Vogelfreundlicher Garten: Das kannst du zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen

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Viele unserer Vögel finden in der freien Natur keinen passenden Lebensraum. Ein vogelfreundlicher Garten bietet das ganze Jahr über Nahrung und geeignete Nistplätze.

Etwa drei Viertel der Vogelarten in Deutschland sind bedroht und stehen auf der Roten Liste vom NABU. Unser Lebensstil zerstört den Lebensraum vieler Vögel – natürliche Landschaften mit Wäldern, Wiesen und Feuchtgebieten weichen Wohngebieten oder Industrieanlagen. Auch unsere Landwirtschaft bedroht die Vögel: Die weiten Felder bieten ihnen keinen Schutz, giftige Pestizide und Insektizide töten potenzielle Nahrung und schwächen ihre Gesundheit. Da Vögel in ländlichen Regionen oft keinen geeigneten Lebensraum finden, werden Gärten zu Zufluchtsorten. Ein vogelfreundlicher Garten kann zur Artenvielfalt beitragen.

In diesem Artikel erfährst du:

  • wie du deinen Garten vogelfreundlich gestalten kannst
  • welche Pflanzen sich dafür eignen
  • wie du deinen vogelfreundlichen Garten richtig pflegst
  • wie du Mauern und Terassen vogelfreundlich gestalten kannst
  • wie du Vögeln eine geeignete Wasserstelle anbietest.

Abschließend beantworten wir die Frage, ob du Nistkästen aufstellen und die Vögel zusätzlich füttern solltest.

Garten vogelfreundlich gestalten

Ein vogelfreundlicher Garten richtet sich nach den Bedürfnissen der Vögel.
Ein vogelfreundlicher Garten richtet sich nach den Bedürfnissen der Vögel. (Foto: CC0 / Pixabay / MichaelGaida)

Ein vogelfreundlicher Garten sollte dem natürlichen Lebensraum der Tiere möglichst ähnlich sein.

Dafür solltest du dich zunächst mit den Vögeln deiner Region vertraut machen: Welche Arten gibt es, was fressen sie, wie nisten sie? Anschließend kannst du deinen Garten so gestalten, dass sie das ganze Jahr über Nahrung und Schutz finden. Je abwechslungsreicher und üppiger ein Garten bepflanzt ist, umso mehr bietet er den Vögeln: Knospen, Samen und Früchte als Nahrung, Laub als Schutz und Nistmaterial.

  • Früchte und Samen sind die wichtigste Nahrungsquelle für Vögel. Sie verbreiten viele Samen und erhalten so eine gesunde Artenvielfalt.
  • Insekten, Spinnen, Schnecken und Käfer sind wertvolles Futter für Jungvögel. Ein insektenfreundlicher Garten ist ein vogelfreundlicher Garten.
  • Laubreiche Pflanzen bieten Vögeln Schutz und Nistplätze: Sträucher, Büsche, Hecken, Stauden und Bäume.
  • eine abwechslungsreiche Bepflanzung lockt Vögel das ganze Jahr über an.

Die Vögel helfen dir im Garten, indem sie Insekten und Schädlinge wie Raupen oder Blattläuse fressen. Allerdings mögen sie auch selber gerne Obst und Blumen. Eine vogelfreundliche Gartengestaltung bedeutet, dass du einen Teil deiner Ernte für Vögel stehen lässt – den sogenannten Vogelzehnten – und auch deine Blumen in erster Linie als Nutz- und weniger als Zierpflanzen ansiehst.

Tipp: Beobachte die Vögel in deinem Garten, um ihre Bedürfnisse kennenzulernen. Plane dafür einen Beobachtungsplatz mit ein, vom dem aus du die Vögel beobachten kannst, ohne sie zu stören.

Vogelfreundliche Bepfanzung

Eine abwechslungsreiche Bepflanzung bietet Vögeln Nahrung.
Eine abwechslungsreiche Bepflanzung bietet Vögeln Nahrung. (Foto: CC0 / Pixabay / klausPeter)

Den natürlichen Lebensraum der Vögel ahmst du am besten mit heimischen Pflanzen nach. Ideal ist eine abwechslungsreiche Bepflanzung für möglichst viele Vogelarten. Dafür kannst du ein Biotop mit mehreren Ebenen schaffen, von einer vogelfreundlichen Wiese bis zum Nistbaum. Wenn du nur noch wenig Gestaltungsspielraum in deinem Garten oder auf deinem Balkon hast, kannst du die Vögel mit einzelnen Pflanzen erfreuen. Besonders im Winter zählt jede Nahrungsquelle.

  • Rasenflächen nutzen Vögel, um Insekten und Würmer zu finden, Samen von Frühjahrskräutern wie Löwenzahn oder Klee dienen als Nahrung. Lass den Pflanzen genug Zeit, Samen auszubilden, bevor du mähst. Vermeide Schädlings- und Unkrautvernichter auf deinem Rasen. Vögel freuen sich außerdem über Ameisenbaue, kahle Erdstellen zum Staubbaden und Würmer, die beim Wässern hochgespült werden.
  • Wildblumen und Gräser sind eine Nahrungsquelle für Vögel. Lass sie stehen, nachdem sie verblüht sind – so bilden sie Samen aus, die die Vögel fressen. Hohe Wiesen locken außerdem Insekten, Schnecken und Mäuse oder Maulwürfe an, die Raubvögeln als Nahrung dienen. Für die Blumenwiese eignen sich zum Beispiel Engelwurz, Weißer Gänsefuß, Schafgarbe, Disteln und Ziergräser.
  • Bodendecker erfreuen Vögel mit Samen und Insekten. Sie wachsen dicht und schnell und bieten so eine gute Deckung. Geeignete Bodendecker sind unter anderem Johanniskraut, Zwergwacholder, Erika, Geissblatt, Taubnessel, Efeu oder Walderdbeeren.
  • Blumenbeete bieten Vögeln Nektar, Blüten, Früchte und Samen. Im Frühling eignen sich zum Beispiel Forsythien, Blauregen, Krokusse, Primeln, Veilchen, Gänseblümchen und Vergissmeinnicht. Vögel fressen nicht nur ihre Samen, sondern auch Blattläuse oder Nacktschnecken, die von den Blumen angelockt werden. Lass die Blumen nach der Blüte stehen, damit Samen und Früchte reifen können. Im Herbst bieten Sonnenblumen, Disteln, Fingerhut, Ziergräser, Nachtkerze und Berberitze den Vögeln Nahrung.
  • Sträucher in sommer- und immergrünen Varianten bieten Vögeln Schutz und tragen Früchte, die teilweise bis in den Winter hängen. Sie sind eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel. Sträucher bieten zudem schöne Akzente im Garten und sind pflegeleicht. Vogelfreundliche Sträucher sind zum Beispiel Haselnuss, Mahonie, Schneeball, Berberitze oder Feuerdorn.
  • Hecken sind ideale Nistplätze und bieten Vögeln Schutz vor Katzen oder Räubern. Sie sollten mindestens anderthalb Meter hoch und einen Meter breit sein. Besonders vogelfreundlich ist es, wenn du verschiedene Heckenarten kombinierst – so gibt es länger Blüten und Früchte. Geeignete Hecken sind Schlehen, Weißdorn, Holunder, Zwergmispel sowie Stechpalmen und Liguster mit Beeren im Winter.
  • Kletterpflanzen schaffen auch in kleinen Gärten zusätzlichen Raum, in dem Vögel ruhen oder Futter finden. Vogelfreundliche Kletterpflanzen sind zum Beispiel Clematis, Passionsblumen, Windenspross, Wilder Wein oder Efeu, der erst im Herbst blüht und im Winter Früchte trägt.
  • Bäume bieten ebenfalls Orte, an denen Vögel ungestört nisten und singen können. Der zusätzliche Lebensraum sorgt außerdem für Nahrung: Blüten, Kätzchen, Früchte und Raupen. Einen Baum kannst du übrigens gut mit Wildblumen unterpflanzen. Am besten eignen sich sommergrüne Waldbäume wie Eichen, Weiden oder Pappeln. Ungeeignet sind Linden oder Eiben.

Achte bei der Auswahl der Pflanzen darauf, was in deinen Garten passt. Dafür solltest du beachten, wie groß dein Garten ist, welches Klima ihn umgibt und wie der Boden beschaffen ist. Informiere dich am besten mit einem Gartenlexikon, welche Pflanzen zu deinem Garten passen und wie du sie kombinieren kannst, damit sie den Vögeln das ganze Jahr Futter bieten.

Vogelfreundliche Gartenpflege

Achte bei der Gartenpflege unbedingt auf nistende Vögel.
Achte bei der Gartenpflege unbedingt auf nistende Vögel. (Foto: CC0 / Pixabay / papaya45)

Vögel mögen am liebsten einen leicht verwilderten Garten. Wenn du darauf verzichtest, Unkraut und Schädlinge zu bekämpfen, bleibt mehr Futter für sie erhalten. Dichtes Laub bietet den Vögeln Schutz, hier können sie ruhen und nisten.

  • Damit deine Sträucher, Büsche und Bäume viel Laub tragen, solltest du sie regelmäßig stutzen. So bleiben die Pflanzen gesund und wachsen dichter.
  • Schneide Sträucher und Hecken im späten Winter oder zu Beginn des Frühlings zurück. So bleiben Samen so lange wie möglich erhalten. Wichtig ist, dass du deine Pflanzen zurückschneidest, bevor Vögel in ihnen nisten. Kontrolliere vor jedem Schnitt, ob das der Fall ist.
  • Schneide Sträucher und Hecken abwechselnd alle zwei Jahre. So können sie abwechselnd blühen und Vögeln Nahrung bieten.
  • Lass verdorrte Stauden und Blüten stehen und absterben. Die Samen sind wichtige Nahrung für Vögel. Früchte solltest du voll ausreifen lassen, damit die Vögel sie fressen können.
  • Unkraut dient Vögeln ebenfalls als Nahrung. Um es unter Kontrolle zu halten, kannst du Klee und Bochshorn unterhacken oder rausziehen und liegenlassen. Unkraut mit tiefen Wurzeln wie Giersch, Brennnesseln, Disteln oder Brombeeren kannst du regelmäßig umgraben.
  • Schädlinge wie Raupen, Schnecken, Blattläuse und Larven sind besonders für Jungvögel wertvolles Futter. Wenn sie allerdings zur Plage werden, kannst du sie absammeln oder mit Folie oder Klebestreifen fangen und den Vögel servieren.

Chemische Pflanzenschutzmittel oder Insektizide bekämpfen die natürliche Lebensgrundlage von Vögeln und haben in einem vogelfreundlichen Garten nichts verloren.

Terrasse, Pergola und Co vogelfreundlich gestalten

Auch Mauern lassen sich vogelfreundlich gestalten.
Auch Mauern lassen sich vogelfreundlich gestalten. (Foto: CC0 / Pixabay / jill111)

Du kannst selbst kahle, nicht-grüne Flächen in deinem Garten oder auf deiner Terrasse oder Balkon vogelfreundlich gestalten:

  • Pergolen und Rankgitter stützen Kletterpflanzen oder dienen als Spalier für Obstbäume. Eine Ranksäule bietet Vögeln Nistplätze und Futter – sie ist eine einfache und schnelle Alternative zu einem Baum. Sie schützt die Vögel außerdem vor Regen und Wind.
  • Steingärten an Hängen bieten vielen Pflanzen Platz, die Vögel mit Nahrung versorgen. Auch in Steinritzen finden Vögel Nahrung.
  • Mauern und Böschungen können mit Kletterpflanzen oder fertigen Pflanzkörben verkleidet werden. Einige Vögel nisten auch in Mauerlöchern.
  • Auf einer Terrasse kannst du einen Lebensraum auf mehreren Ebenen schaffen: Von Hänge- und Kletterpflanzen über Hochbeete zu Blumenkübeln zu Kräutern und Topfpflanzen. Ein Futterhaus oder ein Vogelbad finden selbst auf einer kleinen Terrasse oder Balkon Platz.

Vogelfreundliche Wasserstellen im Garten

Wasserstellen sind für Vögel vor allem im Winter sehr wichtig.
Wasserstellen sind für Vögel vor allem im Winter sehr wichtig. (Foto: CC0 / Pixabay / Gotti1979)

Vögel brauchen Wasserstellen um zu trinken, zu baden oder ihr Futter einzuweichen. Besonders wichtig sind Wasserquellen im Winter: Natürliche Quellen sind oft eingefroren, die Vögel benötigen aber viel Wasser, da sie im Winter hauptsächlich trockene Samen und Früchte fressen.

  • Eine einfache Wasserquelle im Garten ist ein Vogelbad, fließendes Wasser ist noch besser. Ein natürlicher Wasserlauf, Brunnen oder Fontänen versorgen Vögel stetig mit frischem Wasser.
  • Gartenteiche und Wassergärten sind noch beliebter bei Vögeln. Die Biotope bieten kleine Wassertiere, Frösche und Fische als Nahrung und locken besondere Vögel wie Enten oder Reiher an. Geeignete Pflanzen für Teich und Ufer sind Blutweiderich, Sumpfdotterblumen, Schwertlilien, Seerosen, Rohrkolben, Stiefmütterlein, Primeln, Farn und hängender Efeu. Deinen Teich kannst du einfach mit etwas Wasser aus einem anderen Teich beleben und darin Laich aussetzen. Wasserkäfer, Libellen und andere Insekten folgen von alleine.

Nistkästen im Garten

Vögel haben unterschiedliche Ansprüche an ihren Nistplatz.
Vögel haben unterschiedliche Ansprüche an ihren Nistplatz. (Foto: CC0 / Pixabay / susannp4)

Nistkästen in Gärten bieten Vögeln, die keinen natürlichen Nistplatz finden, eine Zuflucht. Davon profitieren besonders Vogelarten, die in seltenen Höhlen nisten, wie Meisen, Stare oder Kleber.

Ob du den Nistkasten selbst baust oder fertig kaufst, ist dir selbst überlassen. Achte jedoch darauf, dass er eine gute Qualität aufweist und die Bedürfnisse der Vögel erfüllt. Auch hier gilt: Beobachte die Vögel in deinem Garten und wähle einen Nistkasten aus, der ihren Bedürfnissen entspricht. Der Nistkasten sollte wasserdicht und am besten aus Holz und ungiftig imprägniert sein.

Du erkennst gute Nistkästen an:

  • Einem abnehmbaren Dach, das dir das Reinigen des Nistkastens erleichtert,
  • einem ausreichend großen und glatten Flugloch,
  • einer rauen Rinde, die Vögeln Halt gibt,
  • einem schrägen Dach, das Regen abfließen lässt.

Den geeigneten Nistkasten solltest du sicher befestigen und jedes Jahr vor der Nistzeit prüfen, ob er sicher hängt. Zudem solltest du ihn jede Saison sauber machen und alte Nester entfernen. Vögel hinterlassen oft tote Eier oder Nestlinge, Krankheiten und Parasiten. Das Reinigen ist wichtig, damit sich die nächste Generation nicht infiziert.

Tipp: Vögel sind sehr wählerisch, wenn es um ihr Nest geht. Suche dem Nistkasten deshalb einen geschützten Platz, der gut aus dem Flug zu erreichen ist. Es kann drei bis vier Jahre dauern, bis Vögel den Nistkasten annehmen.

Vögel zusätzlich füttern

Vogelfütterungen ziehen vor allem stabile Populationen an
Vogelfütterungen ziehen vor allem stabile Populationen an (Foto: CC0 / Pixabay / Oldiefan)

Die Frage, wann und ob Vögel zugefüttert werden sollten, ist sehr umstritten. Natürliche Nahrung durch vogelfreundliche Pflanzen ist immer besser für die Artenvielfalt als zugefüttertes Futter. Laut dem NABU ziehen Vogelfütterungen im Garten nur etwa zehn bis 15 Vogelarten an, von denen die meisten eine stabile Population haben. Bedrohte Vogelarten profitieren also kaum. Mit einem abwechslungsreichen, vogelfreundlichen Garten kannst du weit mehr Vogelarten anziehen. Eine Zufütterung schadet den Vögeln allerdings nicht, auch im Sommer nicht.

Für deinen Garten kannst du die Frage nur selbst beantworten. Dafür beobachtest du am besten die Vögel in deinem Garten: Welche Vögel gibt es, welche Bedürfnisse haben sie und erfüllt dein Garten diese Bedürfnisse? Wenn dir Mängel auffallen, kannst du entweder entsprechende Pflanzen einpflanzen oder zufüttern.

  • Streu immer nur so viel zusätzliches Futter, wie tatsächlich gefressen wird. Ansonsten lockst du Ratten und andere Kleintiere an.
  • Such eine sichere Futterstelle. Sie sollte mindestens zwei Meter von Büschen entfernt sein.
  • Achte darauf, dass die richtigen Vögel das Futter fressen. Größere Vögel kannst du mit grobem Maschendraht fernhalten. Es gibt auch spezielle Futterhäuser für kleine Vögel mit einem Gitter, das größere Vögel abhält.

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(2) Kommentare

  1. Sehr geehrte Frau Hagenau,

    das ist ja insgesamt ein recht netter Artikel.
    Allerdings tun sich mir beim lesen zwei Fragen auf.
    Was sucht die Forsythie als Strauch im Blumenbeet?
    Und was genau sucht die Erwähnung der Forsythie in diesem Artikel, ist sie doch eine Zierpflanze ohne beachtenswerten ökologischen Nutzen und somit ungeeignet für Insekten- sowie Vogelschutz.
    Darüber hinaus finde ich es bestürzend, dass der Begriff Unkraut zusammen mit heimischen Pflanzen wie der Brennnessel fällt, die doch nachgewiesen so viel mehr Tieren als Futterpflanze dient als irgendein Ziergewächs aus dem Baumarkt.
    Man sollte nichtheimischen Rhododendron, Ziergeranie und co. lieber als Unkraut ansehen.

    Vielen Dank,
    Der Paul

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