Gefährliche Borsäure: Öko-Test und Stiftung Warentest warnen vor Spielschleim

Leider gar nicht lustig: Slime-Produkte enthalten Giftstoffe
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Kinder lieben den glibberigen Spielschleim. Sowohl Öko-Test als auch Stiftung Warentest haben jetzt verschiedene Slime-Produkte getestet und viel zu viel Borsäure festgestellt. Viele der Produkte hätten so gar nicht verkauft werden dürfen.

Wunderbar glibberig! Spielschleim, auch liebevoll Slime genannt, kann geknetet, gequetscht und zu herrlich ekligen Fäden gezogen werden. Den Glibber-Schleim in schreiend bunten Farben gibt es im Spielwarenladen, in Supermärkten und online zu kaufen, die Produktauswahl ist riesig.

Die Verbraucherschutz-Magazine Öko-Test und Stiftung Warentest haben unabhängig voneinander ganz unterschiedliche Produkte ins Labor geschickt, sie kamen aber zu demselben Ergebnis: Die Schleimmassen enthalten zu viel Borsäure.

Spielschleim im Test von Stiftung Warentest

Alle getesteten Produkte kommen aus China, das leider oft durch minderwertige Qualität und hohe Schadstoffwerte auffällt. Das ist die erste schlechte Nachricht. Die zweite: „Alle fünf Schleime geben so viel Bor ab, dass sie gar nicht hätten verkauft werden dürfen“.

Slime-Produkte enthalten viel zu viel Borsäure: Für flüssiges und haftendes Spielzeug gibt es einen Grenzwert für Borsäure, der liegt bei 300 Milligramm Bor pro Kilo. „Diesen Grenzwert reißen alle fünf exemplarisch getesteten Schleime deutlich“, so die Tester von Stiftung Warentest. „Die von Vikilulu, Jim`s Store und iBase Toy geben sogar mehr als das Dreifache an Bor ab als erlaubt.“

Spielschleim im Test von Öko-Test

Im Test von Öko-Test überschreitet ein Schleim den gesetzlichen Grenzwert und hätte so gar nicht verkauft werden dürfen. Auch die anderen Slimes sind hoch mit schädlichem Bor belastet.

Auch ein Test britischer Verbraucherschützer im vergangenen Jahr hat in acht von elf getesteten Produkten erhöhte Borax-Werte nachgewiesen. Und allein in diesem Jahr gab es neun Warnungen im europäischen Schnellwarnsystem Rapex.

Borsäure kann unfruchtbar machen

Borsäure sorgt im Spielschleim für die besondere Konsistenz: Der Glibber-Schleim wird durch sie erst glibberig und dehnbar. Aber: Borsäure ist in größerer Konzentration gesundheitsschädlich. Durchfall, Erbrechen und Krämpfe können die Folge sein. In Tierversuchen beeinträchtigte Borsäure sogar die Fruchtbarkeit und die Embryonalentwicklung.

Das macht den Spielschleim so verführerisch – und gefährlich

Gefährlich ist der Schleim vor allem, weil Kinder das Produkt in den Mund nehmen könnten und weil Schleimreste an den Händen kleben bleiben. Zum Teil kommt der Schleim in Getränkedosen verpackt daher, optisch erinnert er an Wackelpudding und verführt damit nicht nur zum Spielen sondern auch dazu, ihn in den Mund zu nehmen.

Die Tester von Öko-Test kritisieren zurecht, dass auf den Verpackungen der Schleimmassen keine Infos zu finden sind, aus welchen Inhaltsstoffen die Produkte bestehen. „Lediglich auf 3 der 13 getesteten Wabbelmassen gibt es Hinweise zu problematischen Inhaltsstoffen.“

Wie gefährlich ist der Schleim wirklich?

Müssen Eltern sich Sorgen machen, wenn ihr Kind den Glibberschleim liebt und ihn immer wieder in den Händen hin und her knetet?

  • Die Meinung von Öko-Test: „Klar ist: Schleimmassen mit Bor machen nicht unmittelbar krank. Doch wie hoch ist das Risiko? Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist selbst eine Überschreitung des Grenzwerts nicht ‚unmittelbar mit dem Auftreten gesundheitlicher Effekte verbunden‘.“
  • Stiftung Warentest meint: Lieber weg damit! „Eine akute Gefahr geht von den geprüften Schleimen wahr­scheinlich nicht aus. Wir empfehlen dennoch, Kinder nicht der Matscherei mit den Borverbindungen auszusetzen.“

Fazit: Substanzen, die als fortpflanzungsgefährdend eingestuft sind, gehören definitiv nicht in Kinderspielzeug!

Unser Tipp: „Slime“ kann man aber auch ganz einfach selber machen – natürlich ohne giftige Inhaltsstoffe. Wir verraten dir, wie’s geht:

Solltet ihr auf andere Rezepte aus dem Internet zurückgreifen: Bitte verwendet keine Kontaktlinsenmittel oder Waschmittel, hier können ebenfalls Bor und andere Chemikalien enthalten sein, die nicht in Kinderhände gehören.

Die vollständigen Tests finden sich in der November-Ausgabe der Zeitschrift test (online unter www.test.de/spielschleim abrufbar) und in der November-Ausgabe der Zeitschrift Öko-Test (online als ePaper/PDF abrufbar). Ältere Infos des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR): Borsäuregehalt in Slimy zu hoch und Borsäure in Hüpfknete.

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