THG-Quote: So verdienst du Geld mit deinem Elektroauto

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CC0/Unsplash.com/Markus Spiske; Jenny Ueberberg

Ein Elektroauto hat den Vorteil, dass es keine Schadstoffe in die Luft bläst. Doch auch finanziell kann es sich lohnen: Es gibt nämlich die Möglichkeit, das E-Auto als Einnahmequelle zu verwenden. Das Zauberwort heißt THG-Quote. Wir erklären, wie der finanzielle Ausgleich funktioniert, und wie viel Geld du damit verdienen kannst. Außerdem vergleichen wir die wichtigsten Anbieter.

Seit 2022 haben Halter:innen von Elektroautos die Möglichkeit, die Emissionen, die sie dank ihres Autos einsparen, im Rahmen eines Tauschhandels an Unternehmen zu verkaufen. Jährlich können E-Auto-Fahrer:innen auf diese Weise eine hübsche Summe einnehmen: Zurzeit bieten alle Anbieter mindestens 255,- Euro pro Jahr an, manche sogar bis zu 350,- Euro (siehe dazu die Tabelle unten).

Die erste Frage, die sich viele stellen werden, lautet aber sicherlich: Worum handelt es sich bei der ganzen Geschichte überhaupt?

Was ist die THG-Quote? Über den finanziellen Bonus für E-Fahrzeuge

Als Reaktion auf die Bedrohungen durch den Klimawandel müssen Unternehmen, die fossile Kraftstoffe in Umlauf bringen, eine sogenannte Treibhausgasminderungsquote erfüllen – die THG-Quote. Werden deren Vorgaben nicht erfüllt und damit zu viele CO2-erzeugende Kraftstoffe in Umlauf gebracht, müssen die Mineralölkonzerne eine Strafe zahlen. Die dabei entstehenden Kosten steigen nicht nur kontinuierlich, sondern werden von den Konzernen mit großer Wahrscheinlichkeit auch auf die Verbraucher:innen umgeschlagen: Das hat den unangenehmen Effekt, dass sich Benzin- und Dieseltreibstoffe ungeachtet der aktuellen Entwicklung weiter verteuern dürften.

Elektroautos brauchen wesentlich weniger Strom als die Herstellung von Benzin mittels CCU.
Anhand der THG-Quote lässt sich mit Stromern wie Elektroautos Geld verdienen. (Foto: CC0 / Pixabay / Mikes-Photography)

Autofahrer:innen und Betreiber:innen von Fuhrparks sollen auf diese Weise dazu animiert werden, auf ’saubere‘ Antriebe umzusatteln. Im Verkehrssektor – der nach wie vor einen großen Schadstoff-Ausstoß verzeichnet – sollen mittel- bis langfristig zwei Ziele gelingen:

  • das gesamte Verkehrsaufkommens soll reduziert werden
  • die Mobilität soll sich auf emissionsärmere Verkehrsmittel verlagern

THG-Quote verkaufen: Eingesparte Treibhausgase einem E-Auto anrechnen

Das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) verpflichtet die erwähnten Konzerne, ihren Beitrag zur Entstehung von Treibhausgasen jährlich um einen prozentualen Mindestanteil zu senken. Werden die Vorgaben zur CO2-Reduktion nicht erfüllt, ist ein Emissionshandel möglich: Andernorts eingespartes CO2 kann dazugekauft und so die THG-Quote reduziert werden. Hier kommen die eingesparten Schadstoffemissionen von Privatpersonen und deren Elektroautos bzw. elektrischen Motorrädern ins Spiel.

Denn: Jede Kilowattstunde, mit der die Batterie eines E-Autos beladen wird, spart mittelbar Treibhausgase ein. Bis Ende 2021 konnten die Betreiber von Ladesäulen ihre ‚CO2‑Credits‘ bereits gewinnbringend an Mineralölunternehmen weiterverkaufen. Seit 2022 haben nun auch Privatpersonen, die Elektromobilität nutzen, die Chance, mithilfe der THG-Quote Hunderte Euro pro Jahr zu verdienen.

Plug-in-Stecker-Elektroauto-Hybrid
Dank der THG-Quote können E-Auto-Halter:innen pro Jahr Hunderte Euro zusätzlich erwirtschaften. (Foto: Pixabay)

Ein E-Auto spart im Schnitt 860 kg CO2

Das Bundesumweltministerium (BMU) schätzt den Durchschnittsverbrauch eines E-Autos im Jahr 2022 auf 2.000 Kilowattstunden. Aus diesen Zahlen ermittelt die Behörde eine Emissionseinsparung von durchschnittlich 862 kg CO2, das nicht in die Luft ausgestoßen wird und gehandelt werden kann.

Bei größeren Stromern ist die Einsparung (zum Teil wesentlich) größer: Für leichte Nutzfahrzeuge beträgt der Schätzwert 3.000 kWh, für Busse veranschlagt das BMU sogar 72.000 kWh.

THG-Quote: So werden eingesparte Emissionen zu Geld

Der Preis der ‚CO2-Credits‘ – also der eingesparten Emissionen, die weiterverkauft werden können – bildet sich am freien Markt und damit abhängig von Angebot und Nachfrage. Deshalb ist es hilfreich, als Privatperson einen Dienstleister in Anspruch zu nehmen, der den Handel übernimmt: Verschiedene Anbieter (siehe die Tabelle weiter unten) bündeln die CO2-Minderung mehrerer Elektrofahrzeuge und verkaufen sie im Paket z.B. an Großunternehmen weiter.

Zugleich müssen Verbraucher:innen sich dann nicht mehr um die Registrierung beim Umweltbundesamt (UBA) kümmern. So wird auch sichergestellt, dass die Einsparungen eines Elektroautos nur einmal verkauft werden können. Immerhin gibt es für den Verkauf von eingesparten Emissionen im Rahmen der THG-Quote eine Prämie, über die sich E-Auto-Besitzer:innen freuen dürfen.

Wer kann die THG-Quote in Anspruch nehmen?

Wer auf saubere Antriebe umsteigt, kann also finanziell profitieren. Das führt zur Frage, wer seine eingesparten Emissionen im Rahmen der THG-Quote verkaufen darf? Neben E-Auto-Fahrer:innen können auch Unternehmen und gewerbliche Halter ihre CO2-Einsparungen an Mineralölkonzerne veräußern. Die Voraussetzungen:

  1. Du bist der/die im Fahrzeugschein notierte Halter:in eines E-Autos, elektrischen Leichtfahrzeugs oder E-Rollers.
  2. Du registrierst dich bei einem Dienstleister, der beim Verkauf deiner CO2-Einsparungen als Zwischenhändler auftritt (Kfz-Schein muss hochgeladen werden).

Das ist übrigens auch für elektrische Leasing-Fahrzeuge möglich, Bedingung: Der/die Fahrer:in muss im Fahrzeugschein stehen. Und Hybridmodelle? Sie sind beim THG-Quotensystem ausgenommen.

THG-Quotenhandel: Diese Frist musst du einhalten

Wer mit seinem elektrischen Gefährt am THG-Quotenhandel teilnehmen möchte, sollte am besten bis Herbst des laufenden Jahres tätig werden: Die Frist für die Registrierung beim Umweltbundesamt läuft nämlich bis 28. Februar des folgenden Jahres – bis dahin muss der Vorgang amtlich bestätigt sein. Optimalerweise hast du zuvor auch schon einen passenden Anbieter ermittelt, der den Verkauf deiner CO2-Einsparungen für dich übernimmt.

Elektroauto Umweltbonus E-Auto-Prämie Bafa
Seit Anfang 2022 können auch private und gewerbliche Elektroauto-Fahrer ihre THG-Quote veräußern. (E-Auto-Prämie | Foto: © vitiukviktor - Fotolia.com)

THG-Quote verkaufen: Welche Steuern fallen für wen an?

Wie das bei Einnahmen so ist, möchte die öffentliche Hand am Gewinn ihren steuerlichen Anteil haben. In welchem Umfang sind die Erlöse aus dem THG-Quotenhandel steuerpflichtig? Die Antwort hängt vom Berufsstand ab. Privatpersonen, bei denen die Zahlung für eingespartes CO2 das Einkommen erhöht, müssen nach einer Entscheidung auf Bundesebene keine Steuer mehr darauf entrichten. Der Gewinn aus der Einsparung von Treibhausgasen zählt bei Privatpersonen also nicht zu den Einkünften aus sonstigen Leistungen.

Das sorgte im zweiten Quartal des Jahres 2022 für Wirbel: Aufgrund der ursprünglichen Einschätzung hatten Firmen eine steueroptimierte Fassung der THG-Quoten-Auszahlung angeboten. Das ist jedoch hinfällig und zahlreiche E-Autofahrer haben aufgrund des ursprünglichen Sachverhalts nun auf weniger Geld Anspruch. Sukzessive werden jedoch die Angebotsmodelle der Anbieter umgestellt und es ist damit zu rechnen, dass auch für bereits getätigte Anmeldungen eine nachträgliche Anpassung möglich ist.

Fallen bei einer gewerblichen Nutzung Einnahmen aus der THG-Quotenregelung an, muss versteuert werden. Für elektrische Firmen- oder Dienstwagen aus dem Betriebsvermögen werden die Einkünfte im Rahmen der THG-Quote nach § 22 III EstG versteuert. Die Auszahlung für eingesparte Treibhausgase gilt vom ersten Euro an als steuerpflichtige Einnahme und fließt bei Selbstständigen und Unternehmern in die Gewinnermittlung ein.

THG-Quote: Empfehlenswerte Dienstleister und Vergleich der Angebote

Auf dem Markt haben sich Anbieter positioniert, welche bei der THG-Quote den Verkauf abwickeln und dem Kunden in der Folge den Erlös zukommen lassen. Die Unternehmen unterscheiden sich hinsichtlich der Provision und Bedingungen. Einige Dienstleister zahlen einen fixen Geldbetrag, manche auch eine prozentuale Beteiligung. Einige Vermittler ermöglichen es, den Erlös für gute Zwecke zu spenden.

Im Zuge der erwähnten steuerlichen Anpassung haben mehrere Unternehmen Mitte 2022 die THG-Prämie nochmal angehoben. Hier findest du eine Übersicht von Anbietern, die deine CO2-Einsparungen im Rahmen der THG-Quote für dich zu Geld machen:

Anbieter Prämie (2022) Verteilung, Provision Spendenmöglichkeit
Emobia** 350 – 400 Euro 20 % Provision Nein
emobility.energy** 250 – 450 Euro 15 % Provision Ja
(Spendenmodell „Green“: 275 Euro Prämie + 50 Euro Spende)
Fairnergy** Mind. 300 Euro 75 % für Kund:innen, 19 % Provision, Rest für Energieprojekt im globalen Süden Ja
(Fairnergy erhöht Spende zusätzlich um 50 %)
Geld-für-eAuto.de** 275 – 410 Euro 20 % Provision Nein
Green Income 80 % der THG-Erlöse, maximal 400 Euro 20 % Provision Nein
Juicify** 333 Euro (innerhalb von fünf Werktagen) Keine Angabe Ja
(Zwei Spendenmodelle, bei denen sich Anbieter und Kund:innen den Betrag teilen:
– 300 Euro Prämie plus 2 x 50 Euro Spende
– 200 Euro Prämie plus 2 x 100 Euro Spende)
The Mobility House** 250 Euro, dazu 50 Euro Rabatt beim Kauf einer Wallbox Keine Angabe Nein
Polarstern** 255 Euro 45 Euro für weltweite Energiewende-Projekte, zu Provision keine Angabe Ja
(Wahlweise lassen sich die CO2-Erlöse spenden)
Quotando** 275 Euro (innerhalb von drei Werktagen); bis zu 400 Euro (Auszahlung später) 80,5 % für Kund:innen Nein
Smartificate** 250 Euro oder 300 Euro (Aktionsbonus) 75 % für Kund:innen, 25 % Provision Ja
(Beliebiger Teil der Prämie kann an gemeinnützige Organisation gespendet werden)
My Green Cashback 340 – 370 Euro 85 % für Kund:innen, 15 % Provision Ja
(Beliebiger Teil der Prämie kann an gemeinnützige Organisation gespendet werden)
THG-Börse** 300 – 415 Euro 85 % für Kunden, 15 % Provision Nein

Es bleibt die Frage offen: Lässt sich eigentlich auch ohne Vermittlung die eigene THG-Quote beim Bundesumweltamt veräußern? In der Tat, aufgrund des Verwaltungsaufwandes erwerben Mineralölkonzerne jedoch dem Vernehmen nach nur gebündelte Quoten, bevorzugt von entsprechenden Anbietern. Berichten zufolge kann sich durch Überprüfungen des BMU die Auszahlung verzögern, aufgrund der vielen Anmeldungen. Ebenso würden Plattformen mit der Organisation von Zahlungen und Gutschriften kaum nachkommen.

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