Vergewaltigungen auf Erdbeerplantagen: Reporter konfrontieren Firmenchefs

Foto: "strawberry pickers" von Noborder Network unter CC-BY-2.0

Letztes Jahr enthüllten Recherchen von Correctiv und Buzzfeed News schreckliche Bedingungen von Erntehelferinnen in Südspanien. Jetzt haben die Journalisten Vertreter beschuldigter Produzenten in Berlin zur Rede gestellt.

Das sogenannte „rote Gold“ aus der spanischen Region Huelva hat einen schrecklichen Preis. 2018 hat eine Reportage aufgedeckt, unter welchen Bedingungen Saisonarbeiterinnen auf den Erdbeerplantagen arbeiten müssen: Zu den Hungerlöhnen, für die Frauen aus Ländern wie Rumänien und Marokko pflücken, kommen Vorfälle wie sexuelle Belästigungen und Vergewaltigungen.

Ein beschuldigtes Unternehmen nahm an der Fruit Logistica teil

Wie Buzzfeed News berichtete, zog die Recherche der Journalistinnen über die Menschenrechtsverstöße landesweite Proteste und Anzeigen nach sich. Eine davon reichten Anwälte gegenüber dem Erdbeerproduzenten „Doñana 1998“ ein – Aldi Süd hatte dessen Produkte daraufhin aus dem Sortiment genommen.

Aktuell wird immer noch gegen das Unternehmen ermittelt. Trotzdem nahm es als einer von rund 3200 Ausstellern an der Fruit Logistica in Berlin teil, der größten internationalen Messe für Obst- und Gemüsehandel.

Die Reporter von Buzzfeed News wollten die Gelegenheit nutzen, um die Firma vor Ort mit den Vorwürfen zu konfrontieren: Zehn Erntehelferinnen hätten laut dem Portal die Aussage gemacht, von ihren Vorgesetzten sexuell belästigt, vergewaltigt oder zur Prostitution gedrängt worden zu sein oder nicht genügend Essen und medizinische Versorgung erhalten zu haben. Weitere 100 Frauen, die im Sommer 2018 Anzeige erstattet hätten, sollen zum Großteil entlassen und außer Landes gebracht worden sein.

Obwohl die Journalisten nach eigener Aussage eine Dreherlaubnis auf dem Gelände hatten, ist auf ihrer veröffentlichten Videoaufnahme deutlich zu sehen, dass man sie am Filmen beim Stand des Unternehmens hinderte. Manuel Matos, der Chef von „Doñana 1998“, wich konkreten Fragen der Reporter aus: Die Grundlage sei „eine Lüge, die nicht bestätigt und spekulativ ist“, sagte er. Laut Buzzfeed News habe eine Anwältin ihnen geschrieben, das Ermittlungsverfahren sei noch nicht abgeschlossen und eine Berichterstattung über die Vorwürfe vor Gericht nicht zugelassen worden.

Die Messe sei „neutral und nicht-politisch“

Erdbeeren Erdbeerzeit
Erdbeeren sollte man lieber regional kaufen. (Foto: CC0/Pixabay/maxmann)

Auch Rafael Domínguez Guillén, Vorsitzender des regionalen Erdbeerproduzenten-Verbandes „Freshuelva“, gab auf der Fruit Logistica keine Stellungnahme ab. Nur Jaime Zaforas, Pressesprecher der Vertriebsgenossenschaft „Fresón de Palos“ äußerte sich im Rahmen eines längeren Gesprächs. „Fresón de Palos“ bezieht Erdbeeren des Produzenten „Freserrano“, dieser wiederum gehört ebenfalls zu den beschuldigten Unternehmen.

Das Verfahren zu einem Vergewaltigungsfall wurde jedoch im Sommer 2018 eingestellt. „Ohne ein rechtskräftiges Urteil können wir diesen Zulieferer nicht ausschließen“, zitiert das Portal Zaforas – es gelte die Unschuldsvermutung. Die Genossenschaft toleriere keinen Missbrauch und sei an einer Aufklärung der Vorfälle interessiert.

Im Video-Interview kommt auch eine Sprecherin der Messe zu Wort: „Wenn es Unternehmen gibt, die gegen solche Vorgaben verstoßen, dann haben wir sicherlich auch Maßnahmen, sie von unserer Veranstaltung auszuschließen.“ Aber in erster Linie sei die Fruit Logistica eine „neutrale, nicht-politische Messe“.

Oxfam kritisierte die Zurückhaltung der Branche

Von dieser Zurückhaltung zeigt sich die Entwicklungsorganisation Oxfam, die das Video selbst bei Twitter teilte, enttäuscht: Aus ihrer Sicht sei es wichtig, dass die Fruit Logistica sich den Fragen von Arbeitsrechten in der internationalen Fruchtindustrie stärker widme, schreibt Frank Braßel von Oxfam gegenüber Buzzfeed News. „Gravierende Probleme, wie sie BuzzFeed in Spanien aufgedeckt hat, können nicht ignoriert werden. Hierzu muss die Branche – und von daher auch die Fruit Logistica – Position beziehen.“

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(1) Kommentar

  1. Es ist ganz einfach zum Kotzen! Was für billige, schäbige Ausreden!
    Wenn ich schon „es gelte die Unschuldsvermutung“ lese, wird mir schlecht.

    Wenn man mal bedenkt, dass sowohl Vergewaltigungen genau wie Kindesmissbräuche für die Opfer lebenslänglich bedeuten, dann ist es einfach unfassbar, dass die Täter immer wieder geschützt werden und wenn überhaupt verurteilt, dann ist es nichts im Vergleich zu dem, was sie ihren Opfern angetan haben, die für den Rest ihres Lebens unter ihren Erlebnissen zu leiden haben. Und zwar wirklich lebenslänglich und nicht nur lumpige 15 Jahre oder sowas.