Umweltbelastungspunkte: So funktioniert die Methode

umweltbelastungspunkte
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Umweltbelastungspunkte ermöglichen es, die Umweltbelastung eines Produkts oder einer Dienstleistung mittels einer Zahl darzustellen. Im Artikel erfährst du, wie das Konzept funktioniert.

Umweltbelastungspunkte sind ein mögliches Verfahren, die Ökobilanz eines Produktes darzustellen. Dafür ermitteln Wissenschaftler:innen zunächst, welche Stoff- und Energieströme im gesamten Lebenszyklus eines Produktes, einer Leistung oder Verhaltensweise entstehen. Aus den Daten schätzen die Forscher:innen die Auswirkungen auf das Klima, die Biodiversität, unsere Gesundheit und andere Faktoren ab.

Im Gegensatz zu anderen Methoden, die zum Beispiel mit der Angabe der CO2-Äquivalente arbeiten, stellen die Forschenden in diesem Konzept die Umweltauswirkungen anhand einer Punkteskala dar. Entwickelt wurde dieses Berechnungsverfahren in der Schweiz.

Umweltbelastungspunkte: Die Berechnung

Umweltbelastungspunkte sind die Summe aus den Mengen der verschiedenen Umweltbelastungen, multipliziert nach ihrem jeweiligem Ökofaktor. Dabei gilt: Je höher der Ökofaktor, desto schlimmer ist die Umweltbelastung. Als Umweltbelastungen gelten zum Beispiel die Menge an ausgestoßenem CO2, die Landnutzung oder der Energieverbrauch.

Im Detail setzt sich der Ökofaktor aus einer Charakterisierung, Gewichtung und Normierung zusammen.

  • Die Charakterisierung zeigt, wie schädlich die konkrete Umweltbelastung im Vergleich mit einem Referenzwert ist. Für die Klimaerwärmung ist CO2 der Referenzwert. Und relativ zu CO2 ist beispielsweise Methan 23 mal so schädlich.
  • Die Gewichtung berücksichtigt die Gesamtsituation in Relation zu festgelegten Grenzwerten. Das heißt konkret, dass sie zum Beispiel repräsentiert, wie weit der gesamte CO2-Ausstoß noch vom zulässigen Grenzwert entfernt ist, oder wie weit die Grenze sogar schon überschritten wurde.
  • Mit der Normierung ist schließlich dafür Sorge getragen, dass Stoffe, die schon in sehr geringen Mengen schädlich sind, stärker gewichtet werden als solche, die erst in hoher Dosierung problematisch sind.

Aktualisierung der Ökofaktoren

Länderspezifische Gesetze sind die Grundlage für die Ökofaktoren.
Länderspezifische Gesetze sind die Grundlage für die Ökofaktoren.
(Foto: CC0 / Pixabay / jessica45)

Die Ökofaktoren basieren auf Gesetzgebungen oder politischen Zielen. Je mehr ein Land seine definierte Schwelle, beispielsweise für Emissionen, überschreitet oder ein Umweltschutz-Ziel verfehlt, desto größer wird der Ökofaktor. Das heißt, die Ökofaktoren müssen mit der Gesetzgebung regelmäßig aktualisiert und länderspezifisch entwickelt werden.

Besonders im Ursprungsland der Schweiz aktualisieren Wissenschaftler:innen die Faktoren regelmäßig. Seit der letzten Aktualisierung 2013 ist eine neue Übersicht der Ökofaktoren für 2021 veröffentlicht worden. Auch in Deutschland gibt es diesbezüglich wissenschaftliche Forschung und Projekte, auch wenn das Verfahren hier noch weniger populär ist. So hat zum Beispiel das Unternehmen Volkswagen 2014 initiiert, dass für Deutschland gültige Ökofaktoren bestimmt werden.

Das bedeuten Umweltbelastungspunkte

1000 Umwetbelastungspunkte entsprechen 300 Gramm Brot.
1000 Umwetbelastungspunkte entsprechen 300 Gramm Brot.
(Foto: CC0 / Pixabay / fancycrave1)

Auf Basis der Schweizer Ökofaktoren 2013 gibt es eine Übersichtstabelle zur Bedeutung von 1000 Umweltbelastungspunkten. Mit einer durchschnittlichen Lebensweise generierst du demnach alle 25 Minuten 1000 Umweltbelastungspunkte (UBP).

  • Wenn du jedoch ein Rindersteak isst, sollten die Punkte deutlich in die Höhe schnellen. Schließlich entsprechen 1000 UBP gerade einmal 12 Gramm Steak.
  • Bei Brot kannst du etwa 300 Gramm für dieselbe Menge für 1000 Punkten essen.
  • Am Laptop kannst du für 1000 Umweltbelastungspunkte wiederum ganze 20 Stunden arbeiten.

Umweltbelastungspunkte: Vor- und Nachteile

Besonders anhand praktischer Beispiele sind die Umweltbelastungspunkte eine nützliche und anschauliche Methode, um Alternativen hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit zu vergleichen. So musst du nicht Daten für CO2-Emissionen, Fläche oder Wasser extra recherchieren, sondern kannst dich an einem Wert orientieren, der all diese Faktoren miteinschließt.

Der Weg zu der einfach verständlichen Punkteübersicht ist dagegen recht aufwändig. Wissenschaftler:innen müssen die Ökofaktoren schließlich für jedes Land einzeln bestimmen und mit jeder Gesetzesänderung anpassen.

Ein weiterer kritischer Punkt ist diesbezüglich der Fokus auf individuelle Bestimmungen einzelner Länder. So haben Länder teilweise unterschiedliche Grenzen für CO2-Emissionen. Jedoch beeinflussen diese den gesamten Planeten – schließlich kennt die Klimakrise keine Landesgrenzen. In solchen Fällen wäre eine globale Betrachtung sinnvoller. Bei anderen Themen macht eine regionale Betrachtung mehr Sinn, wie zum Beispiel beim Wasserverbrauch. In diesem Fall spielen lokale Quellen und Gewässer eine wichtige Rolle und können je nach Region variieren.

Für eine erste Übersicht kann es also hilfreich sein, die Umweltbelastungspunkte zu betrachten. Bei komplexeren Produkten beziehungsweise Produkten aus anderen Ländern ist jedoch oft ein detaillierter Blick auf die Landesbestimmungen und eventuell auch auf die einzelnen Umweltbelastungen nötig.

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