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Nachhaltige Ladekabel und Verbindungskabel – gibt es so was?

Ladekabel Verbindungskabel Handy
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash - Lucian Alexe

Wie viele kaputte Lade- und Verbindungskabel hast du bei dir zu Hause rumfliegen oder bereits (fachgerecht) entsorgt? Ziemlich viele? Dann solltest du diesem Artikel deine Aufmerksamkeit schenken. Denn wir sagen: Schrott ist nicht fair! Erfahre hier, warum Billigkabel so schnell kaputt gehen und welche Ansätze es zu nachhaltigen Kabeln gibt.

Tests beweisen: Günstige Kabel sind Schrott

Günstige Produkte müssen nicht immer schlecht sein. Doch bei Kabeln ist dies der Fall. Wer bereits „aus der Not heraus“ ein 6-Euro-Ladekabel an der Supermarktkasse gekauft hat, hat die Erfahrung bestimmt schon selbst gemacht, doch auch Tests bestätigen: Wer günstig kauft, kauft zweimal. Im Juli und August 2021 haben sowohl das c’t-Magazin als auch Techstage einen Praxistest mit USB-C Kabeln verschiedener Preisklassen durchgeführt. Das Ergebnis: Die günstigen Kabel sind nicht nur langsam, sie halten auch die versprochene Leistung nicht. 6-Euro USB-C Kabel schaffen es zwar, ein Macbook mit dem dazugehörigen Netzteil zu verbinden und aufzuladen, doch soll das Macbook unter Volllast laufen, ist die Energieversorgung durch die günstigen Kabel bereits zu schwach.

Ein 5 GB-Video zu übertragen, dauert bei Kabeln um die 19 Euro maximal 15 Sekunden, bei einem günstigen Kabel über 2 Minuten. Auch die von Techstage überprüften Adapter (USB-C, Micro-USB und Lightning) konnten insbesondere als Billig-Variante (alle 3 Adapter an einem Kabel verfügbar) nicht überzeugen. Die Annahme, dass damit sogar 3 Geräte gleichzeitig geladen werden könnten, bestätigt sich einfach nicht.

Hersteller-Angaben zur Maximalleistung von Kabeln sind oft zu optimistisch

Praxistests zu HDMI-Kabeln kommen zum gleichen Ergebnis: Die angegebene Datenrate (z.B. 18 Gbit/s) wird bei günstigen Kabeln (fast immer) nicht eingehalten. Man kann zwar einen alten Laptop mit einem alten HD-Fernseher verbinden, doch schon wenn ein Blu-ray-Spieler oder eine PS4 Pro Daten an einen etwas neueren Fernseher übertragen soll, beginnen die Probleme. Die Bildübertragung läuft stockend. Wird die angegebene (!) Maximalleistung gefordert, bleibt der Bildschirm einfach schwarz. Dabei ist das Kabel nicht kaputt, es ist einfach schlecht.

Ein Datenübertragungskabel ist eben doch etwas komplizierter als der einfache Kupferdraht (oder das Stück Alufolie) welche das Lämpchen im Elektrotechnik-Baukasten zum Leuchten bringen. Wer dies genauer verstehen möchte, kann sich näher mit den Adern-Paaren, der Schirmung und Kontakten befassen. Man kann aber auch einfach festhalten: Selbst wenn zwei Kabel optisch gleich aussehen und auf ihrer Verpackung die gleiche Leistung versprechen, sind sie nicht gleich. Wer Ärger, Retouren und Elektroschrott vermeiden will, muss mehr Geld ausgeben.

Technisch überzeugen können USB-C und Thunderbolt Kabel von Apple und Samsung oder mittelpreisige Anbieter wie ANKER. Bei HDMI-Kabeln gibt es das HDMI-Zertifikat der amerikanischen Agentur HDMI LA (HDMI Licensing Administrator). Dieses garantiert, dass die angegebene Leistung auch tatsächlich bedient wird.

Chinesische Qualitäts-Kabel sind insofern schon mal nachhaltiger, das sie zumindest ihren Zweck erfüllen und langlebiger sind. Bezüglich der Nachhaltigkeit geht es aber noch besser.

Nachhaltige Ladekabel aus Deutschland von Recable

Vorbildlich ist das kleine Unternehmen Recable, das als erstes Unternehmen nachhaltige USB-Ladekabel produziert. Bis auf die Stecker, die aus Shenzen (China) bezogen werden, kommen alle Komponenten aus einem Umkreis von höchstens 500 Kilometern und es werden keine Rohstoffe aus Konfliktregionen bezogen.

Ladekabel Recable
Das Ladekabel von Recable ist nachhaltiger als konventionelle Kabel. Und es ist dabei schön bunt! (Foto: Recable, Avocadostore)

Recable denkt hierbei schon bei der Herstellung an die Kreislaufwirtschaft. Jedes Kabel besteht zu über 90 Prozent aus recycelbaren Komponenten. Damit die Kabel lange halten, sind sie weder verklebt noch vergossen. Das heißt: Bei einem Bruch am Stecker, kann es leicht von den Käufer:innen selbst repariert werden (Reparatur-Anleitung befindet sich auf der Webseite).

Besonders ist auch die ressourcenschonende Fertigung „on demand“ in Deutschland. Man kann die Länge, die USB-Stecker-Variante (USB-C, Micro-USB, Lightning) und die Ummantelung aussuchen. Hierbei gibt es neben PET drei Naturfasern zur Auswahl: Baumwolle, Flachs und Basalt.

Zu kaufen**: Online bei Avocadostore ab 18,90 Euro (PET-ummantelt), ab 22,90 Euro (Natur-Ummantelung)

Ladekabel mit Holzkopf

Das deutsche Unternehmen Woodcessories fertigt nachhaltige Accessoires für Apple-Produkte. Neben Handy-Hüllen, Macbook-Taschen und Holzarmbändern für die Apple-Watch gibt es auch ein EcoCable im Angebot. Allerdings beschränkt sich die Nachhaltigkeit darauf, dass die Enden nicht aus Kunststoff, sondern aus zertifiziertem Holz bestehen (das Kabel selbst ist mit Nylon umwickelt). Es handelt sich somit eher um einen „nachhaltigen“ Hingucker, als um ein nachhaltig gefertigtes Kabel. Immerhin wird für den Kauf des Kabels noch ein Baum gepflanzt. Es gibt ein USB-C Kabel (USB 2.0 Ladekabel) und ein Lightning zu USB Kabel.

Zu kaufen**: Online bei Avocadostore oder Amazon für circa 19,90 Euro

Crowdfunding für USB-Kabel aus recycelten Rohstoffen

Noch im Aufbau befindet sich das niederländische Unternehmen Syllucid aus Amsterdam. Das Ziel ist es auch hier, konfliktfreie, faire und nachhaltige Kabel herzustellen. Besonders interessant ist, dass Syllucid recycelte Rohstoffe verwenden will. Nicht nur recycelten Kunststoff für die Ummantelung, sondern auch recyceltes Kupfer und Aluminium. Zudem soll „faires Gold“ verwendet werden. (Dieser „Problem-Rohstoff“ wird für besonders hochwertige Kontakte bei Kabeln genutzt.) Weiterhin will Syllucid CO2-neutral sein und dafür Regenwald aufforsten.

Aktuell läuft eine Crowdfunding-Kampagne bei Indiegogo, bei der du dir ab 28 Euro ein faires USB-Ladekabel vorbestellen kannst. Die voraussichtliche Lieferung ist Januar 2022.

Der Markt für nachhaltige Kabel bedient bisher nur Ladekabel

Leider ist der Markt von nachhaltigen Kabeln sehr klein. Dies liegt daran, dass die Verbraucher:innen (anders als bei Kleidung, Lebensmitteln oder Toilettenpapier) kaum ein Bewusstsein für nachhaltige Elektronik haben und es diese eben auch einfach nicht als Alternative zu kaufen gibt. Im Bereich der Smartphones leisten Fairphone und Shiftphone Pionierarbeit, bei Ladekabeln ist es Recable.

Bisher konzentriert sich Recable allerdings ausschließlich auf USB-Ladekabel. Kurz: die einfachste Art von USB Kabeln (USB 2.0). Wie Herman Hetzer von Recable gegenüber Utopia erklärt, sei Datenübertragung „möglich“, allerdings konzentriere man sich zum jetzigen Zeitpunkt nur auf die Schnellladefunktion.

Kabel
Auf dem Markt für Ladekabel und Verbindungskabel gibt es Aufholbedarf in Sachen Nachhaltigkeit, es gibt vereinzelt aber Pioniere. (Foto: CC0 / Pixabay / denvit)

Datenübertragung heißt in dem Fall, dass man zum Beispiel seine Handyfotos auf den Laptop ziehen kann. Allerdings sind die Kabel nicht dafür geeignet, über einen HDMI-Adapter Filme vom Smartphone auf den Fernsehbildschirm zu übertragen oder über eine USB-C-Dockingstation mehrere Endgeräte gleichzeitig zu verbinden und zusätzlich mit Strom zu versorgen. So etwas können USB 3.1, USB 4,  Thunderbolt 3 und Thunderbolt 4 Kabel (alle passend in die USB-C-Buchse).

„Wir bauen USB 2.0, weil es nach wie vor von Hand (…) gelötet wird“, sagt Hetzer. Da ohnehin „95 Prozent der Käufer von USB Kabeln“ ein Ladekabel benötigen würden, sei dies ausreichend und man sei froh, diesen Standard in Deutschland fair zu ermöglichen. Sobald die Basis geschaffen sei, plant Recable langfristig auch andere Kabel sowie faire Netzteile und Powerbanks zu produzieren.

USB-C Kabel mit Datenübertragung (USB 3.1 sowie Thunderbolt)

Wenn du ein USB-C Kabel auf dem neuesten Stand benötigst, das also 6 Adern-Paare verbaut hat, auch große Daten schnell überträgt, sowie über eine Dockingstation mehrere Endgeräte mit bis zu 100 Watt Strom versorgen kann – können wir dir bisher leider keinen wirklich nachhaltigen Anbieter empfehlen.

In den USB Kabel Tests von Techstage und dem c’t-Magazin konnten Kabel von der chinesischen Marke ANKER jedoch technisch überzeugen.

ANKER USB 3.1 Kabel PowerLine II 90 cm USB-C auf USB-C 3.1 Gen2

Bei Techstage wurde das USB 3.1 PowerLine II Kabel von ANKER getestet. Es unterstützt die schnelle  Übertragung von Video- und Audio-Daten. Ein kompletter HD-Film benötigt nur 2,5 Sekunden. Durch eine Ladepower von bis zu 100 Watt kann das USB-C Kabel auch mehrere Geräte über eine Dockingstation mit Strom versorgen. Dass dies wirklich funktioniert, bestätigt der Praxistest und ein USB-IF Zertifikat der USB International Federation. Nachhaltig ist an diesem Kabel immerhin seine Langlebigkeit. ANKER vergibt eine lebenslange Garantie.

Zu kaufen**: Online bei Amazon oder eBay für circa 16,99 Euro

ANKER PowerLine III USB-C auf USB-C 3 Meter Länge

Im Test des c’t-Magazins ging es hauptsächlich um die Frage, ob USB-C Kabel in 3 Meter Länge noch überzeugen können. Von 7 getesteten Kabeln versagten (wie zu Beginn erwähnt) die Billig-Kabel. ANKER ging als „Positiv-Beispiel“ aus dem Test hervor. Man erhalte „genug Aderquerschnitt für nahezu alle Spannungsbereiche, sodass sich auch kleinere Geräte bei 5 oder 9 Volt problemlos laden lassen“. In den Punkten „Verarbeitungsqualität“ und „Leistung“ erhielt das PowerLine-Kabel jeweils ein „sehr gut“. Auch hier bietet ANKER die lebenslange Herstellergarantie.

Zu kaufen**: Online bei Amazon oder eBay für circa 17,99 Euro

HDMI Kabel von KabelDirekt

Bei HDMI-Kabeln sind nachhaltige Produkte leider ebenfalls noch nicht entwickelt worden. Der deutsche Hersteller HAMA brachte 2012 ein „EcoLine“-HDMI Kabel auf den Markt. Das Besondere war, dass auf schädliche Weichmacher und PVC verzichtet wurde und die Verpackung aus Wellpappe bestand. Leider ist dieser Minimal-Versuch bereits gescheitert und die „EcoLine“ schon lange aus dem Sortiment verschwunden (vielleicht, weil der wirkliche „Eco“-Charakter fehlte).

Als HDMI-Kabel – das heißt, für die Übertragung von Bild und Ton vom Laptop, der Spielkonsole oder dem DVD-Player auf den Fernseher – würden wir vorerst das zertifizierte Kabel von KabelDirekt wählen.

Die deutsche Firma produziert zwar in Asien und kann auch auf Nachfrage keine besonderen Verpflichtungen zur Nachhaltigkeit nennen, doch immerhin wird auf langlebige Qualität gesetzt und die Verbindungsqualität durch die originale HDMI-Zertifizierung bestätigt. Die Herstellergarantie beträgt 36 Monate. Mit einer Datenübertragungsrate von bis zu 48 Gbit/s ist es technisch auf dem neuen Stand (8k). Es ist somit zumindest kein Schrott (und das ist leider das Beste, was wir dazu sagen können).

Zu kaufen**: Online bei Amazon für circa 13,99 Euro (1 Meter) oder 15,99 Euro (3 Meter).

Hinweis: Hier erfährst du, wie du alte Kabel korrekt entsorgen kannst.

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