7 Tipps für bessere Technik-Geschenke

Technik-Geschenke zu Weihnachten
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Gibt es ein nachhaltiges Stück Technik, das man guten Gewissens für unter den Weihnachtsbaum empfehlen kann? Schwierig. Utopia hat sich trotzdem umgesehen und gibt einige Empfehlungen für Technik-Geschenke.

Man kann ganz, ganz streng sein und darauf beharren: Nein, es gibt keine Technik-Geschenke, die nachhaltig sind. So wahr das auch ist, so wenig wird das den Run auf Playstation & Co aufhalten. Die Frage ist also vielleicht eher: Wenn ohnehin technisches Spielzeug verschenkt wird – gibt es unter diesen vielleicht besseres und schlechteres sowie Tipps, es besser zu nutzen?

Sie suchen eigentlich Spielsachen für Kinder? Lesen Sie dazu den Beitrag Sinnvolle Spielsachen, die Spaß machen:

1. Eine stromsparende Spielekonsole wählen

Derzeit gibt es drei maßgebliche Spielkonsolen: Preislich liegen Sony Playstation 4 (PS4, ca. 350 Euro) und Microsoft Xbox One (ca. 360 Euro) über der Nintendo Wii U (ca. 290 Euro). Alle drei bieten eine umfangreiche Palette an Spielen, von spaßig bis actiongeladen. Wer unbedingt eine Spielekonsole verschenken und damit auch einen Treffer landen will, richtet sich so gesehen am besten danach, auf welchem System gewünschte Spieletitel verfügbar sind.

Stromsparsame Spielkonsole: Nintendo Wii U
Stromsparsamere Spielkonsole: Nintendo Wii U (Foto: Nintendo)

Geht es aber nur darum, ab und zu ein wenig rumzudaddeln, lohnt es sich, über Nachhaltigkeit nachzudenken. Rank a Brand bewertet Sony und Microsoft als „D – Kaum empfehlenswert“, Nintendo kassiert wegen fehlender Transparenz gar ein „E – Nicht empfehlenswert“. Anders sieht es aus, wenn man den Stromverbrauch betrachtet. Die US-Umweltgruppe NRDC hat das bei Konsolen getan (PDF) und festgestellt, dass Nintendos Wii U deutlich weniger Energie verbraucht als die anderen. Den Energieverbrauch pro Durchschnittsjahr beziffert NRDC wie folgt:

  • Nintendo Wii U: 37 kWh
  • Sony Playstation 4: 181 kWh
  • Microsoft Xbox One: 300 kWh

NRDC geht hierbei von Einstellungen und Nutzungsgewohnheiten aus, die man als Nutzer auch ändern und verbessern kann. Doch die Zahlen entlarven Spielekonsolen als Energieschlucker. Zum Vergleich: Ein deutscher 2-Personen-Durchschnittshaushalt verbraucht pro Jahr 3000 kWh, die Konsolen erhöhen ihn demnach um bis zu 10 Prozent. Das NRDC rechnet vor, dass wahrscheinlich bald vier große Kraftwerke nur dazu da sind, US-Konsolen mit Strom zu versorgen.

Utopia rät: Nintendos Spielkonsole ist kein Vorbild an Nachhaltigkeit, aber im Vergleich eben doch genügsam. Auch fällt die Wii U durch viele Familien- und Kinder-Titel auf (prinzipiell gibt es solche Spiele aber für alle Konsolen). Sony und Microsoft halten außerdem für teils sinnvolle, teils überflüssige Abo-Systeme nochmal die Hand auf (meist 7 Euro pro Monat), Nintendo kommt so gesehen am günstigsten.

2. Spielkonsolen nicht als Alleskönner verwenden

Theoretisch können PS4 und Xbox One auch als DVD- und Blu-Ray-Player dienen und Filme von Video-Diensten wie Amazon Prime Video und Netflix streamen. Oft sind es Zusatzfunktionen wie diese, mit denen potenzielle Kunden sich die Anschaffung schönreden. Doch das NRDC schätzt, dass Spielekonsolen beim Videostreaming 30 bis 45 mal mehr Energie verbrauchen als Settop-Boxen. Für die Wiedergabe von Videos sind Sony Playstation und Microsoft Xbox deutlich überdimensioniert und daher nicht zu empfehlen. Auch ein gewöhnlicher DVD- oder Blu-Ray-Player braucht deutlich weniger Strom als eine Konsole.

Utopia rät: Wer Videos streamen will, fährt mit Settop-Boxen wie Apple TV, Google Chromecast, Amazon Fire TV deutlich stromsparender. Oft bieten auch schon die Fernseher selbst passende Smart-TV-Apps. Um DVDs anzusehen tut’s auch ein DVD-Player, der braucht weniger Strom.

3. Standby-Modus meiden

Xbox One und PS4 verbraten schon im Betrieb über 100 Watt. Doch die meiste Zeit befinden sie sich ja gar nicht im Betrieb sondern im Standby-Modus. Und ausgerechnet der schluckt bei neuen Spielkonsolen enorm viel Strom. So viel, dass die Konsolen von Sony und Microsoft über das Jahr gesehen mehr Strom im Standby-Modus verbrauchen können als beim eigentlichen Spielen.

Die Ursachen sind vielfältig. Konsolen können zum Beispiel im Standby den Akku angeschlossener Controller aufladen oder Updates aus dem Netz beziehen. Erweiterungen wie Xbox Kinect für Sprachbefehle sorgen dafür, dass man die Konsole mit der Stimme anschalten kann – der Preis dafür ist, dass die Konsole stets in einem aufwändigen Standby-Modus laufen muss.

Utopia rät: Auch wenn das mehr Mühe macht: Schalte Elektrogeräte wie Spielekonsolen, Fernseher, Stereoanlagen, Kaffeemaschinen usw. immer aus, statt sie nur in den Standby-Modus zu versetzen. Statte die Geräte an der Steckdose mit einem Aus-Schalter aus, um dafür zu sorgen, dass sie wirklich aus sind – oder zieh den Stecker. Sprich gegebenenfalls auch mit den Kindern darüber und versuche, ein Bewusstsein für den hohen und unnötigen Stromverbrauch dieser Technik-Geschenke zu schaffen. Und: Wechsel zu Ökostrom!

4. E-Reader nur mit E-Ink kaufen

Die zwei wichtigsten Systeme bei E-Readern sind Amazon Kindle und die Tolino-Allianz deutscher Buchhändler. Technisch und beim Preis gibt es kaum Unterschiede, auch versuchen beide gleichermaßen, die Leser in ihr Buch-Ökosystem zu locken. Zugleich fällt die Ökobilanz zwischen Büchern und Ebook-Readern nicht besonders eindeutig aus (siehe „Wie Öko sind eReader?“): Nur wer sehr viel kauft und liest, liest elektronisch sparsamer. Tipps zum ethischeren Buchkauf

Besser: E-Reader mit E-Ink-Display
Besser: E-Reader mit E-Ink-Display (Foo: Thalia)

Doch viele E-Reader sind verkappte Tablets, zum Beispiel Amazons „Fire“-Kindle und das „Tolino Tab“. Als Tablets verbrauchen sie im Vergleich mehr Ressourcen bei der Produktion und im Betrieb. Sie liegen schwerer in der Hand, sind schlechter für die Augen und ungeeignet für Bett-Leser und daher als eBook-Reader eine unvernünftige Wahl, auch wenn sie mit Zusatzfunktionen locken.

Utopia rät: Wer zu Weihnachten einen eReader verschenken will, sollte tatsächlich einen mit E-Ink-Display verschenken, konkret sind das Amazon „Kindle“ und „Kindle Paperwhite“, Tolino „Vision“ und „Shine“. Tolino gibt es zum Beispiel bei Ecobookstore.
Und es mag sich puritanisch anhören, aber die beste Ökobilanz hat, wer zu Fuß oder per Rad zur Leihbibliothek fährt und Leihbücher liest – oder alternativ gebrauchte Bücher kauft. Nur für die Autoren sind diese Lösungen eher unfair.

5. Alternativen zu Lego ausprobieren

Lego ist einer der großen Spielzeug-Klassiker und gehört seit Jahren zu den beliebtesten Geschenken überhaupt. Doch Lego besteht derzeit noch aus Plastik, ergo Mineralöl, und ist entsprechend kein nachhaltiges Spielzeug.

Allerdings hält Lego bei halbwegs guter Behandlung mehrere Generationen lang durch. Auch forscht Lego an alternativen Rohstoffen und will bis 2030 Steine und Verpackung umgestellt haben. Lego ist also nicht per se schlecht, aber ein besserer Ersatz wäre derzeit sehr wünschenswert. Und tatsächlich gibt es reichlich Spielzeug, dass durch gezielte Materialwahl eine bessere Alternative sein will und dennoch motorisches Geschick und räumliches Denken schult.

  • Bauen mit Holz: Die deutsche Firma Heros verwendet FSC-zertifiziertes Buchenholz für seine Spielzeuge. Bei der Reihe „Constructor“ (bei der allerdings zum Teil ebenfalls Kunststoffteile zum Einsatz kommen) können Kinder zwischen 4 und 8 Jahren relativ komplexe Objekte montieren.
  • Bauen mit Metall: Das deutsche Unternehmen Eitech bietet Metallbaukästen für Kinder ab 5 Jahre. Dabei wird verzinkter Bandstahl verschraubt, Objekte können auf diese Weise nahezu beliebig auseinander und neu zusammengebaut werden. Es gibt spezielle Baukästen um zum Beispiel Dinosaurier, Kräne, Space Shuttle oder Solar-Objekte zum zusammenzubauen. Gibts bei Avocadostore** und Vireo.
  • Bauen mit Stein: Unter dem Namen Teifex gibt es auch Steinbaukästen für Kinder ab 5 Jahre. Dabei werden Ziegelsteine mit Mörtel verbunden – ein Spaß der ganz anderen Art.
  • Bauen ohne Vorgabe: Lego und andere Systeme neigen zu vorgefertigten Formen. Einen ganz anderen Weg gehen die Steine von Bioblo: Aus nachhaltigem Holz erdölfrei, CO2-neutral und recycelbar gefertigt, gibt es nur eine einzige Baustein-Form in verschiedenen Farben. Es bleibt der Fantasie überlassen, was die Kinder draus machen.

6. Experimente als Technik-Geschenke wagen

Technische Experimentierbaukästen aller Art sind beliebt, weil sie lernen, forschen und Spielspaß unter einen Hut bringen. Nachhaltigkeit ist nicht direkt eine Stärke dieser Spielzeuge; hier steht im Mittelpunkt, das Thema erneuerbare Energien spielerisch zu vermitteln:

Bringt Upcycling-Ideen ins Spiel: der Box-Roboter
Bringt Upcycling-Ideen ins Spiel: der Box-Roboter (Foto: 4M)
  • Grüne Experimente: Die Firma 4M aus Hongkong hat eine Reihe namens „Green Science“. Zu Preisen zwischen 10 und 30 Euro gibt es allerlei grüne Experimente rund um Stromgewinnung aus Sonne, Wind und anderen Prozessen, aber auch Wasserreinigung und Wetterkontrolle. Die verwendeten Kunststoffe bestehen laut 4M teils aus Recycling-Material, teils sind diese Bausätze so gemacht, dass man vorhandene Dinge upcyclen muss, um sie nutzen zu können. Das ist jetzt sicher nicht perfekt nachhaltig, bringt aber einige gute Ideen ins Spiel. Die Produkte gibt es zum Beispiel bei Avocadostore**, Vireo, Amazon**.
  • Energie aus Sonne, Wind: Das Stuttgarter Unternehmen Kosmos bietet eine Reihe von Experimentier-Kästen zu erneuerbaren Energien. Da gibt es zum Beispiel ein fast ein Meter hohes Windrad zu bauen, das auch Akkus aufladen kann, oder Baukästen für bewegliche Modelle, die alle durch Solarenergie bewegt werden.
  • Brennstoffzellen-Kits: Brennstoffzellen könnten ein Baustein einer nachhaltigen Energieversorgung sein. Einige Bastel-Kits machen die Ideen dahinter spielerisch greifbar. Das Singapurer Unternehmen Horizon bietet sowohl professionelle Brennstoffzellen an als auch spezielle Kits für Spielzeugautos oder Experimente. Gibt’s zum Beispiel im Avocadostore**, bei Vireo. Auch Fischertechnik hat ein Brennstoffzellen-Kit im Angebot.

7. Faires Smartphones ausprobieren

Wer zu Weihnachten ein Smartphone verschenken oder sich selbst kaufen will, hat die Wahl zwischen Hunderten preiswerter Angeboten. Ihr Makel sind die teils horrenden Arbeitsbedingungen bei einigen chinesischen Unternehmen, die als Zulieferer für Marktriesen wie Apple oder Samsung arbeiten. Die für Elektronik wichtigen Rohstoffe wie Gold, Tantal, Zinn und Wolfram stammen zudem oft aus Regionen, in denen bewaffnete Milizen die Minen kontrollieren.

Besser: ein faireres Smartphone ...
Besser: ein faireres Smartphone … (Foto © Fairphone unter CC BY-SA )

Obwohl man namhaften Herstellern wie Apple oder Samsung diese Probleme bewusst gemacht hat, existiert noch zu wenig Marktdruck, der sie zu einem raschen Handeln bewegen würden. Eine Alternative sind fairer und sozialer produzierte Smartphones. Hier achten die Hersteller zum Beispiel darauf, keine Rohstoffe aus Konfliktregionen zu verwenden und bei der Produktion faire Arbeitsbedingungen zu schaffen.

Utopia rät: Mit Fairphone 2 und Shift 5.1 bemühen sich zwei Smartphones um fairere Verhältnisse in der Produktion. Technisch ist das Fairphone 2 besser als das Shiftphones Shift 5.1, was aber im Alltagsgebrauch kaum eine Rolle spielt. Die faire Produktion kann das Fairphone derzeit besser belegen. Das Fairphone 2 ist mit 530 Euro aber eben auch deutlich teurer als das knapp 250 Euro teure Shift. Die beiden Geräte stellen wir hier vor:

Man muss es positiv sehen: So haben Menschen mit verschiedenen Einkommen die Wahl, das für sie erreichbare „fairere“ Smartphone zu erwerben. Beide sind bereits vorbestellbar und sollten ab Januar zu haben sein – besser ein Gutschein für ein gutes Phone unterm Baum als ein „schlechtes“ Handy. Von Shiftphones gibt es demnächst auch ein fairer produziertes Tablet (Shift 7.1). Weitere Alternative: gebrauchte Smartphones – sie zu verwenden erhöht ihre Nutzungsdauer und ist daher deutlich nachhaltiger als der Neukauf.

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