Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit: Das sind die Vor- und Nachteile

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Bei Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit sind Kunden auch gleichzeitig Eigentümer. Das hat Vorteile für die Kunden, hat aber Nachteile im Wettbewerb.

Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, dieser sperrige Name steht für eine Versicherung, von Mitgliedern für Mitglieder. Ganz im Sinne der ursprünglichen Bedeutung von Versicherungen: Eine Gemeinschaft tritt im Einzelfall für ihre Mitglieder ein und bietet so finanziellen Schutz.

Der Gemeinschaftsgedanke oder das Personalitätsprinzip, zieht sich wie ein roter Faden durch die Organisation des Versicherungsvereins.

  • Das Ziel eines Versicherungsvereins ist es, seinen Mitglieder bestmöglichen Schutz zu guten Konditionen zu ermöglichen.
  • Die Versicherten sind seine Mitglieder und damit gleichzeitig seine Eigentümer.
  • Somit entscheiden die Mitglieder über die Führung des Unternehmens. Aus ihren Reihen wählen sie die Vertreter für das oberste Gremium oder die oberste Vertretung.
  • Alle Kosten und Investitionen, wie zum Beispiel für eine neue IT-Infrastrukturen muss ein Versicherungsverein selbst erwirtschafteten und kann dafür nicht einfach einen Kredit aufnehmen. Dafür gibt es keine Geldgeber außerhalb des Vereins, die Ansprüche auf den Gewinn stellen könnten.
  • Von dem verbleibenden Gewinn erhalten die Mitglieder eine Überschussbeteiligung.

Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit – meistens offen für Alle, aber es gibt Ausnahmen

Versicherungsvereine sind tätig als:

  • regionale Krankenversicherungen
  • Lebensversicherer und Pensionskassen
  • Unfall oder Gebäudeversicherungen, inkl. Solarversicherungen

Eine Liste der Arbeitsgemeinschaft der Versicherungsvereine gibt dir einen Überblick über die meisten in Deutschland tätigen Versicherungsvereine.

In der Regel erwirbst du mit dem Kauf einer Versicherung auch die Mitgliedschaft. Diese endet meist, wenn der Versicherungsvertrag ausläuft.

Einige Versicherungsvereine sind jedoch nur bestimmten Gruppen oder Berufen vorbehalten, wie zum Beispiel bei Steuerberatern, Geistlichen oder Mitgliedern von Landwirtschafts- und Gartenbaubetrieben.

Diese Bindung erinnert noch an den Ursprung der Versicherungen, die Unterstützungs- und Vorsorgekassen der mittelalterlichen Zünfte.

Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit – die Vorteile

Versicherungsvereine sind interessant durch günstige Preise.g
Versicherungsvereine sind interessant durch günstige Preise.g (Foto: CC0/pixabay/nattanan23)

Die Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit sind häufig kleinere lokale Versicherungen, die in ihrer Region verwurzelt sind und eine überschaubare Verwaltung haben.

Die Stärken von Versicherungsvereinen: 

  • Sie sind nah am Kunden und gehen auf seine Bedürfnisse ein.
  • Sie sind oft Vorreiter für neue Versicherungsprodukte, oft mit nachhaltigem Ansatz.
  • Sie können zu günstigen Preisen Versicherungen anbieten.
  • Sie sind unabhängiger von Entwicklungen an der Börse. Besonders bei langfristigen Versicherungsverträgen, wie Lebensversicherungen ist das ein Vorteil gegenüber anderen Versicherungsgesellschaften.
  • In einem stabilen Geschäftsumfeld sind sie Aktiengesellschaften sogar überlegen.

So untersuchte zum Beispiel Stiftung Warentest die Höhe der Rentenzahlungen bei Pensionskassen, die vorderen Plätze belegten dabei Versicherungsvereine.

Auch bei Ökotest fielen die Hausratversicherungen der Oldenburger und der Ammerländer Versicherung mit überdurchschnittlichen Leistungen auf. Beides sind Versicherungsvereine.

Ein weiteres Beispiel: Das Fachmagazin der Versicherungswirtschaft ASSCompact berichtete von neuen Krankenzusatzversicherungen der Vigo Versicherung mit nachhaltigem ökologischen Ansatz. So sieht zum Beispiel die Auslandskrankenversicherung einen kleinen Bonus vor, wenn du deine Reise umweltfreundlich mit Unterkunft oder Transportmittel organisiert hast.

Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit – die Nachteile

Der Nachteil bei Versicherungsvereinen ist die schnelle Finanzierung.
Der Nachteil bei Versicherungsvereinen ist die schnelle Finanzierung. (Foto: CC0/pixabay/ID 777546)

Die Einschränkungen auf Eigenkapital bei der Finanzierung hat auch eine Kehrseite, denn Versicherungsvereine können nur langsam reagieren, wenn sie plötzlich viel Geld braucht. Eine Aktiengesellschaft ist flexibler und schneller, weil sie jederzeit Geld am Kapitalmarkt aufnehmen kann.

Gerade in den letzten zehn Jahren öffnete sich der Markt für Versicherungen zunehmend und der Wettbewerb untereinander nahm zu. Viele Versicherungen schlossen sich zu Konzernen zusammen und gründeten Gesellschaften im Ausland. In diesem Wettbewerb um schnelles Wachstum tun sich die Versicherungsvereine schwer.

Daher haben viele der Versicherungsvereine nur noch die Vereinsstruktur als Konzernmutter. Darunter übernehmen neu gegründete Tochtergesellschaften das Versicherungsgeschäft. Die Töchter sind Aktiengesellschaften und können sich so leichter mit Kapital über den Aktienmarkt versorgen.

Wenn du wissen, möchtest, wer deine Versicherung verkauft hat, erkennst du das in den Versicherungsbedingungen am rechtlichen Nameszusatz der Versicherung.

  • Die Abkürzung „VVaG“ steht für Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit.
  • Steht „AG“ ist es eine Aktiengesellschaft.

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