Nie wieder Code Monkey: Jobs mit Sinn in der IT-Branche

Code Monkey
Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / Affe: PublicDomainPictures; Laptop: Pexels

IT-Jobs: sehr gutes Gehalt, unbefristete Vollzeitstellen und viele Arbeitnehmervorzüge. Aber wenn du dir die Sinnfrage stellst, helfen Obstkörbe und Kicker wenig.

Job-Überangebot: Fachkräftemangel im Berufsfeld IT

2016 stieg die Nachfrage nach Arbeitskräften im IT-Bereich um 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr an. Unbesetzte Stellen bleiben durchschnittlich 116 Tage vakant, so der aktuelle Bericht über IT-Fachleute der Bundesagentur für Arbeit. Damit haben Informatiker, Softwareentwickler, Webdesigner, Systemadministratoren und IT-Consultants die Qual der Wahl.

IT-Unternehmen wissen das und bieten deshalb jede Menge zusätzlicher Anreize: Von Home Office und sogenannter Slack Time, in der eigene Ideen und Technologien fernab vom Tagesgeschäft ausprobiert werden dürfen, über Hackathons, in denen gemeinsam und kreativ an neuen Softwarelösungen gearbeitet wird, bis hin zu “Bring-your-own-Device”-Policies, die die dienstliche Nutzung privater Arbeitsgeräte ermöglicht. All das soll den Arbeitnehmern die Arbeit so angenehm wie möglich machen. Nachhaltigkeit in der Unternehmenskultur ist hingegen (noch) kein etablierter Faktor der Arbeitnehmerbindung in IT-Unternehmen.

Nachhaltigkeitsaspekte in der IT-Branche

Software liegt auf Servern - und die verbrauchen viel Strom.
Software liegt auf Servern – und die verbrauchen viel Strom.
(Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / kewl)

Dabei können IT-Unternehmen in einigen Aspekten viel tun. Denn hier haben kleine Schritte oft schon große Auswirkungen.

  • Hardware: Computer und Smartphones  wachsen nicht auf Bäumen. IT-Unternehmen wie Telefónica Deutschland Holding AG oder G Data Software AG sind Partner des gemeinnützigen IT-Unternehmens AfB, das ausgemusterte Firmen-Hardware aufbereitet und second hand verkauft.
  • Energieeffizienz: Arbeitscomputer haben 2016 in Deutschland vier Terrawattstunden Strom verbraucht – und da sind die Server noch nicht berücksichtigt. Einige US-amerikanische IT-Giganten wie Cisco, die auch in Deutschland aktiv sind, setzen sich deshalb in dem Non-Profit-Konsortium „The Green Grid“ ein, das sich für ressourcenschonende IT-Lösungen einsetzt. Ähnlich arbeitet die niederländische „The-Green-Web-Foundation„, bei der du nachsehen kannst, ob Webseiten grün gehostet werden.
  • Open source: Nicht jedes Code-Schnipsel muss neu von dir erfunden werden. Kooperative Software-Entwicklung spart Zeit, Kosten und du lernst etwas dabei. Heute ist open source in allen großen IT-Unternehmen im Einsatz, Vorreiter hierzulande ist SAP.
  • Datensicherheit: Unzureichendes Datenmanagement bis hin zu Datenverlusten sind unternehmensintern und gegenüber Endkunden das Gegenteil von nachhaltig: teuer, reaktiv und unverantwortlich. Die 1&1 Internet SE und viele Arbeitgeber der öffentlichen Hand achten darauf, dass alle Daten in Deutschland gehostet und keine fremden Skripte verwendet werden.
  • CSR (Corporate Social Responsibility): Den Rundumschlag bezüglich nachhaltiger Unternehmenskultur bieten SAP oder IT-Unternehmen wie die Scout AG, die 2015 mit dem CSR Award ausgezeichnet worden ist. Dieser kombiniert Unternehmenskultur mit sozialem und gesellschaftlichem Engagement. Weitere Zertifikate sind ISO 26000, CTO die Gemeinwohl-Bilanz und für den Mittelstand der Traumfirma-Award.

In wachstumsgetriebenen Unternehmen zahlen diese Aspekte systemimmanent auf die ökologische Seite der Nachhaltigkeit ein. Von sauberen Dokumentationen, Refactoring oder unternehmensweiten GitHub-Repositories verspricht man sich einen Wettbewerbsvorteil, während Cloud-Server Energie sparen. Aber natürlich stimmt auch: Die Produkte und Features, die du dort baust und wartest, sind damit noch lange nicht sinnvoll.

Wenn das Feature, das du codest, sinnlos ist

Sinnentleerte Features sorgen für den Code-Monkey-Blues.
Sinnentleerte Features sorgen für den Code-Monkey-Blues.
(Foto: https://www.youtube.com/watch?v=MtObrnaovrI)

Der Code-Monkey-Blues befällt dich? Dann stellt sich dir die Sinn- beziehungsweise Irrsinn-Frage:

  • Zum Beispiel, wenn du zum wiederholten Mal während der Abnahme neue Anforderungen von deinem Produktmanager untergejubelt bekommst, die du nicht nachvollziehen kannst.
  • Oder, wenn das Feature, an dem du codest, seine Daseinsberechtigung allein dem Gutdünken des gewinnoptimierenden Vorstandes zu verdanken hat.
  • Oder das gesamte Produkt, das dein Team und du entwickeln, nicht nur nicht nachhaltig, sondern schlicht sinnentleert ist. 

Laut einer repräsentativen Studie des Instituts für betriebliche Gesundheitsförderung geben 92 Prozent der Befragten eine interessante Tätigkeit als den entscheidenden Glücks- und Motivationsfaktor ihrer Arbeit an, während gleichzeitig 80 Prozent sagen, dass eine Tätigkeit, die keinen Spaß bereitet, ein Kündigungsgrund ist.

Umgekehrt sind Mitarbeiter, die sich ihrer Firma emotional verbunden fühlen, seltener krank, weisen weniger Qualitätsmängel auf und sind 20 Prozent produktiver als Kollegen, die sich nicht mit der Arbeit identifizieren.

Kurzum: Sinnstiftende Arbeit motiviert, schützt vor Krankheiten und schenkt Lebensfreude. Sinnfreie Arbeit erzeugt das Gegenteil.

Sinnvolle IT-Jobs finden

Stiftungen, soziale oder öffentliche Einrichtungen, Non-Profit-Organisationen, aber auch Vereine, Thinktanks, Social-Business-Start-ups oder gemeinnützige GmbHs versprechen dir: Hier kannst du mit der eigenen Arbeit etwas Gutes tun und damit Geld verdienen.

Denn wieso auf energieeffiziente Server in IT-Großunternehmen warten, wenn man – wie das Dresdner Start-up Cloud&Heat – ein energieeffizienteres Rechenzentrum als Google selber bauen kann?

Du kannst in herkömmlichen Jobbörsen nach diesen Unternehmensformen filtern. Einige Jobbörsen wie Jobverde und The Changer kombinieren Stellenangebote aus dem Nachhaltigkeitssegment mit ganz normalen.

Andere Jobbörsen wie NachhaltigeJobs.de, Talents4Good oder die nachhaltigen Stellenangebote von Utopia schränken die Auswahl von vornherein ein, sind dafür aber treffsicherer.

Fazit: dein Leben, dein Code

Was sinnstiftend ist, ist subjektiv und deine Entscheidung wert.
Was sinnstiftend ist, ist subjektiv und deine Entscheidung wert.
(Foto: CCO Public Domains / Pixabay / geralt)

Bei den Großen der IT-Branche und Mittelständlern kannst du intern vieles anregen. Denn aufgrund des Fachkräftemangels hast du hier Einflussmöglichkeiten. Gleichzeitig gilt, dass nicht überall, wo NGO draufsteht, ein arbeitnehmerfreundliches Betriebsklima herrscht.

Letztlich hast du die Wahl und somit die Verantwortung deine Ansprüche und Werte zu leben: Deine IT-Skills und Softwareentwicklung können die Welt verbessern oder für das nächste Clickbaiting-Feature verwendet werden. Eine Übersicht über grüne Jobbörsen findest du bei uns.

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(5) Kommentare

  1. Toll, dass ihr das Thema aufgreift!

    Meine Erfahrung ist nämlich auch, dass es haufenweise Jobs in der IT Branche gibt, aber kaum welche, bei denen man an Nachhaltigkeits-Themen arbeitet.
    Bei den Nachhaltigkeits-Jobs werden oft eher Projektmanager oder Ingenieure gesucht.

    Ich bin daher gerade dabei das Projekt impactcoder.com aufzubauen und bin gespannt ob es noch mehr Entwickler*innen gibt, denen es nicht mehr reicht die nächste E-Commerce Anwendung zu programmieren.

  2. Hallo Fabian, danke fürs Lob. Es gibt glücklicherweise immer mehr Abteilungen auch in größeren Firmen, die sich um das Thema Nachhaltigkeit bemühen. Und auch die Schritte gehen in die richtige Richtung. Dir viel Erfolg bei deinem Projekt! LG, Sebastian von Utopia

  3. Tausend Dank für die Tipps! Als Informatik-Studentin habe ich mich schon oft gefragt, ob ich meine Fähigkeiten irgendwie für „etwas Gutes“ einbringen kann.
    Allerdings: Wenn bei Talents4Good ein Unternehmen wie ALDI in der Liste auftaucht… Dann habe ich den Glauben daran irgendwie schon wieder verloren… :/

  4. Am Besten machst Du Dich nach dem Studium selbständig, dann kannst Du selbst entscheiden, in welche Projekte Du dich einbringen möchtest.
    Evt. ist es aber von Vorteil, ein paar Jahre Erfahrung zu sammeln, auch wenn dann manch saurer Apfel dabei ist und nicht nur lecker Banane für das code-Äffchen. 😉
    Ich wünsche Dir viel Erfolg und daß Du findest, was Du sichst.

  5. Hallo Elisa,
    Wenn Unternehmen in ihre Nachhaltigkeitsabteilungen investieren, finden wir das grundsätzlich gut. Pauschal zu sagen, diese oder jene Unternehmen sind nicht gut, halten wir für weniger zielführend. Unsere Kollegen von Good Jobs haben aber definitiv eine Blacklist, welche Firmen und Jobs gar nicht ins Umfeld der Joblistings passen.

    VG aus dem Utopia-Team

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