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Steigende Strompreise: Wer jetzt den Anbieter wechseln sollte

Die Strompreisbremse läuft aus: Wer jetzt den Anbieter wechseln sollte
Foto: CC0 Public Domain / Pixabay – Gerd Altmann

Das Ende der Strompreisbremse und höhere Netzentgelte sorgen dafür, dass für viele Haushalte die Stromkosten steigen. Wir erklären, wann es sich lohnt, jetzt schnell nach einem neuen Anbieter zu suchen.

Zum Jahreswechsel endete die Strompreisbremse, welche seit Januar 2023 den Strompreis für Privatkund:innen auf 40 Cent pro Kilowattstunde gedeckelt hatte. In der Zwischenzeit sind die Preise am Strommarkt längst wieder gesunken, so dass das Auslaufen der Preisbremse für viele Haushalte kaum Auswirkungen hatte.

Doch hinzu kommt, dass die Bundesregierung zum Jahresende einen Zuschuss für die Stromnetze gestrichen hat. Die vier großen Fernleitungsbetreiber haben daraufhin die Netzentgelte mehr als verdoppelt, von 3,1 auf 6,4 Cent pro Kilowattstunde. Nicht alle, aber viele Stromversorger geben diese Erhöhung nun mit etwas Verzögerung ab März oder April an ihre Kund:innen weiter.

Viele Versorger erhöhen ihre Strompreise

Einige Haushalte könnten daher jetzt höhere Kosten treffen:

  • Vor allem Kund:innen der Grundversorger – meist der Stadtwerke – zahlen oft mehr als nötig und seit Januar vielerorts noch mehr: Die Tarife liegen teils noch über den 40 Cent/kWh der Strompreisbremse. Einige Grundversorger haben aufgrund der höheren Netzentgelte nun zusätzlich Erhöhungen angekündigt.
  • Auch weitere Versorger – darunter auch die EnBW – haben Preiserhöhungen angekündigt. Allein im März und April wollen laut dem Vergleichsportal Verivox bundesweit 106 Energieversorger ihre Preise anheben und zwar um durchschnittlich 8 Prozent.
  • In bestehenden Verträgen zahlt man oft deutlich mehr als in neu abgeschlossenen Verträgen.

Viele Kund:innen haben bereits vor Weihnachten Post vom Stromversorger bekommen. Denn zunächst haben viele Anbieter zum neuen Jahr ihre Preise gesenkt. Doch aufgrund der relativ kurzfristig gestiegenen Netzentgelte haben nun viele Versorger ab März oder April Erhöhungen angekündigt. „In den von Preiserhöhungen betroffenen Gebieten leben rund 8 Millionen Haushalte“, so Verivox-Sprecher Lundquist Neubauer.

Falls bei dir keine Ankündigung angekommen ist: Es kann sich lohnen, beim Stromanbieter anzurufen und nach den neuen Tarifen zu fragen. So weißt du, auf welcher Grundlage du Preise vergleichen kannst.

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Ökostromtarife finden

Strom vom Grundversorger: hohe Preise – aber kurze Kündigungsfrist

Laut Monitoringbericht der Bundesnetzagentur beziehen insgesamt rund 60 Prozent der Haushalte in Deutschland ihren Strom vom Grundversorger. Etwa ein Viertel der Haushalte steckt im Grundversorgungstarif, etwa ein weiteres Drittel hat abweichende Tarife beim Grundversorger abgeschlossen.

Strom vom Grundversorger, also in dem meisten Städten von den Stadtwerken, beziehen viele Kund:innen ohne weiter drüber nachzudenken. Denn beim Grundversorger landet man, wenn man keinen anderweitigen Vertrag abschließt, etwa beim Umzug in eine neue Wohnung. Auch, wenn der bisherige Energieversorger den Vertrag kündigt, springt der Grundversorger ein.

Stromverbrauch Stromzähler
Der örtliche Grundversorger springt ein, wenn kein anderer Stromliefervertrag besteht, ist aber meist teurer als andere Anbieter – insbesondere nach dem Ende der Strompreisbremse. (Foto: CC0 / Pixabay / geralt)

Grundsätzlich ist das gut, denn: So ist sichergestellt, dass so gut wie alle Haushalte mit Strom versorgt sind, auch wenn sie sich nicht aktiv um einen Vertrag bei einem bestimmten Anbieter kümmern.

Aber: Die Grundversorger haben im Standardtarif nicht nur meist keinen Ökostrom – sie haben mit die höchsten Arbeitspreise für Gas und Strom am Markt. Die Spanne ist enorm: Laut Verbraucherzentrale NRW reichte sie zum Jahreswechsel in NRW von knapp 30 bis zu über 55 Cent/kWh.

„Zwar haben Energieversorger unterschiedliche Beschaffungsstrategien, die gewisse Preisdifferenzen erklären können. Dennoch sind die großen Unterschiede verwunderlich, zumal die Börsenpreise im Jahr 2023 deutlich zurückgegangen sind“, kritisiert Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW.

Auch Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox, kritisierte Ende November die vergleichsweise hohen Preise in der Grundversorgung. „Dabei gibt es mittlerweile deutlich günstigere Angebote im Markt, die den Haushalten eine deutliche Ersparnis bringen können.“

Wer noch einen der teureren Grundversorgungstarife hat, muss laut Verivox seit dem neuen Jahr im Durchschnitt rund 4 Cent mehr pro kWh Strom zahlen. Daten der Vergleichsportale Check24 und Vergleich.de zufolge liegen im Schnitt etwa 30 bis 40 Prozent zwischen den Grundversorgungstarifen und den günstigen Neukund:innen-Tarifen (Stand 01.02.2024).

Eine Beispielrechnung

Wenn dein Haushalt einen Stromverbrauch von 3.200 kWh im Jahr hat und dein Grundversorgungstarif rund 44 Cent/kWh kostet, bedeutet das Ende der Strompreisbremse 128 Euro Mehrkosten im Jahr oder gut 10 Euro mehr pro Monat.

Angenommen derselbe Versorger erhöht den Strompreis nun ab März um 8 Prozent – wie das einige angekündigt haben –, kämen weitere 112 Euro im Jahr (oder gut 9 Euro pro Monat) auf dich zu. Bei höheren Stromverbräuchen erhöht sich der Betrag entsprechend.

Weiter gerechnet:
Wenn du jetzt mit dem angenommenen Jahresverbrauch von 3.200 kWh/Jahr zu einem Ökostromtarif von 30 Cent/kWh wechselst, kannst du gegenüber dem Grundversorgungstarif (44 Cent/kWh) rund 450 Euro im Jahr oder 37 Euro pro Monat sparen – nach einer Preiserhöhung um 8 Prozent nochmal 110 Euro mehr (insgesamt etwa 47 Euro im Monat). Wenn der Grundversorger bei 40 Cent/kWh liegt sparst du noch 320 Euro im Jahr oder knapp 27 Euro im Monat.

Allerdings liegen die hier angenommenen Preise eher am oberen bzw. unteren Ende der Skala. Premium-Ökostromanbieter, also solche, die die Energiewende aktiv vorantreiben, bieten derzeit Tarif ab etwa 34 Cent/kWh an. Wechselst du vom Grundversorger mit 40 Cent/kWh hierhin, sparst du rund 190 Euro im Jahr oder gut 16 Euro im Monat.

Beachte: Berechnet ist hier nur der reine Arbeitspreis – achte beim Wechsel auch auf die monatliche Grundgebühr.

Schon länger nicht gewechselt? Neukund:innen zahlen oft weniger

Wer schon länger einen bestehenden Vertrag mit demselben Anbieter hat – egal ob Grundversorger oder ein anderer Stromlieferant – sollte jetzt die Konditionen checken. Denn oft zahlt man in bestehenden Verträgen deutlich mehr als Neukund:innen.

Dabei seien die Neukundenpreise in den vergangenen Wochen sogar weiter gesunken, so Verivox-Sprecher Neubauer.

„Verbraucherinnen und Verbraucher, die von Preiserhöhungen betroffen sind oder noch in teuren Tarifen aus der Zeit der Energiepreiskrise 2022 stecken, raten wir daher die verfügbaren Angebote zu vergleichen und gegebenenfalls zu wechseln.“

Verivox-Sprecher Lundquist Neubauer
Lichterketten sehen zu Weihnachten schön aus, verbrauchen aber Strom.
Strom zu sparen lohnt sich so oder so – doch wer in alten Verträgen unnötig viel dafür zahlt, sollte wechseln. (Foto: CC0 Public Domain / Pexels - Dzenina Lukac)

Zur Orientierung: Laut dem Vergleichsportal Verivox liegt der durchschnittliche Strompreis für Neukund:innen aktuell bei rund 26 Cent/kWh, Check24 geht von gut 28 Cent/kWh aus. Reine Ökostromtarife gibt es derzeit ab rund 30 Cent/kWh, Premium-Ökostromtarife ab etwa 34 Cent/kWh.

Im deutschen Gesamtdurchschnitt zahlen Kund:innen laut Verivox immer noch rund 36 Cent/kWh. In manchen bestehenden Verträgen können die Preise sogar noch über 40 Cent/kWh liegen – dann lohnt sich der Wechsel besonders.

Tipp: Auch wenn dein aktueller Stromversorger die Preise senkt, hast du ein Sonderkündigungsrecht, genau wie bei einer Preiserhöhung. Dieses wahrzunehmen kann sinnvoll sein, wenn Ökostromanbieter noch günstiger sind.

Das solltest du tun, wenn du beim Grundversorger bist oder einen alten Vertrag hast

  • Finde heraus, wie hoch dein Strom-Arbeitspreis pro kWh aktuell ist. Falls dein Vertrag schon länger besteht, findest du deinen Preis vielleicht nicht auf der Website, schau in dem Fall in deinem Account oder auf deiner letzten Abrechnung nach oder ruf beim Versorger an und frag nach.
  • Wenn der Arbeitspreis über 40 Cent/kWh liegt, zahlst du seit Januar mehr – und kannst mit einem Wechsel Geld sparen.
  • Prüfe, ob dein Versorger bereits Preiserhöhungen angekündigt hat. Nur so hast du eine geeignete Grundlage, um Preise zu vergleichen.
  • Vergleiche die Preise für Neuverträge bei anderen Anbietern. Achte dabei unbedingt darauf, dass du Ökostromtarife vergleichst.
  • „Insbesondere bei den alternativen Anbietern sollte man aber vor Vertragsabschluss mittels einer Internetrecherche überprüfen, ob das Unternehmen durch sein Geschäftsgebaren in der Vergangenheit negativ aufgefallen ist,“ rät Schuldzinski von der Verbraucherzentrale NRW.
  • Nutze zum Ökostrom-Vergleich zum Beispiel unseren Utopia Stromvergleichs-Rechner:
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Ökostromtarife finden

  • Oder finde hier heraus, welches die günstigsten „echten“ Ökostromanbieter sind:
  • Achte beim Preisvergleich darauf, dass du dich nicht von einmaligen Wechselboni täuschen lässt und vergleiche Arbeitspreise und Grundgebühr.
  • Achte darauf, dass der neue Anbieter deiner Wahl entweder eine kurze Kündigungsfrist hat oder eine Preisgarantie über die gesamte Vertragslaufzeit anbietet. Ansonsten kann es passieren, dass der Preis steigt, du aber nicht aus deinem Vertrag kommst.
  • Wenn du einen neuen Liefervertrag abschließt, muss sich der neue Anbieter um alles weitere kümmern, inklusive Kündigung beim bisherigen Stromlieferanten.
  • Praktisch: Grundversorgungstarife kannst du grundsätzlich mit einer Frist von nur zwei Wochen kündigen. Du kannst in dem Fall also in aller Regel schnell wechseln, ohne ab Januar lange höhere Kosten tragen zu müssen.
  • Bei bestehenden Verträgen mit anderen Anbietern musst du dich informieren, wie lange deine Kündigungsfrist ist bzw. wie lange der Vertrag noch läuft und dich an diese Frist halten – es sei denn, eine Preisänderung begründet ein Sonderkündigungsrecht. Frag hier im Zweifelsfall beim Versorger nach.

Tipp: Günstigen Strom jetzt schon für die Zukunft sichern

Wie sich die Strompreise weiter entwickeln, ist unklar. Im besten Fall sinken die Preise weiter, weil Deutschland mit dem Ausbau der günstigen erneuerbaren Energien gut vorankommt. Im weniger günstigen Fall bleiben die Preise hoch, weil durch die Umstellung auf WärmepumpenE-Autos und den Ausbau der Wasserstoff-Gewinnung der Strombedarf insgesamt stärker ansteigt als die erneuerbare Energieerzeugung.

Wenn du Sicherheit haben möchtest, kannst du jetzt schon den Wechsel zu einem günstigeren Anbieter festlegen – auch wenn dein aktueller Vertrag noch läuft. Laut Finanztip kannst du bei vielen Anbietern zu den aktuell geltenden Konditionen  bereits Verträge für sechs Monate in der Zukunft abschließen.

Warum Ökostrom?

Zwar mischen inzwischen alle Energieerzeuger am Markt für „grüne“ Energie mit, doch viele davon halten gleichzeitig noch an der Verbrennung von Kohle und Gas fest. Auch viele Stadtwerke in Deutschland halten noch Beteiligungen an Kohle- oder Gaskraftwerken.

Ökostrom Solarzellen
Zu Ökostrom zu wechseln ist nicht schwer und dauert nur wenige Minuten. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay – blickpixel )

„Echter“ Premium-Ökostrom wird nicht nur mittels erneuerbarer Energien gewonnen, sondern trägt auch zum Ausbau bei. Das heißt, der Anbieter investiert selbst in den Ausbau von Solaranlagen, Windrädern usw. Das kann er mittels Zertifikaten nachweisen. Erkennen kann man Ökostrom-Anbieter, die es ernst meinen, an den Labels Grüner Stromok-power oder ok-power-plus.

Nur mit einem Wechsel zu echtem Ökostrom können wir zur Energiewende und damit zum Klimaschutz beitragen.

Und was ist mit der Gaspreisbremse?

Auch die Gaspreisbremse lief zum Jahresende aus. Sie hatte den Gaspreis auf 12 Cent/kWh gedeckelt. Unsere Tipps gelten also genau so auch für Gastarife.

Prüfe in jedem Fall, wie viel du aktuell pro Kilowattstunde für Gas bezahlst. Liegt der Tarif über den 12 Cent lohnt sich ein schneller Wechsel.

Achte dabei am besten auf die Herkunft des Gases: Verantwortungsvolle Gasanbieter setzen auf Biogas aus Reststoffen oder einen Mix aus emissionskompensiertem Gas (oft „Klimagas“) und Biogas.

Mit Material der DPA

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