Vegane Wurst: Muss das sein?

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Würstchen, Schnitzel, Steak und Braten: all das gibt es längst auch in vegan und vegetarisch. Viele Veggies freuen sich über den Fleischersatz, manch andere finden den Trend absurd. Doch macht die Debatte darüber überhaupt Sinn? Utopia will eure Meinung hören!

Wenn im Netz über vegane Themen diskutiert wird, ist der Ton oft rau. Die einen sehen konsequenten Fleischverzicht als den einzig richtigen Weg, die anderen fühlen sich von Veganern bevormundet – der Meinungsaustausch eskaliert schnell zu Beschimpfungen.

Doch egal, wie man nun dazu steht: Es ist eine Tatsache, dass vegane Produkte derzeit einen riesigen Boom erfahren. Vorbei sind die Zeiten, in denen Veganer als Exoten betrachtet wurden; die Auswahl an veganen und vegetarischem Fleischersatz wie Würsten, Burgern, Schnitzeln und Aufschnitten wächst und wächst. Selbst Fleischkonzerne springen auf den Trend auf und vermarkten plötzlich vegetarische Alternativen zu den eigenen Produkten.

Aber gerade beim Thema Fleischersatzprodukte gehen die Meinungen weit auseinander. Die Frage, ob pflanzliche Fleischalternativen aussehen und schmecken dürfen wie das „Original“ oder nicht, entzweit nicht nur Vegetarier und Fleischesser, sondern auch die Veggies untereinander.

Fleischersatz: Unnötig oder hilfreich?

Auf der Utopia-Facebook-Seite findet man zum Thema Fleischersatzprodukte Kommentare wie „Wieso muss ein Vegetarier oder Veganer etwas in Wurst- oder Fleischform auf dem Teller haben?“ oder „ein echter Vegetarier braucht nix, was nach Wurst oder Fleisch aussieht!“. Andere halten dagegen: „Für Nicht-Veganer […] ist es der erste Schritt weniger ‚echtes’ Fleisch zu konsumieren“, „Ich liebe den Geschmack von Wurst, aber ekel mich vor Fleisch.“

Pro: Vegetarische Wurst als Einstieg

Einerseits also macht die äußere und geschmackliche Ähnlichkeit mit dem entsprechenden Fleischprodukt Nicht- oder Neu-Vegetariern den Umstieg auf die  pflanzlichen Alternativen leichter – ein großes Plus für die Veggie-Wurst. Zudem helfen diese Lebensmittel Veganern und Vegetariern, die aus rein ethischen Gründen kein Fleisch mehr essen, dies nicht als allzu schmerzlichen Verzicht zu empfinden. Und vielleicht ernten Veggie-Wurst-Esser bei der Grillparty weniger mitleidige Blicke als reine Gemüse-Griller.

Contra: Vegetarische Wurst als Einschränkung

Andererseits aber werden große Mengen weit gereistes Soja, Weizen, Gewürze, Zusatzstoffe und Plastik-Verpackungen aufgewendet, um Produkte zu kreieren, die genau dem möglichst ähnlich sind, was man eigentlich nicht mehr essen möchte. Womöglich schränkt der Versuch, Fleisch einfach durch ähnlich schmeckende Proteine zu ersetzen, sogar den Blick dafür ein, welch leckere und gesunde Gemüsearten, Hülsenfrüchte, Nüsse, vegetarische Brotaufstriche etc. es gibt.

Das Ziel nicht aus den Augen verlieren

Muss das mit dem pflanzlichen Fleischersatz also sein? Wir finden, die bedeutendere Frage ist: Muss der Streit wirklich sein?

Egal, ob man konsequent vegan lebt oder hin und wieder mal Bio-Fleisch isst, egal aus welchen Gründen man auf Fleisch verzichtet, egal, ob man den Fleisch-Geschmack vermisst oder sich davor ekelt und egal, ob man lieber vegane Wurst oder Paprika grillt: Das entscheidende ist doch letztlich, dass man sich überhaupt bewusster und nachhaltiger ernährt.

Denn im Vordergrund steht für die meisten von uns doch das Ziel: Mehr Umwelt- und Klimaschutz, weniger Tierleid. Und zu jedem Ziel führen bekanntlich viele Wege. Wer sich fleischarm oder fleischlos ernährt, leistet einen wichtigen Beitrag zu Umwelt-, Klima- und Tierschutz – und darum geht es doch, oder? Wie seht ihr das?

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(12) Kommentare

  1. Mehr Freiheit und weniger Indoktrinierung! Dann breitet eine vegane Lebensweise mehr Freude. Ueberlassen wir es dem Einzelnen, wie er – seinen Umständen entsprechend – die vegane Idee umsetzt. Nachdem überall vegane Gruppen entstehen, kann jeder seine Idee vorlebren und andere ggf. mitreissen, wenn es von innen kommt. Ich kenne Familien, bei denen die Kindern auf Fleichnahrung bestehen. Da lohnt sich m.E. sehr wohl, veganes Fleisch einzusetzen. Ich selbst verwende es hin und wieder bei nicht veganen Gästen, um ihnen Freude zu bereiten, um auf sie einzugehen -und regelmässig sind sie dann auch offener für meine Lebensweise und für rein vegane Varianten. Und selbst dann, wenn ein Veganer Seitan oder Tofu liebt: Wer sind wir, dass wir ihm diese Freude verderben sollten? Freuen wir uns mit ihm, dass er mithilft, das Leiden der Tiere zu verringern.