Elektroauto-Kosten: Viele E-Autos schon günstiger im Unterhalt als Verbrenner

Foto: WikimediaCommons

E-Autos kommen für viele wegen der vermeintlich höheren Anschaffungskosten nicht infrage. Doch wer die laufenden Kosten für ein Elektroauto kalkuliert, kommt auf ein anderes Ergebnis: Selbst mit einem teuren Tesla fährst du möglicherweise  günstiger als mit einem Benziner! Der Beweis.

Hohe Kosten, geringe Reichweite – diese Mythen über Elektroautos halten sich hartnäckig. Dabei sind Elektroautos längst nicht mehr so teuer wie vor fünf Jahren. Gerade die starke Förderung durch die Politik sorgt zurzeit dafür, dass man einen vollwertigen E-Neuwagen schon für 10.000 bis 20.000 Euro bekommt. Wer nur auf den Kaufpreis schaut, blendet zudem viele Ausgaben aus. Zuletzt hat der ADAC – der in der Sache einigermaßen unabhängig ist – im Juli 2020 eine Gesamtkostenrechnung aufgestellt und dabei Benziner, Diesel und E-Autos miteinander verglichen.

Das Ergebnis: Sehr viele Elektroautos sind auf Dauer schon jetzt günstiger als vergleichbare Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Den Experten zufolge liegt das an den geringen Wartungs- und Betriebskosten der E-Autos und den – im Vergleich zu Benzin oder Diesel – niedrigen Preisen für (Öko-)Strom.

Elektroauto-Kosten: Sparen in der Werkstatt

Bei Autos mit Diesel- oder Ottomotor machen Wartung und Verschleiß einen großen Teil der laufenden Kosten aus. Ein Werkstattbesuch mit dem Elektroauto ist da deutlich günstiger. Die Gründe:

  • Kupplung, Getriebe, Auspuff: All diese verschleißanfälligen Bauteile besitzt ein Elektroauto einfach nicht.
  • Auch der Ölwechsel entfällt.

Die Wartungskosten sind bei E-Autos deshalb um etwa ein Drittel geringer, so eine Studie der R+V Versicherung von 2018. Die Wartungskosten betragen beispielsweise bei einem BMW i3 geschätzte 300 Euro und bei einem 1er-BMW rund 400 Euro im Jahr. Auch die Differenz bei teureren Autos wie einem Model S von Tesla und einer S-Klasse von Mercedes beträgt etwa ein Drittel.

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Strom-Verbrauch und Stromkosten bei Elektroautos

Kraftstoff von den Stadtwerken: Alle Elektroautos, die zurzeit auf dem Markt sind, lassen sich auch an der heimischen Steckdose aufladen. Das ist am günstigsten, das Aufladen dauert aber, je nach Fahrzeug, einen halben oder sogar einen ganzen Tag. Zum schnelleren Laden ist deshalb eine Wallbox in der Garage empfehlenswert, die allerdings in der Regel extra bezahlt werden muss.

Wer eine Photovoltaikanlage (PV) auf dem eigenen Dach hat, spart sogar noch mehr: Laut Entega kostet der Strom aus der PV-Anlage etwa 11 Cent pro Kilowattstunde, während Haushaltsstrom vom Stromversorger sonst bei rund 30 Cent liegt. Für Haushalte mit einer PV-Anlage auf dem Dach ist es daher sinnvoll, den selbst produzieren Strom auch selbst zu nutzen (auch weil die Einspeisevergütung für Strom inzwischen häufig gering ausfällt).

Fix geht es auch an öffentlichen Schnellladesäulen: Dort ist der Akku bereits – je nach Anschluss und Fahrzeug – in weniger als einer Stunde geladen. Dafür zahlst du hier aber etwas mehr. Einige Supermärkte, Restaurants und Hotels bieten ihren Kunden inzwischen sogar an, ihr E-Auto kostenlos aufzuladen.

Kosten eines E-Autos: Beispiel-Rechnung

Wie viel Geld genau für Strom ausgegeben werden muss, ist vom Verbrauch des Autos abhängig. Messungen unter realistischen Bedingungen haben gezeigt, dass die meisten E-Autos ca. 20 kWh pro 100 Kilometer verbrauchen, so der ADAC vor Kurzem.

Bei angenommenen 20.000 Kilometern Laufleistung im Jahr ergäbe das beispielsweise folgende Stromkosten:

  • Supermarkt, Hotel, Restaurant: 0 Cent/kWh = kostenlos
  • Mit eigener Solaranlage: 7 bis 11 Cent/kWh (Betrag der Einspeisevergütung) = 280 bis 440 Euro
  • Günstigster Ökostrom-Anbieter: 29 Cent/kWh = 1.160 Euro
  • Bester Ökostrom-Anbieter: 34 Cent/kWh = 1.360 Euro
  • Öffentliche Ladesäule*: 30 Cent/kWh = 1.200 Euro

*Als Beispiel: ePower Basic innogy; zzgl. 4,95 Euro Grundgebühr im Monat

Zum Vergleich: Ein Benziner verbraucht auf 100 Kilometer im Durchschnitt etwa 8 Liter Sprit, ein Diesel-Fahrzeug etwa 7 Liter. Bei einem Spritpreis von ca. 1,40 Euro belaufen sich die Kosten also auf 2.240 Euro (für den Benziner) bzw. auf 1.960 Euro (beim Diesel). Je nach Laufleistung sparst du mit einem E-Auto also im Jahr zwischen 600 und 2.000 Euro an Verbrauchskosten. Ein realistischer Wert sind rund 1.000 Euro Differenz.

Großer Kosten-Vergleich: E-Auto gegen Diesel und Benziner

Der ADAC hat 2020 einen breiten Kosten-Vergleich (PDF) durchgeführt und zahlreiche Elektroautos sowie Hybrid-Fahrzeuge gegen Diesel und Benziner antreten lassen. Der 2020 erhöhte Umweltbonus von bis zu 9.000 Euro sorgt dafür, dass E-Autos im Vollkosten-Vergleich besonders günstig werden: Rechnet man alle Kosten (von Kaufpreis, Versicherung, Strom/Sprit bis hin zur Wartung) zusammen, ergibt sich auf fünf Jahre oftmals eine Ersparnis von bis zu 20 Cent pro Kilometer. Beispiel BMW i3:

  • BMW i3: 59,5 Cent pro Kilometer (bei 10.000 Kilometern im Jahr)
  • BMW 118d Sport Line Steptronic (Diesel): 75,6 Cent (bei 10.000 Kilometern im Jahr)
  • BMW 118d Sport Line Steptronic (Benzin): 71,3 Cent (bei 10.000 Kilometern im Jahr)

Beispiel IONIQ Elektro:

  • IONIQ Elektro: 56,6 Cent pro Kilometer (bei 10.000 Kilometern im Jahr)
  • i30 1.0 T-GDI 48V-Mildhybrid Trend DCT (Benzin): 66,4 Cent (bei 10.000 Kilometern im Jahr)
  • i30 1.0 CRDi 48V-Mildhybrid Trend DCT (Diesel): 69,2 Cent (bei 10.000 Kilometern im Jahr)

Der Kilometerpreis sinkt mit zunehmender jährlicher Laufleistung stark – sowohl bei Verbrenner-Fahrzeugen als auch bei E-Autos. In beiden Beispielen sind die Elektroautos aber selbst bei 30.000 Kilometern im Jahr noch 5 Cent pro Kilometer günstiger. Das macht sich bemerkbar: Jedes Jahr ist das einer Ersparnis von rund 1.500 Euro.

Kosten von Elektroautos: Sparen bei Steuern und Versicherung

  • Versicherungstarife für E-Autos unterscheiden sich u.a. nach Regionalklassen, Schadenfreiheitsbetrag und persönlichen Merkmalen. Deshalb lassen sie sich nur schwer vergleichen. Viel Sparen können Elektroauto-Besitzer bei der Versicherung aber meist nicht.
  • Anders sieht es bei den Steuern aus: Elektroautos sind zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit. Daraus ergibt sich ein Ersparnis über zehn Jahre von 800 bis 2.400 Euro.
  • Außerdem gibt es für die meisten E-Autos (Neuwagen mit einem Grundpreis unter 60.000 Euro) natürlich noch die Umweltprämie vom Staat in Höhe von bis zu 9.000 Euro (je nach Kaufpreis, zudem Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge bis zu 6750 Euro). Die Prämie läuft mindestens noch bis Ende 2021 und soll dann leider reduziert werden bis Ende 2025.

Stromvergleich Ökostrom: der Ökostrom-Vergleich von Utopia

Fazit: Viele Elektroautos lohnen sich auf Dauer

Rechnet man die Sparpotentiale zusammen, kann sich ein Stromer schon nach wenigen Jahren lohnen. Nimmt man die genannten Zahlen als Grundlage, ergeben sich beispielsweise folgende Ersparnisse:

  • Wartung: ca. 100 Euro/Jahr
  • Verbrauch: ca. 1.000 Euro/Jahr
  • Kfz-Steuer: ca. 150 Euro/Jahr
  • Umweltprämie: einmalig 9.000 Euro

Nach fünf Jahren käme so eine Einsparung von etwa 15.000 Euro zusammen. Auf den Kilometer heruntergerechnet sind E-Autos dank der Umweltprämie den meisten Verbrenner-Fahrzeugen auch aus wirtschaftlicher Sicht deutlich überlegen. Differenzen von 5 bis 20 Cent pro Kilometer sind laut dem breiten ADAC-Vergleich keine Seltenheit, sodass Verbraucher*innen hier viel Geld sparen können.

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Ein Smart fortwo: In unserem Beispiel sparst du mit der Elektrovariante ab dem 6. Jahr über 1.000,- jährlich. (Foto: Daimler Global Media)

Da davon auszugehen ist, dass a) die Preise von E-Autos weiter sinken werden, b) die Preise von Benzin weiter steigen werden, und c) die Politik deutlich gemacht hat, dass sie die Elektromobilität weiter fördern will, lohnt sich auch in Zukunft ein E-Auto.

Was E-Autos kosten: Batterie mieten statt kaufen

Die hohen Anschaffungskosten für Elektroautos liegen vor allem an den Kosten für die Batterie: Sie machen etwa 7.500 Euro aus. Ein Hersteller wie Renault bietet seinen Kunden daher an, die Batterie nur zu mieten. So kostet der Renault Zoe beispielsweise nur 21.900 Euro zzgl. 59 Euro Batteriemiete im Monat (abzüglich Umweltbonus). Wer den Akku kauft, zahlt stolze 8.000 Euro mehr.

Die Entscheidung für oder gegen die Miete beim Zoe lässt sich errechnen: Wer unter 15.000 Kilometer im Jahr zurücklegt, fährt die ersten acht Jahre mit einem gemieteten Akku günstiger. Bei mehr Kilometern wäre die Akku-Miete nur noch in den ersten sechs oder sieben Jahren günstiger. Hier findest du unseren Testbericht zum Zoe:

Zusätzlich musst du beachten, dass die Akkukapazität mit Anzahl der Ladezyklen abnimmt. Experten gehen davon aus, dass die Akkus zwischen 1.000 und 3.000 Ladezyklen überdauern. Dann müssen sie ausgetauscht werden. Ein Test des ADAC hat gezeigt, dass beispielsweise die Reichweite beim Nissan Leaf nach 100.000 Kilometern um etwa zehn Prozent abnimmt.

Auch deshalb kann eine Akku-Miete sinnvoll sein – hier gibt es eine zugesicherte Akkukapazität. Auch andere Hersteller als Renault geben deshalb eine Garantie auf die Batterien, die an Laufleistung und Betriebsjahre gekoppelt ist: Bei Opel, Nissan und VW sind es beispielsweise acht Jahre oder 160.000 Kilometer, bei Kia sieben Jahre und 150.000 Kilometer und bei BMW acht Jahre und 100.000 Kilometer.

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In unserer Bestenliste E-Autos kannst du außerdem alle Elektroautos vergleichen, die zurzeit erhältlich sind:

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