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Staubsauger: Mit oder ohne Beutel? Mit Akku oder Strom – was ist am besten?

Staubsauger
Foto: CC0 Public Domain / Pexels - Anete Lusina

Lange Zeit war klar: Ein Akku-Staubsauger hat nicht die gleiche Saugkraft, wie ein herkömmlicher Bodenstaubsauger. Doch die Akku-Modelle haben aufgeholt. Trotzdem sind sie in vielerlei Hinsicht die schlechtere Wahl. Hier erfährst du, warum das so ist und woran sich ein guter Staubsauger erkennen lässt: leider nicht am Energie-Label.

Die Staubsauger-Industrie ist voller Umwelt-Schlafmützen

Je mehr Watt, desto mehr Leistung. So dachte man etwa vor 10 Jahren. Die Staubsauger-Hersteller übertrumpften sich deshalb mit immer höherer Watt-„Leistung“ und zogen einem teilweise über 2.000 Watt aus der Steckdose. Der Durchschnitt lag 2013 bei 1.800 Watt. Den einzigen Weg, diesen Negativ-Trend aufzuhalten, sah die EU darin, ein Energie-Label einzuführen, welches nur noch Staubsauger zum Verkauf erlaubte, die ab 2014 auf maximal mit 1.600 Watt laufen und ab 2017 mit maximal 900 Watt.

Die Hersteller wurden also gezwungen, sich etwas einfallen zu lassen, wie die gleiche Leistung mit weniger Watt (= Stromverbrauch) erzielt werden kann. Das klappte auch ganz gut. Das erklärte Ziel war es, (bis 2020) 19 Milliarden kWh einzusparen (entspricht etwa dem Jahresverbrauch von 5 Millionen Haushalten ohne Warmwasser).

2018 war die IFA Berlin voll mit neuen Staubsauger-Innovationen. Stromsparen war richtig im Trend. Der deutsche Hersteller „Fakir“ präsentierte stolz den „Air Wave Evolution“: Energieklasse 3AAA mit einem Stromverbrauch von nur 700 Watt (positiv gesehen!).

Energie-Label für Staubsauger ist 2019 weggefallen

Leider kam dieser Entwicklung der britische Hersteller „Dyson“ in die Quere. Der Grund: „Dyson“ produziert beutellose Staubsauger – diese schnitten im Vergleich zu den Staubsaugern mit Beutel schlechter ab. Allerdings nur – wie „Dyson“ im Jahr 2019 vor dem EU-Gericht beweisen konnte – mit leerem Beutel. Ist der Beutel halb voll, kann die Energie-Bilanz schlechter aussehen. Somit sah sich der britische Hersteller im Wettbewerb benachteiligt. Zu Recht, urteilten die Richter. Und solange das Problem der Vergleichbarkeit nicht gelöst ist, gibt es einfach gar kein Energielabel mehr. Das Resultat: Alles, das irgendwie saugen kann, egal mit wie viel Watt, darf in der EU verkauft werden.

Wie viel Watt soll ein guter Staubsauger haben?

Die Antwort: So wenig wie möglich. In jedem Fall unter 900 Watt, wie es die EU zum Verbraucherschutz gefordert hat. Das Umweltbundesamt empfiehlt lediglich einen „niedrigen Stromverbrauch“ und ebenso das Umweltsiegel „Blauer Engel“. Der Blaue Engel hat eigene Richtlinien erarbeitet, und bietet der Industrie an, ihre Staubsauger als umweltfreundlich zertifizieren zu lassen. Dies würde insbesondere wegen dem weggefallenen Label Sinn ergeben. Doch hat sich bisher (Stand 2021) kein einziger Hersteller zertifizieren lassen.

Staubsauger mit Akku sind der neue Trend

Wenn du es als die „nervigste Sache der Welt“ empfindest, das Staubsaugerkabel beim Saugen zwischendurch umzustecken, sind Staubsauger mit Akku die Lösung. Wenn du es aber „noch nerviger“ finden würdest, wenn nach bereits 15 Minuten der Akku leer ist (länger halten die Modelle bei voller Leistung nämlich nicht) und dann erst wieder 2 Stunden lang aufgeladen werden müssen – dann wirst du vielleicht doch lieber mit dem Stromkabel leben. 

Das sagt die Stiftung Warentest zu Akku-Staubsaugern

Die Stiftung Warentest testet bereits seit 1967 Bodenstaubsauger und gilt in Deutschland als das vertrauenswürdigste Testinstitut für Staubsauger. Der Trend zum Akku wird seit Jahren verfolgt, doch bisher gingen in jedem direkten Vergleich zwischen Akku und Steckdose die stromgebundenen Modelle als Sieger hervor.

2021 gab es dann die Überraschung: Zum ersten Mal schneidet ein Akku-Staubsauger „sehr gut“ beim Saugen ab und übertrumpft in diesem Testbereich sogar die besten kabelgebundenen Staubsauger. Es ist (ausgerechnet!) ein Modell von „Dyson“, nämlich der „Dyson SV17 V11 Absolute Extra Pro“ für über 700 Euro. Besonders ist hier, dass die Boden-Düse spezielle Bürsten enthält, die es sogar schaffen, festgetretene Tierhaare aus dem Teppich zu lösen und abzusaugen. Um die Saugzeit zu verlängern, wird ein zweiter Akku mitgeliefert. Nachteilig empfanden die Tester:innen (abgesehen vom hohen Preis) die Lautstärke. Laut dem Hersteller sind es 88 dB. Auf Hartboden empfindet die Stiftung Warentest die Lautstärke vom „V11“ als „mangelhaft“.

Die weiteren Akku-Staubsauger von Marken wie „Bosch“, „Rowenta“ und „Bissel“ für um die 300 Euro saugten zwischen „befriedigend“ und „mangelhaft“. „Gut“ saugt von den Akku-Saugern noch der „Vorwerk Kobold VB100“ für über 800 Euro, der 2020 getestet wurde.

Fazit: Die besten Akku-Staubsauger auf dem Markt können mittlerweile genauso gut (oder sogar besser) saugen, wie kabelgebundene. Diese sind aber sehr viel teurer und haben eine kurze Laufzeit (ca. 15 Minuten). Viele Akku-Staubsauger saugen weiterhin schlecht (und sind ebenfalls teuer). Bei herkömmlichen Bodenstaubsaugern gibt es hingegen viele gute Modelle.

Die Umweltbilanz von Akku-Staubsaugern ist schlechter

Die Herstellung der leistungsstarken Lithium-Ionen-Akkus erfordert viel Energie und wertvolle Rohstoffe. Der Lithium-Abbau steht seit längerem in der Kritik. Ebenfalls schlecht für die Umweltbilanz der kabellosen Staubsauger: Akkus sind Verschleißteile. Nach einigen Hundert Lade-Zyklen verlieren die Akkus bereits an Leistung, nach maximal 1.500 Zyklen gilt ein Lithium-Ionen-Akku als verbraucht. Weiterhin sind Akkus hitze- und kälteempfindlich und entladen sich auch im unbenutzten Zustand.

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Liegt viel im Weg, kommt man besser ohne Kabel durch. Dennoch sind kabelgebundene Staubsauger die bessere Wahl. (Unsplash)

Kabelgebundene Staubsauger sind die bessere Wahl

Es ist ziemlich deutlich, dass kabelgebundene Bodenstaubsauger die beste Wahl sind. In der Regel saugen sie besser, sind günstiger, langlebiger und umweltfreundlicher als Akku-Modelle.

Sind Staubsauger mit oder ohne Beutel besser?

Auf die Saugleistung hat es laut der Stiftung Warentest keinen Einfluss, ob der Staubsauger einen Beutel hat oder nicht. Von beiden Varianten gibt es gute Modelle. Im Staubsauger Test von Ökotest (2019) schnitten beim Vergleich von Staubsaugern mit und ohne Beutel die Beutel-gebundenen Modelle etwas besser ab. Was die Tester beider Testmagazine bei beutellosen Staubsaugern stört, ist die Entleerung. Sobald man den Inhalt in den Hausmüll entleert, wird unweigerlich wieder Staub aufgewirbelt. Hygienisch gesehen sind Staubsauger mit Beutel daher die bessere Lösung. Dies gilt insbesondere für Allergiker. Wer allerdings nicht so empfindlich ist, kann durch die beutellose Variante Müll vermeiden. Hinweis: Staubsaugerbeutel gehören zur Kategorie „Restmüll“.

Halten Staubsauger mit Wasserfilter mehr Staub zurück?

Hier widerspricht die Stiftung Warentest den Aussagen der Hersteller, die suggerieren, dass Wasser den Staub am besten binde. Vielmehr hänge die Filterwirkung von den verwendeten Luftfiltern im Staubsauger ab. Für Allergiker:innen gibt es Modelle mit Schwebstofffiltern (HEPA-Filter), welche dafür sorgen, dass der eingesaugte Staub im Gerät bleibt.

Bei Heuschnupfen heißt es: Keine Pollen in der Wohnung!
Allergiker:innen möchten vermeiden, dass Staub aufgewirbelt wird. Wasser ist dabei eine der Optionen bei Staubsaugern, jedoch nicht zwingend die beste. (Foto: CC0/ Pixabay / stevebp)

Woran erkennt man einen guten Staubsauger?

Ein guter und nachhaltiger Staubsauger sollte

  • eine gute Saugleistung auf Teppich und Hartboden haben
  • langlebig sein
  • weniger als 900 Watt verbrauchen
  • unter 75 dB leise sein

Sowohl die Saugleistung als auch die Haltbarkeit lassen sich schlecht am Produktdatenblatt ablesen. Denn es kommen sehr viele Komponenten zusammen, zum Beispiel ist es nicht nur wichtig, mit welcher Saugkraft der Staubsauger zieht, sondern auch in welchem Winkel, und wie der Staub aufgefangen und anschließend abgehalten wird. Die einfachste Methode ist es in diesem Fall, den Testurteilen von unabhängigen Verbraucher-Testern zu vertrauen. Neben der Stiftung Warentest führen auch Ökotest, Alles Beste und Gute Wahl Praxistests durch. Die Stiftung Warentest ist in diesem Bereich allerdings durch umfangreiche Labor-Tests sowie eine große Datenbank mit über 70 noch verfügbaren Staubsaugern führend auf dem Gebiet.

Unsere Staubsauger-Empfehlungen

Preisgünstig „Made in Germany“ BOSCH BGL35MON13

In der Preiskategorie „unter 150 Euro” empfiehlt die Stiftung Warentest zum Beispiel den BOSCH BGL35MON13 mit Gesamturteil „gut“. Der Bodenstaubsauger mit Stromkabel und Beutel konnte 2018 in allen Test-Kriterien überzeugen und schnitt bei der Haltbarkeit sogar mit „sehr gut“ ab. Ein weiterer Pluspunkt für die Nachhaltigkeit: Das Modell wird in Deutschland produziert. Dies ist mittlerweile auch bei deutschen Herstellern nur noch selten der Fall. Der Staubsauger hat 600 Watt und eine Lautstärke von 74 dB.

Nachteil: Da dieser Staubsauger bereits seit einigen Jahren auf dem Markt ist, könnte die Verfügbarkeit begrenzt sein.

Preis: ca. 130 Euro
Zu kaufen**: Online bei Amazon oder Otto.

Günstig und gut: AEG VX7-2-IW-S

Ebenfalls preisgünstig und von der Stiftung Warentest (2020) für „gut“ befunden ist der VX7-2-IW-S von AEG, ein Bodenstaubsauger mit Beutel. Er ist mit 69 dB relativ leise und läuft mit 650 Watt. In der Haltbarkeit schnitt er „sehr gut“ ab.

Nachteil: „Made in China“ (Das spricht nicht gegen die Qualität, aber gegen die Nachhaltigkeit des Produkts.)

Preis: ca. 130 Euro
Zu kaufen**: Online bei Amazon oder Otto.

Stiftung Warentest Testsieger ohne Beutel: BOSCH BGC41X36

Wenn du einen bezahlbaren beutellosen Staubsauger suchst, empfehlen wir den Testsieger (2021) der Stiftung Warentest in dieser Kategorie. Der BOSCH Staubsauger wird in Deutschland produziert, ist 69 dB leise und hat 700 Watt. Das Gesamturteil lautet „gut“ und in der Haltbarkeit „sehr gut“.

Nachteile: Im Testkriterium „Handhabung“ vergaben die Tester nur ein „befriedigend“.

Preis: ca. 300 Euro
Zu kaufen**: Online bei Amazon oder MediaMarkt.

Testsieger von Ökotest: MIELE Complete C3 Total Care EcoLine

Bei Ökotest konnten im Test 2018/2019 von insgesamt 12 getesteten Modellen nur 3 Bodenstaubsauger mit Beutel mit „gut“ überzeugen und ein Modell ohne Beutel. Der Staubsauger ohne Beutel (Relaxx’x Ultimate BGS7MS64 von Bosch) kostet um die 500 Euro. Günstiger und noch erhältlich ist der „gut“ bewertete MIELE. Der EcoLine-Staubsauger läuft mit nur 550 Watt und ist 72 dB laut.

Nachteile: Da es sich um ein älteres Modell handelt, kann die Verfügbarkeit begrenzt sein.

Preis: ca. 290 Euro
Zu kaufen: Online direkt bei Miele.

Vorwerk Staubsauger

Falls du bereit bist, dir einen hochpreisigen Staubsauger zu leisten, sind Vorwerk-Staubsauger eine gute Wahl. Die Staubsauger halten sehr lang und punkten mit gutem Ersatzteil- und Reparatur-Service sowie viel Zubehör. Bei der Stiftung Warentest landeten bisher alle getesteten Vorwerk-Staubsauger unter den besten bei der Saugleistung.

Zu kaufen**: Vorwerk-Produkte kannst du inzwischen auch online bestellen, früher setzte Vorwerk noch ausschließlich auf Direkt-Vertrieb mittels Vertreter:innen.

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