Vögel füttern: 10 wichtige Tipps

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Nicht nur im Winter stellen sich viele Menschen die Frage, ob und wie man am besten Vögel füttern soll. Supermärkte bedienen den Wunsch, Tieren zu helfen, mit fertigen Meisenknödeln. Aber ist das Vögelfüttern wirklich sinnvoll?

Die Frage ist ganz einfach zu beantworten: Kommt darauf an. Nämlich erstens auf die Wetterverhältnisse und zweitens auf das Vogelfutter. Ganz allgemein kann man sagen, dass das Thema auch unter Experten umstritten ist. Sicher ist, dass die falsche Vogelfütterung mehr schadet als nützt. Beachtet man jedoch einige Regeln, ist nichts dagegen zu sagen.

1. Vögel nur im Winter füttern vs. Ganzjahresfütterung

Auch in der kalten Jahreszeit finden die meisten Vögel eigentlich genug Nahrung, um über den Winter zu kommen. Wirklich hart wird es für dieTiere allerdings, wenn zwischen Dezember und Februar örtlich der Boden zufriert oder er wegen einer geschlossenen Schneedecke für sie unerreichbar ist. Dass die Winterfütterung zumindest dann sinnvoll ist, glauben die meisten Experten.

Ob man Vögel auch im Sommer füttern soll, ist aber selbst unter Experten stark umstritten. Grob gesagt stehen sich hier die Annahme, die Vögel fänden aufgrund von Monokulturen, fehlenden Hecken und Pestizideinsatz heutzutage zu wenig Futter und die Annahme, eine Fütterung im Sommer könne die Vögel krank und „abhängig“ machen entgegen. Richtig ist in jedem Fall: Die Gefahr, dass das Futter verdirbt, ist bei bei warmen Temperaturen höher als bei Frost. Wenn man sich entschiedet, auch im Sommer zu füttern, sollte man daher unbedingt immer ein Auge auf die Futterstelle haben und sie regelmäßig reinigen.

Ein hilfreiches Pro & Contra zum Thema sowie Tipps gibt es beim LBV München.

2. Nicht zufällig und punktuell füttern

Am 1. Dezember fünf Meisenknödel auszuhängen und die Sache damit abzuhaken ist nicht sinnvoll. Wer Vögel füttert, sollte es dauerhaft tun, bis die Zeit der Minusgrade vorbei ist, denn natürlich stellen sich die Vögel auf das zusätzliche Angebot ein – entsprechend fehlt es, wenn es dann plötzlich ausbleibt, womöglich zu einem Zeitpunkt, wo der eigentliche Winter erst richtig einsetzt.

3. Vögel füttern: den richtigen Ort wählen

Vogelfutter ist Nahrung und als solche gammelt sie im Freien bei Nässe genauso wie alles andere auch. Achte darauf, das Futter witterungsgeschützt aufzustellen oder auszuhängen und regelmäßig zu überprüfen. Es sollte aber frei genug stehen, dass die Vögel einen Blick auf möglicherweise nahende Feinde haben können. Futterstellen sollten sich außerdem nicht in der Nähe von Fensterscheiben befinden: Halte stets einige Meter Abstand. Wenn das nicht geht, empfiehlt der NABU, Futterstellen direkt am Fenster einzurichten; durch den geringen Abstand ist die Verletzungsgefahr bei Kollisionen geringer. So kann man zum Beispiel auch Vögel auf dem Balkon füttern.

Wer selbst keinen geeigneten Ort für ein Vogelhäuschen hat, aber den Vögeln gerne zusehen will, kann einfach mal die Futterhaus- bzw. Nistkasten-Webcam des LBV besuchen.

Vögel füttern: Tipps
Vögel füttern geht nicht nur mit Meisenknödeln. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay.com)

4. Meisenknödel im Plastiknetz vermeiden

Der NABU warnt davor, die klassischen Meisenknödel in Plastiknetzen aufzuhängen, die jeder Supermarkt anbietet: Vögel könnten sich mit ihren Beinen darin verheddern und verletzen. Zudem landen die leeren Netze immer weider in der Natur, wo sie eine Gefahr für viele Wildtiere darstellen.

Besser ist es, Meisenknödel, die ohne Netz auskommen, in einer speziellen Gitterkonstruktion anzubieten.

Selbst gemachte Meisenknödel sind ein Leckerbissen für Vögel im Winter
Meisenknödel sollte man besser ohne Plastiknetz in einer Gitterkonstruktion anbieten. (Foto: CCO / Pixabay / Gellinger)

5. Beim Vögel füttern Ambrosia vermeiden

Ambrosia ist eine aus Nordamerika eingeschleppte Pflanze, die man bei uns für eine Zunahme von Allergien verantwortlich macht. Die Samen stammen meist aus verunreinigtem Futter, eben auch Vogelfutter. Wichtig ist daher Vogelfutter zu kaufen, das als „Ambrosia-frei“ oder „Ambrosia-kontrolliert“ gekennzeichnet ist (etwa im LBV-Shop). Allerdings gibt es keine unabhängige Zertifizierung dafür; die Kollegen von Öko-Test fanden 2010 selbst darin noch vereinzelt Spuren von Ambrosia – das ist allerdings auch schon wieder ein paar Jahre her.

6. Vogelfutter und Vogelhäuschen selber machen

Wer ganz sicher gehen will, macht sein Vogelfutter einfach selbst: Der NABU bietet beispielsweise eine Anleitung, wie du Meisenknödel und Futterglocken selber herstellen und Futterhäuschen bauen kannst.

In unserem Beitrag zeigen wir Ideen, wie du Vogelfutter selber machen kannst – aus heimischen Zutaten.

7. Tauben füttern: vielerorts verboten

Rechtlich gesehen darf man in den meisten Städten auch auf dem Balkon alle Singvögel füttern – nicht jedoch Tauben. Diese sind in vielen Städten nicht mehr willkommen und die Fütterung gesetzlich verboten.

Der LBV schreibt dazu: „Die Fütterung von Stadttauben ist […] aus Tierschutz- und Hygienegründen nicht sinnvoll.“ Der Kot der Tauben beinhalte Krankheitserreger und sei ätzend, was die Fassaden von Gebäuden schädigen könne. Weiter heißt es, das große Futterangebot in Städten erlaube es Stadttauben ganzjährig zu brüten und sich stark zu vermehren. „Dadurch kommt es zu einer Knappheit an Nistplätzen und teils auch an Futter.“ Die Empfehlung: „Schränkt man das Futterangebot ein, so sinkt der Taubenbestand auf eine sozusagen natürliche Populationsgröße. Diese ist wichtig für einen gesunden Bestand der Art.“

Ob das Fütterungsverbot wirklich sinnvoll ist können und wollen wir nicht beurteilen – rein rechtlich gesehen, können wir aber nicht empfehlen, Tauben zu füttern.

Damit Tauben außen vor bleiben, eignen sich beim Vögelfüttern auf dem Balkon hängende Futterknödel oder -gitter (die Tauben sind zu schwer für sie) und Futterhäuschen mit kleinem Eingang (nur kleine Vögel haben hier Zugang).

8. Experten suchen

Eine sinnvolle Alternative zur Amateurfütterung ist, sich lokalen Vogelvereinen anzuschließen, denn viele unterhalten eigene Futterstätten und Nistkästen. Eine Web-Suche nach Begriffen wie Vogelverein mit dem jeweiligen Stadtnamen (eventuell eine größere Stadt in der Nähe wählen) führt meist schnell zum Ziel. Ein Faltblatt zur Winterfütterung verschickt der LBV, auch der NABU informiert zur Winterfütterung.

9. Für den Vogelschutz spenden statt Vögel füttern

Die meisten Vogelarten, die wir als Amateure per Fütterung erreichen können, sind nicht bedroht, umgekehrt können wir wenig tun, den wirklich bedrohten Arten zu helfen. Statt 5 Euro für Billig-Meisenknödel auszugeben – oder natürlich zusätzlich zur eigenen, richtigen Fütterung – ist es daher sinnvoll, dieses Geld einer anerkannten Naturschutzvereinigung oder einem Vogelschutzverband zu spenden.

10. Garten nicht „aufräumen“

Viele lieben es ordentlich und machen ihren Garten zu „sauber“. Das Gegenteil zu tun kann Vögeln ebenfalls helfen, weil sie dann natürliche Nahrungsquellen finden. Lass hierfür zum Beispiel etwas Laub und Fallobst am Boden liegen und abgeblühte Stauden stehen. (Mehr Tipps gibt es in unserem Beitrag Die schlimmsten Öko-Sünden im Garten).

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(2) Kommentare

  1. Wir haben hier im Südwesten Berlins einen recht großen alten Garten, der seit Jahrzehnten naturnah gestaltet ist. Ich habe noch nie Vögel im Winter gefüttert, der Garten ist nicht „aufgeräumt“, nicht mal im Sommer. Vögel und anderes Getier(Insekten aller Art, Mäuse, usw.) finden immer genug zu fressen. Momentan ist es ja ar…kalt, da habe ich festgestellt, dass heruntergefallene Äpfel, die ich an einigen Stellen liegen gelassen hatte und die wochenlang verschmäht wurden, jetzt verschwunden sind. Stauden lasse ich über den Winter stehen. Und in dem Laub, welches in den Beeten liegen bleibt, kratzen die Amseln herum. Also ich brauche kein Vogelfutter zu kaufen.

  2. Ich finde es steht viel Wahres in dem Bericht, aber auch zu kritisierendes.

    So wird bereits seit geraumer Zeit von Prof. Peter Berthold vom Max-Planck-Institut für Ornithologie auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Vögel über den ganzen Jahresverlauf zu füttern, wenn auch mit angepassten Futtermitteln.

    So füttert man im Winter sicherlich fetthaltigeres Futter, mit einer höheren Nährstoffkonzentration, als im Sommer, aber auch im Sommer finden die Vögel heute weder genug Sämereien, als auch bedrohlicher Weise immer weniger Insekten.

    Auch den Hinweis, statt selbst zu füttern liebe zu spenden, möchte ich mal aus anderer Sicht beleuchten.

    Viele der genannten Organisationen haben mit dem Schutz von Vögeln gar nicht zu tun, einige weisen Entwicklungen auf, die den Bestand der Vögel nachweislich schädigen.

    Es bringt den Vögeln nur wenig, beispielsweise dem Nabu eine Spende zukommen zu lassen, der damit ein Studie finanziert, oder ein Biotop ankauft oder damit seine Personalkosten deckt, wenn sie im Garten in den Alleen auf den Plätzen sitzen und verhungern.

    Gerade die dezentrale Fütterung erreicht eine Vielzahl an Individuen und Arten.

    Ich rate jedem zu füttern und sich an dem lebhaften Treiben zu erfreuen.

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