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„Umweltschule“ macht Abschlussfahrt auf der AIDA – darüber müssen wir reden

Foto: Pixabay, CC0

Eine Frankfurter Schulklasse plant eine Klassenfahrt – auf einem Kreuzfahrtschiff. Die Idee dazu hatte nicht die Schulklasse selbst, sondern ihr Lehrer. Haben wir wirklich so wenig verstanden? Ein Kommentar.     

Schon nächste Woche soll es losgehen: 16 Schüler der Carl-Schurz-Schule in Sachsenhausen werden mit dem Kreuzfahrtschiff Aida auf Abschlussfahrt gehen. Fünf Tage mit Halt in Oslo und Kopenhagen, 390 Euro pro Kopf – toll.

Kreuzfahrten sind umweltschädlich

Nicht so toll: Kreuzfahrten gelten als extrem umweltschädlich. Jede Kreuzfahrt verbraucht die Energie einer Kleinstadt. Sie produziert tonnenweise CO2-, Stickstoff- und Feinstaub-Emissionen. Die Schiffe werden mit giftigem Schweröl angetrieben, das so umwelt- und gesundheitsschädlich ist, dass es an Land längst verboten wurde.

Mehr lesen: 11 Dinge, die jeder über Kreuzfahrten wissen sollte

Die Schule, die ihre Klasse auf eine umweltschädliche Kreuzfahrt schickt, hatte erst im August von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) einen Umwelt-Preis überreicht bekommen. Der Lehrer, der die Kreuzfahrt initiierte, engagiert sich beim Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND). Einige Schüler der Klasse sollen mit der Kreuzfahrt nicht einverstanden gewesen sein und regelmäßig an den Klimaprotesten teilnehmen. Das passt nicht zusammen.

„Ich habe kein schlechtes Gewissen“

Die Erklärung des Lehrers ist fast noch schlimmer, als die Kreuzfahrt selber. Ihm zufolge soll ein Ziel der Reise sein, sich kritisch mit dem Thema auseinanderzusetzen. „Wir werden vor Ort den Umweltoffizier treffen und die Schüler können kritische Fragen stellen“, sagte er auf Nachfrage der der Frankfurter Rundschau. Also eine Kreuzfahrt machen, um sie kritisch bewerten zu können? Das ist absurd.

Abstrus ist auch diese Rechtfertigung: Das Preisleistungsverhältnis sei unschlagbar. Das soll der Lehrer gegenüber der hessenschau gesagt haben, die als erstes über den Fall berichtete. „Ich habe kein schlechtes Gewissen.“ Na dann.

Es geht um etwas anderes

Was er scheinbar nicht verstanden hat: Es geht hier nicht um sein schlechtes Gewissen. Auch muss man eine Kreuzfahrt ganz sicher nicht gemacht haben, um sie kritisch bewerten zu können. Es geht um das Signal, das ein solcher Fall sendet.

Seit über einem Jahr gehen jeden Freitag Kinder und Jugendliche auf die Straße, um gegen eine unmittelbar bevorstehende Klimakrise zu demonstrieren und um die Menschen und die Politik wachzurütteln. Tausende Jugendliche erklären den Erwachsenen jeden Freitag „Ihr klaut uns unsere Zukunft!“

Und dann sowas. Liebe Lehrer, liebe Schulen – ihr seid Vorbilder. Nehmt eure Funktion ernst, euch selbst und eure Schüler!

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(5) Kommentare

  1. Wenn das Schiff nach Kopenhagen und Oslo fährt, dann fährt es definitiv nicht mit Schweröl.Ab 005°West sind Nord- und Ostsee eine SECA (Sulphur Emission Control Area) in der Schiffe keinen Kraftstoff mit einem Schwefelgehalt von mehr als 0,1% verbrennen. Das wird dokumentiert und kontrolliert.
    Das macht das Grundsätzliche Problem nicht wirklich besser, aber man sollte schon bei den Fakten bleiben.

  2. Die Welt ist zum Glück nicht so schwarz-weiß, wie es Ihr Artikel suggeriert. Hier ein (stark gekürzter) Auszug der Stellungnahme der Schule:
    – Das Schiff ist die AIDAbella. Die AIDAbella fährt nicht mit Schweröl, sondern mit schwefelarmem Diesel (0,5% Schwefelanteil), arbeitet mit einem sogenannten Scrubber (einer Filteranlage) sowie einem Katalysator, die zusammen 60% der Rußpartikel, 99% des restlichen Schwefeldioxids und 75% der Stickoxide abfangen.
    – Das Schiff verfügt außerdem über einen Landstromanschluss, sodass in Kopenhagen wie in Oslo die Dieselmotoren abgestellt werden. In Oslo wird der Landstrom fast zu 100% durch Wasserkraft erzeugt; für Dänemark liegen uns derzeit keine Daten vor.
    – Die Stiftung Warentest und die Organisation atmosfair haben die seriösesten
    Berechnungen über den Kohlenstoffdioxidausstoß vorgelegt. Danach liegt der
    Verbrauch bei 1500 Kilogramm CO2 pro Passagier und Woche. Da die Gruppe nur vier Tage mit dem Schiff unterwegs ist und die Liegezeiten mit Landstrom abzuziehen sind, gehen wir von einem realen Konsum von 600 kg pro Person aus. Über atmosfair berechnet sich der Betrag als Mittelwert auf 584 kg, wobei aber auch weniger fortschrittliche Schiffe einbezogen sind. Genau für 600 kg haben Lehrer wie Schüler Umweltzertifikate bei atmosfair eingekauft – lange bevor die Hessenschau berichtet hat.
    – Würden die Schüler mit der Fähre nach Oslo fahren, würde sich die Öffentlichkeit nicht empören. Die Fähren fahren aber mit Schweröl und höherem Tempo als die AIDAbella.
    Diese Argumente und Überlegungen der Schulleitung/Lehrer/Eltern/Schüler finden im Utopia-Artikel leider keinen Platz und sollten unbedingt kritischer reflektiert werden.

  3. Danke Dani77 für Deine sehr wichtigen Ergänzungen.
    Es ist nicht das erste mal, daß auch und gerade bei Utopia sehr einseitig Berichtet wird und demnach schon Ähnlickeiten zu Propaganda wie Burda Media etc. zu sehen sind.

    Ich mag weiterhin hier lesen, aber seriöse Nachrichtenversorgung für Stammleser sieht anders aus.

  4. Du hast Recht. Der Schwefelgehalt ist in den SECA-Gebieten beschränkt….es sei denn, es gibt einen Filter. Dann kann sehr wohl mit Schweröl gefahren werden.
    Beschränkt ist auch nur der Schwefelgehalt. In Schweröl sind aber z.B. auch Schwermetalle recht hoch konzentriert….und wenn mich nicht alles täuscht, gibt es auch schwefelreduziertes Schweröl.