Zuhause Fleisch züchten – das Ende der Massentierhaltung?

Foto: von theimpulsivebuy unter CC-BY-SA-2.0

Das israelische Start-up SuperMeat hat eine Methode entwickelt, Fleisch zu züchten – ohne, dass dafür Tiere sterben müssen. Die Vision: Jeder soll sein eigenes Fleisch produzieren können.

Das Unternehmen will jegliches Tierleid abschaffen, ist jedoch realistisch in seiner Einschätzung, dass der Großteil der Weltbevölkerung weiterhin Fleisch essen möchte und wird – so erklärt SuperMeat seine Motivation. („We were looking for the best way to end animal suffering, but also be realistic about meat eating habits.“)

Gemeinsam mit Professor Yaakov Nahmias, Biomedizin-Techniker an der Hebrew University of Jerusalem, haben die Initiatoren von SuperMeat eine Technologie entwickelt, mit deren Hilfe echtes Fleisch gezüchtet werden kann ohne dabei Tieren zu schaden. Aus einer kleinen Gewebe-Probe aus der Haut eines Huhns werden Zellen gewonnen, die dann in einer Nährstofflösung vermehrt werden. Die Zellen formen winzige Muskelgewebe und daraus wächst in einem speziellen Bioreaktor schließlich richtiges Fleisch – in Portionen, die direkt verarbeitet werden können.

Der ganze Prozess soll schließlich, so die Vision der Unternehmer, in kleinen „Fleischmaschinen“ stattfinden, die in Restaurants, Supermärkten und Haushalten aufgestellt werden können. Im Gegensatz zur heutigen Fleischindustrie, in der wenige Konzerne einen Großteil des Marktes kontrollieren, würde Fleisch so dezentral und in geringeren Mengen direkt dort hergestellt, wo es nachgefragt wird.

Nach Angaben des Unternehmens soll das Verfahren zunächst nur auf Hühnerfleisch angewendet werden: Konkret gezüchtet werden sollen Hühnerleber, Hackfleisch und Hühnerbrust.

„SuperMeat revolutioniert die Fleischindustrie“

Die Unternehmer hinter SuperMeat sind sehr überzeugt von ihrer Idee:

„SuperMeat is revolutionizing the meat industry by ushering in the biggest change to the way people consume food since the dawn of the Industrial Age.“

(Deutsch: „SuperMeat revolutioniert die Fleischindustrie, indem es die größte Veränderung seit dem Beginn des Industriezeitalters einleitet in der Art, wie Menschen Lebensmittel konsumieren.“)

SuperMeat soll aber, wenn es nach den Machern geht, nicht nur die Fleischproduktion komplett umkrempeln, sondern auch den Klimawandel stoppen und den Welthunger beenden: Den Angaben des Unternehmens zufolge benötigt das gezüchtete Fleisch etwa 99% weniger Land, verursacht 96% weniger Treibhausgas-Emissionen und braucht bis zu 96% weniger Wasser als Fleisch aus der heutigen Fleischindustrie.

Zudem soll das Zucht-Fleisch angeblich gesünder sein (weil es unter kontrollierten Bedingungen hergestellt wird) und die Unternehmer glauben: „SuperMeat wird billiger sein als konventionelles Fleisch.“ (Die Begründung: „Das ist einfach logisch.“)

Noch befindet sich das Projekt relativ am Anfang – wann es so weit ist, dass Verbraucher sich ihr eigenes Fleisch züchten können, und ob es überhaupt so weit kommt, ist noch unklar. Die Visionen von SuperMeat kann man sich hier aber schonmal ansehen (Video auf Englisch):

Fazit: Dass wir angesichts von Klimawandel und wachsender Weltbevölkerung dringend Alternativen zur heutigen Fleischindustrie brauchen, ist völlig klar. Der Ansatz, Fleisch zu produzieren ohne all die negativen Effekte der Fleischindustrie, hat großes Potenzial. Und offenbar auch viele Unterstützer: SuperMeat hat es geschafft bei einer Crowdfunding-Kampagne auf Indiegogo rund 215.000 US-Dollar (ca. 200.000 Euro) einzusammeln. Das Unternehmen trägt mit seinen Versprechen allerdings ziemlich dick auf und bleibt einige konkrete Fakten schuldig. Zu verfolgen, wie es mit dem Projekt weitergeht, kann nicht schaden.

Fleisch essen ohne Tiere zu töten – ist das die perfekte Lösung oder völlig pervers? Würdet ihr künstlich gezüchtetes Fleisch essen? Wir freuen uns auf eure Kommentare!

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(15) Kommentare

  1. Die Umfrage kann nicht als repräsentativ gewertet werden, weil drei von vier Antworten den Echttierfleischkonsum gänzlich, teilweise oder bedingt ablehnen. Lediglich eine Antwort befürwortet den Echttierfleischkonsum. Daher ist zu erwarten, dass der auswertende Statistiker sagen wird: „Wir haben 25%, die den Fleischreaktor super finden, plus 36%, die den Fleischreaktor ausprobieren würden, also haben wir insgesamt 61% aller Befragten, die Fleisch aus dem Reaktor essen würden.“
    Dieses herbeigeführte Ergebnis würde nie entstehen, wenn eine fünfte Antwort auswählbar sei: „Reaktorfleisch möchte ich nicht ausschließen, aber Echttierfleisch wäre mir lieber.“
    Diese Umfrage ist in der Fragestellung meinungsbildend. Umfragen sollten stets neutral erhoben um keine Verfälschung des Ergebnisses, wie oben beschrieben, zu erhalten.

  2. Das Projekt aus formal ideologischen Gründen abzulehnen, halte ich grundsätzlich für falsch !
    Gilt es doch, alternative Formen der Ernährung zu finden. Dazu gehört nicht allein, dem verwöhnten westlichen Bürger eventuell Insekten schmackhaft zu machen. Essen gibt es bei uns genug, vieles endet davon im Müll oder wird vor der Vermarktung vergraben oder verbrannt, um die Preise stabil zu halten. Die aktuelle Hochproduktion in der Landwirtschaft bedeutet auch eine Verseuchung von Böden und Grundwasser, Verschwinden von Hecken und Knicks. Anfällige Monokulturen bedingen Spritzmitteleinsatz und die Auslöschung ganzer Ökosysteme.

    Eine Umstellung besonders in der Fleischproduktion ist daher überfällig, bedenkt doch bitte einmal, wieviel pflanzliches Eiweiß für die Produktion von tierischem Eiweiß benötigt wird !
    Daher sollte der „Manna-Produktion“ aus dem heiligen Land mehr Aufmerksamkeit gewünscht werden, als nur gelegendlich zu schauen, was daraus geworden ist…..

  3. Hm, wie ist das mit der Antibiotika gabe? Ich arbeite als Biologe in der Zellkultur und um kontamination zu vermeiden werden unsere zellen mit Penicillin/Streptamycin behandelt. Außerdem wird dem Nährmedium FCS zugesetzt. Das soll heißen fötales Kälberserum (da sind Wachstumshormone drin und Nährstoffe) Die Herstellung von Wachstumshormonen ist bisher so teuer das sich das nicht lohnt. Ich Frage mich wie die Hindernise überwunden werden sollen. Finde ich die Idee mit Insektenprotein (Stichwort Insektenburger) tausendmal realistischer und kostengünstiger. Es können Essensreste verwendet werden, was unsere Müllberge reduzieren würde.

  4. Es gibt tatsächlich auch so genannte „Veggie-Medien“ oder auch chemisch definierte Medien in der Zellkultur, die zT auch von mir verwendet werden, sogar ohne Antibiotika. Das Handling spielt dabei natürlich eine wichtige Rolle, einem Laien traue ich diese Form des sterilen Arbeitens in einem normalen Haushalt jedoch nicht zu!
    Außerdem frage ich mich, welche Arten von Zellen das sein sollen. Afaik sind nur Tumorzelllinien bei tierischen Zellen dazu in der Lage sich unendlich zu vermehren, was ja hierbei der Fall sein müsste?! Ich glaube kaum, dass es Leute geben wird, die freiwillig Krebstumore in Nuggetform essen werden, sobald sie einmal wissen was genau sie da auf dem Teller haben !

  5. Ha, man lernt immer was Neues. Das mit den Veggie-Medien wusste ich nicht-interessant.
    Es müssen nicht wirklich Tumore sein. Können auch Stammzellen sein. Habe Kollegen die zum Beispiel aus Stamzellen der Haut (aus Biopsien) naive Neuronen züchten. Allerdings weiß ich nicht was man dafür alles bräuchte. Ich weiß das diese Stammzellmedien super teuer sind und auch die Hormone, um die Klone in Kultur zu halten, sind teuer . Da müsste sich viel ändern, dass das wirklich so erschwinglich wird das man das zu Hause produzieren könnte – Ich finde Zeit- und Ressourcenverschwendung. Lieber realistischere Projekte unterstützen die schneller zum gleichen Ziel führen.

  6. „Im Gegensatz zur heutigen Fleischindustrie, in der wenige Konzerne einen Großteil des Marktes kontrollieren, würde Fleisch so dezentral und in geringeren Mengen direkt dort hergestellt, wo es nachgefragt wird.“

    Kann mir das sehr gut bei McDonalds u.a. Burger Fast Food Ketten vorstellen. Deren Kunden essen ja alles, Tier Mac, Fish Mac, Veggie Mac und dann den VBC=Vegan Bio Cellular Mac.

    Hauptsache es schmeckt wie Fleisch, es riecht wie Fleisch und das allerbeste: es IST Fleisch! Das noch billiger als die Import Tierkörper, nachweislich regional produziert. Noch ein Prüfsiegel vom amtlich bestellten Laborarzt drauf geklebt, die Werbemühle anfeuern und das geht weg wie warme … heißer Kaffee.

    Die Idee dahinter ist schon super, das passt in unsere Zeit, das kann man vermarkten, das gibt es in verschiedenen Geschmacksrichtungen und Farben, wer will da noch wissen, ob es gesund ist? In 50 Jahren essen die Armen Retortenfleisch und die Reichen schiessen sich mit Laserpistolen ihr Elefantensteak. Ungerecht, aber alle satt.

  7. Ich mag überhaupt kein Fleisch, aber ich habe eine Katze. Also wenn ihr das schmecken würde, hätte ich ein schlechtes Gewissen weniger. Ich würde mich freuen, wenn für die Miez keine Tiere mehr sterben und keine Menschen in Schlachthof und Futterfabrik mehr schuften müssen.

  8. Für mich als begeisterten Fleischesser (allerdings kritiker von massentierhaltung und der mit fleisch verbundenen umweltzerstörung) hervorragende neuigkeiten. Übrigens: Ein team aus forschern der universität Maastricht forscht da schon seit über fünf jahren drüber, mit besten ergebnissen. Einfach klasse, auch wenn ich zugeben muß, dass der gedanke etwas ungewohnt ist.

  9. Als begeistertem Fleischesser wird Dir der GEschmack vielleicht noch nicht so zusagen. 😉
    Zumindest vor drei Jahren lies der wohl noch zu wünschen übrig:
    http://www.taz.de/!5061825/
    Aber die Lebensmittelindustrie wird Juhu schreien.
    Ein paar Geschmacksverstärker, künstliche Aromastoffe und die Sache rockt.

  10. Schlussendlich wird er Mensch durch seine eigene erfundene Nahrung aussterben…
    Wer weis, was das Gen Zeug in 500 Jahren anstellt.. Da wird man über uns alle reden, was wir getan haben… aber uns ist das ja WURSCHT

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