Unterwegs kostenlos Leitungswasser abfüllen: Der Refill-Sticker zeigt, wo es möglich ist

Refill Deutschland, Leitungswasser kostenlos auffüllen
Fotos: Refill Hamburg; © Jo Ann Snover - Fotolia.com; CC0 Public Domain / Unsplash - alisa anton

Die Idee ist simpel und genial: Statt Wasser unterwegs in Plastikflaschen zu kaufen, einfach Leitungswasser abfüllen. Doch wo? Eine Karte zeigt alle Orte in Deutschland, an denen man kostenlos Leitungswasser bekommt. Refill Aufkleber zeigen vor Ort, welche Geschäfte sich beteiligen.

Wie oft kauft man wegen der Hitze im Vorbeigehen irgendwo schnell eine Plastikflasche Wasser, die hinterher im Abfall landet? Eine wiederbefüllbare Trinkflasche vermeidet das – wenn man sie auch unterwegs wieder auffüllen kann.

Hier setzt das Refill-Projekt an, angefangen hat es im Frühjahr 2017 mit „Refill Hamburg“:

„Habe deine Trinkflasche dabei! Trink genug Wasser! Lebe gesund! Schütze unsere Umwelt! Spare Geld!“

so lautet der Gedanke hinter dem Projekt, zusammengefasst auf der Website von Refill Hamburg.

Refill: einfach wieder auffüllen

Refill bedeutet übersetzt „wieder auffüllen“ – und genau das macht man, indem man seine Trinkflasche wieder mit Leitungswasser auffüllt.

Initiatorin Stephanie Wiermann lebt seit mehreren Jahren plastikfrei. Sie ist Zero-Waste-Bloggerin, Grafikerin und Webdesignerin – beste Voraussetzungen, um das Projekt erfolgreich zu machen. „Ökologie war immer schon mein Thema“, sagt Wiermann.

Refill: Leitungswasser ist günstiger als Wasser aus Flaschen – und in Deutschland fast überall bedenkenlos trinkbar
Refill: Leitungswasser ist günstiger als Wasser aus Flaschen – und in Deutschland fast überall bedenkenlos trinkbar (Foto: © Colourbox.de)

Im Sommer 2016 stolperte sie über das Projekt „Refill Bristol“ – eine Map mit Auffüll-Stationen in der englischen Stadt Bristol – und war sofort begeistert: „Ich dachte: Wow, ist das cool. Das lässt sich doch sicher auch in Hamburg umsetzen!“

Schon über 2000 Refill Stationen deutschlandweit

Also holte sie die Hamburger Unverpackt-Läden und einige Blogger und Blogerinnen mit ins Boot und zog die Website für Refill Hamburg hoch. Im April 2017 startete das Projekt offiziell in Hamburg.

Die Website und das gesamte Projekt hat Wiermann unter eine Creative-Commons-Lizenz gestellt. Es steht also jedem frei, das Konzept für die eigene Stadt zu übernehmen.

Hier geht’s zur Deutschlandkarte 

Und die Idee kommt richtig gut an: Mittlerweile sind neben Hamburg viele weitere Städte beim Leitungswasser nachfüllen dabei. Insgesamt gibt es momentan (Stand August 2018) über 2000 Refill Stationen deutschlandweit und 114 öffentliche Trinkwasserbrunnen, wie Wiermann uns auf Nachfrage mitteilte. Die anhaltende Hitze scheint viele Leute dazu bewegen, bei Refill mitzumachen. In einem Facebook Post vom 1. August erklärte die Initiative, dass sie derzeit kaum hinterherkomme, die neu angemeldeten Adressen einzutragen.

Refill will Aufmerksamkeit schaffen

In der Refill Deutschlandkarte sieht man alle eingetragenen Abfüllstationen: das können Cafés, Restaurants, Läden, öffentliche Trinkwasserspender oder sogar das Kundenzentrum der städtischen Wasserbetriebe (wie in Berlin) sein.

Alle teilnehmenden Geschäfte haben außerdem einen gut sichtbaren Aufkleber im Schaufenster, der zu verstehen gibt: Hier gibt es kostenlos Wasser. Wer durstig unterwegs ist, weiß so, wo er seine Trinkflasche auffüllen kann – anstatt eine Plastikflasche zu kaufen.

„Wir haben in Deutschland das große Glück, dass wir unser Leitungswasser trinken können“, sagt Wiermann. Sie hofft, dass die Refill-Map nicht nur Menschen animiert, wieder verwendbare Trinkflaschen zu verwenden und so Plastikmüll zu vermeiden, sondern auch noch mehr Aufmerksamkeit für die Plastikproblematik.

 

Refill Hamburg: Leitungswasser abfüllen
„kostenfrei Wasser“ (Screenshot: Refill Hamburg)

Refill in deine Stadt holen: so geht’s

Das Logo und die Texte von Refill Hamburg können unter bestimmten Nutzungsbedingungen, etwa dass sie für nicht-kommerzielle Zwecke genutzt werden, für jede Stadt angepasst und kostenfrei genutzt werden. In der Facebook-Gruppe „Orga Refill Städte“ organisieren sich die Aktiven in den Städten.

Als Geschäft an dem Projekt teilzunehmen, geht ganz einfach: Aufkleber besorgen und gut sichtbar an der Ladentür oder am Schaufenster anbringen. Dann noch eine Mail an die jeweilige Stadt schicken mit Adresse, Website und Öffnungszeiten: Die Location wird dann in die Karte eingetragen. Nun kann jeder sehen, dass er hier unterwegs seine Trinkflasche auffüllen kann – sowohl online auf der Karte als auch direkt im oder am Geschäft.

Refill Bristol findest du auf, refillbristol.org.uk, die deutsche Refill-Bewegung auf refill-deutschland.de

Auch Utopia macht bei Refill mit

Kommt gerne bei uns in München Untergiesing vorbei und lasst euch eure Trinkflasche auffüllen!

Weiterlesen auf Utopia.de:

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(14) Kommentare

  1. Pssssst… Ich würde das nicht so öffentlich machen, sonst kommt Nestle und setzt da überall Nestle-Bottle-Shops drauf, füllt das ab und verkauft das Wasser für 3€ die Flasche!

  2. Hallo, Martin, warst Du schon mal in einer Großstadt wie Hamburg, Köln oder München mit Deiner Wasserflasche unterwegs und wolltest in Cafés oder Restaurants Leitungswasser – kostenfrei? Das funktioniert nur sehr partiell; dann weiß ich doch lieber, wo ich willkommen bin. Und so eine Idee gleich nieder zu machen ist leicht; es geht ja auch um den Gedanken, Plastikwasserflaschen den Stinkefinger zu zeigen…

  3. Hat Dich wirklich schon mal jemand im Lokal gehindert, auf der Toilette am Waschbecken Deine Wasserflasche aufzufüllen? Egal ob in der Stadt oder auf dem Land. Das mache ich seit zwanzig Jahren, ich wusste gar nicht, dass ich damit stillschweigend ein Riesenproblem gelöst hatte. Ich lese diesen Artikel hier mit Verblüffung und wäre nie auf die Idee gekommen, ein *Refill-Projekt* ins Leben zu rufen.

  4. Partiell sinnvoll, habe bisher immer kostenlos Wasser bekommen, wenn nicht geht ma halt woanders hin.
    Kritik möchte ich an dem Namen leisten, sind wir schon Part of America oder U.K. ?
    Nachfüllen, Auffüllen, befüllen, einschenken, vollschütten, vollmachenen gibt auch deutsche Synonyme, ist aber wahrscheinlich nicht so Endzeit cool.

  5. Macht’s doch nicht so kompliziert. Kostenloses Leitungswasser bekommst Du an jedem Waschbecken (z.B. auf Toiletten in Cafés, Kaufhäusern, Läden etc.). viel Erfolg! Ich nutze das seit Jahren. Einzige Einschränkung: Die Deutsche Bahn: In den Zügen steht „kein Trinkwasser“ an den Wasserhähnen. Also vor dem Einsteigen Flasche auffüllen (oder refillen, wenn’s denn so cooler ist 😉 )

  6. In Freiburg im Breisgau läuft seit eh & je aus allen öffentlichen Brunnen der Stadt -und es gibt sehr viele !- Leitungs-/Trinkwasser, was gerade hier in Freiburg aus dem Schwarzwald kommt und sehr gut schmeckt! Nur kaum jemand trinkt es … leider … und dies gilt für unendlich viele öffentliche Brunnen .. solange nicht „KEIN Trinkwasser“ am Brunnen geschrieben steht.

  7. Hier bei uns gibt es in der Kreisstadt auch öffentliche Trinkwasserspender die in der Fußgängerzone einfach mitten auf der Straße stehen und auch noch toll aussehen. Die Stadt hat sie passend zum drumrum gestalten lassen. Dort kann sich jeder einfach bedienen sofern er ein Behältnis zum befüllen hat. Evl. Sollte die Bevölkerung sowas in Städten die es nicht haben beantragen?

  8. Und es gab mal eine Zeit, da konnte man an jeder Haustüre klingeln und um ein Glas Wasser bitten. Aber das ist jetzt schon wirklich fast ein schönes Märchen aus längst vergangenen Zeiten. 😉

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