Shrinkflation: Kleineres Produkt, aber gleicher Preis

Shrinkflation
Foto: CC0 / Pixabay / stevepb

Im Zuge der „Shrinkflation“ verkleinern Hersteller:innen den Inhalt eines Produkts, behalten aber dessen ursprünglichen Preis bei. Was es mit dieser Taktik im Detail auf sich hat, erfährst du hier.

Weniger Inhalt zum gleichen Preis: Auf diesem Prinzip beruht die sogenannte Shrinkflation. Der Begriff setzt sich aus dem englischen Wort „to shrink“ (schrumpfen) und „(In)flation“ zusammen, dem Fachbegriff für ein gestiegenes Preisniveau.

Die britische Wirtschaftswissenschaftlerin Pippa Malmgren soll den Begriff bereits 2009 geprägt haben, um eine versteckte Verteuerung zu beschreiben, bei der Hersteller:innen den Inhalt eines Produkts reduzieren, den Preis dabei aber nicht oder nur minimal anpassen. Inzwischen ist das Phänomen vor allem in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie recht verbreitet.

Welche Vorteile hat Shrinkflation für die Hersteller:innen?

Der ausgeschriebene Preis verändert sich durch Shrinkflation nicht, aber Verbraucher:innen geben trotzdem mehr aus.
Der ausgeschriebene Preis verändert sich durch Shrinkflation nicht, aber Verbraucher:innen geben trotzdem mehr aus.
(Foto: CC0 / Pixabay / PhotoMIX-Company)

Shrinkflation meint meistens das Verkleinern der Portionierungsgrößen oder das Abfüllen einer geringeren Menge bei gleichbleibendem oder im Verhältnis nur minimal gesunkenem Preis. In einigen Fällen kann der Begriff aber auch bedeuten, dass die Qualität eines Produkts oder seine Inhaltsstoffe bei gleichbleibendem Preis verringert wurden. Es handelt sich also um eine versteckte Preiserhöhung.

Shrinkflation ist eine gängige Reaktion auf steigende Produktionskosten oder stärkeren Marktwettbewerb. Mithilfe der Shrinkflation können Hersteller:innen ihre Gewinnspannen trotzdem erhöhen oder sie angesichts steigender Inpustkosten (zum Beispiel teurer gewordene Rohstoffe) halten – und zwar heimlich. 

Denn: Die Unternehmen sind sich bewusst, dass Kund:innen Preiserhöhungen bei den Produkten wahrscheinlich bemerken, minimale Schrumpfungen des Inhalts aber eher unbemerkt bleiben. Es ist auch wissenschaftlich belegt, dass Verbraucher:innen auf explizite Preiserhöhungen empfindlicher reagieren als auf die Verkleinerung von Verpackungen oder reduzierten Inhalt. 

Die Hersteller:innen machen durch Shrinkflation also nicht mehr Profit, indem sie die Preise erhöhen, sondern indem sie für weniger oder qualitativ schlechtere Ware den gewohnten Preis verlangen.

Gleichzeitig Mittel zum Zweck und Produkt von Shrinkflation sind Mogelpackungen: Sie täuschen durch die Verpackung etwas vor, was gar nicht stimmt. Im Fall von Shrinkflation suggerieren Verpackung und Preis, dass du dasselbe Produkt wie üblich kaufst – tatsächlich bezahlst du aber mehr Geld. 

Verbraucherschützer:innen kritisieren versteckte Preiserhöhung, denn Mogelpackungen sind eigentlich verboten. So steht es jedenfalls im Mess- und Eichgesetz. Dieses Gesetz enthält allerdings keine konkreten Regelungen dazu, in welchem Verhältnis Inhalt und Verpackungsgröße zueinander stehen dürfen. Es ist also nicht klar benannt, ab wann Verbraucher:innen mit einer Mogelpackung tatsächlich getäuscht werden. In der Praxis tolerieren viele Eichämter Produkte mit mehr als 30 Prozent Luft in einer Verpackung. 

Shrinkflation in Zeiten der Inflation

Von Shrinkflation sind meistens Lebensmittel und Getränke betroffen.
Von Shrinkflation sind meistens Lebensmittel und Getränke betroffen.
(Foto: CC0 / Pixabay / gingerbreadca)

In der Vergangenheit machten vor allem Markenhersteller:innen regelmäßig Gebrauch von der Shrinkflation. Das zeigt die Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH) seit 17 Jahren mit der „Mogelpackung des Jahres„. Sie verlieh diesen Titel bereits einer Sauce von Homann, Fruchtmüslis von Seitenbacher und Dr. Oetker, einem Nudelfertiggericht von Mirácoli sowie einem Mineralwasser von Evian. 

Doch nun warnt die VZHH auch vor Shrinkflation in Discountern. Aufgrund der aktuellen Inflation würden auch viel öfter No-Name-Produkte versteckt teurer. Der Inhalt dieser Artikel habe sich reduziert, während der Preis gleichgeblieben oder nur minimal reduziert worden sei. Die Verbraucher:innen zahlen deswegen aktuell bis zu 39 Prozent mehr, ohne, dass sich dies im ausgeschrieben Preis widerspiegelt. 

Mehr dazu kannst du hier lesen: Mogelpackungen dank Inflation? Verbraucherzentrale warnt vor Abzocke.

Grund dafür, dass die Shrinkflation momentan so weitverbreitet ist, ist die allgemein geschmälerte Kaufkraft von Verbraucher:innen. Wegen der hohen Inflationsraten können sie sich für einen Euro weniger leisten als üblich. Für die Hersteller:innen ist das natürlich ein Problem. Auch ihre Herstellungskosten steigen, denn Energie und Düngemittel sind deutlich teurer geworden und Arbeitskräftemangel und Mindestlohn treiben die Personalkosten in die Höhe.

Doch eine Weitergabe dieser gestiegenen Kosten an die Konsument:innen durch einen offensichtlichen Preisanstieg wollen viele gerade jetzt nicht riskieren. Das könnte die Verbraucher:innen, die ohnehin an allen Ecken mit höheren Preisen konfrontiert sind, noch mehr abschrecken und zu anderen Produkten greifen lassen. Mithilfe der Shrinkflation verhindern die Hersteller:innen also, dass Verbraucher:innen die Preissteigerung leicht nachvollziehen können. So erhoffen sie sich, ihre Kund:innen nicht mit auf den ersten Blick erkennbaren Preissteigerungen zu verprellen. 

Das kannst du tun, um Shrinkflation zu vermeiden

Sich vor Shrinkflation zu schützen, ist nicht einfach. Vielen Kund:innen fällt der Betrug – wie von den Hersteller:innen erwünscht – nämlich gar nicht auf. 

Die effektivste Maßnahme gegen Shrinkflation ist es, vor allem bei scheinbar guten Angeboten nicht sofort zuzugreifen. Gewöhne dir stattdessen an, zunächst einen genauen Blick auf den Verpackungsinhalt zu werfen. Im zweiten Schritt solltest du das Preis-Inhalts-Verhältnis mit dem ähnlicher Produkte vergleichen. Schaue dir dazu auf den Preisschildern immer den Kilo- beziehungsweise Literpreis an. Dieser erleichtert das Vergleichen. 

Shrinkflation betrifft vor allem abgepackte Lebensmittel, denn der Preisanstieg bei einer Gurke lässt sich mit einer größeren Verpackung nicht maskieren. Versuche daher, den Konsum von verpackten Lebensmitteln zu reduzieren. Das spart übrigens nicht nur Geld, sondern auch Verpackungsmüll. Mit Mogelpackungen geht nämlich auch massiver Abfall einher: Eine Studie im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) hat ergeben, dass jedes Jahr 1,4 Millionen Mülltonnen in Deutschland eingespart werden könnten, wenn Hersteller:innen auf Verpackungen verzichten würden, in denen sich mehr Luft als Inhalt befindet. Tipps zum verpackungsfreien Einkauf findest du hier: Verpackung vermeiden im Supermarkt: 15 Tipps.

Tipp: Die Verbraucherzentrale Hamburg hat eine Mogelpackungsliste veröffentlicht, auf der aktuelle Fälle von Shrinkflation einsehbar sind.

Solltest du im Nachhinein bemerken, dass du vielleicht doch ein Lebensmittel in einer Mogelpackung gekauft hast, kannst du dich wehren. Melde den Fall entweder der Verbraucherzentrale deines Bundeslandes oder dem zuständigen Eichamt

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