Öko-Test Waschmittel: „Die meisten setzen fragwürdige Stoffe ein“

Foto: Ökotest; Colourbox.de

Waschmittel enthält oft viele problematische Inhaltsstoffe, warnt Öko-Test. Das Verbrauchermagazin hat 19 Waschmittel getestet, doch kein einziges ist „sehr gut“. Auch mit der Note „gut“ hat nur einziges Waschmittel abgeschnitten.

Das Ergebnis aus dem Praxistest lässt sich sehen: Die meisten Waschmittel konnten bei Öko-Test den Großteil der Test-Flecken gut entfernen. 15 typische Flecken haben die Experten auf fünf verschiedenen Stoffen getestet: Die Waschmittel mussten Rotwein, Gras, Lippenstift, Kartoffelbrei & Co. aus Baumwolle und verschiedenen Baumwoll-Polyester-Mischgeweben herauslösen. Besonders schwierig war das für die Test-Produkte bei Lippenstift, Kugelschreiber und Motoröl, während Rotwein und Gras kein Problem waren.

Doch wie kommt die durchweg gute Waschleistung zustande? „Die meisten Waschmittel setzen fragwürdige Stoffe ein“, schreibt Öko-Test und meint damit unter anderem Stoffe, die potenziell die Fruchtbarkeit schädigen können. Auch für die Umwelt sind die vielen Inhaltsstoffe oft bedenklich, da sie nur schwer biologisch abbaubar sind und sich in der Natur anreichern können.

Waschmittel-Testsieger bei Öko-Test

Nur ein einziges Waschmittel hat bei Öko-Test mit „gut“ abgeschnitten:

  • Das flüssige ökologische Ecover Waschmittel Universal ist Testsieger und überzeugt mit einem soliden Waschergebnis. Motoröl, Make-up und Lippenstift bereiten zwar auch ihm Probleme, doch der Spagat zwischen guter Waschleistung und kaum Problemstoffen gelingt hier am besten.
  • Der Testsieger enthält kein flüssiges Mikroplastik und auch keine optischen Aufheller, wohl aber den Duftstoff Geraniol. Dieser Stoff kann vereinzelt Allergien auslösen.

Kritik hat das Ecover Universal-Waschmittel aber wegen Schwächen bei der Deklaration bekommen. Öko-Test kritisiert unzureichende Dosierangaben und fehlende Angaben zum umweltfreundlichen Waschen. Das Ecover-Waschmittel kostet etwa doppelt so viel wie die günstigsten Alternativen im Test. Dafür enthalten die aber auch viele Problemstoffe.

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Waschmittel im Test: Problemstoff Bor entdeckt

Besonders häufig hat Öko-Test Borverbindungen im Waschmittel nachgewiesen. Sie stecken in nahezu jedem zweiten Produkt. Dabei sind sie alles andere als unbedenklich: Bor steht im Verdacht, die Fruchtbarkeit zu schädigen. Bei den hier verwendeten Konzentrationen gehe laut Öko-Test zwar keine Gefahr aus. Doch im Sinne eines vorbeugenden Verbraucherschutzes sollten die Hersteller auf Bor verzichten, fordern die Verbraucher-Experten.

Borverbindungen stecken zum Beispiel im Persil Universal Gel Vollwaschmittel sowie im Spee Aktiv Gel. In Letzterem steckt auch Methylisothiazolinon (MIT), das heftige Allergien auslösen kann. Aufgefallen ist das Allergen bereits in Spülmittel-Tests und Wandfarben-Tests. So musste zum Beispiel eine Schule geschlossen werden, nachdem die Wände mit einer Isothiazolinon-haltigen Farbe gestrichen wurden und Lehrer und Schüler über allergische Reaktionen geklagt hatten.

Kritische Duftstoffe und optische Aufheller im Waschmittel

Damit die Wäsche duftet, setzen alle Hersteller auf potenziell allergene Duftstoffe. Problematisch sind vor allem jene Stoffe, die ein besonders hohes Allergiepotenzial aufweisen. Dazu zählt unter anderem Lilial, das zum Beispiel im Ariel Strahlend Rein Universal steckt. Da nützt es auch nichts, dass Ariel eines der besten Waschergebnisse vorweist. Denn neben Lilial stecken auch optische Aufheller im Waschmittel.

Ein Problem, das zum Beispiel auch beim Lenor 2 in 1 Waschmittel Aprilfrisch sowie im Persil-Vollwaschmittel auftaucht. Optische Aufheller sollen weiße Kleidung strahlend weiß machen, gelangen aber über das Abwasser in die Umwelt und können sie stark belasten.

Besser sind dagegen die ökologischen Waschmittel: Nur im Testsieger Ecover sowie bei den Öko-Waschmitteln von Almawin und Frosch sind keine optischen Aufheller enthalten. Frosch entfernte im Test zwar hervorragend die Flecken, aber die Textilien blichen schnell aus. Als Duftstoff ist hier außerdem Citronellol enthalten, das bei Duftstoffallergikern für allergische Reaktionen sorgen kann.

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Mikroplastik im Waschmittel

Aus Kernseife kannst du ganz leicht dein eigenes Waschmittel herstellen.
Über die Waschmaschine kann Mikroplastik in die Umwelt gelangen. (Foto: CCO Public Domain / Pixabay / stevepb)

Eine Portion Plastik für die Wäsche: Zahlreiche Waschmittel enthalten flüssiges Mikroplastik. Öko-Test spricht hier zwar nicht von Mikroplastik, sondern von flüssigen Kunststoffverbindungen (mehr dazu hier: Was ist Mikroplastik? – Eine Definition). Doch auch diese zählen für Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace und BUND zu Mikroplastik – und wir von Utopia schließen uns dem an.

Der Hintergrund: Ob wasserlöslich oder nicht – Kunststoffverbindungen sind in beiden Fällen biologisch nur schwer abbaubar. Da die Kläranlagen die Kunststoffe kaum herausfiltern können, landen sie in der Natur. Öko-Test weist auch darauf hin, dass die Stoffe als Klärschlamm auf Felder und so in Lebensmittel gelangen können. Diese Art der Düngung wurde 2017 stark eingeschränkt, ist aber immer noch erlaubt. Die Experten erklären, dass Kunststoffverbindungen in Waschmitteln für weniger Schaum sorgen sollen oder dass sie verhindern sollen, dass sich gelöster Schmutz wieder an der Kleidung festsetzt. Aber es geht auch wunderbar ohne Kunststoffe, wie der Testsieger Ecover zeigt.

Tipp: Du fragst dich, warum du auf den Verpackungen kaum kritische Inhaltsstoffe siehst? Die Hersteller müssen die Inhaltsstoffe nicht auf Waschmittel-Verpackungen abdrucken, sondern nur im Internet veröffentlichen. Du musst dich also vor dem Kauf informieren und kannst nicht im Geschäft zwei Packungen direkt vergleichen.

Alle Details findest du in der Ausgabe 07/2020 von Öko-Test sowie online auf www.ökotest.de.

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