Plug-in-Hybrid: Elektroauto mit Benzintank – das Beste zweier Welten?

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Plug-in-Hybride haben zugleich einen Elektromotor und einen klassischen Verbrennungsantrieb. So sollen sie das Beste aus zwei Welten vereinen: Sie sind umweltfreundlich(er) als Verbrenner und schaffen gleichzeitig mehr Reichweite als Elektroautos.

Über 30.000 Plug-in-Hybride (eigentlich: Plug-in-Hybridfahrzeuge) sind 2018 in Deutschland zugelassen worden. Diese Steckdosenhybride haben zwei Motoren, einen klassischen Motor sowie einen Elektromotor mit Akku, der für 30 bis 50 Kilometer Fahrstrecke reicht. Ist der Akku leer, schaltet das Auto automatisch auf den Verbrennungsmotor um und fährt ohne Unterbrechung mit Benzin oder Diesel weiter. Es gibt auch Modelle, die auf Erdgas wechseln, wenn die Batterien erschöpft sind.

Zu Hause an der Steckdose oder an öffentlichen Ladesäulen kann der Fahrer den Akku des Plug-in-Hybriden dann wieder aufladen – genau wie bei einem reinen E-Auto. Strom für ein paar Kilometer kann das Fahrzeug außerdem beim Bremsen zurückgewinnen (Rekuperation).

Wer sich ein Hybrid-Fahrzeug anschafft, kann noch bis Juni 2019 den Umweltbonus von 3.000 Euro in Anspruch nehmen, obwohl ihr Nutzen für das Klima umstritten ist (siehe unten). Die meisten Automobilhersteller haben inzwischen Plug-in-Hybride auf den Markt gebracht.

Plug-in-Hybrid: Elektro nur für die Kurzstrecke

Plug-in-Hybride können nur kurze Distanzen rein elektrisch zurücklegen. Sie eignen sich deshalb besonders für den Stadtverkehr, zumal sie schneller beschleunigen als Verbrenner. Das macht sich beim Stop-and-go schnell bemerkbar. Während herkömmliche Autos erst im oberen Drittel des Drehzahlbereichs auf ein hohes Drehmoment kommen, haben Elektromotoren ihr maximales Drehmoment schon nach dem Anfahren zur Verfügung. Plug-in-Hybride können daher zum Beispiel an Ampeln flott anfahren.

Der Verbrennungsmotor ist bei Plug-in-Hybriden in der Regel kleiner als bei reinen Diesel- oder Ottomotoren. Überschüssige Energie speist er meist direkt in die Batterie ein. Laut ADAC können Autofahrer durch die Kombination aus Elektro- und Verbrennungsmotor bis zu 25 Prozent Sprit sparen.

Beliebt sind Plug-in-Hybride vor allem, weil sie die Angst nehmen, ein reines Elektroauto erziele nicht genug Reichweite. Aufgrund des Verbrennungsmotors können die Fahrzeuge meist zwischen 600 und 800 Kilometer mit einer Tankladung zurücklegen. Ideal sind Plug-in-Hybride daher für alle, die häufig kurze Strecken unter 50 Kilometer rein elektrisch fahren, hin und wieder aber auch lange Distanzen zurücklegen wollen.

Denn auf der Langstrecke sind Plug-in-Hybride den reinen Elektroautos noch überlegen, was die Reichweite betrifft: Unter den Stromern erreichen bislang erst Tesla-Modelle (ab 60.000 Euro aufwärts) Reichweiten von 550 km und mehr, ohne an die Ladestation zu müssen.

Unterschiede: Plug-in-Hybrid, Hybridfahrzeug, Range Extender

Nicht zu verwechseln sind Plug-in-Hybride mit Hybridfahrzeugen, obwohl sie fast den gleichen Namen tragen: Hybridfahrzeuge haben keinen Stecker und lassen sich deshalb auch nicht von außen laden.

Stattdessen lädt der Akku durch die Energie beim Bremsen auf. Auf diese Weise kommen aber nur wenige Kilometer zusammen, die rein elektrisch bewältigt werden können. Oft dient der Elektroantrieb nur zum Anfahren in der Stadt und schaltet dann auf den Verbrennungsmotor um.

Einige Elektroautos gibt es auch optional mit einem sogenannten Range Extender (Reichweitenverlängerer): Dazu zählen zum Beispiel der BMW i3 oder der Opel Ampera-e. Der Range Extender erweitert die Reichweite, indem ein Generator den Elektromotor mit zusätzlichem Strom versorgt. Dafür greift der Generator auf einen Diesel- oder Benzintank zurück.

Plug-in-Hybride von BMW, VW, Hyundai & Co.

Hier findest du einen Überblick über beliebte Plug-in-Hybride. Noch mehr Modelle findest du in unserer Bildergalerie.

  • Audi A3 Sportback e-tron 1.4 TFSI: Der geräumige A3 Sportback ist ab 37.900 Euro erhältlich und fährt 45 Kilometer rein elektrisch. Er fährt in der Spitze 130 km/h elektrisch und 222 km/h als Benziner.
  • Kia Niro Plug-in-Hybrid: Der Kompakt-SUV aus Südkorea kostet 25.900 Euro und hat eine elektrische Reichweite von 58 Kilometern. Er hat eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h (elektrisch) bzw. 172 km/h (Verbrenner).
  • Hyundai Ioniq Plug-in-Hybrid: Der mit einem Design-Award ausgezeichnete Hyundai fährt rein elektrisch bis zu 63 Kilometer und kostet 29.900 Euro. Der Elektroantrieb beschleunigt das Auto auf 120 km/h, mit Verbrennungsmotor geht es auf bis zu 178 km/h.
  • Toyota Prius Plug-in Hybrid: Mit 135 km/h ist der Prius auch elektrisch schnell unterwegs. Maximal sind 162 Stundenkilometer möglich. Er ist ab 37.750 Euro erhältlich und hat eine elektrische Reichweite von 50 Kilometern. In einer etwas teureren Version gibt es ihn auch mit Solardach.
  • VW Golf GTE: Der Plug-in-Hybrid von VW kostet 36.900 Euro und legt 50 Kilometer rein elektrisch zurück. Die Spitzengeschwindigkeit mit Verbrennungsmotor beträgt 222 km/h.

Plug-in-Hybrid: Nur eine Übergangslösung

Experten, wie etwa Wissenschaftler des Fraunhofer Instituts, sehen Plug-in-Hybride nicht als Zukunftstechnologie, sondern lediglich als Übergangslösung. Solange Elektroautos noch nicht mit der Reichweite von Verbrennern mithalten können, und Akkus an der Ladesäule nicht innerhalb weniger Minuten aufgeladen sind, greifen viele lieber zu Plug-in-Hybriden statt zu reinen E-Autos.

Das wäre kein Problem, wenn die Fahrten mit dem Hybridfahrzeug auch größtenteils elektrisch zurückgelegt würden. Doch wie die BBC berichtete, werden Plug-in-Hybride in vielen Fällen nur selten oder gar nicht aufgeladen! Das Ladekabel liegt in vielen Autos originalverpackt im Kofferraum, und die Fahrzeuge fahren wie herkömmliche Autos mit Benzin. Damit sind sie auch genauso klimaschädlich.

Großbritannien und die Niederlande fördern daher nur noch reine E-Autos, die deutsche Politik hat noch nicht begriffen und sponsert Plug-in-Hybride noch mit 3.000 Euro.

Fazit: Ein echter Fortschritt für die Verkehrswende sind Plug-in-Hybride nicht. Wer wirklich ein umweltfreundliches Auto will, kauft gleich ein Elektroauto. Oder entflieht dem Individualverkehr ganz und setzt stattdessen auf Bus und Bahn – das ist auf kurzen und langen Strecken immer noch am klimafreundlichsten.

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