicht. Hinterbliebene müssen eine tiefe Verbundenheit des Verstorbenen zur See (zum Beispiel wegen einer früheren Berufstätigkeit) erklären, was belastend sein kann. Wenn du eine Seebestattung möchtest, solltest du dies selbst schriftlich verfügen und begründen, um deinen Hinterbliebenen diese Last zu nehmen.

Zusätzlich zur Einäscherung werden bei Seebestattungen noch mehr fossile Energie für Überführung und Schifffahrt benötigt, doch Urne und Asche selbst stellen für das Meer keine Belastung dar.

Urnengrab - Feuerbestattung
Urnengrab (Foto: © contadora1999 - Fotolia.com)

Weitere Bestattungsarten

In Deutschland hat jedes Bundesland andere Gesetze rund um das Thema Bestattung. Erkundige dich, was an deinem Wohnort möglich ist und was nicht. Grundsätzlich sind, je nach Bundesland, folgende Bestattungsarten zusätzlich zu den bereits genannten Arten in Deutschland erlaubt:

  • Almwiesenbestattung
  • Anonyme Bestattung
  • Diamantbestattung
  • Eisbestattung
  • Felsbestattung
  • Flugbestattung
  • Gruftbestattung
  • Körperspende
  • Luftbestattung
  • Naturbestattung
  • Weltraumbestattung
  • Wiesenbestattung

Fazit: die Öko-Bestattung

Wenn du zu Lebzeiten ein „Öko“ warst, möchtest du sicherlich auch „öko“ bestattet werden. Suche dir dazu einen Bestatter deines Vertrauens aus und vereinbare mit ihm schriftlich in deiner Bestattungsverfügung, was du darunter verstehst. Eine ökologische und nachhaltige Bestattung

  • verbraucht wenig Fläche
  • verwendet möglichst unbehandelte Rohstoffe aus der Region
  • hat einen kleinen CO2-Fußabdruck durch kurze Transportwege und
  • geringen Verbrauch fossiler Energien
  • belastet Boden und Grundwasser so wenig wie möglich
Wichtige Dokumente: Testament, Patientenverfügung, Bestattungsverfügung, Organspendeausweise

Wichtig: der richtige Papierkram

Wenn du entschieden hast, ob und wie nachhaltig du bestattet werden möchtest, so ist es jetzt an der Zeit, dies auch schriftlich fest zu halten, damit dein Wille auch tatsächlich umgesetzt werden kann.

Das Thema Organspende kannst du zusätzlich zum Organspendeausweis in einer Patientenverfügung abhandeln.

Wie genau du bestattet werden möchtest, ist Bestandteil einer Bestattungsverfügung.

Wenn du bestimmte Ideen für dein Erbe hast, solltest du dein Testament machen oder eine Stiftung gründen.

Achte darauf, dass diese Dokumente auch rechtsgültig und immer aktuell sind. Viele Versicherungen bieten ihren Kunden Vorlagen als Word Dokument oder pdf an, um die persönlichen Verfügungen, Testamente und Vollmachten daraus rechtsgültig zusammen zu basteln.

Utopia empfiehlt: Auch wenn es ein Thema ist, mit dem die man sich im Allgemeinen nicht gerne beschäftigt: Kümmere dich unabhängig vom Alter schon jetzt um das Ende deines Lebens und erstelle jetzt die notwendigen Unterlagen. Nur so kannst du wirklich sicher gehen, dass du auch so behandelt und begraben wirst, wie du das möchtest – und auch über deinen Tod hinaus „öko“ bleiben.

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(4) Kommentare

  1. Im Text heißt es: „Wenn du nach deinem Tod deine Organe oder Gewebe spenden möchtest (oder auch nicht) …“. Korrekt wäre: „Wenn du im Falle eines Hirntodes deine Organe oder Gewebe spenden möchtest (oder auch nicht) …“
    Nur bei der Diagnose „Hirntod“ tritt die Frage nach einer Organspende auf, sonst nicht.

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